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Mephisto

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  1. Nicht von mir. Ich erinnere mich, die Beschreibung vor einiger Zeit bei Digitmovies gelesen, als ich nach möglichen Peplum-Kandidaten Ausschau hielt. Da hat mich schon die Instrumentationsangabe abgeschreckt. Ich bin kammermusikalischen Besetzungen sehr aufgeschlossen und schätze auch alternative Herangehensweisen, hatte aber den Eindruck, dass man hier die beschränkten Möglichkeiten dank des knappen Budgets als Innovation feiert - und da werde ich schnell skeptisch. Solche Filme verlangen nunmal eine möglichst wuchtige Musik, da sie selber sehr auftrumpfend daherkommen (jedenfalls das, was ich davon gesehen habe, ihr könnt mich gerne korrigieren) und versuchen, größer auszusehen als sie sind. Da ist dann eine voll besetzte Orchestermusik ziemlich hilfreich, etwaige fehlende Schauwerte zu kaschieren. Aber der Canfora kam mir einfach unfreiwillig spröde vor.
  2. Vielen Dank für diesen ausführlichen Bericht. Damit habe ich SETTE GLADIATORI auf die lange Bank geschoben. Es freut mich aber zu lesen, dass für Dich noch ein nettes Hauptthema und ein schmachtendes Liebesthema bei rausgesprungen sind. Dafür, dass Du nach eigener Aussage über keine allzu großen musikalischen Fachkenntnisse verfügst, hast Du die Musik sehr anschaulich und "nachvollziehbar" beschrieben und damit wahrscheinlich auch vielen Leuten, die sich nicht professionell mit Musik auseinandersetzen, einen guten Eindruck vermitteln können. Das ist für so ein Forum mehr als wünschenswert! Richtet es sich doch schließlich hauptsächlich an interessierte Laien mit mehr oder weniger musikalischer Bildung. Ich wünsche, dass sich weitere Leute "trauen", ihre Eindrücke zu schildern, denn davon lebt ein Forum. Nur, weil dann jemand nicht mit der Wahrnehmung ("Ich finde die Musik sehr wuchtig." - "Mir ist sie nicht wuchtig genug!") übereinstimmt, bedeutet das nicht, dass man seine eigenen Eindrücke "falsch" oder "schlecht" geschrieben - oder gar selbst die Musik "falsch" gehört hat!!! Was ich von SETTE GLADIATORI auf youtube im Film gehört habe, hat mich nicht dazu bewogen, dafür um die 20,00€ auszugeben. Dein Bericht hat mich darin bestärkt. Ich bin "echten" Dudelsack von mehreren Liveerlebnissen gewohnt und habe viel Hörerfahrung, was Orchester- und Kammermusik betrifft. Mit etwas Übung kann man den Klang der einzelnen Holzblasinstrumente gut "auseinanderdifferenzieren". Den typischen Bass mit zwei Fagotten und die näselnden Oboen als Melodieinstrumente eignen sich für eine Imitation des Dudelsacks hervorragend.
  3. SILVERADO - Bruce Broughton Mit SILVERADO gelang 1985 das scheinbar unmögliche: Der Western erlebte eine Renaissance. Produzent, Drehbuchautor und Regisseur Lawrence Kasdan wollte einen Western für ein Publikum machen, das bisher kaum mit Western in Berührung gekommen war, denn schließlich war dieses "Ur-amerikanische" Genre seit Mitte der 70er für tot erklärt. Kasdan ließ nichts anbrennen und stopfte seinen Film voll mit allen erdenklichen Klischees. Revolverhelden, Saloonmädchen, Falschspieler, machthungrige Großrancher, brave Bürger bevölkern das staubige Westernstädtchen Silverado, umgeben von unendlich weiter Prärie und Longhornrindern. Auch Broughtons Musik orientiert sich an den "klassischen" Westernmusiken, ohne von Komponisten wie Bernstein, Newman und Tiomkin direkt abzukupfern. Das Zentrum seiner orchestralen Musik bildet das schmissige Thema, das deutlichen Americana-Geist versprüht. Kontrastiert wird es von dem gesanglichen Siedler-Thema, das meistens solistisch von den Holzbläsern vorgetragen wird. Für eine wirkliche Romanze ist in SILVERADO kein Platz mehr, ebenso für Frauen generell. Somit entfällt ein schmachtendes Liebesthema und auch die Bösewichter bekommen kein griffiges Motiv oder gar Thema verpasst. Einzig Mel, der Gewehrschütze der vierköpfigen Heldentruppe, bekommt ein eigenes Hornthema zugeordnet, das Broughton meisterhaft variiert. Abgesehen von der traditionellen orchestralen Konzeption mit einem markanten Hauptthema mutet die Musik überraschend "modern" an. Komponist und Regisseur einigten sich bei der Arbeit auf eine stark ans Bild gebundene Musik, sodass Broughton etliche Suspense- und Actionszenen zu vertonen hatte, wobei ordentlich in die modernistische Trickkiste gegriffen wird. Basslotusflöten (bekannt aus der Eingangsmusik aus Goldsmiths POLTERGEIST), gezuoftes Klavier, gestrichene Becken, dissonante Cluster, Col-legno-Attacken gibt es in den 80 Minuten zuhauf. Das alles ist tadellos gemacht, zündet aber streckenweise kaum als zufriedenstellendes Hörerlebnis. Auch die Actionpassagen sind oft überraschend "klein" vertont - nicht jedoch, ohne dass Broughton auf genügend Wucht in entscheidenden Momenten verzichtet. Viele der Suspense- und Actionpassagen sind allerdings schwer "greifbar", insbesondere da Action und Suspense ja zwangsweise häufig miteinander verknüpft sind. Es ist kein Wunder, dass die rund 18 Minuten Musik für den (elend langen) Schlusskampf nicht auf die ersten beiden Veröffentlichungen der Musik gepresst wurden. Es ist wahrscheinlich auch eher der besonderen Beziehung, die Intrada zu Broughtons Musik hat und dem anhaltenden Ruhm des Films gedankt, dass SILVERADO eine unlimitierte vollständige Veröffentlichung erhielt. Der Klang der Doppel-CD ist spitze, die Musik eine hervorragende Filmkomposition und streckenweise eine absolut mitreißende Musik, auf die Dauer aber doch weitaus weniger konzise als der später entstandene TOMBSTONE.
  4. COMIN' AT YA! - Carlo Savina COMIN’ AT YA! oder ALLES FLIEGT DIR UM DIE OHREN dürfte heutzutage nur noch als erster Italowestern in 3D für filmtechnisch Interessierte von Interesse sein, in seiner „flachen“ 2D-Variante bietet der auf Effekteinstellungen und brutale Gewaltszenen fokussierte Film über einen Bräutigam, der seine entführte Frau aus den Händen zweier Mädchenhändler befreien will, kaum noch Reize. Der Komponist Carlo Savina ging diesen Auftrag, der zu den letzten fünf Filmvertonungen seiner über vierzig Jahre umspannenden Karriere als Filmkomponist, sehr ambitioniert an. In seiner Musik fliegt dem Hörer allerdings kaum etwas um die Ohren, stattdessen bekommt man eine überaus lyrische und melancholische Komposition zu hören. Ein sehr sangliches, langes und melancholisches Hauptthema wird oftmals von der Mundharmonika, entweder komplett solistisch oder mit dezenter Streicherbegleitung interpretiert. Diesem Hauptthema stellte der Komponist noch ein weiteres sehnsuchtsvolles Thema zur Seite, dass häufig von einer Sopranistin in Vokalisen gesungen wird – spätestens seit „Jills Thema“ aus SPIEL MIR DAS LIED VOM TOD ein sehr beliebtes Mittel der Italowesternmusik. Jedoch selten brachte ein Komponist es fertig, seine Vokalise derart entrückt und mystisch zu Gehör zu bringen. In „A green wound“ und „peaceful memories“ wird das Vokalisenthema auch je einmal vom Englischhorn und dem Solocello vorgetragen, bevor die Sopranistin es wieder übernimmt. In „My wrong side“ und „In the cantina“ gibt es ein schmuckes neues Thema zu hören, das von einem Gitarrenduo gespielt wird, auch „Before your soul“ ist ausschließlich für Gitarren arrangiert. Eine besonders charmante Idee bildet die schottisch/keltisch-folkloristische Melodie für einen schottischen Priester („Celtic Cowboy“), arrangiert für zwei Fagotte, zwei Oboen und Englischhorn, die von Savina so brillant instrumentiert wurde, dass man ernsthaft glauben könnte, einem Dudelsack zu lauschen. Obwohl es sich also hauptsächlich um eine sehr ruhige und lyrische Vertonung handelt, kam Savina nicht darum herum, auch einige dramatische und Actionszenen mit Musik zu bedenken. Diese werden meistens von dissonant gegeneinander verschobenen Streicherlinien, durchzuckt von einem elektronisch anmutenden Perkussionseffekt, der ein bisschen an eine Holztrommel erinnert, eröffnet, und münden beispielsweise in „Carried away“ in ein groß angelegtes thema der Blechbläser, flankiert von der Sopranstimme und dem Weklagen der Mundharmonika. Insgesamt ist zu bemerken, dass es der Musik, obwohl Savina anscheinend eine gewöhnliche Orchesterbesetzung mit Holz-, Blechbläsern, Streichern und zwei Schlagzeugern zur Verfügung stand, durchweg an „Breite“ fehlt. Man spürt, dass die einzelnen Kompositionen oft ausladend konzipiert sind, aber die Aufnahme, die Interpretation oder auch die Instrumentation gibt das leider zu keinem Zeitpunkt her. Die Vokalise mit Orchesterbegleitung erreicht niemals die Klangfülle und die emotionale Stärke von „Jills Thema“, der Action fehlt es stets an Wucht. So gekonnt diese Musik also komponiert ist und so ambitioniert Savina offensichtlich bei der Sache war, bleibt COMIN’ AT YA! stets hinter den an sich gestellten eigenen Ansprüchen zurück – in Anbetracht der musikalischen Qualität umso bedauerlicher. Der Komponist stellte bereits zum Filmstart einen Albumschnitt aus knapp der Hälfte der Musik zusammen. Dieser wurde jedoch nie auf LP gepresst, sondern erstmals von GDM im Jahre 2007 auf CD veröffentlicht und mit einer Bonussektion der restlichen Aufnahmen erweitert. Es ist schön, die Musik zu diesem viel zu späten, aber aus filmhistorischen Gründen wichtigen Italowestern und ein Spätwerk Carlo Savinas endlich verfügbar zu haben, aber leider krankt die Musik an der fehlenden Wucht und klanglichen Breite.
  5. Lavagninos POMPEJI war in Stefans Empfehlungsliste (unter Vorbehalt) dabei, deswegen wurde der gleich von mir eingetütet. Diese ganzen CDs sind aber noch nicht bei mir - bis auf BARABBAS, den ich als einzigen von Stefans Empfehlungen noch nicht bestellt habe. Es wird aber noch ein paar Wochen dauern, bis ich dazu komme, sie durchzuhören. Morgen gibt's den letzten Western von mir in dieser "Reihe" und dann habe ich hier noch andere CDs rumstehen, die ebenfalls dringenst gehört werden wollen (Henze-Sinfonien, Paul Graener-Einspielungen bei CPO und weiteres).
  6. So etwas macht ja manchmal auch Laune, aber ich denke, ich habe "davon" schon genug in meinem Regal, deswegen werde ich mich erstmal mit SETTE A TEBE begnügen. Bitte unbedingt weitere Vorschläge hier reinstellen, falls Dir welche einfallen. Nur so können wir auch über Musik diskutieren
  7. Danke für die Rückmeldung. Immerhin kann man sich dann noch schöne 45 Minuten zusammenstellen. Kannst Du auch etwas zu IL GLADIATORE INVINCIBILE sagen? L´IRA DI ACHILLE ist auf dem Weg zu mir
  8. Es gibt leider keine Hörproben von GLADIATORE INVINCIBILE bei SAE. Zwischen der Titelmusik von ALL`OMBRA DELLE AQUILE auf youtube und der "bereinigten" Hörproben bei SAE liegen ja auch Welten. GLADIATORE hört sich nach viel Täterä und Bummbumm an, aber ohne die mitreißende Kraft oder wirklich ausgefeilte Orchestrierung. Ein bisschen so, als würde man ausschließlich diegetische Märsche von Rozsa hören ohne die fetzigen Schlacht- und Titelmusiken drumherum. Angus, ich hoffe, dass das, was ich da von 20 Minuten VHS-Mitschnitt gehört habe, nicht repräsentativ für SETTE GLADIATORI ist. Bin daher sehr gespannt auf Deine Rückmeldung.
  9. Gute Werbung sieht jedenfalls anders aus , aber wenn man die CD schon gekauft hat und dann erst das Booklet liest, ist's zu spät. Ich finde die CD absolut grandios und möchte sie nicht mehr missen! Man findet ja IL GLADIATORE INVINCIBILE und ALL`OMBRA DELLE AQUILE auf youtube. Ersterer schien mir ziemlich krawallig zu sein, ALL`OMBRA DELLE AQUILE macht schon etwas mehr her, aber SETTE A TEBE hat mich wirklich umgehauen von den Hörbeispielen auf SAE. Herrlich furios und mtreißend - ist vorgemerkt! SETTE GLADIATORI findet sich ja ebenfalls auf youtube. Angus, ich bin wirklich gespannt auf Deine Rückmeldung, denn im Film hört man eigentlich nur dröges Suspensegetrommel mit einigen dissoannten Bläsereinwürfen.
  10. I GIORNI DELL'IRA - Riz Ortolani I GIORNI DELL’IRA gehört ohne Frage zu den interessanteren Beiträgen zum großen Fundus der Italowestern. Regisseur Tonino Valerii verdiente sich seine Sporen als Regieassistent von Sergio Leone bei FÜR EINE HANDVOLL DOLLAR und FÜR EIN PAAR DOLLAR MEHR. Mit Lee van Cleve und Giuliano Gemma standen ihm zwei absolute Größen der Italowestern-Darsteller-Riege zur Verfügung. In Deutschland wurde der Film – warum auch immer – unter dem Titel DER TOD RITT DIENSTAGS verliehen. Der Film bietet theoretisch eine Alternative zu George Stevens’ SHANE – was wäre, wenn der kleine Junge doch mit seinem Idol mitgegangen wäre? Die Musik steuerte Riz Ortolani bei, der deutschen Westernfreunden vielleicht besonders durch seine schmissige Musik zu OLD SHATTERHAND in Erinnerung geblieben ist. Ortolani, der auch gerne experimentelle Vertonungsansätze wählte (man denke an seine seichte Popmusik zum blutigen CANNIBAL HOLOCAUST), lieferte zu I GIORNI DELL’IRA eine genremäßig untypische, aber fetzige Musik: Die Titelmusik (und ihre Reprisen im Filmverlauf) fegt mit einer ekstatischen Eröffnung des Orchesters – namentlich des Drumsets und Blechs – den Staub aus den Boxen. Auf diesen schrillen fast schon Big-Band-ähnlichen Klang folgt eins der lässigsten Gitarrenriffs der Filmmusikgeschichte, über den sich ein kerniges Hauptthema in einer weiteren E-Gitarre legt. Die Streicher schalten sich mit einem über weite Oktaven gestreckten Glissando ein – fast psychedelisch wirkt die Musik hier in der scheppernden 70er-Jahre-Abmischung. Schließlich erklingt das Gitarrenriffmotiv nun auch im Blech, über das nun die Trompeten – flankiert von der E-Gitarre, das Hauptthema intonieren – es klingt schrill, verrotzt und ungemein cool. Neben der Titelmusik, die auch im Filmverlauf wiederkehrt, entwarf Riz Ortolani noch ein zweites Thema lyrischen Charakters, das ebenso als Mundharmonikasolo oder der Solotrompete melancholisch über sanften Streicherteppichen intoniert wird, oder aber in der an eine Bigband angelehnten Tuttibesetzung fast als Rockballade arrangiert ist. Jenseits dieser zentralen musikalischen Elemente musste Ortolani natürlich auch mehrere Spannungspassagen komponieren. Diese sind leider ähnlich uninspiriert ausgefallen wie bei seinen Kollegen: Eine E-Gitarre intoniert das Hauptthema in gestreckter Form, während einige Zwischenschläge im Schlagzeug oder auf dem Klangkörper einer Akkustikgitarre eingeworfen werden. Es stellt sich hier bald die Frage, ob die Suspensepassagen nicht auch aus finanziellen Gründen so spärlich vertont wurden, um das Geld für die sonst recht große Besetzung zu sparen. Ohne Frage lieferte Riz Ortolani für I GIORNI DELL’IRA eine absolute Perle der italienischen Westernmusik ab, insbesondere die rotzige Titelmelodie und das lyrische Thema in der poppigen Version wie auch als Mundharmonika- und Trompetensolo gehören zu den absoluten Höhepunkten der Italowesternmusik. Bereits auf dem 22 Minuten langen Original-Album von 1970 wird deutlich, dass diese vier Hauptarrangements neben den immergleich gestalteten Suspense-Passagen den größten Teil der Vertonung ausmachen, denn auf der LP war fast jedes Stück doppelt in kaum unterschiedlichen Arrangements vertreten. Dies wurde umso deutlicher, als das kleine Label Penta Music 2016 erstmals die vollständige Musik zusammen mit dem Original-Album auf eine CD presste. So schön es auch ist, die vollständige Musik nun in stereo hören zu können, so wenig stellt ein kompletter Hördurchgang derselben zufrieden: Es wird auf Dauer einfach zu eintönig. Die LP-Zusammenstellung vermag jedoch große Freude zu bereiten und ich lege jedem Interessenten an Italowesternmusik dieses herrliche Album ans Herz – allein schon wegen der großartigen Titelmusik!
  11. Danke für den Hinweis, ich werde mal die Augen offen halten Bei "Liebesthema für Orgel und Orchester" werde ich ja schnell skeptisch. Handelt es sich da um eine leiernde E-Orgel oder um ein erhabenes Kirchenorgel-Arrangement?
  12. Wobei man auch bezüglich der Musik differenzieren muss. Broughton hat ein absolut famoses Thema geschaffen und eine im Filmzusammenhang absolut mitreissende Musik geschrieben, aber es ist eben auch dem Film geschuldet, dass viel Suspense und Mickey-Mousing verlangt waren. Insbesondere der Schlusskampf, zu dem Broughton rnd 20 Minuten Musik beisteuerte, zerfasert als alleinstehendes Hörerlebnis doch sehr stark. Kein Wunder, dass davon nichts auf dem ersten Album zu hören war. Ich halte TOMBSTONE da für das wesentlich koheräntere Hörerlebnis, das mit dem marzialischen Hauptthema und schönen Seitenthemen auch melodisch stark punktet.
  13. Also der Song ist nicht auf der CD enthalten. Gegen die Tonqualität habe ich nichts einzuwenden, man hört zwar, dass die Aufnahmen nun 50 Jahre alt sind, aber Knistern und Knacken hat man nicht drin. Woher die (verzichtbaren) Bonusstücke kommen, weiß ich nicht. Aber das wäre vielleicht ein Hinweis darauf, dass mehr als nur eine LP zur Verfügung stand. Vielleicht weiß Stefan mehr.
  14. Gute Frage, da war ich anscheinend nicht ganz bei der Sache. Kann es höchstens darauf zurückführen, dass bei Soundtrackcollector keine weiteren Werke vor BANDIDOS gelistet sind. Die in der Tat frappierende Ähnlichkeit mit Weill ist mir gar nicht aufgefallen, da ich die "Dreigroschenoper" kaum im Ohr habe - danke für diesen Hinweis! Ich habe mir über youtube jetzt einige Fassungen von "Kidnapped" angehört und bin zumselben Schluss gekommen. L'IRA DI DIO reicht mir vorerst als einzige Lacerenza-CD.
  15. Auf Nascimbenes Kompositionen bin ich auch schon gespannt, habe mir auf Stefan Schlegels Empfehlungen folgendes besorgt: - SOLOMON AND SHEBA (1959 – gekoppelt mit CARTAGINE IN FIAMME von 1959) Legend - I MONGOLI (1961) Digitmovies - LE BACCANTI (1961) Digitmovies sowie von Quartet ESTATE VIOLENTA/LA PRIMA NOTTE DI QUIETE
  16. Neuverfilmungen eines Buches gibt es ja immer wieder, wenn ich da nur an BEN-HUR oder TRUE GRIT denke. Insbesondere bei letzterem hat die Coen-Interpretation ganz gut getan und ich bin froh, dass es sie gibt, so charmant ich das "Original" mit dem bärbeißigen Wayne auch finde. Allerdings zeigt ja insbesondere TRUE GRIT, dass sich Neuverfilmungen von Büchern nicht großartig vom Original unterscheiden können, wenn beide sich einigermaßen dicht an die Vorlage halten. Schließlich gibt es in beiden TRUE-GRIT-Filmen ja hundertprozentige Übereinstimmungen einiger Dialoge. Bei einem Riesenschinken wie BEN-HUR ist das ja gar nicht möglich, da setzt dann jeder für sich Schwerpunkte. Mein Favorit ist und bleibt (wahrscheinlich) die zweite Stummfilmauflage. Eine Neuverfilmung von VOM WINDE VERWEHT würde ja ähnlich interessant sein, da Selznick und Co. sich bei der Adaption viele Freiheiten genommen haben. Ich sehe so etwas also durchaus nicht als Sakrileg, denn schließlich ist es ja seit Anbeginn des Langspielfilms eine ganz gewöhnlich Praxis. PAPILLON von Schaffner finde ich aber wirklich großartig!
  17. L'IRA DI DIO ist meine bisher einzige Westernmusik von Lacerenza, die ich zwar gerne höre, aber dringenden Nachholbedarf habe ich, was diesen Komponisten angeht, momentan nicht. Werde bei Gelegenheit aber nochmal ein Ohr bezüglich 20.000 DOLLARI SPORCI DI SANGUE riskieren. Auf SETTE GLADIATORI bin ich gespannt, habe die bei meiner Peplum-Bestellung diese Woche erstmal ausgelassen.
  18. BANDIDOS - Egisto Macchi BANDIDOS stammt aus der Hochphase des Italowesterns. Der überaus brutale und schnörkellos inszenierte Film handelt gleich mehrere in diesem Genre beliebte Motive ab: den Revolverschützen, der sein Handwerk nicht mehr ausüben kann, den jungen, von einem alternden Revolverschützen ausgebildete Pistolero, der seinen Mentor rächen möchte sowie feiste mexikanische Banditen und Gewissenskonflikte. Die Musik zu BANDIDOS war die erste Filmmusik des italinischen Komponisten Egisto Macchi, der neben Konzertwerken auch im experimentellen Bereich und der Musique Concrète unterwegs war. Davon spürt man in seiner Komposition zu BANDIDOS eher weniger, denn Macchi schrieb nicht nur eine größtenteils melodische und eingängige Musik, sondern orientierte sich offensichtlich an den Vorgaben des Genres. So arbeitete der Komponist mit der typischen Besetzung von Streichern, einigen Bläsern, E-Gitarre, E-Bass, Schlagwerk inklusive Drumset und Mundharmonika. Das Hauptthema ist sehr poppig arrangiert und präsentiert in der Solotrompete ein zweiteiliges Thema mit Ohrwurmqualität: Auf den ersten, eher melancholisch gehaltenen Teil des Themas folgt eine in helle Dur-Sphäre getauchte Melodie von eher beschwingtem Charakter. Besonders dieser zweite Teil wird häufig von Instrumenten wie der Trompete, der Gitarre oder der Mundharmonika über sanfte Streicherteppiche oder Gitarrenarpeggien – so insbesondere in Nr. 8 „Calle messicana“ – intoniert. In der Musik dominiert insgesamt eine sehr melancholische Stimmung, die selten aufgebrochen wird. Für den Zugüberfall zu Beginn des Films komponierte Macchi mit den treibenden Rhythmen der Pauken, der kleinen Trommel und später auch der Gitarre, über die sich Klangballungen oder einzelne Motive in den Blechbläsern türmen, eine äußerst „dreckige“ und „harsche“ Actionpassage, die man so selten im Italowestern hört. Auch die Suspensepassagen mit den scharfen Xylophonmotiven, die unisono mit gedämpften Beckenschlägen nervöse Streicher durchzucken, liegen über den durchschnittlichen kompositorischem Niveau ähnlicher Produktionen. Zu den besonders gelungenen Momenten gehört auch die Musik direkt im Anschluss an den blutigen Zugüberfall, in dem die Trompete eine melancholische, typisch mexikanisch anmutende Tonumspielung (ein Motiv, das auch an anderer Stelle auftaucht,) über sanfte Liegetöne der Streicher. Über zehn Jahre nach der Uraufführung des Films wurde eine LP mit 33 Minuten Musik zu BANDIDOS veröffentlicht, die alles Wichtige enthielt. Schließlich erfolgte auch eine CD-Veröffentlichung mit 12 zusätzlichen Minuten Musik die analog zu ähnlichen erweiterten Veröffentlichungen das zusätzliche Material einfach hinten an das Albumprogramm hängen. Hierbei handelt es sich beim Bonusmaterial zu BANDIDOS um zwei Source-Stücke (einmal Gitarre, einmal Klavier) und eine verzichtbare Suspensepassage. Der Albenschnitt enthält – wie so oft – mit dem Hauptthema, und den beiden Stücken zum Zugüberfall die stärksten Momente direkt zu Beginn. Die über fünf Minuten lange Suspensepassage „Alta Tensione“ vermag über die lange Dauer kaum zu fesseln und auch für die restlichen Stücke wurden mehrere Titel zusammengefügt, um auf längere Laufzeiten der einzelnen Stücke zu kommen. Darüber, inwiefern solche Kopplungen unabhängiger Kompositionen sinnvoll sind, lässt sich natürlich streiten. Insgesamt eröffnen einem mehrere Hördurchgänge noch viele Feinheiten, wo sich bei anderen Italowesternmusiken schnell Langeweile einstellt. Definitiv eine Bereicherung der Sammlung und ein hörenswertes Album!
  19. Vielen Dank! Dann bleibt der einzige Blockbuster, den ich diesen Sommer ernsthaft in Erwägung ziehe: FLUCH DER KARIBIK 5!
  20. Vielen Dank für diese ausführliche Besprechung! Dann werde ich wohl einen Bogen um diesen Film machen. Die ersten drei habe ich mir noch angesehen, aber vollkommen vergessen - und schon damals war ich von CGI-Schlachten übersättigt (ich glaube, der letzte Film, der mich mit sowas begeistern konnte, war noch SPIDERMAN 2). Aber es ist schön, eine differenzierte Besprechung von einer "Insiderin" zu lesen, besonders nach Deinen letzten Besprechungen war ich sehr gespannt auf diese hier. Bitte mehr Blockbuster-Kritiken hier
  21. L'IRA DI DIO - Michele Lacerenza L’IRA DI DIO wurde in Deutschland mittlerweile unter drei Titeln verliehen: LONESOME – DER ZORN GOTTES, DER EINSAME sowie DJANGO – EIN SILBERDOLLAR FÜR EINEN TOTEN, obwohl der Protagonist dieses Rachewesterns von der Stange weder LONESOME noch DJANGO hießt. Michele Lacerenza war nicht nur als Dirigent und Komponist tätig, sondern ein ausgezeichneter Trompeter, der von Ennio Morricone für die Trompetensoli für die Aufnahmen von dessen Musik zu Sergio Leones DOLLAR-Trilogie gewonnen werden konnte. Auch in seiner Filmmusik zu L’IRA DI DIO spielte Lacerenza die Solopartien für Trompete ein – und derer gibt es erwartungsgemäß viele. Das Hauptthema eröffnet mit einer großen virtuosen Geste des Klaviers über einem Streicherteppich, bevor die Trompete mit einem klagend-mexikanischem Motiv einsteigt. Dieses Motiv wird über die Liegetöne der Streicher und rollende Läufe des Klaviers mehrfach modifiziert und steigert sich, bevor es sich in einem sanglichen Thema entlädt. Hier fährt Lacarenza sogar noch einen kleinen Chor auf und ein dezenter Rhythmus des Drumsets verleiht dem Arrangement einen leicht poppigen Anstrich. Der Aufbau mit einem A-Teil, der hauptsächlich eine Steigerung durch die Modifikation eines prägnanten Motivs erzielt, und einem sanglichen, poppig instrumentierten B-Teil ist ein typisches Muster für die Vertonung von Titelsequenzen in italienischen Westernproduktionen (ich verweise an dieser Stelle auf I GIORNI DELLA VIOLENZA von Bruno Nicolai und I LUNGHI GIORNI DELLA VENDETTA von Armando Trovaioli). Diesem Hauptthema stellt Lacerenza zwei weitere Melodien zur Seite: ein schmissiges Ritt-Thema in den Hörnern, das von den Trompeten und Posaunen flankiert wird, sowie ein sehr ruhiges, in sich gekehrtes Thema, das fast immer von der Solotrompete über schlichte Begleitung der Streicher, manchmal auf von dem Chor verstärkt, gespielt wird. Dem Klavier kommt in den wenigen kurzen Suspense-Passagen eine wichtige Rolle zu: Hier grummelt es zusammen mit der Pauke und anderer Perkussion für eine im Film effektvolle Spannungserzeugung. Wenn man davon ausgeht, dass GDM auf ihrer CD aus dem Jahre 2006 sämtliche erhaltenen Aufnahmen gepresst hat, so nahm Lacerenza rund eine Stunde Musik für L’IRA DI DIO auf – auf den ersten Blick eine ganze Menge. Allerdings handelt es sich bei 80% des auf CD gehörten Materials um zahlreiche Einspielungen der drei thematischen Hauptelemente: Dem Haupt-, dem Ritt- und dem langsamen Thema. So stimmungsvoll diese drei Kompositionen auch sind, eine ganze CD lässt sich mit den immergleichen Darbietungen dieses Materials nicht gut bestreiten und so ist der Kunde gezwungen, eine eigene Auswahl zusammenzustellen, damit ihm die durchaus gelungene Musik nicht bald auf die Nerven geht. Die wenigen Suspensepassagen können dabei natürlich unberücksichtigt bleiben. Als wirkliche Fundstücke entpuppen sich aber die Einspielungen des Hauptthemas (20, „Cantina messicana“) und des langsamen Themas (17, „The Last Souvenir“) als Gitarrensolo. Diese verleihen den Melodien Lacerenzas nicht nur eine ganz neue, intimere Stimmung, sondern heben sich von dem durchgehenden Klangbild der Musik wohltuend ab.
  22. Ich habe mich letzter Tage noch einmal eingehender mit Musik und Film beschäftigt und möchte meine Eindrücke hier nun doch einmal kurz archivieren. Der Film schwimmt wie viele Western zur ersten Hälfte der 70er-Jahre im Fahrwasser der Post-WILD-BUNCH-Ära. Der alte Westen ist Geschichte, Telefone, Telegramme und Automobile tragen die "Moderne Zeit" auch in kleine Westernstädtchen, aber auch hier gibt es noch Urgesteine des Wilden Westens, die nach den alten Regeln kämpfen, so auch der Marshal Sam Burgade, der das Halblut Zach Provo verfolgt, der Burgades Tochter entführt hat. Die Verfolgungsjagd treibt die beiden Kontrahenten schnell in die Wildnis, wo die Errungenschaften der zivilen Welt nutzlos sind und es nur auf den Mann selbst ankommt. In Anlehnung an Peckinpah wird Gewalt möglichst schonungslos dargestellt, aus Schusslöchern spritzt immer knallrotes Blut und es gibt sogar eine sehr unangenehme Vergewaltigung. Dennoch kann ich nachvollziehen, warum der Film bei der Starbesetzung mit Charlton Heston und James Coburn kein Klassiker geworden ist, sondern einer von vielen Spätwestern geblieben ist. Ich würde da auch Filme wie THE SPIKES GANG oder VALDEZ vorziehen. Wie bei so vielen abgelehnten Filmmusiken fragt man sich auch bei THE LAST HARD MEN, warum die Originalmusik eigentlich abgelehnt wurde. Der Film ist grimmig, brutal und auch irgendwo resignativ. Die entsprechende Filmmusik dann rauszuschmeißen, weil sie zu düster ist, widerspricht doch dem Ausgangskonzept des Films. Laut Intrada-Booklet war Rosenman ziemlich auf sich gestellt, weil ein Todesfall in der Führungsriege die Produktion etwas chaotisch werden ließ. Rosenmans schrieb eine modernistische Musik, die dem Charakter des Films entspricht. Für den Gesetzeshüter und Vater Sam Burgade entwarf der Komponist ein dynamisches Thema, das aber nur beim losreiten der Posse und zum Abspann zur vollen Blüte gebracht wird. Sonst zieht es sich als markante Motivzelle aus vier bis Noten durch die spannungsvolle und atonale Orchesterkomposition. Wirklich westernmäßig erscheint die Musik vielleicht mit Ausnahme des Burdate-Motivs nicht. Rosenman verzichtet erfreulicherweise auf billige Indianerklischees für das Halbblut Provo und ungetrübter Heroismus wäre für Burgade, eine gebrochene Figur, ohnehin nicht möglich. LAST HARD MEN von Rosenman ist somit also ein handwerklich hervorragend gemachter Suspensescore, der als für sich stehendes Hörerlebnis allerdings unegrtübter Konzentration und trotz der kurzen Laufzeit von einer halben Stunde auch einbisschen Sitzfleisch erfordert. Selbst bei mehrmaligem Hören bleibt nicht viel haften, viel zu kleinteilig ist die Musik angelegt mit nervösen Staccato-Figuren sich dahinziehenden Hornintervallen, grummelnden Fagott-Orgelpunkten, kurz eingeworfenen Harfenakkorden, ruppigen Paukenrhythmen und schleichenden Bassklarinettenfiguren. Einzig ein Gefahren- oder spannungsmotiv aus zwei auseinanderlaufenden Linien kann wiederholt ausfindig gemacht werden und wechselt sich zuweilen auch mit dem Burgate-Motiv in tiefer Lage ab. Als wäre die Hebung der Rosenman-Musik Glanzleistung genug, veröffentlichte Intrada auch noch die nicht verwendeten Neuafunahmen diverser Goldsmith-Western-Titel, die schließlich im Film zu hören waren. Leider erfüllt sich hier nicht die Hoffnung, Goldsmiths meisterhafte Musik zu 100 RILFES in knackiger, aber sauberer Klangqualität als die Originalaufnahmen zu hören. Dennoch sind diese Aufnahmen eine schöne Dreingabe und machen die CD, zu einem echten Kuriosum, da mit dem aus den Rosenman-Aufnahmen stammenden Saloonklavier nur knapp 2 Minuten von 66 Minuten Musik im Film zu hören sind, die für LAST HARD MEN aufgenommen wurden.
  23. Für die meistens nicht. Ich schätze, daher rührt auch die geringe Stückzahl, schließlich ist die Universal-France-CD noch zu normalem Preis erhältlich. Diese Ausgabe richtet sich offensichtlich an die Hardcoresammler...also auch mich
  24. Mittlerweile ist ja echt alles möglich, was "Komplettveröffentlichungen" aktueller Filmmusiken angeht. Dass man gleich ein Doppel-CD-Set beim Boutiquenlabel bekommt, hätte ich jetzt nicht gedacht. Das neue Thema... nunja, man merkt, dass sich Jablonsky alle Mühe gegeben hat, es getragen und emotional werden zu lassen, ich rücke aber von meiner ersten Einschätzung nicht ab: hier wird sich mit dem Weg des geringsten Widerstandes begnügt und auf sicheren Pfaden gewandelt. Die Fans wird's freuen, mich interessiert es wenig. Was ich aber noch kritisieren möchte, ist folgendes: Die aufgeblasene Klangästhetik. Dieser auf Hochglanz polierte, jede natürlich räumliche Umgebung missen lassende Klang, der sich - obwohl lebendige Menschen spielen - sich so sehr nach Computer anhört, mit all diesen wummernden Bässen, wenn schon eine Fliege auf dem Fell der großen Trommel landet, geht mir echt ab. Das kritisiere ich nur bei dieser Gelegenheit, weil es eine Sache ist, die sich auch außerhalb des TRANSFORMERS-Universum leider beobachten lässt. Wäre es ein Charakteristikum dieser Filmreihe, würde ich es nicht erwähnen oder als spezifisches Stilmittel attestieren. Das Gegenteil sind natrlich die jede Tiefe und spürbare Interaktion der Orchestermusiker vermissen lassende "Pro-Tools"-Schichtaufnahmen eines Desplats oder auch Giacchino... auch nicht schön.
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