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Mike Rumpf

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Alle Inhalte von Mike Rumpf

  1. Ein paar weitere Anmerkungen: Ich glaube, die wenigsten hier besitzen musiktheoretisches Wissen. Der ein oder andere studiert Musikwissenschaften. Aber das, was auf den nationalen und internationalen Filmmusik-Seiten zu lesen ist, hat mit "Analyse" nach musiktheoretischen Aspekten nichts zu tun, meine Seite natürlich eingeschlossen. Die Perpsektive des Musiktheoretikers wäre in vielen Fällen wohl noch verhämter, nur absolute Musik durchgehen lassend. Jeder darf hören und kaufen, was er will. Auch so einen "Schrott" wie von Hans Zimmer. Halt Stopp. Ich kenne gar keine Musik Hans Zimmers, die ich als Schrott bezeichnen würde. Vieles ist mäßig und schwach. Aber Schrott? Hmm, eigentlich weniger aus meiner Sicht. Grundsätzlich empfinde ich dennoch als schade, wenn jemand sich nicht die Mühe macht mit einem Thema auseinander zu setzen und nur an der Oberfläche zu kratzen. Es gibt so viel tolle und grandiose Musik ganz unterschiedlicher Stilrichtungen, die nur darauf wartet entdeckt zu werten. Aber viele sind mit ihrem Zimmer zufrieden. Das ist natürlich legitim. Aber für die so "unentdeckten" Komponisten, die so viel Herzblut in ihre Kompositionen gesteckt haben, empfinde ich es als als traurig, dass sich so wenige noch die Mühe machen, sich einzuhören. In dieser Aussage geht es übrigens nicht darum, was ich nun gerade für toll oder grandios halte, sondern um die vielfältige Musiklandschaft, in der eigentlich für jeden etwas dabei ist. Aber dank des Blockbuster-Hypes bleibt es bei vielen allein bei Zimmer & Co. Und das ist für mich doch irgendwie schade. Mike
  2. Puh, eine Zimmer-Diskussion, wie originell ;-) Ein paar Gedanken zu dem Thema von mir (der übrigens den Link zur Illuminati-Kritik ursprünglich fürs cinemusic-Forum ausgegraben hat...): Austauschbare Filmmusik-Stücke findet man natürlich bei allen Komponisten, ob sie nun Herrmann, Goldsmith, Williams, Horner oder Zimmer heißen. Dies mag mal durch die Wünsche der Produzenten bedingt sein und mal daran liegen, dass ähnliche filmische Vorgaben auch ähnliche filmmusikalische Lösungen verlangen. Beispielsweise wird man eine Liebesszene oder eine Action-Sequenz nur bedingt vielfältig vertonen können. Gleichermaßen finden sich bei allen Filmkomponisten immer wieder auch Selbst- und Fremdzitate. Und diese These lässt sich auch auf die Klassik übertragen, z.B. hat Beethoven Jahrzehnte vor der Neunten eine Chorfantasie geschrieben, die quasi die Ode an die Freude vorwegnimmt. Das Überraschende: Darum geht es gar nicht. Entscheidend ist, was ein Komponist im Kontext der gesamten Komposition macht. Wenn ein Komponist beispielsweise ein Thema zitiert, muss er ja nicht zwangsläufig auch die Orchestrierung, Tempi und Tonart 1 zu 1 übernehmen. Und sicher zwingt ihn auch niemand dazu, ein Thema oder Motiv über Jahrzehnte hinweg immer wieder erneut aufzugreifen. Und er muss auch nicht immer auf das selbe Vertonungskonzept zurückgreifen. Da trennt sich eben doch die Spreu vom Weizen. Mancher Komponist ist eben stilistisch vielseitiger oder thematisch inspirierter als ein anderer. Die Filmmusik-Ästhetik hat sich in den letzten 20 Jahren komplett verändert und dies ist sicher auch ein Grund, warum sich so viele Debatten um Media Ventures & Co. entzünden. Ist Hans Zimmer aber wirklich verantwortlich oder gar Schuld an dieser Entwicklung? Zumindest war bzw. ist er maßgeblich an ihr beteiligt. Letztlich dürfte es aber die Weiterentwicklung der Computertechnologien sein, die andere Arbeitsweisen bei der Erzeugung von Filmmusik begünstigt hat. Mit dem Computer lassen sich im Vergleich doch schnellere Vertonungslösungen erzeugen als mit Bleistift und Papier. Nicht zu unterschätzen natürlich auch die Möglichkeit, dem Regisseur frühzeitig einen Eindruck von der Musik anhand von synthetischen Demos geben zu können. Eine in nur wenigen Tagen entstandene Musik wie die zum Fluch der Karibik wäre wohl ohne Computer kaum denkbar gewesen. Zeitdruck gab es zwar auch schon im Golden Age, aber so schlimm dürfte es selbst damals nicht gewesen sein. Was ist nun eigentlich das Problem mit Hans Zimmer/Media Ventures/Remote Control? Ist diese Musik der Untergang des Abendlandes bzw. eine immer weiter fortschreitende Verflachung der Filmmusik, wie hier von Sebastian beklagt? Dem kann man wohl entgegenhalten, dass es z.B. in den 60ern zahllose blasse Easy Listening-Musiken gab und auch die 80er voll von heute altbackenen elektronischen Filmmusiken sind. Schlechte Filmmusik gab es immer und wird es auch immer geben. Bei der Anzahl der pro Jahr weltweit produzierten Filme ist das ja auch nicht weiter verwunderlich. Bei Zimmer muss man wohl zunächst einmal unterscheiden. Man kann ihn sicher nicht allein nur auf seine Action-Musiken reduzieren. Allerdings waren diese Arbeiten bei ihm besonders stilbildend und einflussreich. (Mir gefällt der intime Zimmer von The Thin Red Line, Nine Months, As good as it gets und Beyond Rangoon übrigens auch mehr als der Zimmer des hymnenartigen Action-Bombasts.). Und da sind wir dann auch schon beim springenden Punkt: Die von Hans Zimmer mit begründete Filmmusik-Ästhetik bestimmt mittlerweile 70-80% der Hollywood-Sinfonik. Hier kann man sicher nicht pauschal, aber doch in großen Teilen von einem gewissen Einheitssound feststellen. Die Vermischung von Musik und Sound Design, aber auch den Hang zu Klangkollagen und Pop-Rhythmik (und da spielt es kaum eine Rolle, ob nun wie meist Klangsynthetik eingesetzt wird oder nicht) findet immer größere Verbreitung, wird Filmen ganz unterschiedlicher Genres übergestülpt. Es ist deshalb sicher nicht falsch, wenn man davon spricht, dass hier immer mehr die stilistische Vielfalt in der Filmmusik verloren geht. Daran ist Hans Zimmer natürlich nur in Teilen Schuld, aber es ändert nichts am grundsätzlichen Trend. Mögen darf man letztlich alles. Ich für meinen Teilen habe an so mancher Zimmer-Musik meinen Spaß, mag z.B. den Fluch der Karibik 2 gerne und höre Musiken wie Prince of Egypt, Beyond Rangoon, Das Geisterhaus, Spanglish, Nine Months & As good as it gets gerne. Hassen tue ich Hans Zimmer also garantiert nicht. Ich würde mal mit Essen vergleichen: Hans Zimmer ist für mich der Big Mäc, der mir mitunter auch mal ganz gut schmeckt, aber eben kein Gourmet-Menü ist und auch nicht dessen Nährwert besitzt. Insofern nehme ich die hier stattfindenden "Grabenkämpfe" doch sehr gelassen. Die Frage ist letztlich auch, in weit man bereit ist, sich auf das Themengebiet Filmmusik über die Blockbuster der letzten Jahre hinaus einzulassen und auch mal in der großen Welt der Klassik stöbern geht. Wer das tut, für den wird sich sicher früher oder später die Einschätzung des Schaffens von Hans Zimmer und andere Komponisten ein gutes Stückchen relativieren. Tut man dies nicht, und auch das ist legitim - es wird ja niemand gezwungen - darf man natürlich an Zimmer & Co. großen Spaß haben. Man sollte dann aber auch so fair sein, zuzugeben, dass man sich beim Thema Filmmusik eben nicht so gut auskennt. Das schränkt zwangsläufig - und das meine ich nicht herabwürdigend - die Fähigkeit über das Thema zu Diskutieren und Argumentieren ein. Ist ja auch nichts Schlimmes. Was ich aber immer wieder beobachte, ist dass jeder der zehn Filmmusiken gehört hat, gleich im Brustton der Überzeugung von genialistischen Meisterwerken spricht und bei jedem Widerspruch eingeschnappt den Beleidigten spielt. Viele Grüße, Mike
  3. Gergiev ist ein toller Dirigent, dessen Einspielungen ich sehr mag. Die Sheherazade von ihm ist ein Traum.
  4. Gergiev ist ein toller Dirigent, dessen Einspielungen ich sehr mag. Die Sheherazade von ihm ist ein Traum.
  5. Gergiev ist ein toller Dirigent, dessen Einspielungen ich sehr mag. Die Sheherazade von ihm ist ein Traum.
  6. Et Après empfinde ich auch als sehr belanglos. Für mich ist das eine Musik, die viel zu sehr im Schatten von Benjamin Button steht, allerdings sowohl in der Instrumentierung als auch den thematischen Einfällen deutlich schwächer ist. Das Hauptthema hat mich übrigens doch sehr an Lust, Caution erinnert. L'ennemi Intime halte ich zwar für besser, aber auch abseits des tollen Hauptthemas für viel zu monoton und atmosphärisch geraten. Sicher keine uninteressante Musik, die im Film sehr gut funktionieren wird, aber auf CD hat sie doch so ihre Durchhänger.
  7. Ich möchte mich auch von einigen limitierten CDs trennen: Gebraucht, aber neuwertig: - Hercules (Pino Donaggio) - I have never forgotten you (Lee Holdridge) - Malone (David Newman) - The Explorers - A Century of Discovery (Lee Holdridge) - The Prodigal (Bruce Broughton) - Last Flight Out (Bruce Broughton) Noch eingeschweisst: - F.I.S.T. (Bill Conti) Es handelt sich jeweils um die Intrada bzw. Varese Club-CDs. Bitte Angebote an mich senden. Viele Grüße, Mike
  8. Eine schon ziemlich blasse Musik, sehr viel atmosphärisches Underscoring. 1-2 nette Klavierstücke zu Beginn und am Ende der CD. Ich kenne nun die Swing Kids nicht, aber wenn selbst das Hauptthema altbekannt ist, neigt der Repertoirewert der neuen Horner-Musik gegen Null. Im Film kann ich mir die Vertonung aber durchaus sehr effektvoll vorstellen. Vor dem Film graut mir etwas. Das (IMHO tolle) Buch lebt z.T. davon, dass man gerade am Dinge am Anfang nur erahnt bzw. nicht weiß, worum es überhaupt geht. Zum anderen ist das Buch auch als Fabel konzipiert, hat also keinen Anspruch auf 100% Realitätsnähe. Filmisch ist das alles IMHO kaum zu lösen. Aber ich lasse mich gern eines anderen belehren.
  9. Ich möchte mir Dir an dieser Stelle gar nicht streiten, was nun bei Fdk3 als Actionstück anzurechnen ist oder nicht bzw. wie viel Actionmusik nun wirklich enthalten ist. Nur so viel: Ich habe ja oben selber geschrieben, dass es falsch wäre, die Musik als reines Actionfeuerwerk zu bezeichnen - auch wenn durchaus sehr viel typische Actionpassagen vorhanden sind. Stück 11 ist ja mit 11 Minuten bereits 1/5 der CD. Das sollte man nicht vergessen. Aber es geht auch schon bei der Piratenhymne in Track 1 los: Dem langsamen Beginn folgt sofort die altbekannte Zimmer-typische Actionrhythmik, was Du übrigens einfach mal so unterschlägst. Das Stück ist übrigens typisch für Zimmers Arbeitsweise - die verschiedenen Stile werden fast in Suitenform nebeneinander gestellt; es gibt kaum eine echte Entwicklung. Liegt vielleicht auch daran, dass immer unterschiedliche Leute an einer Szene arbeiten. Das fällt übrigens auch bei den langen Stücken von 7-10 Minuten auf, bei denen es durchaus mal sehr hübsche Passagen gibt, dann aber ohne Zusammenhang etwas stilistisch völlig anderes kommt. Das neue Thema halte ich für nicht so wichtig. Es erinnert mich ein wenig an Horners Titanic und ist mir offen gestanden auch nicht so im Ohr hängen geblieben. In meiner CD-Kritik habe ich es damals aber zumindest erwähnt. Worum es mir im Wesentlichen ging, ist dass die hübschen Ansätze im ganzen Einerlei aus Bombast, Hymnen und Action- und Spannungspassagen komplett untergehen, mitunter sogar ihrer möglichen Wirkung beraubt werden. Dabei ist der Umgang mit alten Themen durchaus nett und macht z.T. Spaß. Mir ist die Musik insgesamt auch zu überproduziert, jedes Arrangement wird gleich ins Laute, Bombastische mitunter hektische gezogen. Dieses ständige Arbeiten mit tiefen Bässen, wummernden Klangflächen wirkt auf die Dauer doch sehr monoton. Für mich hat Williams u.a. auch in Munich eine ganz andere Ökonomie und Sutilität im Umgang mit dem Orchester. Das mag auf diejenigen, die nur aus der Zimmer-Welt kommen, erst einmal langweilig oder öde wirken. Übrigens ist die Israelische Nationalhymne für mich nicht DAS Highlight der Komposition, sondern einfach ein schönes Arrangement, das zu den Highlights der CD gehört, wobei dies natürlich keine Eigenkomposition, sondern nur ein Arrangement ist. Mike
  10. Ich möchte meinen Beitrag von gestern noch um ein paar Gedanken ergänzen: Wenn ich bei FdK3 von der Aneinanderreihung lauter Actionstücke spreche, meine ich damit nicht, dass das pauschal schlecht ist, sondern mich stört der grundsätzliche Mangel an einer musikalischen Dramaturgie, wie er in der Filmmusik derzeit häufiger anzutreffen ist. Das liegt natürlich auch an den zugrundeliegenden Filmen, die von sich aus schon wenig Raum für Ruhepunkte und musikalische Entwicklung lassen. Wenn der Film z.B. eine Actionszene an die nächste reiht, muss die Musik zwangsläufig folgen. Das sind natürlich nicht immer leichte Bedingungen für einen Filmkomponisten. Aber die besten ihres Faches haben es seit jeher verstanden, den schwierigen Spagat zwischen Erfordernissen des Filmes, Termindruck, den Wünschen von Produzenten/Regisseur und den musikalischen Ansprüchen einer autonom funktionierenden Komposition zu vollbringen. Und das selbstverständlich unter nicht immer einfachen Rahmenbedingungen. Auch im vielbeschworenen Golden Age war die Arbeit eines Filmkomponisten in dieser Hinsicht alles andere als paradiesisch. Die Kunst eines guten Filmkomponisten ist es neben der reinen Filmdienlichkeit u.a., eine homogene Komposition zu schaffen, in der Themen und Motive miteinander verflochten und vor allem entwickelt werden - nicht nur eine mehr oder weniger lose Aneinanderreihung von Einzelstücken, die Szenen zwar angemessen begleiten, aber kaum einen übergeordneten Zusammenhang ergeben. Man denke nur an Bernard Herrmann, dessen Arbeiten meist aus unzähligen kurzen Einzelstücken bestehen, die zusammengefügt aber einen wunderbaren, erstaunlich bruchlosen Musikfluss ergeben. Ganz aktuell kann man das z.B. an der tollen "The Kentuckian"-Musik nachvollziehen. Viele Actionmusiken folgen dieser Tage einer brachialen Überwältigungsstrategie, die keinen Raum mehr lässt für Nuancen, Subtilitäten, sondern durch pure Lautstärke (es ist kein Zufall, dass Zimmer seine Musiken gerne mit einen wummernden synthetischen Bassfundament unterlegt bzw. eine dem Pop/Techno nahe Rhythmik in den Actionsequenzen einsetzt) den Hörer geradezu erschlagen. Da muss es stets das große Orchester mit großem Chor sein - als wenn dieser Umstand alleine für Qualität bürgt. Es wäre sicher falsch zu sagen, dass Fdk3 ausschließlich aus einem reinen Actionfeuerwerk besteht. Die Musik macht durchaus Spaß, wenn Zimmer mit seinen Themen arbeitet. Doch diese netten Ansätze gehen im Verlauf der Musik immer stärker im Einerlei der montonen und überlangen Actionpiecen unter. Da ist William auch im für ihn nicht besonders herausragenden Munich m.E. variabler und ökonomischer und nicht zuletzt stilsicherer im Umgang mit dem Orchester. Mike PS: Man verzeihe mir bitte, dass ich nicht musikwissenschaftlich argumentieren kann. Ich meine dennoch, dass man die qualitativen Unterschiede durchaus erkennen und benennen kann.
  11. Ich finde auch, dass die FdK-Musiken dem Film sehr angmessene Vertonungen sind, da wäre ein klassischer Swashbuckler à là Korngold wohl auch weniger passend. Der Vergleich der Musik des dritten Teils mit der zu Munich ist natürlich nicht unproblematisch: Zwei Filme völlig unterschiedlicher Genres. Der eine Abenteuerfilm an der Grenze zur Parodie, der andere eine Mischung aus Geschichtsdrama und Thriller. Wenn ich auf meine eigenen Kritiken Bezug nehmen darf: Bei Munich habe ich zwischen 3,5 und 4 Sternen geschwankt, bei FdK3 zwischen 2,5 und 3. Insofern liegen beide Musiken wertungsmässig gar nicht so weit auseinander, wie man zunächst denken könnte. Was Munich für mich über Fdk3 stellt, ist die geschickte Konzeption, die die beiden Filmebenen - einerseits das intime Drama zum anderen die Actionsequenzen - spiegelt. Gerade im musikalischen Wechsel von ruhigen, elegischen Stücken und den perkussiven Spannungssequenzen erzeugt für mich spannende Kontraste. Dahinter verbirgt sich eine Musikdramaturgie, die man so bei Zimmer selten vorfindet und sicher nicht - wenn es der Vergleich denn sein soll - bei FdK3. Es stimmt schon: Munich ist ein routinierter Williams-Score, der was die Verarbeitung der Themen angeht, nicht mit dem besten Williams-Musiken mithalten kann. Wenn man so will, sind in dieser Hinsicht beide Musiken etwa gleich auf, wobei mir die Klangwirkungen und die Eleganz der Williams-Musik noch ein deutliches Stückchen besser gefallen. Was mir bei Fdk3 fehlt, sind markante neue Themen. Die Piratenhymne empfinde ich als ganz nett, aber auch nicht mehr. Dafür hat Williams 1-2 schöne Themen im Gepäck, die mir sehr gefallen. Das ist natürlich eine subjektive Note, die aber - und das empfinde ich auch als volllkommen legitim - durchaus die Kritik beeinflussen darf. Die grosse Schwäche der Zimmer-Musik ist für mich in erster Linie der Mangel an Subtilität (die der Film auch nicht verlangt, aber wir hören die Musik ja nunmal auf CD ohne Bilder), die Aneinanderreihung von lauten Actionstücken. Auch das asiatische Idiom und das Morricone-Zitat besitzt kaum Pfiff oder Raffinesse, es bleibt beim simplen Stilzitat. Auch hier der Vergleich: Das elegante Arrangement der Israelischen Nationalhymne gehört bei Williams zu den Höhepunkten der CD. Mike
  12. Die Länge einzelner Tracks ist doch vollkommen unerheblich. Es kommt immer auf die Qualität. Man denke z.B. nur an Bernard Herrmanns Filmmusiken mit zum Teil 40-60 einzelnen Stücken, meist kürzer als 2 Minuten lang. Seine Kompositionen sind dennoch kohärent und gehören zu den besten der Filmmusikgeschichte. Dann wiederum gibt es Komponisten, die auch in 10-15 minutenlangen Stücken nix zu sagen haben und nur Klangbrei erzeugen.
  13. Wobei hier ja nicht zwangsläufig alle den selben Bewertungsmaßstab besitzen müssen, oder? Die 1..x Punkte/Sterne kann man doch sehr beliebig aufteilen.Wenn man sich nicht auf eine einheitliche Sichtweise einigt, lässt sich schwer vergleichen. Insofern wird mir bei den hohen Bewertungen für manche blasse bis nette Musik eigentlich auch nicht schwindlig. Die subjektive Empfindung entscheidet natürlich darüber, welche Musiken gehört und gekauft bzw. verkauft werden. Insofern ist sie natürlich sehr wichtig. Ich wehre mich nur vehement dagegen, dass die Bewertung einer Musik allein subjektiv sein soll. Wenn dem so wäre, bräuchte man keine Musikwissenschaften, weil alles beliebig weil subjektiv wäre. Dieter Bohlen neben Beethoven - kein Problem, wenn es der subjektive Geschmack hergibt. Paradoxerweise herrscht ja bei den meisten hier, die so stark für das rein Subjektive eintreten, allgemeiner Konsens darüber, dass Popmusik à là Dieter Bohlen niedere Kunst ist. Doch woher kommt diese Sicherheit, wenn doch alles subjektiv empfunden ist? Wo wird da die Grenze gezogen und woran festgemacht?
  14. Die Soundqualität ist völlig okay. Die alte CD ist auch lohnenswert, wenn man die Doppel-CD nicht mehr bekommen sollte.
  15. Es gibt mittlerweile zahllose erstklassige Golden Age-Neuaufnahmen. Es gibt zwar immer wieder Diskussionen um Details einzelner Einspielungen, Aufnahmetechnik etc. - das dürfte gerade für den Einsteiger aber meist erst einmal weniger relevant sein. Erstaunlich ist unterm Strich, wie wenige wirklich schlechte, nicht kaufenswerte Aufnahmen es gibt. Deshalb mal als grobe Leitlinie. Hervorragend sind - alle Morgan/Stromberg-Einspielungen unter Marco Polo und seit kurzem ihrem eigenen Label Tribute Film Classics. Die Marco Polo-CDs sind alle editorisch hochwertig mit dickem Booklet und liebevollen Einspielungen. Sie sind alle später mit kleinerem Booklet, dafür aber günstiger, bei Naxos wiederveröffentlicht worden. Es lohnt sich daher in jedem Fall, nach den Erstauflagen (Marco Polo) Ausschau zu halten. Die meisten CDs werden derzeit noch recht günstig angeboten (für circa 7,99) - mit wenigen Ausnahmen ist die "Chandos Film Classics"-Reihe auf ähnlich hohem Niveau, manchmal sogar besser. Meist unter Rumon Gamba eingespielt, widmen die CDs sich einzelnen Komponisten, von denen i.d.R. ausführliche Suiten präsentiert werden. - die Varèse Neueinspielungen der 90er Jahre sind ebenfalls fast immer mustergültig, auch wenn es leider immer wieder editorische Schwächen gibt (maues Booklet, nicht gerade üppig befüllte CDs etc.). Dennoch sind hier einige meiner liebsten Neueinspielungen erschienen. - immer noch der Klassiker schlechthin sind die Charles Gerhardt-Einspielungen der 70er Jahre mit dem National Philharmonic Orchestra unter RCA. Leider sind momentan nicht alle CDs günstig zu haben. Hier gilt zugreifen, wenn man etwas zwischen die Finger kriegt. Das sind immer noch in vielen Fällen Referenzaufnahmen in Sachen Golden Age, klangtechnisch wie von der Einspielung her. - die in diesem Thread angesprochene Excalibur-Reihe von Intrada gehört auch zu den Highlights, wobei gerade die jüngste Rozsa-Spellbound-CD sehr umstritten ist. Ich mag sie trotzdem, aber das ist wohl auch Geschmackssache. Dann gibt es natürlich immer einzelne Initiativen, wie die Koch Classics Neueinspielungen der 90er, die ebenfalls einige sehr schöne CDs (Rozsa/Herrmann) hervorgebracht hat. Und wovor muss man warnen? - einen eher schlechten Ruf genießen die Adriano-Einspielungen unter Marco Polo aus den frühen 90ern. Später hat sich Adriano aber deutlich gebessert, die Georges Auric-CDs und die "The Fall of Berlin"-CD von Shostakovich CDs lohnen durchaus den Kauf. - Bei den Silva Screen-Einspielungen muss man zum Teil sehr vorsichtig sein. Die Qualität ist sehr sehr durchwachsen. Gerade bei spieltechnisch schwierigeren Werken haben die Prager Philharmoniker so ihre Probleme. Aber auch hier hat sich vieles gebessert. Die Tadlow-CDs der letzten Jahre und die spieltechnisch einfachen Barry-CDs kann man sich sorglos zulegen. Im Prinzip kann man also nicht allzuviel verkehrt machen. Michael Boldhaus hat unter Filmmusik auf Cinemusic.de so ziemlich alles in punkto Golden Age vorgestellt, was in den letzten 10-15 Jahren erschienen ist. Im Zweifelsfall unbedingt dort reinschauen. Es ist gar nicht so einfach, Einsteiger-Empfehlungen auszugeben. Die Filmmusiken des Golden Age klingen anders als Filmmusiken heute. Man muss sich schon ein bisschen einhören und auch etwas Zeit lassen. Gerade am Anfang sind es Filmmusiken, die man nicht auf die Schnelle für sich entdeckt. Aber nur Mut. Es lohnt sich. Ein paar CDs, die mich sehr schnell begeistert könnten, möchte ich aber doch empfehlen: - Miklos Rozsa - El Cid (New Zealand Symphony Orchestra, Sedares) Koch - E.W. Korngold - The Sea Hawk (Moscow Symphony Orchestra, Stromberg) Naxos - Max Steiner - The Treasure of the Sierra Madre (Moscow Symphony Orchestra, Stromberg) Marco Polo/Naxos - Franz Waxman - Peyton Place (Royal Scottisch National Orchestra, McNeely) Varèse - Bernard Herrmann - The 3 Worlds of Gulliver (Royal Scottisch National Orchestra, McNeely) Varèse Das sind sehr eingängige Filmmusiken, bei denen es zumindest bei mir nicht so viel Einhörarbeit brauchte. Viele Grüsse, Mike
  16. Leider ist nur die Zusammenarbeit zwischen Morgan/Stromberg und Naxos beendet. Da wird nichts mehr kommen. Höchstens auf ihrem eigenen neuen Label.
  17. Die Oscar-Nominierungen sind dieses Jahr, so denke ich, etwas vorhersehbarer als zuletzt. Momentan würde ich auf folgende Musiken tippen: - Lust, Caution (Alexandre Desplat) - The Kite Runner (Alberto Iglesias) - Atonement (Dario Marianelli) - Eastern Promises (Howard Shore) - Ratatouille (Michael Giacchino) evtl. auch Beloved Jane (Adrian Johnston) im weiteren Kreis. Gruß, Mike
  18. Elfman arbeitet ja nun hauptsächlich entweder rein sinfonisch oder mischt mit Synthetik. Ein rein elektronischer Score ist für ihn schon ungewöhnlich. Gerade die rhythmische Gestaltung ist bei The Kingdom sehr viel weniger komplex als beispielsweise bei Planet of the Apes. Mag sein, dass der ein oder andere "Synth-Effekt" schon mal von Elfman verwendet wurde. Eine erkennbare Handschrift würde ich daraus aber nicht ableiten, da mittlerweile einfach zu viele Komponisten Elfman kopieren und eine ganz ähnliche Klangsprache verwenden. Da hört man in meinen Ohren wirklich nicht mehr raus, ob es Elfman war oder nicht. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, dass diese Musik von ihm ist wenn es nicht draufstünde. Und ich denke, so wird es den meisten hier gehen. Eine typische, charakteristische Elfman-Musik ist das nun wahrlich nicht. Und selbst das wäre ja durchaus positiv, wenn diese ewig gleichen perkussiven Rhythmus-getriebenen Actionmusiken nicht jeden Action- und Suspensefilm dieser Tage zukleistern würden.
  19. Habe ich die gleiche Musik gehört? Ich höre Elfman bei dieser Arbeit in keinem Takt heraus, mal ganz abgesehen davon, dass sich die Drumbeats nun wirklich sehr stark an HGW und John Powell orientieren. Welche Elfman-Musik käme denn da als Anlehnung in Frage? Für mich zusammen mit Ottmans Invasion ohnehin eine der Filmmusik-Gurken des Jahres. Kaum anhörbar. Gruß, Mike
  20. Sollte jetzt funktionieren. Danke Dir für den Hinweis :-)
  21. Die Länge der Texte hat bei Filmmusik 2000 drei Gründe: Zum einen lassen sich nicht zu jeder CD seitenlange Texte schreiben ohne in (belangloses) Geschwafel auszuarten. Was will man denn wirklich noch zu Danny Elfmans The Kingdom mehr schreiben? Zum anderen ist es tatsächlich - wie hier schon vermutet Teil des Konzeptes des Magazins, kurz und (hoffentlich) prägnant Filmmusiken vorzustellen. Dem ungeachtet empfinde ich Michaels Sea Hawk-Kritik bei cinemusic auch in der Ausführlichkeit großartig. Ich habe die Doppel-CD ebenfalls hier liegen, wüsste aber zur Zeit kaum, was man dem noch hinzufügen könnte. Ein Wort noch zur Aktualisierungsrate (z.B. bei der Filmmusik-Welt): Es ist vor allem ein Zeitproblem. Jeder hat Job, Studium, Schule und auch ein Privatleben, die Priorität genießen. Da kommt die Filmmusik zwangsläufig mitunter zu kurz. Das kann kaum anders sein. Grundsätzlich an alle daher die Frage (ohne konkrete Absicht dahinter): Wäret ihr theoretisch bereit für eines der Magazine pro Monat ein paar Euro zu zahlen, wenn der Inhalt vergrößert und regelmäßiger aktualisiert würde? Oder muss alles im Internet zwangsläufig kostenlos sein? Aber keine Angst: Solange ich noch Zeit & Lust finde und einen Broterwerb habe, plane ich nicht Filmmusik 2000 zu kommerzialisieren. Viele Grüße, Mike (Filmmusik 2000)
  22. Vielleicht muss man, um die Diskussion zu beleben, einfach mal eine andere Perspektive einnehmen, um einer Einschätzung der MV bzw. RCP-Kompositionsstile näher zu kommen. Machen wir uns doch nichts vor. Das Film- und damit auch das Filmmusik-Geschäft ist in Hollywood ein knallharter Business, in dem es weniger um die Kunst als um das Geldverdienen bzw. -scheffeln geht. Davon sind alle Filmkomponisten ausnahmslos betroffen, auch wenn sich hier und da Lücken auftun, in denen es möglich ist freier und kreativer zu arbeiten. Gerade aber im Actiongenre, aus dem vielleicht 2/3 aller RCP/MV-Produktionen entstammen, ist das finanzielle Risiko durch die hohen Filmbudgets besonders hoch. Deshalb darf auch die Filmmusik möglichst wenig Risiken eingehen, sondern muss möglichst den kleinsten gemeinsamen Geschmacksnenner vieler Kinogänger treffen. Und das wirkt sich zwangsläufig auf die Qualität der Kompositionen, die entstehen, aus. Ich meine das übrigens nicht pauschal (Ausnahmen gibt es immer), aber doch als eindeutig feststellbaren Trend (der nicht nur auf Zimmer & Co. zutrifft). Hans Zimmer hat - und das ist vielleicht seine größte Errungenschaft - eine professionelle, moderne Produktionswerkstatt für Filmmusik geschaffen, die zahlreiche junge Talente gefördert hat. Es geht hier um funktionsfähige, schnell produzierte Musik, die zu einem Film passt. Und da kommt dem Computer als Werkzeug eine große Bedeutung zu. Ein Computer begünstigt aber leider das Arbeiten mit Schablonen, die leicht abgewandelt per Cut & Paste wiederverwendet werden. Nirgends wird das so deutlich wie bei den Musiken die im B-Film-Bereich von MV-Komponisten betreut werden. Für mich hat das sehr viel mit Kunstgewerbe zu tun, das hier und da nette Ergebnisse produziert, aber letztlich doch wenig nachhaltig ist.
  23. Der angeblich "hohle nicht enden wollende Bombast" war immer wieder einer der zentralen Vorwürfe gegenüber dieser Doyle-Musik. Dabei irritiert mich dieser Vorwurf auch 13 Jahre nach dem Filmstart noch etwas. Zum einen weil die Musik nun wahrlich nicht nur Action- oder Horrorstücke aneinander reiht, sondern immer wieder auch breit ausschwingende Melodiebögen (nicht nur das "Wedding Night"-Thema), kleine Scherzi (z.B. Track 3) etc. bereithält. Ich habe die Musik gerade mal wieder seit langer Zeit im CD-Player (ich war mir nicht mehr ganz sicher, ob mich damals meine Doyle-Vorliebe etwas geblendet hat oder nicht) und empfinde die Komposition als sehr liebevoll durchkomponiert, mit zahlreichen schönen thematischen Einfällen. Von durchgehendem Bombast kann gar keine Rede sein. Wenn man da mal mit aktuellen Sachen wie X-Men 3, Arsene Lupine, Die Hard 4 etc. (viel mehr Blendwerk in meinen Augen) vergleicht, ist Doyles Musik geradezu feinfühlig und subtil. 4-4,5 Sterne würde ich hier durchaus vergeben.
  24. The Holiday ist meiner Meinung nach doch ein etwas seichter, zuckersüßer Komödien-Score. Den Pfiff von Tricks & Matchstick Men (die ich durchaus mag) hat das Ganze nicht. Irgendwie wirkt die Musik auf mich sehr kalkuliert, krampfhaft romantisch. Als gefälliges Easy Listening für nebenbei ist das okay, ansonsten aber doch für mich eher entbehrlich. Ich würde 2 - 2,5 Sterne (von 6) nach dem ersten Höreindruck vergeben. Im direkten Vergleich ist Andrea Guerras "Pursuit of Happiness" ein Stückchen gelungener.
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