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Aha, ein Kenner Ausgelöscht (Extreme Prejudice) Zum Film: Jack Benteen und Cash Bailey waren früher unzertrennliche Freunde und wuchsen in einem kleinen texanischen Städtchen in der Nähe zur mexikanischen Grenze auf. Benteen verließ die Heimat, um in eine Großstadt zu ziehen, während Bailey als Informant in die mexikanischen Drogengeschäfte eingeschleust wurde. Allerdings wendet er sich nach fünf Jahren in dieser Tätigkeit von der Arbeit für die Regierung ab und baut sich sein eigenes Drogenimperium auf. Währenddessen kehrt Jack Benteen, der in der großen Welt nicht das erhoffte Glück gefunden hatte, in die Heimat zurück, nimmt eine Arbeit als Texas Ranger an und beginnt eine Beziehung mit Baileys früherer Freundin Sarita. Er und Bailey sind nun also nicht nur des Berufs wegen sondern auch privat Feinde. Immer wieder muss Jack Benteen kleine Farmer verhaften, die als Drogenlieferant für Cash Bailey arbeiten und schließlich wird ein enger Freund des Rangers bei einer gescheiterten Verhaftung getötet. Als hätte Benteen nicht genug Sorgen kommen nun auch noch sechs für tot erklärte Ex-Soldaten in die Stadt, um die Bank auszurauben… „Extreme Prejudice“ erzählt eine allseits bekannte Geschichte: Die beiden ehemals besten Freunde, die nun zu Feinden wurden und um dieselbe Frau streiten. Und tatsächlich drehte Walter Hill, der schon bei Sam Peckinpah in der Lehre war seinen Film über Anstand, Ehre, Versuchung und Freundschaft wie einen Western. Letzten Endes bräuchte man sich nur die Telefone und Autos wegdenken. In den rasanten und oft sehr blutigen Schießereien wird umso mehr das Vorbild Peckinpahs deutlich, denn Hills durchweg visuell bestechender Film setzt besonders bei der Action auf schnelle Schnitte und den raschen Wechsel zwischen Zeitlupe und Zeitraffer. Umso bedächtiger und wortkarger sind im Gegensatz die Dialogszenen gedreht und bilden somit zum einen einen stilistischen Ausgleich und bauen zum anderen eine dichte Atmosphäre auf. Eine Charakterentwicklung gibt es bei „Extreme Prejudice“ an keiner Stelle. Stattdessen sind alle Figuren derart in ihre eigenen von der individuell ausgerichteten Moral angetriebenen Motivationen verbohrt und beharren auf ihr Recht – sei es bis zum Tod. So verwundert es nicht, dass die beiden Gegner Bailey und Benteen ihren Konflikt letzten Ende in einem guten alten Duell austragen. Neben der Kameraführung, dem Schnitt und der dichten Atmosphäre besticht der Film auch durch die perfekt ausgewählten Schauspieler, die ihre Rollen alle überzeugend spielen. Hier glänzen vor allen Dingen natürlich Nick Nolte als Jack Benteen sowie sein stets weiß gekleideter Gegner Powers Boothe als Bailey. Rip Torn als kerniger Sheriff und enger Freund Jacks überzeugt ebenso wie Maria Conchita Alonso als Sarita, die zum Spielball und bloßen Objekt der Begierde zwischen den Männern degradiert wird. Die fünf Söldner unter der Führung Michael Ironside sind ebenfalls vortrefflich gewählt und repräsentieren alle unterschiedliche Typen des Army-Soldaten. Insgesamt ist „Extreme Prejudice“ ein harter aber atmosphärisch dichter Western in modernem Gewand, der handwerklich und schauspielerisch zu überzeugen weiß. Zur Musik: Da Walter Hills Stammkomponist Ry Cooder verhindert war, wurde Jerry Goldsmith mit der Vertonung von „Extreme Prejudice“ beauftragt (ironischerweise verzögerte sich der Dreh und Cooder wäre letzten Endes frei gewesen). Goldsmith wollte zuerst einen großorchestralen Score schreiben, doch Hill, für den Orchestermusik in Filmen ein Relikt der 50er Jahre darstellen, forderte eine ‚kleinere’ Musik. Der Komponist fügte sich und entschied sich für eine ausbalancierte Mischung des traditionell besetzten Orchesters und synthetischer Elemente. Erst zwei Jahre davor hatte Goldsmith mit „Gremlins“ seine erste Musik geschrieben, in der das Orchester und die Synthesizer jeweils zur Hälfte die Musik bestritten und einige Monate später mit „Legend“ den Einsatz von elektronischen Samples bis zur Perfektion ausgelotet. Dabei blieb er stets dem Motto treu, die synthetischen Klänge als Erweiterung des Orchesterklanges zu verstehen und keine akustischen Klänge nachbilden zu wollen. In „Extreme Prejudice“ allerdings griff Goldsmith oft auf Samples zurück, die akustische Instrumente imitieren oder stark an ihren Klang angelehnt sind. So erhält die Musik ihr rhythmisches Fundament fast ausschließlich von programmierten Synthie-Schlagzeug-Rhythmen. Diese klingen heute nicht nur stark veraltet, sondern zwängen die sonst filigrane und durch ungerade Takte geprägte Actionmusik Goldsmiths in ein enges und gleichförmiges Korsett. Besonders störend sind auch die künstlichen Castagnetten und Flötenklänge, da konzeptionell oder ästhetisch nichts gegen den Einsatz akustischer Instrumente gesprochen hätte. Durch die stets sehr dichte Mischung der elektronischen Schichten mit dem Orchester erhält man während der ersten Hördurchgänge den Eindruck, es handele sich hier um einen Synthiescore mit einigen ausgewählten Solopassagen, erst nach und nach nimmt man das hier und dort durchschimmernde Orchester wahr. Im Gegensatz zu ausgewogenen Partituren wie „Gremlins“ sind die Synthesizer in „Extreme Prejudice“ stets präsent und verdecken das Orchester regelrecht. Umso mehr erstaunt es, dass Walter Hill die neun Minuten lange Passage für den Banküberfall als „zu vereinnahmend“ empfand und Goldsmith bat, mehrere kürzere und weniger orchestrale Stücke für die Szene zu komponieren, sodass in dem ersten dramaturgischen Höhepunkt des Films die Musik doch einen noch synthetischeren und repetiveren Charakter gekennzeichnet als sonst. Auch wenn die Musik klanglich voll und ganz in den 80ern verhaftet bleibt, so ist so dennoch durch eine klassische Methode des Golden Age strukturiert, denn Goldsmith schrieb mehrere Leitmotive für die einzelnen Charaktere und Personengruppen. Zu Beginn ist das stark punktierte und hauptsächlich aus einer abfallenden Tonfolge bestehende Soldatenthema in fast jedem Stück zu hören, dem ein stets sehr warm arrangiertes Thema für Sarita gegenüber gestellt wird, das ebenfalls in den ersten fünf Tönen eine abfallende Linie beschreibt. Cash Bailey wird oftmals durch eine Pendelfigur, deren zentrales Tonmaterial aus einem Moll-Akkord besteht, charakterisiert, die oft in einem synthetischen Klang zu hören ist, der an eine Klarinette erinnert. Hin und wieder engt Goldsmith das Tonmaterial auch auf drei aneinander liegende Ganztöne und einen Halbtonschritt ein. Kennzeichnend für Baileys manchmal abgewandeltes Motiv ist jedoch ein Verzerrungseffekt, indem der erste und letzte Ton in Form eines Glissandos nach oben und unten gleitet. Protagonist Jack Benteen erhält erst im letzten Drittel des Films sein Thema in Form der „Mexico-Melodie“, die das geschlossenste und eingängigste Thema sein dürfte und somit auch den Abspann begleitet. Insgesamt ist Goldsmiths leitmotivisches Konzept nicht ganz überzeugend geworden, da eine klare Identifizierung Benteens auf der letzten Sekunde mit der Mexiko-Melodie nicht so ganz funktionieren will, die Themen für Sarita und die Soldaten sich stark ähneln und Cash Baileys Motiv zu Beginn in Bezug auf das Tonmaterial nie ganz fest gemacht wird. Der Rezipient hat stets das Gefühl, nur halbgare Entwürfe, nie aber fest ausgearbeitete und auf die Charaktere zugeschnittene Leitmotive zu hören. „Extreme Prejudice“ gehörte zu einem der ersten Goldsmithscores, die je auf CD gepresst wurden und wurde parallel von Silva Screen und Intrada jen- und diesseits des großen Wassers vertrieben. 2004 brachte Lalaland die komplette Filmmusik in einer leicht erweiterten Ausgabe im Andenken an den kürzlich verstorbenen Komponisten heraus und veröffentlichten neben einigen kleineren Stücken erstmals die Filmversion der Musik zum Banküberfall im direkten Vergleich mit Goldsmith ursprünglichen Version. Neben dem informativen Booklet mit einem Kommentar von Walter Hill selbst besticht das Lalaland-Album durch eine brillante und klare Klangqualität, als wäre die Musik erst gestern aufgenommen worden. Die Musik selbst ist zwar konzeptionell nicht vollständig überzeugend und besonders akustisch ein Kind ihrer Zeit sein, aber immerhin waren sich Regisseur und Komponist völlig über ihre Idee im Klaren und hechteten nicht einer zeitgenössischen Mode nach. Ob einem das Gehörte zusagt, muss letztendlich jeder für sich entscheiden.
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Veröffentlichung La-La Land Records: HOOK - John Williams
Mephisto antwortete auf Wooodys Thema in Scores & Veröffentlichungen
Mal gespannt, auf wie viel das gute Stück limitiert ist. 5000 sollten es mindestens sein. -
Themen der Filmmusik - Golden & Silver Age
Mephisto antwortete auf Laubwoelfins Thema in CINEMA WORLD - Die Filmmusik-Oase im Internet
Ich würde ja gerne, aber dazu brauche ich Annes Stellungnahme, denn wir beide haben unseren Standpunkt erörtert. -
Themen der Filmmusik - Golden & Silver Age
Mephisto antwortete auf Laubwoelfins Thema in CINEMA WORLD - Die Filmmusik-Oase im Internet
Schön...nur dass jetzt der Kern der Diskussion - Williams als letzter Golden-Age-Abkömmling - völlig zunichte gemacht wurde... -
Veröffentlichung La-La Land Records: HOOK - John Williams
Mephisto antwortete auf Wooodys Thema in Scores & Veröffentlichungen
Wenn man sich ansieht, wie gut die anderen Williamse weggingen, erübrigt sich diese Aussage in Hinblick auf den offensichtlichen Ansturm auf "Hook" (Ich tue jetzt mal so, als hätte ich den Sarkasmus überlesen)... -
Themen der Filmmusik - Golden & Silver Age
Mephisto antwortete auf Laubwoelfins Thema in CINEMA WORLD - Die Filmmusik-Oase im Internet
Das Abtun als "spießig" ist ja besonders in Hinblick auf ältere Musik ein Klassiker. Opern sind furchtbar, weil da immer eine Frau kreischt, Symphonien viel zu langweilig und Kammermusik nicht der Rede wert. Auf die Problematik der Neuen Musik komme ich gar nicht zu sprechen...Anscheinend ist es wirklich so, dass die Golden-Age-Hörer eher als die Spießigen "uncoolen" Leute angesehen werden. Mich persönlich überrascht besonders im Hinblick auf die Golden-Age-Diskussion, dass gerade die, die immer überhaupt nichts von Musik "verstehen" und "wissen" wollen, da das ja unbegreiflicher Art und Weise etwas "kaputt" machen würde und die daher immer nur auf ihren Bauch und das eigene Gefühl hören, sich mit dem Golden Age so schwertun, das in der spätromantischen Tradition steht und somit das Gefühl an oberster Stelle setzt. Natürlich waren damaligen Abenteuerfilme viel naiver als die heutige ewig nervende Bemühung, Action "realistisch" zu zeigen und wenn Basil Rathbone und Errol Flynn um ihr Leben kämpften gleichte das immernoch einer furiosen akrobatischen Nummer denn ein abgehetzter angsterfüllter Kampf. Daher ist die Musik auch etwas überschwänglicher, aber auch voller Emotion. "Scene d'Amour" aus "Vertigo" ist zu kitschig, aber "Love Theme" aus "Spartacus" "gibt einem dann wieder nichts". Hier glaube ich sicher, dass man die eigene Empfindung dem sogenannten "persönlichen Geschmack" vel zu stark unterordnet, sodass eine wirklich differenzierte Auseinandersetzung mit dem, was man angeblich so liebt - der Musik - nicht möglich ist. -
Themen der Filmmusik - Golden & Silver Age
Mephisto antwortete auf Laubwoelfins Thema in CINEMA WORLD - Die Filmmusik-Oase im Internet
Ich verstehe Dich schon richtig. Mein Punkt ist nur: John Williams enthält doch genau so viel Sahne wie Golden Age - manchmal sogar mehr. Besonders Bernard Herrmann und teilweise auch Alfred Newman sind viel weniger "sahniger" - auch Rozsa ist eher ein Brot mit Erdbeemarmelade - nämlich sehr rustikal und rau. -
Fäuste - Du musst für Dein Recht kämpfen (Gladiator) Zum Film: Tommy Riley wuchs mit seinen Eltern in einem angesehenen Stadtteil von Chicago auf, doch als seine Mutter starb, begann sein Vater zu trinken und dem Glücksspiel zu verfallen. Als die vielen Spielschulden den Witwer mit dem Sohn ruinieren, ziehen sie in eine herunter gekommene Gegend, in der Tommy schnell die Zielscheibe des Spotts seiner schwarzen Mitschüler wird. Tommys Vater bekommt endlich eine Arbeit als Vertreter, muss seinen Sohn allerdings einige Wochen alleine lassen. Dieser freundet sich mit seiner Mitschülerin Dawn an, die ihm eine Arbeit als Tellerwäscher im Lokal ihrer Mutter verschafft. Doch auch hier ist Tommy nicht sicher vor Attacken von „Shortcut“ und seiner Gang, sodass er sich schließlich vor der Gaststätte mit den Gangmitgliedern zu prügeln beginnt. Dabei kann der ehemalige Amateur-Boxer seine Gegner fast überwältigen, doch da macht der dubiose Pappy Jack dem Kampf ein Ende. Pappy Jack ist der Scout des korrupten Ex-Boxers Jimmy Horn, der illegale Boxkämpfe zwischen den Jugendlichen der Gegend unterhält, die auf das Geld aus sind. Widerwillig nimmt Tommy das Angebot Pappy Jacks für einen Kampf an, um die übrigen Spielschulden seines Vaters zu zahlen. Er gewinnt den Kampf gegen „Black Death“, weigert sich aber, weitere Angebote anzunehmen. Da erfährt Horn von weiteren Spielschulden von Tommys Vater. Er begleicht diese und fordert von dem Jungen, diese Schulden nun bei ihm abzuarbeiten. Tommy, der keinen anderen Ausweg sieht, muss nun Wochenende für Wochenende in der Arena um sein Leben kämpfen… Grob gesehen kann sich das Genre des Sportfilms in zwei Kategorien unterteilen lassen: Die Mannschaftssportfilme, in denen stets das Gemeinschaftsgefühl im Vordergrund steht, und der Glaube, siegen zu können, oftmals zum guten Ende führt („Hossiers“) sowie dem Kampfsportfilm, in dem der individuelle Kämpfer aus verschiedenen Umständen heraus weiter machen muss. Auch in „Gladiator“ steht weniger der Sport an sich im Mittelpunkt als die sozialen Umstände, die die Jugendlichen dazu drängen, sich in Jimmy Horns Hände zu begeben. Der Hoffnungs- und Ausweglosigkeit der Jugend, die von jeher mit Gewalt im Alltag konfrontiert wird, wird das schnell verdiente Geld und die damit zu erwerbenden Luxusartikel gegenüber gestellt. Dabei kämpft jeder aus einem anderen Grund. Der harmlose Romano träumt von einer eigenen Wohnung mit Stereoanlage, während Gangführer Abraham Lincoln Haines sein Kind zu ernähren versucht. Doch nicht nur die sozialen Umstände sind Kern des Films, sondern auch Freundschaft. So freundet sich Riley zu Beginn des Films mit Haynes an, sieht sich in seinem letzten Kampf allerdings ihm gegenüber im Ring. Die Gegensätze der Hautfarbe und der Herkunft haben sie überwunden, nicht jedoch die Auswirkungen ihrer gemeinsamen Tätigkeit. Die Schauspieler waren ob des Alters der zu verkörpernden Charaktere recht jung und daher noch unbekannt. James Marshall verkörpert mit muskulösem Oberkörper und verschlossener Mine den Protagonisten Tommy Riley, an dessen Seite Cara Buono als Dawn eine hübsche Figur macht. Der junge Cuba Gooding, Jr. spielt den Anführer und verantwortungsvollen jungen Vater Abraham Lincoln Hayes und als etwas naiver und nicht unsympathischer Romano glänzt Jon Seda. Der schmierigen Pappy Jack wird wirkungsvoll eklig von Robert Loggia verkörpert und auch Brian Dennehy macht als brutaler und skrupelloser Jimmy Horn eine gute Figur. In Szene gesetzt wurde der Film handwerklich rundum solide von Rowdy Herrington. Die Charaktere sind alle sehr einseitig, aber diese Schwarzweißmalerei schadet dem Film nicht, da er genau wegen des Spiels mit dem Klischee so gut funktioniert. Alleine das Ganggehabe der Schwarzen dürfte längst als veraltet angesehen werden und etwas albern anmuten. Der atmet besonders zu Beginn deutlich den Geist der 90er. Insgesamt bietet „Gladiator“ eine durchweg solide Unterhaltung, die nicht nur für Ghettobewohner und Boxweltmeister geeignet ist. Zur Musik: 1992 vertonte Jerry Goldsmith mit „Mr Baseball und „Gladiator“ gleich zwei Sportfilme, „Rudy“ sollte ein paar Monate später ebenfalls folgen. Während er „Mr Baseball“ durchweg heiter mit einer bewusst trashigen Kaugummi-Musik und asiatischen Klischees vertonte, wählte Goldsmith für „Gladiator“ ebenfalls einen sehr zeitgemäßen aber düstereren Ansatz. Durch die gehäufte Einbindung von poppigen Elementen die den elektronischen Schlagzeugrhythmen und den E-Bass-Motiven ist die Musik deutlich ein Kind ihrer Zeit und wirkt heute nicht nur klischeehaft, sondern auch billig. Als Hauptthema dient eine etwas melancholische Melodie für E-Piano, die später auch als Liebesthema für Dawn und Tommy fungiert, welches in seiner verhaltenen Melancholie und den leicht jazzigen Akkorden wahrscheinlich zu den besten Einfällen innerhalb dieser Musik zählt. Die Kampfszenen sowie einige Konflikte auf der Straße zwischen Tommy und „Shortcut“ unterlegte Goldsmith stets mit einigen Schlägen des künstlichen Schlagzeugs und einer poppigen Bassfigur. Bei einigen rasanteren Szenen wie Hayes’ und Rileys Flucht vor „Shortcuts“ Gang macht der Komponist mit treibenden Paukenrhythmen und groovenden Xylophonmelodien sogar einen Abstecher in seine Serienmusik der 70er Jahre. Goldsmith-Freunde werden sich bei solchen Stellen sofort an einige Verfolgungsjagden aus „Police Story“ erinnern. Wahrscheinlich traf die Musik mit den Pop-Klischees und den teilweise noch aus den 80ern hinüber geretteten Relikten zu deutlich die Atmosphäre des heute lächerlichen Ganggehabes, den albernen Kopfbedeckungen und der typischen 90er-Atmosphäre, als den Produzenten lieb war, denn Goldsmiths Score wurde abgelehnt und durch eine viel zurück haltendere Musik von Brad Fiedel ersetzt, die dem Film nicht schadet, ihn aber auch nicht wirklich unterstützt, da sie meistens viel zu unauffällig im Hintergrund vor sich hin dümpelt. Letzten Endes wurde weder Golsmiths Musik noch die von Brad Fiedel auf CD veröffentlicht, stattdessen hielt das Studio es für strategische klüger, ein Song-Album mit allen im Film angespielten Songs auf den Markt zu bringen. Für Score-Freunde ist diese Hiphop-Zusammenstellung natürlich uninteressant, aber für Freunde der Gruppe 3rd Bass umso historisch wertvoller, markiert doch der „Gladiator“-Soundtrack die letzte Veröffentlichung eines Stücks dieser Band.
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Themen der Filmmusik - Golden & Silver Age
Mephisto antwortete auf Laubwoelfins Thema in CINEMA WORLD - Die Filmmusik-Oase im Internet
Ausnahmsweise wollte ich gegen "Hook" mal keinen Seitenhieb lande, sondern nur darauf aufmerksam machen, dass man - besonders in "Ultimate War" - reinste Golden Age Klänge zu hören bekommt. All die "üblichen Verdächtigten" die Du aufgezählt hast, sind stark am Golden Age orientiert. Daher kann ich halt nicht nachvollziehen, warum man sich mit Golden Age schwert tut, allerdings Williams gerne hört. Du magst den Geschmack von Erdbeeren und Teig. Warum isst du dann aber gerne Erdbeetörtchen, während Du Dich mit Erdbeetorte schwer tust? Zu Deiner Sorge: Glenn Gould hat mal gesagt: “My idea of happiness is two hundred and fifty days a year in a recording studio.” Auf mich gemünzt würde es heißen: “My idea of happiness is two hundred and fifty days a year in a listening room.” Ich habe mir für Goldsmith einen vollständigen "Hörplan" erstellt, zu dem ich parallel eine Liste von Filmen habe. Es gibt für mich nichts Schöneres, als Musik zu hören, dann zu vergleichen. Als ich letztes Jahr Havergal Brian für mich entdeckte habe ich alles, was es von ihm auf CD gibt, chronologisch gehört - meistens vier Symphonien pro Tag und die auch noch wiederholt. Als ich fertig war habe ich nochmal von vorne angefangen und dieses Mal jedes Werk nur einmal gehört. Danach hatte ich das Gefühl, über Brians Musik im Bilde zu sein. Nach Goldsmith werde ich solche Aktionen aber nicht mehr machen, denn es engt ein bisschen ein. Aber all die CDs, die hier noch verschweißt rumstehen, habe ich auch klar in der Reihenfolge sortiert, in der ich sie öffnen und anhören werde, denn sonst würden "Perlen" wie "Delta Force" oder "Commando" und "Invasion U.S.A." ewig im Regal verstauben weil ich stets einen Rozsa und Newman nach dem anderen hören würde. Was ist das Leben ohne Regeln und Pläne. Jetzt, wo ich mich durch die ganze 90er-Routine in Goldsmiths Schaffen durchgehört habe öffnet sich mit den "exotischen" Scores der 70er und frühen 80er eine völlig neue Welt. Ich bin allerdings jemand, der Sachen stets komplett hört oder sieht. Filme in einzelne Szenen zu zerhackstückeln, in Musikstücken vorspulen, einzelne Sätze aus Symphonien zu hören oder Suiten zu schneiden ist nicht meine Welt. Daher bin gehöre ich nunmal absolut nicht zur Zielgruppe der "akustischen Häppchen" zwischendurch. -
Themen der Filmmusik - Golden & Silver Age
Mephisto antwortete auf Laubwoelfins Thema in CINEMA WORLD - Die Filmmusik-Oase im Internet
Aber mit Williams kannst Du etwas anfangen, oder? Williams habe ich hier nicht kritisiert. Meine Meinung über ihn (einer der besten Handwerker, als Komponist allerdings ein ewiger Fledderer) habe ich genügend kund getan. Da ich momentan einen Goldsmith nach dem anderen "abarbeite" bleibt kaum Zeit, andere Dinge zu hören und daher habe ich für das Williams-Special, das nach einem großen Berg Hörarbeit aussieht, noch keine Zeit gefunden. Ich lese in den "Cinema-World"-Threats allerdings ganz gerne mit und freue mich besonders über die transkribierten Interviews, da sie interessant und schneller zu lesen als zu hören sind. -
Themen der Filmmusik - Golden & Silver Age
Mephisto antwortete auf Laubwoelfins Thema in CINEMA WORLD - Die Filmmusik-Oase im Internet
Damit möchte ich sagen, dass für mich mehr als offensichtlich ist, dass oftmals mit Vorurteilen gearbeitet wird, um sich bloß nicht anzustrengen, "einen Schuss ins Blaue" (wie Babis so schön schrieb) zu wagen. Die Bequemlichkeit, über die stets der Deckmantel des "persönlichen Geschmacks" gebreitet wird, ist eine private Angelegenheit eines jeden selbst, aber wie sie teilweise im Forum propagiert wird, kontraproduktiv. Dabei fiel mir besonders gestern auf, wie heftig gegen das "Golden Age" gewettert wurde, diese Musik als "ungewohnt", "fremdartig" etc. beschrieben wurde, während besonders John Williams, der von vielen, die sich dem Golden Age kaum öffnen wollen, so verehrt wird, wahrscheinlich einer der letzten Komponisten ist, der ernsthaft in der Tradition des Golden Age komponiert. Williams Fanfaren und Märsche, seine feinfühlig ausharmonisierten Streicher, die furiose Actionmusik, all das sind Relikte aus dem Golden Age. Vergleicht einmal den finalen Fechtkampf aus "Robin Hood" von Korngold mit dem "Ultimate War" aus Hook". Dass aber Leute, die immer für "Hook" schmachten, stets betonen, wie schwer es doch fiele, mit dem Golden Age warm zu werden, zeigt für mich, wie sehr mit Schubladen und Vorurteilen gearbeitet wird. Anstatt sich für die üppige Musik des Golden Age zu begeistern, die heutzutage oft gefordert wird, tut man diese Musik als "merkwürdig" ab - warum? Ich kann es mir nicht erklären. Vielleicht, um Zeit zu sparen? Lieber das 100. Horner-Drama noch einmal hören, weil man sich nicht die 70 Minuten für "Robin Hood" Zeit nehmen will? Oder leben wir in einer Zeit, in der es nicht mehr in Mode ist, sich Dingen anzunähern. Ich persönlich höre eine Musik - egal was - mindestens viermal, bevor ich ein Urteil drüber fälle und versuche von Anfang an, jedes Detail wahrzunehmen. Das klappt natürlich nie bei den ersten zwei Hördurchgängen, aber ich versuche es trotzdem. Legt man heute eine Musik tatsächlich nach dem ersten Hören sofort bei Seite, weil sie nicht sofort "gefällt"? Das wäre nicht nur traurig, sondern auch ignorant... -
Oha! Da haben sie sich ja richtig Mühe gegeben bei Varèse...wird geändert und danke an die aufmerksamen Leser
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Themen der Filmmusik - Golden & Silver Age
Mephisto antwortete auf Laubwoelfins Thema in CINEMA WORLD - Die Filmmusik-Oase im Internet
Aha, aha... so weit scheint das Golden Age dann doch nicht entfernt zu sein, wie viele es hier gerne verbannt haben wollen. -
Also wenn ich Nightwalkers Beschreibung "Heavy Metal + Score = Ich " lese, dann würde ich zuallererst einmal "Ghost Rider" von Young empfehlen
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Ich höre gerade folgendes Album...(Teil 2)
Mephisto antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Laut des Covers wohl eher black in the day... -
Ich höre gerade folgendes Album...(Teil 2)
Mephisto antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Souchak, die "Deluxe Edition"? Ich muss mich doch sehr wundern, wer braucht denn Sachen wie "Johnny Cab", "The Mountain", "Swallow it!" oder "Without Air"? Nichts geht doch über schon unchronologische Höralben. Dass gerade DU MIR da so in den Rücken fällst...tz tz tz -
Ich höre gerade folgendes Album...(Teil 2)
Mephisto antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Ich glaube, hier meint man eher: "Rozsa? Das ist doch so merkwürdiges altes verrauschtes Zeug. Da riskiere ich lieber mal kein Ohr, denn schließlich könnte mir die Musik nicht nach dem ersten Hördurchgang gefallen oder meinem persönlichen Geschmack zusagen. Bevor ich mit dieser Musik, die ich nicht kenne, Zeit vergeude, höre ich mir lieber etwas an, was ich schon auswendig kenne." -
Eure Errungenschaften im Februar 2012
Mephisto antwortete auf BigBears Thema in Filmmusik Diskussion
Auch "Leutnant Blueberry"? -
Vor rund fünf Jahren sah es noch nicht so paradiesisch mit Veröffentlichungen aus, sodass ich auch öfter zu Bootlegs griff. Einige Scores wird man wahrscheinlich auch nie erhalten, weil die Rechteinhaber nicht wollen, dass Musik veröffentlicht wird (Yareds "Troja", Bernsteins "Slipstream"), aber mittlerweile gibt es so viele tolle CDs und es stehen noch weitere tolle Veröffentlichungen ins Haus, sodass es - wenn ich erstmnal alles, was ich noch brauche, gesammelt habe - auch die momentan nur auf Bootleg erhaltenen Scores offiziell geben wird.
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Die totale Erinnerung (Total Recall) 2084: Bauarbeiter Quade wird immer wieder vom selben Alptraum geplant: Er befindet sich mit einer brünetten Frau auf dem Mars wieder, als er in einen Abgrund stürzt und sich das Visier seines Astronautenhelms aufschlägt. Kurz bevor er einen qualvollen Tod stirbt, reißt es ihn wieder in die Wirklichkeit. Quade kann sich nicht erklären, warum er immer wieder diesen Traum erlebt und will der Sache auf den Grund gehen, indem er selbst zum Mars reist. Seine Frau Lori ist wenig von der Idee begeistert, denn einerseits ist sie der Meinung, dass Quade überreagiert und andererseits bietet der Mars momentan kein allzu gutes Reiseziel. Unter der Marsbevölkerung – hauptsächlich Menschen und Mutanten – kämpfen Rebellen unter dem mysteriösen Kuato für die Unabhängigkeit von dem Industriellen Cohaagen, der die komplette Luftzufuhr auf dem Mars regelt und die Bevölkerung mit blutigen Rückschlägen gegen die Rebellen mit seiner Privatarmee in Angst und Schrecken versetzt. Auf der Fahrt zu seiner Arbeit sieht Quade in einem U-Bahn-Monitor eine Werbung des Unternehmens „Recall“. Diese Firma bietet an, in das Gehirn Urlaubserinnerungen einzupflanzen, die einem so real vorkommen als hätte man das, an was man sich erinnert, tatsächlich erlebt. Trotz der Warnungen von Arbeitskollegen geht Quade nach Feierabend zu „Recall“, um sich eine Reise auf den Mars implantieren zu lassen. Hierbei nimmt er ein Sonderangebot wahr, mit dem er den Mars mit einer anderen Identität besuchen kann und entschiedet sich für den Geheimagenten. Der charmante Recall-Manager verspricht Quade, dass er von wilden Verfolgungsjagden gehetzt auf dem Mars ankommen wird, den gesamte Planeten retten und zum Schluss auch noch die schicke Brünette bekommen wird, die ihn so beschäftigt, doch bei dem Vorgang geht etwas schief. Quade, der eigentlich betäubt sein sollte, bekommt einen Tobsuchtsanfall und wirft den Recall-Leuten vor, sie hätten seine Deckung auffliegen lassen. Auf dem Rückweg nach Hause wird er von fünf seiner Arbeitskollegen angegriffen, die er in Notwehr tötet, doch damit hat die Jagd erst begonnen. Auch zu Hause hat es Lori auf ihren Mann abgesehen, der sie nur schwer überwältigen kann, bevor er vor einem eintreffenden Killer-Kommando flieht. Per Videobotschaft enthält der verwirrte Quade ein entscheidende Information: Er ist in Wahrheit ein Agent namens Hauser, der zum Schein für Cohaagen arbeitet aber in Wahrheit Informationen für die Rebellen gesammelt hat. Quade macht sich auf zum Mars, um der Sache auf den Grund zu gehen… “Total Recall“ wird oftmals als der intelligenteste Film mit Arnold Schwarzenegger bezeichnet und tatsächlich ist Paul Verhoevens erstes großes Hollywood-Projekt mehr als ein schießwütiger Zukunfts-Actioner, dabei stand das Projekt anfangs unter keinem guten Stern. Die beiden „Alien“-Drehbuchautoren Dan O’Bannon und Ronald Shusett hatten das Script auf Basis der Kurzgeschichte „We can remember it for you wholesale“ von Philip K. Dick geschrieben, aber keinen Produzenten gefunden. Nachdem sogar David Cronenberg – der die Mutanten hinzufügte – Interesse gezeigt hatte und das Drehbuch über 40 Mal geändert wurde Schließlich überredete Arnold Schwarzenegger Carolco, die Rechte an dem Drehbuch zu kaufen und sicherte sich selbst Entscheidungsgewalt über das Projekt. Seine erste Maßanhame war, als Regisseur Paul Verhoeven zu verpflichten, für dessen „Robocop“ der Schauspieler einige Jahre zuvor zur Wahl stand. Dementsprechend strotzt „Total Recall“ vor Gewalt – insbesondere blutigen Schießereien, in denen Zivilisten gerne mal als lebendes Schutzschild benutzt werden oder unglücklich durch die Ziellinie laufen. Auch andere skurrile Einfälle wie Mutantenfrauen mit drei Brüsten weisen klar die Handschrift des niederländischen Regisseurs auf. „Total Recall“ ist einer der letzten Hollywood-Straßenfeger, dessen visuelle Effekte hauptsächlich auf „hangemachten“ Modellen und Überblendungen sowie detailreichen Masken bestehen, bevor ein Jahr später James Camerons „Terminator 2“ die CGI-Ära vollends einläutete. Das allerdings lässt den Film auch heute noch völlig überzeugend aussehen, da die Masken und besonders die detailverliebten Modellaufnahmen auch heute noch überzeugend und nicht künstlich wirken, während viele CGI-Effekte aus der damaligen Zeit und auch heute noch nur mäßige Wirkung entfalten. Auch die Action ist im Gegensatz zu heutigen Wackelkamera-Exzessen wohltuend raffiniert geschnitten und hervorragend gefilmt. Die warmen Analog-Farben fangen außerdem das warme Rot des Mars’ perfekt ein. Insgesamt bietet „Total Recall“ einen rasanten Sci-Fi-Actioner mit einem engagierten Arnold Schwarzenegger, eine durchdachte und interessante Handlung, deren Lösung alleine dem Zuschauer vorbehalten ist und filmisch sowie visuelles brillantes Kino. Zur Musik: „Total Recall“ war die erste von insgesamt drei überaus fruchtbaren Zusammenarbeiten von Paul Verhoeven mit Jerry Goldsmith. Die Ende der 80er Jahre waren für den Komponisten recht durchwachsen, reihte sich müde und lustlose Routine wie „Rent-a-Cop“, „Warlock“ oder „Criminal Law“ an spritzige Musiken wie „The ‚Burbs“ oder orchestrale Science-Fiction-Musik wie „Star Trek V“. Goldsmith hatte beim Experimentieren mit Synthesizern sein Zenit bereits längst überschritten und kehrte wieder zur orchestral geprägten Filmmusik zurück, allerdings nicht ohne elektronische Einsprengsel, die mal mehr und mal weniger schlüssig in die Musik eingebunden sind. „Total Recall“ enthält nach Angabe des Komponisten „mehr Noten als eine Bruckner-Symphonie“ und tatsächlich löste sich der Komponist für seinen letzten Actionscore vor einer fünfjährigen Thriller- und Dramenphase vollends von seiner kammermusikalisch konzipierten und klar gegliederten Actionmusik der vorigen Dekade. Für den Vorspann erlaubte sich Goldsmith einen besonderen Kniff und komponierte ein Thema für Posaune, das eine deutliche Ähnlichkeit mit Poledouris’ Titelmusik zu „Conan der Barbar“ aufweist und somit deutlich eine Verknüpfung zwischen dem Hauptdarsteller aus beiden Filmen sowie Verhoevens’ Stammkomponist Basil Poledouris herstellt. Das eigentliche Hauptthema erklingt nach der Posaunenmelodie in den Streichern und bestreitet auch die ersten Minuten der Musik, in denen Quaide überlegt, zu „Recall“ zu gehen. Hier erhält das Streicherthema einen mystischen und geheimnisvollen Anstrich. Auch die späteren Marslandschaften und die Alientechnik werden von Goldsmith in mystischem Gewand vertont. Auch wird auf rauschende und brummende Synthieklänge zurück gegriffen, während das Orchester erhabene Pyramiden aus Blech- und Streicherklängen in fast hymnischer Manier aufschichtet und so die beeindruckende und fremdländische Gegend des fernen Planeten gleichermaßen charakterisiert. Das Hauptaugenmerk allerdings liegt zweifellos filmisch und musikalisch auf rasanter Action und obwohl Goldsmith oft das Orchester mit seiner vollen Klanggewalt nutzt sowie zusätzlich elektronische Effete hinzu zieht ist die Musik niemals grobschlächtig sondern stets filigran orchestriert. Hastige sich überlappende Streicherfiguren und hektische Holzbläsergirlanden legen das Fundament für brachiale Akkorde und Motive der Blechbläser. Der Komponist beruft sich abermals auf seine musikalischen Vorbilder seit seinen frühen harschen Vertonungen: Bartók (insbesondere „Die wunderbare Mandarin“) und Stravinsky, dessen besondere Klangfarben aus „Sacre de Printemps“ oft Einzug in den Trompetenpassagen halten. Die synthetischen Elemente sind meistens rhythmusgebend und bestehen aus peitschenden Effekten im Vordergrund oder durchgängig pochende und hämmernde Pulse hinter dem Orchester sowie einige drastisch zischende Effekte. „Total Recall“ bietet wahrscheinlich den letzten ‚wahren’ Actionscore Jerry Goldsmiths, der hier eine heißblütige und kraftvolle Musik schrieb, ohne jedoch die Zügel zu sehr schleifen zu lassen und Feinheiten außer Acht. Besonders die Mitte der 90er entstandenen Actionmusik kränkeln an zu eindimensionaler Orchestrierung und blasser Routine, doch auch „Total Recall“ besitzt ein Manko: Viele der Actionstücke stehen für sich und sind aus ihrem eigenen Material heraus konzipiert. Das „Conan“-Thema ist zu sehr eine Hommage, als dass es wirklich als Hauptthema überzeugen könnte während das wahre Hauptthema viel zu früh links liegen gelassen wird. Stattdessen tauchen hier und da einzelne Actionmotive wiederholt auf, ein roter thematischer Faden fehlt jedoch völlig. Zum Filmstart veröffentlichte Varèse-Sarabande 40 Minuten Musik aus dem Film und präsentierte so alle musikalische Höhepunkte. Zum 15-Jährigen Jubiläum warf das Label eine „Deluxe Edition“ auf den Markt, die die komplette Musik mit 73 Minuten Laufzeit und einem von vier von Goldsmith komponierten Source-Cue enthält (es wäre interessant, auch die andere Source-Musik zu hören zu bekommen, da sie komplett aus der Feder des Meisters stammt). Die „Deluxe Edition“ bietet das längere aber auch zufrieden stellendere Hörerlebnis, da dem Rezipienten zwischen all den rasanten Actionstücken mehrere Ruhepausen gegönnt werden und man auch in weiteren Genuss der erhabenen „Alien“-Musik kommt. Das Booklet enthält zusätzlich interessante Informationen. Alles in Allem sollte jeder Goldsmith- und Actionfan zu der „Deluxe Edition“ greifen und damit einen wegweisenden vollblütigen Actionscore der Meisterklasse genießen.
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Dann bin ich der Einzige, der sich über alle drei Alben freut Ich warte allerdings auch erstmal ab und schätze, dass man "Speed" vielleicht mal günstiger bekommen wird, aber ich habe den ersten Teil nicht, dafür aber die Langfassung zum zweiten Teil. Insofern bietet dieses Album die Möglichkeit, meine Lalaland-Mancina-Action-Sammlung zu komplettieren. "Jennifer 8" ist natürlich gekauft weil es eine abgelehnte Musik dazu gibt. Ich werde einfach nicht müde, mich mit abgelehnten Scores auseinander zu setzen. Fieldings "Mechanic" ist ohnehin ein klasse Score. Ich habe zwar die Intrada, aber diese Fassung wird sicher auch ihren Weg in mein Regal finden. Insofern hat Lalaland zwar wieder mit einer gewissen Ramsch-Attitüde einen bunten Haufen auf den Markt geschmissen, aber doch eigentlich ist doch etwas für jeden dabei.
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Bitte um Hilfe/Empfehlungen bei Filmmusik-Kauf :)
Mephisto antwortete auf Julian Müllers Thema in Filmmusik Diskussion
Okay, dann muss ich mich daran gewöhnen, dass hier im Forum nicht nur die historische Kunstmusik wie Mahler, Strauss und Schostakowitsch oder Stravinsky verpöhnt ist, sondern dass es außerdem gesellschaftstauglich ist, Golden Age Musik als derart fremdartig einzuschätzen und abzustempeln, dass man gar nicht wagen sollte, sich damit auch nur ansatzweise zu beschäftigen, bevor man den ganzen Mainstream abgeklappert hat. Dass Leute dann ihr Einzelschicksal als allgemeingültige Wahrheit hinstellen - geschenkt. Ein gutes Gegenbeispiel wäre da der Fall Lars Potreck, der gerne mal neben den aktuellen Veröffentlichungen und absoluter Rabin-Fan hier und da den einen oder anderen Newman einsackt (und ich meine nicht Thomas oder David). Ich halte es für grundsätzlich problematisch, interessierten und aufgeweckten Leuten von etwas abzuraten, weil man persönlich ebenfalls noch nicht dahinter gestiegen ist... -
Eure Errungenschaften im Februar 2012
Mephisto antwortete auf BigBears Thema in Filmmusik Diskussion
...als ob Du "Predator" nicht hättest