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Alle Inhalte von Sebastian Schwittay
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Musikalischer Abfall und Aufstieg
Sebastian Schwittay antwortete auf Mistermaffays Thema in Filmmusik Diskussion
Wundert mich! Allein der arythmisch anmutende Beginn von "Traffic Jam" und der Übergang zum operatischen Bösewichttema ab 0:18 ist doch schon ultra kunstvoll gestaltet. Und "Copter Chase": abgesehen davon, dass ein durchgehender 7/8 nicht unbedingt Standard fürs 2000er-Actionscoring war, ist der Track ja auch unglaublich akademisch-formalistisch gestaltet mit seinen (absteigenden) Terrassen-förmigen Strukturen. Dazu kommt die Beltrami-typisch modernistische Orchestrierung, der ziemlich solide Kontrapunkt und eine - das muss man schon sagen - ziemlich radikal anmutende "Mechanik" des Satzes, der wirklich alles Menschliche ausgetrieben zu sein scheint. Ein hysterisches Perpetuum mobile, könnte man sagen, und eine schöne Fortführung seiner Maschinenmusik aus TERMINATOR 3 oder HELLBOY ("Fireproof"). -
Musikalischer Abfall und Aufstieg
Sebastian Schwittay antwortete auf Mistermaffays Thema in Filmmusik Diskussion
Welche Musik besteht denn aus "reinen Ostinati"? Das müsste dann ja eine reine Schlagwerk-Komposition sein. Ich weiß schon, worauf du hinaus willst. Ich begreife "Ostinato" allerdings nicht so pejorativ-abwertend wie weite Teile der deutschen Filmmusikkritik. Es ist einfach eine effiziente Vertonungsstrategie. -
Musikalischer Abfall und Aufstieg
Sebastian Schwittay antwortete auf Mistermaffays Thema in Filmmusik Diskussion
Naja, ein Ostinato-Actionscore eben, wie ihn Goldsmith mit CAPRICORN ONE zum ersten Mal formuliert hat und dann in den 80ern populär wurde. Das war schon ein Schritt in die Ökonomisierung von Actionfilmmusik. Stark gemacht, keine Frage, ich möchte ALIENS oder ähnliche Scores keinesfalls herabwürdigen. Aber was Goldenthal gemacht hat, war dieser ganzen Sphäre halt in gewisser Weise enthoben. -
Musikalischer Abfall und Aufstieg
Sebastian Schwittay antwortete auf Mistermaffays Thema in Filmmusik Diskussion
Bei den meisten Beispielen sprechen wir von feineren Unterschieden, die sicher auch die Grenze zum Subjektiven berühren (elaborierterer Orchestersatz bei Goldsmith als bei Silvestri, thematisches Material in BTTF 3 besonders griffig, etc.). Aber der Unterschied zwischen ALIENS und ALIEN³ ist doch schon eklatant. ALIENS ist ein stark gemachter, aber ökonomischer Hollywood-Score, während ALIEN³ regelrecht kunstmusikalische Ansprüche an den Sound des Franchises stellt - sowohl das Gesamtkonzept als auch die verfrickelte Avantgarde-Schreibe lassen erkennen, dass da ein junger Konzertkomponist am Werk war, den Hollywood nur ganz peripher interessiert. Wie gut das dann trotzdem als FILMmusik funktioniert und wie "ikonisch" viele Sounds von Goldenthal für die Reihe geworden sind, ist dabei natürlich erstaunlich. Als autonome Musik würde ich ALIEN³ daher schon nochmal auf eine andere Stufe stellen als ALIENS, der viele Ideen auch einfach von Goldsmith übernommen hat (Echoplex-Ideen, Pendelmotive, etc.). -
Musikalischer Abfall und Aufstieg
Sebastian Schwittay antwortete auf Mistermaffays Thema in Filmmusik Diskussion
Ja, durchaus. Selbst das nicht verwendete Material, das auf der LaLaLand-Expandierung von DIE HARD 3 zur Geltung kommt, strahlt trotz einiger toller Momente eine gewisse Müdigkeit aus. Kamen hatte zu dem Zeitpunkt wohl einfach keine Lust mehr auf solche Filme. Beltramis Ansatz wirkt dagegen bissig und ambitioniert, ist voller musikalischer Setpieces ("Traffic Jam", "Copter Chase", "The F-35"), hat ein prägnantes, opernhaftes Bösewicht-Thema und integriert Kamens motivisches Material äußerst gekonnt in Beltramis eigenes Idiom. IMO einer der besten Blockbuster-Scores der 2000er Jahre. -
John Williams - BORN ON THE FOURTH OF JULY
Sebastian Schwittay antwortete auf Mistermaffays Thema in Filmmusik Diskussion
Ich finde Williams' Oliver-Stone-Scores in ihrer Albumfassung völlig ausreichend. Das ist Filmmusik, die in der Filmform nicht eigenständig funktioniert, nur als editierte Album- oder Konzertfassung. -
Musikalischer Abfall und Aufstieg
Sebastian Schwittay antwortete auf Mistermaffays Thema in Filmmusik Diskussion
Musikalische Steigerung: STAR WARS (Williams) > THE EMPIRE STRIKES BACK (Williams) RAIDERS OF THE LOST ARK (Williams) > INDIANA JONES AND THE TEMPLE OF DOOM (Williams) GREMLINS (Goldsmith) > GREMLINS 2: THE NEW BATCH (Goldsmith) ALIENS (Horner) > ALIEN³ (Goldenthal) BATMAN (Elfman) > BATMAN RETURNS (Elfman) A NIGHTMARE ON ELM STREET (Bernstein) > A NIGHTMARE ON ELM STREET 2 (Young) BACK TO THE FUTURE 2 (Silvestri) > BACK TO THE FUTURE 3 (Silvestri) SPIDER-MAN (Elfman) > SPIDER-MAN 2 (Elfman) DIE HARD WITH A VENGEANCE (Kamen) > LIVE FREE OR DIE HARD (Beltrami) THE TERMINATOR (Fiedel) > TERMINATOR 2: JUDGMENT DAY (Fiedel) > TERMINATOR 3: RISE OF THE MACHINES (Beltrami) SCREAM 2 (Beltrami) > SCREAM 3 (Beltrami) FEAR STREET PART 1 (Beltrami) > FEAR STREET PART 2 (Beltrami) Musikalischer Abfall: ALIEN (Goldsmith) > ALIENS (Horner) ALIEN³ (Goldenthal) > ALIEN: RESURRECTION (Frizzell) FIRST BLOOD (Goldsmith) > RAMBO: FIRST BLOOD PART II (Goldsmith) > RAMBO III (Goldsmith) MISSION: IMPOSSIBLE (Elfman) > MISSION: IMPOSSIBLE II (Zimmer) THE LOST WORLD (Williams) > JURASSIC PARK III (Davis) POLTERGEIST (Goldsmith) > POLTERGEIST II: THE OTHER SIDE (Goldsmith) DIE HARD 2 (Kamen) > DIE HARD WITH A VENGEANCE (Kamen) BACK TO THE FUTURE (Silvestri) > BACK TO THE FUTURE 2 (Silvestri) THE MUMMY (Goldsmith) > THE MUMMY RETURNS (Silvestri) > THE MUMMY: TOMB OF THE DRAGON EMPEROR (Edelman) THE SILENCE OF THE LAMBS (Shore) > HANNIBAL (Zimmer) MAD MAX (May) > MAD MAX 2: THE ROAD WARRIOR (May) Ebenbürtig: JURASSIC PARK (Williams) = THE LOST WORLD (Williams) THE OMEN (Goldsmith) = DAMIEN: OMEN II (Goldsmith) = THE FINAL CONFLICT (Goldsmith) BATMAN RETURNS (Elfman) = BATMAN FOREVER (Goldenthal) DIE HARD (Kamen) = DIE HARD 2 (Kamen) PREDATOR (Silvestri) = PREDATOR 2 (Silvestri) -
Der beliebteste Soundtrack 2025 / Runde 2
Sebastian Schwittay antwortete auf Sebastian Schwittays Thema in Filmmusik Diskussion
So langsam scheint es sich zu stabilisieren für Greenwood. Ein Glück... Fleming war ja gut angesagt im letzten Jahr, mit gleich drei Scores, die auch hier nominiert wurden. ETERNITY fand ich echt schön, ANACONDA hingegen völlig generisch. In AMERICANA muss ich am Wochenende noch reinhören. -
Der beliebteste Soundtrack 2025 / Runde 2
Sebastian Schwittay antwortete auf Sebastian Schwittays Thema in Filmmusik Diskussion
Und selbst das verstehe ich nicht. Das erste Stück des Films ist das ultra-fette und laute "One Battle After Another", das direkt einen Power-Akzent im Film setzt (und später noch zwei weitere Male an wichtigen Stellen im Film erklingt). Das ist doch Filmmusik, wie man sie sich wünscht: groß, laut, emotional direkt. -
Der beliebteste Soundtrack 2025 / Runde 2
Sebastian Schwittay antwortete auf Sebastian Schwittays Thema in Filmmusik Diskussion
Dabei lief FRANKENSTEIN ja nicht mal im Kino... ONE BATTLE AFTER ANOTHER war immerhin ein echter Kinohit des Spätsommers und Herbstes, also gehört haben den Score sicher irgendwie alle. Glaube, die Leute reiben sich halt tatsächlich eher am "Geklimpere" - wie ich es öfter gelesen habe -, also am modernen Einsatz des Solo-Klaviers. Unfassbar, wie unbeliebt dieses bürgerlichste aller Instrumente doch ist... -
Der beliebteste Soundtrack 2025 / Runde 2
Sebastian Schwittay antwortete auf Sebastian Schwittays Thema in Filmmusik Diskussion
Was bei ONE BATTLE AFTER ANOTHER aber nicht der Fall ist - der Score wurde von Film- und Musikkritikern weltweit gelobt, und Greenwood wurde von seinen Kollegen, also von professionellen Filmkomponisten, für den Oscar nominiert. Wenn die Musik "nicht passen" würde oder "schädlich" für den Film wäre, wäre das nicht passiert. Mir ist schon klar, dass im nächsten Schritt der Zuschauer-vs.-Kritiker-Diskurs aufgemacht wird (oder Zuschauer vs. Professionelle, wie auch immer), aber der lenkt halt auch nur von der Problematik der mangelnden Offenheit des Mainstreams ab. -
Der große ungarische Komponist György Kurtág wird heute 100 Jahre alt, und weilt immer noch unter uns! Kurtág hat größtenteils solistische und Kammermusik komponiert, aber auch einige wenige Orchesterkompositionen, von denen "Stele für großes Orchester" (1994) sein vielleicht bekanntestes ist. Für mich eins der schönsten und sinnlichsten Werke des späten 20. Jahrhunderts. Ein unheimliches, und auch sehr filmisches Stück! Für Filmmusik-Freunde mit Horror-Faible (@Osthunter!) ein gefundenes Fressen. Highlights sind die gespenstischen Glissando- und Pitch-Bending-Figuren der Holzbläser und Streicher im ersten Satz (1:55), oder die unheimlich verklingenden Quintolen des Orchesters im gesamten dritten Satz - wer denkt hier nicht an ALIEN?
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Der beliebteste Soundtrack 2025 / Runde 2
Sebastian Schwittay antwortete auf Sebastian Schwittays Thema in Filmmusik Diskussion
Ah, mir werden hier in deiner Playlist nur 100 Tracks angezeigt. Dann wird das wohl ein Darstellungsproblem in der Spotify-Einbindung sein. Es bricht mir immer wieder das Herz, wenn moderne und modernistische Elemente in der Filmmusik auf derartiges Unverständnis (und schließlich auch auf Ablehnung) stoßen. Hat uns der große Goldsmith mit seinen Meisterwerken nicht den Weg gezeigt, in den sich Filmmusik - auch - entwickeln kann? Greenwood entwirft für die Paul-Thomas-Anderson-Filme derart aufregende Klangwelten, dass Goldsmith, würde er noch leben, sicherlich applaudieren würde. -
Der beliebteste Soundtrack 2025 / Runde 2
Sebastian Schwittay antwortete auf Sebastian Schwittays Thema in Filmmusik Diskussion
Ist ONE BATTLE AFTER ANOTHER wirklich so unbeliebt? Nur eine Stimme bisher? Und @piksieben nimmt sie nicht mal in seine Playlist auf... Schöner und emotionaler wurde Filmmusik für mich vergangenes Jahr nicht - ich würde sogar sagen, eine der schönsten Einzelkompositionen in Greenwoods Karriere: -
Der beliebteste Soundtrack 2025 / Runde 2
Sebastian Schwittay antwortete auf Sebastian Schwittays Thema in Filmmusik Diskussion
Da fehlt aber eins der größten Highlights des vergangenen Jahres in deiner Playlist... -
Der beste Soundtrack aller Zeiten
Sebastian Schwittay antwortete auf Mistermaffays Thema in Filmmusik Diskussion
Ja, genau. -
Der beliebteste Soundtrack 2025 / Runde 2
Sebastian Schwittay erstellte ein Thema in Filmmusik Diskussion
Genau 30 Scores haben es in Runde 2 geschafft (alles mit 4 Stimmen oder mehr). Punktladung! Die Auswahl erscheint mir jedoch teilweise etwas "random". Viele sehr unbekannte Sachen dabei - Musiken, die sonst erfahrungsgemäß bereits in Runde 1 herausgeflogen wären. Ich selbst hätte gerne noch den schönen ETERNITY von David Fleming in die nächste Runde gebracht, das ärgert mich etwas. Und Christopher Young hat es auch nicht geschafft... Was war da denn los? Aber gut, so ist es nun. WÄHLT HIER NUN BITTE EURE 10 FAVORITEN. Die zweite Runde läuft bis Mittwoch, den 25. Februar, 23:59 Uhr. -
Der beste Soundtrack aller Zeiten
Sebastian Schwittay antwortete auf Mistermaffays Thema in Filmmusik Diskussion
Hallo Markus! Auch mal wieder da! -
Der beliebteste Soundtrack 2025 / Runde 1
Sebastian Schwittay antwortete auf Sebastian Schwittays Thema in Filmmusik Diskussion
Ohje, ich habe gerade so viel um die Ohren, dass ich völlig vergessen habe, noch selbst abzustimmen und die zweite Runde zu starten. Tut mir echt leid... Morgen startet die zweite Runde! -
Jonny Greenwood - ONE BATTLE AFTER ANOTHER
Sebastian Schwittay antwortete auf Sebastian Schwittays Thema in Scores & Veröffentlichungen
Mittlerweile sind - wohl im Zuge der Oscarnominierungen - die längeren Filmversionen der meisten Tracks aufgetaucht. Wild! Und die Harfen-Version von "Trio for Willa", die ich echt gerne auf dem Album gehabt hätte: -
Der beste Soundtrack aller Zeiten
Sebastian Schwittay antwortete auf Mistermaffays Thema in Filmmusik Diskussion
Da ein breites Ausdrucksspektrum für mich ein ganz wichtiges Qualitätskriterium ist (Romantik, Modernismus, Fokus mal auf Klangfarbe, mal auf Rhythmus, mal auf Melodie usw.), würde ich Jerry Goldsmiths ALIEN nennen. Ist halt leider nicht in der Form realisiert worden, wie es hätte sein sollen. Scores, die nur einen Stil oder Ausdrucksmodus kennen, würde ich hingegen eher ausschließen wollen. Einen komplett spätromantischen Score wie THE SEA HAWK beträfe das genauso wie einen PLANET OF THE APES. -
Was habt ihr zuletzt gesehen?
Sebastian Schwittay antwortete auf Scorechasers Thema in Film & Fernsehen
Ich bin kein Fan von Michael Manns Filmen, aber derzeit juckt es mir in den Fingern, endlich mal seine Filmographie zu vervollständigen. Jüngst habe ich zwei Filme gesehen, die ich noch nicht kannte, und die ich - trotz der ideologischen Probleme, die ich mit seinen Weltentwürfen habe - zu seinen besseren Filmen zählen würde: THIEF (1981) "With my wife, with my kids, that's my whole life. [...] Little hoochie coo, drop of energy, wham-bam, magic sand... There's something sacred there." Robert Proskys Loblied auf die Familie präsentiert THIEFs unangenehm chauvinistischen Blick auf die Welt – und damit den Charakter sämtlicher Michael-Mann-Filme – in a nutshell. Frauen und Kinder sind dazu da, Männern Energie zu geben; sie sind Erfüllungsgehilfen männlichen Glücks und männlicher Ambition. Tuesday Welds Frauenfigur ist letztlich auch nur dazu da, James Caans Männerknast-Geschichten zuzuhören. Die Frau als Erholungsstätte, als Publikum, als Empfängerin, als Mülleimer – nie jedoch individuell gezeichnet, nie mit einem Willen ausgestattet, der der tristen Welt der Männergeschäfte etwas Eigenes entgegensetzen könnte. Trotzdem: visuell ist THIEF Manns schönster Film, und er hat – auch nicht selbstverständlich für den Regisseur – ein überzeugend stringentes Musikkonzept. Zu einem großen oder gar philosophischen Film wird THIEF dadurch natürlich nicht. MANHUNTER (1986) Bunte Sonnenuntergänge und stressige Forensik – MANHUNTERs Einfluss auf amerikanische Tatortermittlungs-Serien wie „CSI“ und „Law and Order“ ist nicht zu unterschätzen. Das Herz des Films ist sicherlich Tom Noonans Killerfigur und sein Verhältnis zur blinden Joan Allen – hier blitzt eine zärtliche Schönheit auf, wie sie in Manns Schaffen nur selten zu erleben ist. Das Vorgehen des Killers – die ermordeten Familien als Spiegel fürs eigene Ego zu missbrauchen – ist natürlich ein Mann-Motiv par excellence, aber es bleibt so abstrakt eingebettet in eine spannende und durchaus bewegende Geschichte, dass MANHUNTER wohl als die erträglichste Ausformung des Mann’schen Machismo gesehen werden kann. -
Eure Lieblings-Horrorscores
Sebastian Schwittay antwortete auf Sebastian Schwittays Thema in Filmmusik Diskussion
Danke für die tolle Gesamtdarstellung, @Osthunter! Ich finde die Musik auch sehr stark und höre immer mal wieder Auszüge daraus - komplett am Stück funktioniert es aufgrund der Länge und der extremen Dunkelheit der Musik nicht so gut. Ich muss hier unbedingt noch eine längere 45-Minuten-Suite zusammenstellen. Ich beschäftige mich seit letztem Jahr intensiver mit den Filmmusiken von Alfred Schnittke, und ich finde es faszinierend, wieviele Gemeinsamkeiten es zwischen Schnittke und Youngs Zugang bei NOSFERATU gibt. Das sehr kompakte, Baukasten-ähnliche Kompositionsprinzip, die überlappende Polyphonie, die Verwendung der Orgel... Tatsächlich hat ja auch Frank Strobel die Schnittke-Musiken dirigiert bzw. neu eingespielt. -
Der beliebteste Soundtrack 2025 / Runde 1
Sebastian Schwittay antwortete auf Sebastian Schwittays Thema in Filmmusik Diskussion
Der einzig gute Track aus dem originalen Material, das Max Richter für HAMNET geschrieben hat: eine recht schöne, wenn auch nicht sonderlich komplexe Passacaglia. -
Was habt ihr zuletzt gesehen?
Sebastian Schwittay antwortete auf Scorechasers Thema in Film & Fernsehen
Wieder ein paar aktuelle Filme: HAMNET (Chloé Zhao, GB/USA 2025) Chloé Zhaos Blick auf Kunst ist ein sehr trister, Biographie-zentrierter: große Kunstwerke lassen sich, so die implizite These ihres Films, in erster Linie über das persönliche Drama erklären, das ein Künstler durchlitten hat. Dass es sich bei dem Protagonisten um William Shakespeare handelt, wird zudem erst nach ungefähr der Hälfte des Films deutlich – eigentlich könnte HAMNET auch das Porträt eines beliebigen Bürgers der Mittelschicht des elisabethanischen Zeitalters sein. Die Frage ist, wieso Zhao dieses Konzept nicht einfach durchzieht. Indem sie Shakespeare als Figur von historischer Relevanz wählt, scheint sie ihrem eigenen Blick auf den normalen Menschen (bzw. auf die Allgemeingültigkeit menschlicher Erfahrung in dieser Epoche) bereits zu misstrauen; die Perspektive muss durch die Berühmtheit ihrer Figur „geadelt“ werden. Andererseits ist der Erkenntnisgewinn über die Figur Shakespeares innerhalb dieses Ansatzes bestenfalls küchenpsychologisch interessant. Der gute William war traurig ob des tragischen Verlauf seines Familienlebens, also schreibt er „Hamlet“. Nun denn. Die diskursive Verdummung, die ihr Film betreibt, erreicht im Finale ihren Höhepunkt, wenn Max Richters totgespieltes „On the Nature of Daylight“ großen, tiefen Einblick in Genese und geistigen Gehalt von Shakespeares Kunst vortäuschen soll. Das Stück ist herrlich, und es verärgert, für welch prätentiöse Scharlatanerei es mittlerweile missbraucht wird. Da lobe ich mir die melodramatische, unanmaßende B-Movie-Konnotation, mit der Scorsese das Werk in SHUTTER ISLAND verwurstet. (Dass Max Richters Score für den Oscar nominiert wurde, ist gelinde gesagt überraschend, so ist das wesentliche emotionale Element der Vertonung eben das prä-existente „On the Nature of Daylight“ – und kein originales Stück. Mit dieser Begründung wurden jahrzehntelang Filmmusiken für die Nominierung disqualifiziert. Nun scheint der Umstand, dass der wichtigste Moment einer Filmmusik gar nicht für den Film komponiert wurde, plötzlich keine Rolle mehr zu spielen. Kurios!) ANACONDA (Tom Gormican, USA 2025) Fast alles an Sonys Meta-Persiflage auf Luis Llosas starbesetzten B-Tierhorror ANACONDA (1997) wirkt unaufrichtig und eingehegt. Wahrscheinlich liegt das in der Natur der Sache, wenn große Konzerne teure Filme über die Underground-Verarbeitung ihrer eigenen Stoffe machen. Schön immerhin: der Quatsch mit dem Wildschwein und der Auftritt von Randy Edelmans seifigem Original-Hauptthema von 1997. EDDINGTON (Ari Aster, USA/GB/FI 2025) Als riesiger Fan von NEEDFUL THINGS – sowohl von Kings Roman als auch von Fraser C. Hestons großartiger Verfilmung – schlägt mein Herz natürlich auch für Asters EDDINGTON, bei dem der Teufel in Gestalt eines neuartigen Atemwegsvirus (oder einer undurchsichtigen Tech Company, je nach Sichtweise) in eine amerikanische Kleinstadt Einzug hält und bestehende soziale Konflikte eskalieren lässt. Wie bei King fliegen sowohl die städtischen Makro- wie auch die privaten Mikrokosmen in die Luft: Familie, das Kernthema der Aster-Filme, diesmal in breitestem Spektrum gedacht. Wahrer Aster-Horror kommt im letzten Kapitel auf, wenn Sheriff Cross die Früchte seiner Bemühungen erntet – locked-in in der Hölle häuslicher Pflege, während es die Schwiegermutter nebenan mit dem Hausbediensteten treibt. Asters Ankündigung einer Fortsetzung ist entweder ein bitterböser Scherz, oder der Teufelskerl meint es tatsächlich ernst. Ich tippe auf Letzteres. SIRĀT (Oliver Laxe, ES/F 2025) In der ersten Hälfte ein durchaus nicht reizloser Arthouse-SORCERER – bis der Film anfängt, seine empathisch eingeführten Figuren auf ziemlich niederträchtige Weise eine nach der anderen sadistisch hinzurichten. Mancher wird das wohl als „existenzialistisches Kino“ missdeuten, tatsächlich ist es nur eine gehässige Manipulation des Zuschauers, die Spaß am Sterben- und Leiden-Lassen hat, und aus der ein stumpfes, menschenfeindliches Weltbild spricht. Oliver Laxe muss ein unangenehmer Zeitgenosse sein. Ein hässlicher, schwarzer Film für hässliche, schwarze Seelen.