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Mephisto

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Alle Inhalte von Mephisto

  1. Es wäre ja nicht die erste Filmreihe, in der Zimmer Williams ablöst Aber mal ehrlich: Interessiert sich Zimmer gerade für orchestralen Klimbim, den er anscheinend alternativlos für Star Wars liefern müsste? Seine Arbeit tendiert doch immer mehr zum klanglich-experimentellen Ansatz. Außerdem wissen wir ja nicht, wie HAN SOLO überhaupt aussehen soll. Nachdem man doch schon mit ROGUE ONE einen dreckigereren härteren Kriegsfilm schaffen wollte (ob es geklappt hat, sei einmal dahingestellt), kann HAN SOLO doch auch von der Originaltrilogie oder dem Reboot oder dem ersten Spin-Off unterscheiden.
  2. Würde natürlich die Joel-Goldsmith-Fans hier freuen, aber ist dieser Herr denn ein "Intrada regular"? Oder meinen die damit, dass das "Stargate"-Doppel-CD-Seit in der MAF-Reihe veröffentlicht wird?
  3. L'UOMO, L'ORGOGLIA, LA VENDETTA – Carlo Rustichelli Mit L'UOMO, L'ORGOGLIA, LA VENDETTA legte Regisseur Luigi Bazzoni eine interessante Verfilmung des Carmen-Stoffes vor. Der Film basiert auf dem Roman „Carmen“ von Prosper Mérimée, wobei die Originalfassung des Films kein Italowestern im reinen Sinne ist, spielt der Film im Original tatsächlich in Spanien. In Deutschland ließ man es sich nicht nehmen, auch diesen Film zu einem Teil der nonexistenten DJANGO-Reihe zu machen. Dass Originaldarsteller Franco Nero auch hier die Hauptrolle spielte, machte es dem Verleiher noch einfacher, L'UOMO, L'ORGOGLIA, LA VENDETTA kurzerhand in MIT DJANGO KAM DER TOD umzutaufen. Doch selbst das und die Verlegung der Handlung nach Mexiko konnte dem Film nichts anhaben. Die tragische Geschichte eines rechtschaffenden Soldaten zu einer freiheitsliebenden Frau, die ihn ins sichere Ungluck stürzt, wurde mit überzeugenden Darstellern umgesetzt. Klaus Kinski brilliert in einer Nebenrolle und darf natürlich einen zweiminütigen Leinwandtod sterben. Für die Musik war Carlo Rustichelli verantwortlich, der eine umfangreiche und packende Musik zu dem Film beisteuerte. Rustichelli stand ein voll besetztes Orchester und für einige wenige Passagen auch ein Chor zur Verfügung. Bereits die Vorspannmusik entpuppt sich als ein packendes und mitreißendes Erlebnis, in dem der Komponist noch keine Themen etabliert, sondern mit brodelnden Klangflächen, einigen Gitarrenfiguren und gedehnten Flamenco-Idiomen ein bedrohliches Mosaik entwarf. Auf der visuellen Ebene erhält man bereits einen Vorgeschmack auf das Schicksal, das den Protagonisten letzten Endes ereilen wird. Doch direkt nach der Eröffnung wird die unbehagliche Stimmung schnell verdrängt, während die Geschichte zwischen dem Offizier José und der Zigeunerin Carmen aufkeimt. Hier herrschen zarte Töne vor, das Hauptaugenmerk liegt auf spanischem Kolorit. Das leicht melancholische Thema Josés wird dabei häufig von der Gitarre gespielt wie auch zwei wichtige diegetische Stücke: Ein Flamenco für einen Tanz Carmens und eine Habanera, die während der ersten Liebesnacht von der Straße ins Fenster klingt. Doch schon bald kommen Misstrauen und Eifersucht an die Oberfläche. Hier etabliert Rustichelli ein neues Motiv, das offensichtlich der berühmten „Carmen“-Oper von George Bizet Tribut zollt. Bizet komponierte ein unerbittliches Schicksalsmotiv, das stets von zwei Orchesterschlägen bekräftigt wird. Auch Rustichellis Eifersuchts-Motiv ist ähnlich aufgebaut: Auf eine klagende, sich windende Streicherfigur folgen zwei dumpfe Schläge in der großen Trommel und den gezupften Bässen. Der Komponist stiehlt hier nicht dumm bei einem Kollegen, sondern schafft eine gelungene Referenz. Zum Schluss wird dieses Eifersuchtsmotiv in brutalem Tutti inklusive des Chors den Film beschließen. Während also ruhige Klänge in der ersten Filmhälfte vorherrschen und insbesondere die Gitarre als wichtige Klangfarbe dominiert, übernimmt insbesondere im mittleren Drittel das Orchester als Ganzes die Führung. Für den Überfall auf einen reichen Engländer und die körperlich ausgetragenen Differenzen zwischen José und Carmens Ehemann Garcia (Kinski) komponierte Rustichelli mehrere Actionmusiken, die es an Kraft und Brutalität mit jeder anderen Italomusik aufnehmen können. Schrille Trillerfiguren der Holzbläser und Streicher, voranpreschende Schlagzeugrhythmen, markige Blechfiguren – hier bleibt kein Auge trocken! L'UOMO, L'ORGOGLIA, LA VENDETTA gehört eindeutig zu den abwechslungsreichsten und mitreißendsten Musiken, die das Genre zu bieten hat. Carlo Rustichelli zeigt sich hier als wahrer Könner und übertrifft auch mehrere seiner eigenen Arbeiten. Der Film ist zu fast zwei Dritteln mit Musik unterlegt, sodass Rustichelli rund 75 Minuten für den Film aufnahm. Die Höhepunkte wurden bereits als LP-Album und später auch auf CD veröffentlicht, bevor Digitmovies 2012 die fast vollständige Filmmusik nachreichte. Dabei wurden wieder einmal die unveröffentlichten Stücke als Bonussektion an die originale Albumzusammenstellung gehängt und falsch betitelt. Tatsächlich handelt es sich nur bei einem Stück wirklich um eine Alternatiffassung eines anderen Stücks. Sämtliche anderen Passagen sind auch im Film zu hören. Ich habe unten eine Zusammenstellung der CD nach dem Film erstellt, falls jemand genauere Titel haben will und die Musik auch in Filmreihenfolge hören möchte. Das komplette Album mag durch die viele Wiederholung irgendwann etwas ermüden, in der kurzen Albumversion um einige Stücke aus der Bonussektion ergänzt, handelt es sich aber um ein packendes Erlebnis. L'UOMO, L'ORGOGLIA, LA VENDETTA sei jedem ans Herz gelegt, der etwas für spanisches Flair und mitreißende Orchesteraction übrig hat! 01 – Vorspann 02 – Carmen am Tor 26 – Carmens Flucht/Arrest 03 – Carmens Tanz 15 – Carmens Tanz (mit Perkussion) 09 – Festmusik 07 – Carmen und José 05 – Die erste Liebesnacht 23 – Der nächste Morgen/José bei Dolores Pastias 31 – Carmen und José bei der Mauer 04 – In der Kirche 22 – José verfolgt Carmen 30 – José im Fieberwahn 19 – José und Remendado/Der Kuss 08 – José und Carmen am See 16 – José und Carmen am See (alternativ) 17 – Planung des Überfalls 25 – In der Villa des Engländers 06 (00:00 – 02:13) – Kutschfahrt/Sprengung des Felsens 18 – Die Kutsche nähert sich 06 (02:14 – 03:51) – Garcia stiehlt die Kutsche/José nimmt die Verfolgung auf 20 (01:03 – 2:33) – José bringt die Kutsche zurück/Schießerei 10 – Garcia verfolgt den Soldaten/José findet Remenado 28 – Remenados Tod 29 – José und Garcia kämpfen 21 – Durch die Wüste 27 – Carmen geht fort/Sonnenuntergang/Im Versteck 11 – Messerkampf 12 – Garcias Tod 24 – Miguels Anfall/José berichtet von Garcias Tod 13 – Carmen und José 14 – Carmens Tod 32 – Josés Tod/Finale
  4. Alan Silvestri - YOUNG GUNS II Ich war anfangs ja sehr skeptisch und hätte nicht gedacht, dass mir die Musik dermaßen zusagen würde. Silvestri schuf für die Fortsetzung von YOUNG GUNS einen facettenreichen Hybridscore, der den Anforderungen an eine dramatische Filmmusik ebenso gerecht wird wie jenen dem damals aktuellen Zeitgeist geschuldeten Rücksicht auf Pop-Idiome. Mit einem normal besetztem Orchesterensmble plus Band und einiger Keyboard-Unterstützung begleitet Silvestri die jungen Revolverhelden durch ihre lebensgefährlichen Abenteuer. Den Auftakt der Musik macht eine modal angehauchte Melodielinie des (aus dem Keyboard dröhnenden) Männerchors über stereotype "Indianertrommeln". Dieses ein bisschen Mystik verbreitende Element zieht sich ebenso durch die Musik wie das anschließend vorgestellte Hauptthema. Diese hauptsächlich aus Wechselnoten mit einem charakteristischen Terz-Ausbruch bestehende Linie erklingt in halbsynthetisch-poppigen Gewand, gestützt durch massiv nachhallendes Schagzeug, einen wuchtigen E-Bass, in für die 80er und 90er-Jahre so typischen, gerne auch von Goldsmith verwendeten "Glocken-Synthies" und wird ebenso wie der "Indianerchor" klanglich und melodisch kaum bis gar nicht variiert. Nur einmal, in "Tom Dies", hören wir das Thema vom Tuttiorchester ohne rockige Unterstützung vorgetragen, um es anschließend in "Chavez's Wound" als melancholisches Duett zweier Klarinetten und anschließend auch in der Gitarre zu hören. Die Suspense- und Actionpassagen sind hervorragend gemacht. Hier steht fast immer das traditionelle Orchester im Fokus. Mehrere Actionpassagen erinnern dabei an die (späteren) tänzerischen Momente in Horner ZORRO-Musiken. Dies ist denn auch der einzige "mexikanische" Aspekt, da Silvestri ebenso Mariachi-Klischees meidet wie "De-Guello-Trompetensoli". Derartige Actionpassagen münden relativ häufig in dem poppigen Hauptthema, in "The Battle" darf sich dann sogar der Gitarrist mit einem rockigen Solo austoben. Dennoch fällt die Musik erstaunlicherweise nicht auseinander, wie man es vermuten könnte. Auch langweilt sie trotz der ständigen Wiederholungen des Hauptthemas und der Indianergesänge nicht eine Sekunde. Das Album ist nahezu von filmmusikhistorischer Medeutung, handelt es sich doch um die erste CD, die Intrada nicht mehr mit streger Limitierung veröffentlichte, sondern so lange im Katalog ließ, "as interest or quantity remains". Nach drei Monaten war die CD dann auch bei Intrada nicht mehr erhältlich, was in Anbetracht der großen Nachfrage nach der Musik erstaunt. Das Album wurde mitunter vom Komponisten selbst zusammengestellt, enthält anscheinend nahezu die komplette Musik in chronologischer Reihenfolge, wobei mehrere Passagen in längere Titel zusammengefügt wurden. Obwohl ich ein strikter Gegner solcher Überblendungen bin, stören sie mich in YOUNG GUNS II ausnahmsweise nicht. Alles richtig gemacht, Intrada - und natürlich Alan Silvestri!
  5. Als - mittlerweile - "damals" 2013 INTO THE WEST von Geoff Zanelli und YELLOW ROCK von Randy Miller erschienen, gab ich letzten damals den Vorzug, weil ich dachte, dass auf die 90er-Haudegen noch Verlass sei, während ich Zanellis Ethno-Klischees kaum brauchen würde. Aber ich muss unserem (mittlerweile zweifach in Forenrente gegangenen) Filmmusikdrachen beipflichten: Bei YELLOW ROCK knickte auch Randy Miller vor dem generischen Zeitgeist ein: Am Film - einer Indie-Genreproduktion - scheinen sich ja die Geister zu trennen: Die durchschnittlich schlechte Publikumsbewertung steht mehreren Auszeichnungen diverser Filmfestivals entgegen. Dabei liegt der Verdacht nahe, dass der Film vielleicht einige Preise einheimste, weil die Indianer in diesem Film historisch korrekt als Opfer dargestellt werden. Zwei Jahre nach der Filmstart nahm sich Intrada der Musik an und veröffentlichte 50 Minuten auf CD. Mich würde ja einmal die genaue Bestezung interessieren, die Randy Miller trotz des geringen Budgets zur Verfügung stand. Das kleine Orchester wurde jedenfalls mit einigen Samples verstärkt, wobei mehrere offensichtlich synthetische Effekte für mehr geheimnisvolle und mystische Atmosphäre sorgen sollen und den Klang räumlich auch zu erweitern scheinen. Insgesamt ist Randy Miller musikalischer Beitrag äußerst generisch geraten. Dies mag auch daran liegen, dass man - trotz eher orchestraler Besetzung - der Fokus deutlich auf den "indianischen" Elementen liegen sollte. Insgesamt krankt aber Millers Integration dieser "indianischer" Charakteristika an denselben Merkmalen wie in Westernproduktionen der 30er bis 60er Jahre: Was früher austauschbare Tomtomrythmen mit pentatonischen Bläserlinien waren, besteht nun aus weltmusikähnlichen Ethnoklischees. Miller setzt mehrere Holzflöten und natürlich jede Menge "ethnisches" Schlagwerk, wahrscheinlich taikoähnliche Trommeln (wenn nicht gar wirkliche Taikos) ein. Auch der Rest des Orchester, maßgeblich aus Streichern und einigen Blechbläsern bestehend, übernimmt hauptsächlich rhythmische Funktionen, sodass die Musik durchgehend "massig" rüberkommt: Es wummert und dröhnt ordentlich, die verschiedenen Flöten und synthetische Klangflächen sorgen für notwendigen "indianischen" Einschlag. Melodisch ist die Arbeit äußerst schwach geraten: Zu Beginn stellen die Flöten eine wenig uninspirierte Melodie vor, die aus zwei wenig variierten 6-Tonzellen besteht. Da dieses Thema auch nur insgesamt dreimal in den folgenden 50 Minuten zu hören sein wird, nimmt man es gar nicht als tragendes musikalisches Element wahr. Weitaus mehr Rampenlicht wird dann den Gitarren gewidmet, die - entweder von wuchtigen Paukenschlägen unterbrochen oder in das wummernde perkussive Gedröhne gebettet - einige Motive aneinanderreihen, die aber ebenfalls nicht im Ohr haften bleiben. Ich könnte mir die Musik zu YELLOW ROCK auch gut in einem Computerspiel (musste häufiger an Desperados 2 denken) vorstellen oder einer Hochglanz-Westernserie, in der diverse atmosphärische Library-Stücke hin- und hergeschoben werden. Wer sich mittels weltmusikalischer Floskeln und ordentlich wummernder Trommeln gerne mal in die Jagdgründe der amerikanischen Ureinwohner versetzen lässt und auch ein paar kernige Westerngitarrenklänge nicht verschmäht, dürfte mit YELLOW ROCK zufrieden sein, alle anderen haben nichts verpasst.
  6. Dieser Eintrag ist wahrscheinlich direkt für's Foren-Archiv gemacht, da Millers Musik seit mittlerweile zwei Jahren nicht mehr bei Intrada gelistet ist. Am Film - einer Indie-Genreproduktion - scheinen sich ja die Geister zu trennen: Die durchschnittlich schlechte Publikumsbewertung steht mehreren Auszeichnungen diverser Filmfestivals entgegen. Dabei liegt der Verdacht nahe, dass der Film vielleicht einige Preise einheimste, weil die Indianer in diesem Film historisch korrekt als Opfer dargestellt werden. Zwei Jahre nach der Filmstart nahm sich Intrada der Musik an und veröffentlichte 50 Minuten auf CD. Mich würde ja einmal die genaue Besetzung interessieren, die Randy Miller trotz des geringen Budgets zur Verfügung stand. Das kleine Orchester wurde jedenfalls mit einigen Samples verstärkt, wobei mehrere offensichtlich synthetische Effekte für mehr geheimnisvolle und mystische Atmosphäre sorgen sollen und den Klang räumlich auch zu erweitern scheinen. Insgesamt ist Randy Miller musikalischer Beitrag äußerst generisch geraten. Dies mag auch daran liegen, dass man - trotz eher orchestraler Besetzung - der Fokus deutlich auf den "indianischen" Elementen liegen sollte. Insgesamt krankt aber Millers Integration dieser "indianischer" Charakteristika an denselben Merkmalen wie in Westernproduktionen der 30er bis 60er Jahre: Was früher austauschbare Tomtomrythmen mit pentatonischen Bläserlinien waren, besteht nun aus weltmusikähnlichen Ethnoklischees. Miller setzt mehrere Holzflöten und natürlich jede Menge "ethnisches" Schlagwerk, wahrscheinlich taikoähnliche Trommeln (wenn nicht gar wirkliche Taikos) ein. Auch der Rest des Orchester, maßgeblich aus Streichern und einigen Blechbläsern bestehend, übernimmt hauptsächlich rhythmische Funktionen, sodass die Musik durchgehend "massig" rüberkommt: Es wummert und dröhnt ordentlich, die verschiedenen Flöten und synthetische Klangflächen sorgen für notwendigen "indianischen" Einschlag. Melodisch ist die Arbeit äußerst schwach geraten: Zu Beginn stellen die Flöten eine wenig uninspirierte Melodie vor, die aus zwei wenig variierten 6-Tonzellen besteht. Da dieses Thema auch nur insgesamt dreimal in den folgenden 50 Minuten zu hören sein wird, nimmt man es gar nicht als tragendes musikalisches Element wahr. Weitaus mehr Rampenlicht wird dann den Gitarren gewidmet, die - entweder von wuchtigen Paukenschlägen unterbrochen oder in das wummernde perkussive Gedröhne gebettet - einige Motive aneinanderreihen, die aber ebenfalls nicht im Ohr haften bleiben. Ich könnte mir die Musik zu YELLOW ROCK auch gut in einem Computerspiel (musste häufiger an Desperados 2 denken) vorstellen oder einer Hochglanz-Westernserie, in der diverse atmosphärische Library-Stücke hin- und hergeschoben werden. Wer sich mittels weltmusikalischer Floskeln und ordentlich wummernder Trommeln gerne mal in die Jagdgründe der amerikanischen Ureinwohner versetzen lässt und auch ein paar kernige Westerngitarrenklänge nicht verschmäht, dürfte mit YELLOW ROCK zufrieden sein, alle anderen haben nichts verpasst.
  7. Ich persönlich bin zugegebenermaßen ein Genre-Freund. Mich interessiert, wie Filmemacher sich innerhalb des Rahmens eines bestimmten Genres bewegen, ob und wie sie ihn sprengen etc. Dabei interessiert mich momentan das Western-Genre (auch außerhalb der italienischen Grenze) besonders. Ich mag einfach die Atmpshäre, den Stil, der mit bestimmten Filmgenres verbunden ist. Andere sagen mir größtenteils nicht zu wie aktuelle Science-Fiction- und Superheldenfilme. Das bedeutet natürlich nicht, dass ich nur Western-, Römer- und Noir-Musiken bei mir im Regal stehen habe, aber die Erkundung bestimmter Felder (Epochen, Komponisten, Gattungen) nicht nur in der Filmmusik bestimmt seit Jahren meine musikalische Horizonterweiterung. Aber nochmal: Ich habe ja schon - bevor ich noch irgendeine CD von Euren Empfehlungen gekauft habe - den Rahmen stark gelockert und Ihr seid mit Euren Empfehlungen bezüglich Historienfilme bei mir ja auf offene Ohren gestoßen.
  8. Stefan! - Tausend Dank für die ganzen Hinweise. Dann habe ich GLI SETTE GLADIATORI jetzt auf die Wartebank geschoben, mal sehen, was Angus darüber zu berichten weiß. Aus der Western-Geschichte habe ich ja schon gelernt, daher habe ich ja auch schnell dank Eurer Hinweise den Genre-Hahmen gelockert. Es wird, wie gesagt, noch einige Wochen dauern, bevor ich in die Peplum-Kiste steige, aber die ganzen Hinweise - insbesondere auch zu Saladino - und die Hintergrundinfos sind sehr hilfreich - und wahrscheinlich/hoffentlich nicht nur für mich so interessant!
  9. Das wäre klasse, I SETTE GLADIATORE scheint ja bisher noch gar nicht veröffentlicht gewesen zu sein. Danke für die Empfehlung SOLIMANO IL CONQUISTATORE, das Cover sieht ja arg trashig aus, aber ich habe ihn jetzt mal notiert. Was mich noch immer ein bisschen wundert: Den Italowestern hört man das niedrige Budget ja auch oft musikalisch an, wenn da nur 7 Musiker irgendwelche Pop-Plattitüden rumdudeln, dann glaube ich nicht, dass das in allen Fällen eine rein künstlerische Entscheidung seitens Regisseur und Komponist war. Hatten die Peplum-Filme in der Regel mehr Regie oder wie kommt es, dass da anscheinend öfters voll besetzte Orchester zum Einsatz gekommen sind? Kannst Du noch etwas zu COL FERRO E COL FUOCO sagen?
  10. Danke für den Tipp. Während GLI SCHIAVI PIÙ FORTI DEL MONDO mittlerweile komplett erhältlich ist, scheint die CAM-CD mit VENDETTA DI SPARTACUS leider vergriffen. Mich interessiert ja COL FERRO E COL FUOCO, der zwar kein Peplum-Film ist, aber ganz interesant scheint, weil de Masi und Giovanni Fusco anscheinend die Arbeit aufgeteilt haben wie Herrmann und Newman bei THE EGYPTIAN. Gibt's sonst noch einen furiosen und mitreißenden Peplum-Score von de Masi solo, den ihr empfehlen könnt? I MONGOLI und SALADINO sind jetzt ebenfalls auf der Liste Letztens wurde ja I SETTE GLADIATORI von Giombini angekündigt. Könnt ihr das empfehlen oder eher nicht?
  11. Vielen Dank, Stefan, für diese großartige Liste! Mittlerweile sind ja gerade einige der Digitmovies-Alben vergriffen, aber über die Hälfte der 18 empfohlenen Alben zu bekommen. Hier stehen noch einige Western an (u. A. auch L'UOMO, L'ORGOGLIO...) und aanch wollte ich mich noch ein bisschen außerhalb der Filmmusik tummeln, aber die wahrscheinlich noch dieses Jahr werden erste Schritte auf dem Peplum-Gebiet unternommen
  12. Absolut, diese CD macht eigentlich durchgehend Spaß! Stefan, welche Peplum-Alben könntest Du denn (nahezu) uneingeschränkt empfehlen? Also mit wirklich starken Themen, großen Chören, schmachtenden Liebesthemen, furioser Action und Fanfaren, Pomp und Gloria? Was ungefähr 100.00 DOLLARI PER RINGO, SETTE DOLLARI SUL ROSSO, L'UOMO, L'ORGOGLIO E LA VENDETTA oder IL PISTOLERO DELL'AVE MARIA, UN MINUTO PER PREGARE, UN INSTANTO PER MURIRE etc. für den Italowestern sind? Ich überlege, mir um die fünf Aben zuzulegen und vielleicht auf 15 bis höchstens 20 aufzustocken.
  13. IL MIO NOME E' SHANGHAI JOE - Bruno Nicolai IL MIO NOME E' SHANGHAI JOE gehört zu jenen Rettungsversuchen des Italowesterns, in dem das Genre mit Elementen eines anderen „aufgepeppt“ werden sollte, im Falle von SHANGHAI JOE handelt es sich dabei um Elemente des seit Beginn der 70er Jahre äußerst beliebten aus Asien importierten Kung-Fu-Films. Mit viel gutem Willen kann man dem Streifen sogar eine Kritik am amerikanischen Traum und einen politischen Standpunkt attestieren: Shanghai Joe möchte Cowboy auf einer Ranch werden, begegnet im „Land der unbegrenzten Möglichkeiten“ allerdings nur Rassisten, die ihn oder Mexikaner quälen wollen. Der inhaltliche Ansatz des Films erstickt schnell in den Gewaltexzessen des äußerst brutalen Streifens. Heute ist der Film mit Kultpotential wahrscheinlich zu Recht vergessen. Die Musik lieferte der erfahrene Komponist Bruno Nicolai, der zwar musikalisch auch auf den fernöstlichen Aspekt des Films einging, in erster Linie aber eine typische Italowesternmusik schuf. Bereits die Titelmelodie bedient mit der kernigen E-Gitarre, einer schicken Trompetenlinie über Chorvokalisen und treibende Orchesterbegleitung fast alle nötigen Italowesternklischees. Das ist Musik von der Stange, klar, aber oft hat man diese Ingredienzen schon weitaus gelangweilter und weniger wirksam zusammengerührt bekommen – nicht zuletzt bei Nicolai selber! Auch im weiteren Verlauf weiß die Musik zu unterhalten. In „La Partenza“ schält sich aus einigen Suspense-Klischees ein recht poppiges Stück mit Orgel und Drumset sowie dezenter Gitarren- und Bassbegleitung heraus. In „Richiami D'Amore“ präsentiert uns Nicolai gemütliche Streicherseligkeit mit Gitarrensoli und einem schicken Fagottsolo, der asiatische Einschlag findet sich dann endlich in „Shanghai Joe“ durch eine pentatonische Melodie, wobei uns die E-Gitarre mit ihren Zwischenschlägen nie vergessen lässt, dass wir uns hier eigentlich in einem Italowestern befinden – geschickt gelöst. Die wenigen Suspensepassagen hat man schnell durchgesessen und sonst wartet Nicolai in fast jedem Stück mit einem neuen melodischen Einfall auf. Auszüge aus der Musik wurden bereits ein Jahr nach dem Filmstart auf LP veröffentlicht. Interessanterweise wurde auf einige Passagen der Originalmusik zu Gunsten von Temptracks aus anderen Nicolai-Westernkompositionen (UNA NUVOLA DI POLVERE... UN GRIDO DI MORTE... ARRIVA SARTANA sowie UN UOMO CHIAMATO APOCALISSE JOE) verzichtet. Insgesamt handelt es sich bei dieser Präsentation von IL MIO NOME E' SHANGHAI JOE um eine der gefälligsten Italowesternmusiken, die ich kenne. GDM hat das Album 2014 in die Hillside-Serie ohne zusätzliches Material aufgenommen. Ich kann diese CD – im Gegensatz zu einigen, die ich auf diesen Seiten vorgestellt habe – wirklich empfehlen. Freunde von klassischer bzw. typischer Italowesternmusik kommen hier voll auf ihre Kosten und einen schicken Bonus in Form des (zum Glück nur auf einen Titel reduzierten) asiatischen Einschlag gibt’s auch noch oben drauf!
  14. Bei mir hat sich das in den letzten 15 Jahren sehr gewandelt. Zu Beginn habe ich eigentlich nur Musik zu Filmen gekauft, die ich schon kannte. Ich erinnere mich noch, dass ich SCHNELLER ALS DER TOD und DER DUFT DER FRAUEN eines Abends hintereinander auf Kabel1 gesehen habe, und anschließend genau diese Kombi im Internet bestellt. Mittlerweile ist es fast umgekehrt - selten kaufe ich Musik zu Filmen, die ich im Moment sehe, denn das zeitgenössische Kino interessiert mich filmisch und musikalisch ziemlich wenig. Umgekehrt kaufe ich kaum mehr Filmmusik wegen des Films, sondern wegen des Komponisten, des Genres etc... bei amerikanischer Western-Musik aus den 50er Jahren weiß man ja ebenso was einen erwartet wie bei als "orchestral" etikettierter 90er-Hollywoodmusik. Zugegebenermaßen... bei mehreren Italowesternmusiken bin ich "reingefallen", aber das kann ja mal vorkommen. Wenn es an die Peplum-Musiken geht, werde ich versuchen, repräsentativer Beispiele der jeweiligen Kauf-Kandidaten zu erhaschen.
  15. Das Phänomen kenne ich aber: Wenn man einen Film sehr gut kennt und schätzt, dann ist die musikalische Qualität manchmal nicht so entscheidend wie bei einer Musik, zu der man den zugehörigen Film gar nicht kennt. In letzterem Fall muss die Musik allein überzeugen, im ersteren kann es sein, dass man die Musik auch hört, weil man sich intensiver an bestimmte Szenen erinnern oder die Atmosphäre des Films noch einmal nachfühlen möchte. Dann ist es aber sinnvoll, in einem Forum etwas mehr Abstand zu gewinnen und zu überlegen, ob es für Leute, die keinen persönlichen Bezug haben, sinnvoll ist, da Zeit und Geld zu investieren. Habt ihr denn die Olimpiade-Sachen von Trovajoli immerhin von den Bändern "gerettet" - sprich: ebenfalls digitalisiert?
  16. Also ich nicht - Danke für die Warnung! Aber schön, dass wir mittlerweile auch Eindrücke von Peplum-, Action- und Horrormusiken hier verzeichnen können - bitte weiter so!
  17. Soweit ich das auf den ersten Blick erkennen kann, ist der erste Block identisch mit der FSM-Ausgabe, im Bonus-Bereich fehlen bei Varèse der Filmmix von "20 Year Montage/Scrapbook Montage", dafür gibt's aber 6 Demo-Aufnahmen des Themas. Ich dachte eigentlich, dass YAKUZA zu den Titeln gehörte, von denen FSM nicht einmal die volle Stückzahl von 3000 gepresst hat, habe noch kurz vorm Ausverkauf zu geschlagen und benötige daher die Varèse-CD nicht. Diese ist übrigens im Rahmen der "We-hear-you"-Serie erschienen, die ein neues Rücken-Design hat. Zur Musik kann ich nichts sagen, da ich weder den Film kenne, noch die CD bisher gehört habe.
  18. Auf diese Musik bin ich nur aufmerksam geworden, weil Les Baxter die amerikanische Fassung vertont hat. Es ist ja relativ üblich gewesen, dem Liebesthema viel Raum zu geben, vielleicht steckte da auch immer etwas mehr Herzblut drin als bei den stereotypischen Heroenthemen, die sich ja aber auch ganz gut ausschlachten lassen. Diese Beobachtung habe ich zuletzt ja auch bei Nicolais IL GIORnI DELLA VIOLENZA gemacht. Kennst Du auch die Baxter-Fassung? Mit den Peplum-Musiken wollte ich mich bei Zeiten auch noch einmal auseinandersetzen, aber dann wirklich gezielt und nur mit der "Crème de la crème", sofern sie sich gut ausfindig machen lässt.
  19. Absolut, immerhin gibt es ja auf CD 3 auch ein "Best-Of" der drei Musiken aus den ersten beiden Teilen der Reihe. Naja, morgen gibt's dann den letzten Nicolai - und der macht tatsächlich irrsinnig viel Spaß
  20. 1970 entstand mit ARIZONA SI SCATENÒ... E LI FECE FUORI TUTTI eine Fortsetzung zu dem vier Jahre zuvor gedrehten ARIZONA COLT. Gilt ersterer als einer der gelungensten Beiträge zum Italowestern, erntete die unter DER TOD SAGT AMEN in Deutschland gelaufene Fortsetzung keine guten Kritiken. Erstmals zugänglich wurde die Musik von Bruno Nicolai auf dem letzten Album der dreiteiligen Reihe „The Western Music of Bruno Nicolai“ des spanischen Labels Saimel. Konnte das erste Album mit den Musiken zu UOMO AVVISATO MEZZO AMMAZZATO... PAROLA DI PSIRITO SANTO und I CORVI TI SCAVERANNO LA FISSA noch streckenweise überzeugen, wurde auf der zweiten CD mit NA NUVOLA DI POLVERE... UN GRIDO DI MORTE... ARRIVA SARTANA eine absolut inspirationslose Komposition Nicolais erstveröffentlicht. Auch bei ARIZONA SI SCATENÒ... E LI FECE FUORI TUTTI wird uns kein unterschätztes Meisterwerk dargeboten, sondern eine durch und durch routinierte Arbeit. ARIZONA COLT wurde 1966 von Francesco de Masi vertont. Seine Musik zählt zu den besten Westernvertonungen des Komponisten, wenn nicht zu seinen besten Werken überhaupt. Nicolai nimmt auf die Arbeit seines Kollegen allerdings keinen Bezug, sondern komponierte eine Zahl eigener Themen und Motive. Im Gegensatz zu de Masi konnte er auch nicht auf ein voll besetztes Orchester arbeiten, sondern musste seine Musik für Mundharmonika, Gitarren, E-Bass, Tasteninstrumente, Perkussion, ein Horn und Stimme instrumentieren. Den Kernpunkt bildet das vergnügte Titellied, dargeboten von der Formation „I Cantori Moderni“, dessen Text die Stupidität vieler anderer Italowesternsongs noch zu überbieten vermag: „I guess I gotta get my gun, I guess I gotta shoot someone... Bang! Bang! Hey, Yippie-Yay-Yeah!...“ Dabei steht der Text diametral zu der vergnügten Melodielinie, die tatsächlich einiges an Ohrwurmqualität besitzt. Das Titellied „Arizona Gun“ findet sich denn auch häufiger in der ersten Filmhälfte, die von komödiantischen Szenen doniniert wird. Die obligatorische Varinate, in der die Melodie lediglich gepfiffen wird, darf hier ebensowenig fehlen wie eine Fassung für Mundharmonika und Begleitung. Nicolai komponierte noch ein weiteres vergnügtes Thema, das über sanfte Gitarrenbegleitung gepfiffen wird, aber leider nur einmal zu Gehör gebracht wird („Sequenza Nr. 13“). Ein „seriöseres“ instrumentales Seitenthema wird relativ bald etabliert und löst „Arizona Gun“ schnell als zentrales Thema ab. Es wird häufig vom Horn, einem der wenigen reinen Melodieinstrumente, die Nicolai zur Verfügung standen, intoniert, vermag sich aber niemals so gut im Gedächtnis festzusetzen wie das alberne Titellied. Zu den interessantesten Momenten gehören noch „Sequenza Nr. 9“ und „Sequenza Nr. 24“, in denen das Seitenthema über durchgehende Tomtomrythmen intoniert wird. Als weitere melodische Elemente nehmen ein Suspensemotiv, häufig im tiefen Register von der E-Gitarre und dem Cembalo gespielt, sowie eine mexikanisch-folkloristsche Melodie einen großen Raum in der Partitur ein. Insgesamt schuf Bruno Nicolai für ARIZONA SI SCATENÒ... E LI FECE FUORI TUTTI eine zweckdienliche Partitur, die nicht nur unter der kleinen Besetzung, sondern leider auch an der Uninspiriertheit der melodischen Einfällen leidet. Das vergnügte Thema aus „Sequenza Nr. 13“ wird nicht weiter ausgebaut und einzig das Titellied bleibt von dieser Musik im Gedächtnis. Allerdings fragt man sich, ob es wirklich die schmissige Melodie ist oder doch nur der überaus dumme Text, der diese Musik vor der völligen Belanglosigkeit bewahrt.
  21. Den hat mir Sami damals empfohlen... Naja, morgen gibt's dann den dritten Teil.
  22. UNA NUVOLA DI POLVERE... UN GRIDO DI MORTE... ARRIVA SARTANA - Bruno Nicolai Das zweite Album aus einer dreiteiligen Reihe mit der Westernmusik von Bruno Nicolai ist ausschließlich der Vertonung von UNA NUVOLA DI POLVERE... UN GRIDO DI MORTE... ARRIVA SARTANA gewidmet. SARTANA KOMMT ist der vierte von insgesamt fünf SARTANA-Filmen und der letzte, in dem der trickreiche Meisterschütze in Totengräberkluft von Gianni Garko dargestellt wurde. Bruno Nicolais Musik zu diesem Schießwütigen Epos, in dem vier Abenteurer einer halben Million Dollar hinterherjagen, entpuppt sich leider als äußerst dröge und zähe Angelegenheit. Eine kernige Viertonfigur der E-Gitarre mit anschließendem Einwurf der Okarina dient als musikalisches Signum für den Protagonisten. Hier kommt noch ein bisschen Italowesternflair auf, ebenso wie bei diversen Ritt-Passagen für E-Gitarre und treibende Orchesterbegleitung. Allerdings wirken diese musikalischen Idiome derart abgegriffen wie auch das Hauptthema, das man so ähnlich schon oft gehört hat: In Blech und Streichern legt sich eine uninspirierte, hauptsächlich auf Dreiklangsbrechungen aufbauende Melodie über das rhythmische Fundament des Orchesters. Ein weiteres Manko in der Musik liegt darin, dass Nicolai überhaupt nichts aus seinen dünnen thematischen Einfällen macht, sondern sich für einen Großteil der Komposition auf funktionale Suspensemusik beschränkt, die als Hörerlebnis äußerst unzufriedenstellend daherkommt. Wie auch das Hauptthema wurden die Spannungspassagen aus den typischen Versatzstücken zusammengesetzt und erfüllen im Zusammenhang mit dem Bild ihren Zweck, bleiben darüber hinaus aber vollkommen bedeutungslos. Erst in den letzten zehn Minuten greift der Komponist wieder auf seine zwei melodischen Einfälle – die Ritt-Melodie der E-Gitarre und das Hauptthema – zurück, hat allerdings durch die vorherigen drögen 40 Minuten den Hörer schon derart gelangweilt, der sich nun auch nicht mehr für die variationsarmen Darbietungen des Hauptthemas interessiert. Mit der CD von Saimel wurde zwar eine Lücke geschlossen, da es zuvor - mit Ausnahme der Titelmusik auf dem Album zu IL MIO NOME S SHANGHAI JOE keine Musik zu UNA NUVOLA DI POLVERE... UN GRIDO DI MORTE... ARRIVA SARTANA auf Tonträger gab, in Anbetracht der über 50 Minuten Langeweile fragt man sich aber zu Recht, ob jemals Bedarf bestand, diese Lücke zu schließen. Einzig und allein Komplettisten oder absoluten SARTANA-Fans kann man diese Scheibe empfehlen, die mit einem dünnen Begleitheft ohne Filmbilder und einer Inhaltsangabe auf Spanisch daherkommt. Wie auch bei den anderen drei Nicolai-Westernmusiken, die im Rahmen dieser Reihe veröffentlicht wurden, punktet das Album allerdings durch eine sehr klare Tonqualität, aber was nützt das, wenn die Inspirationslosigkeit in aller klanglichen Sauberkeit aus dem Lautsprecher tröpfelt?...
  23. Wow! Vielen Dank für diesen Beitrag, Angus! Von de Masi habe ich mir vor zwei Jahren die alte Beat-Ausgabe zu THUNDER III gekauft, bin dazu aber noch nicht vorgedrungen. LONE WOLF MCQUADE fand ich sehr unterhaltsam und habe mich davon ausgehend ja auch näher mit de Masis Westernmusiken auseinandergesetzt - mit einigen echt schönen Funden. Allerdings gibt es in seinen Westernmusiken ja relativ wenig "richtige" Action-, sondern eher Suspensemusik. Die wenigen Actionpassagen, die ich von ihm kenne, haben mich bisher nicht so umgehauen wie seine melodisch-thematischen Passagen. Mit knappen melodischen Zellen, die ziemlich generisch sind, zu arbeiten, ist ja an sich kein roblem, aber ich finde, dass de Masi selten die Wucht seiner Besetzung (die ja auch nicht immer groß waren) voll auszunutzen, weil die unterschiedlichen Instrumentegruppen sich die einzelnen Motivzellen abwechselnd zureichen, selten aber tutti musiziert wird. Daher ist es schön zu lesen, dass THUNDER und MAD DOG auch mit ausreichend Americana daherkommen.
  24. Auf dem ersten von insgesamt drei der Westernmusik Bruno Nicolais gewidmeten Alben präsentiert das spanische Label Saimel die Musiken zu UOMO AVVISATO MEZZO AMMAZZATO... PAROLA DI PSIRITO SANTO und I CORVI TI SCAVERANNO LA FISSA. UOMO AVVISATO MEZZO AMMAZZATO... PAROLA DI PSIRITO SANTO wurde in Deutschland unter dem Titel EIN HALLELUJA FÜR SPIRITO SANTO verliehen und führte nach Django, Ringo und Sabata eine neue Figur ein, der eine Reihe von Filmen gewidmet war. Bei Spirito Santo handelt es sich um einen Beschützer der Hilflosen, der fast als Heiliger mit Superkräften inszeniert wird. Stets in weiß gekleidet und von einer Taube begleitet kämpft er im ersten Film gegen die Schergen des General Ubartes, der das mexikanische Volk unterjocht. Für Zeit und Ort der Handlung komponierte Nicolai, durch die Arbeit an anderen Revolutionswestern bereits erfahren, ein äußerst schmissiges Titellied, das vom Chor über die treibende Begleitung des kleinen Orchester und einem besonders prominent vertretenen Cembalos intoniert wird und es ohne Zweifel mit ähnlich gelagerten Liedern aus CORRI, UOMO, CORRI und Konsorten aufnehmen kann. Für Spirito Santo entwarf der Komponist eine lässige, über dezente Begleitung gepfiffene Melodie sowie eine kurze Orgelkadenz. Wird erstere nach der Einführung Spirito Santos kaum mehr aufgegriffen, fungiert im weiteren Verlauf die Orgelkadenz als Signum für den merkwürdigen Protagonisten. Das Revolutionslied „Libertad“ erklingt in abgespeckter Version auch an drei weiteren Stellen im Film und wird es hauptsächlich vom Chor über Gitarren gesungen und erhält so einen besonders „historisch korrekten“ Anstrich. Eine ansprechende ruhigere Variante in „Seuqnza“ präsentiert die Melodie im Cembalo über zurückhaltende Gitarrenbegleitung. Trotz des großen thematischen Potentials in Form von „Libertad“ und dem Pfeifthema für Sprito Santo besteht ein Großteil der Musik aus Suspensepassagen, die allesamt kompetent gemacht sind, den Hörfluss aber auf Dauer hemmen. Flächige Streicher bilden häufig das Fundament für einzelne Motivzellen in der E-Gitarre, die sequenziert und dynamisch gesteigert werden. Im letzten Drittel erklingen zwei äußerst alberne Saloonpiecen, die sich nicht so ganz in den Hörfluss integrieren wollen. I CORVI TI SCAVERANNO LA FISSA ist ebenfalls ein später Beitrag zum Genre. Der durchschnittliche Rachewestern kam im deutschen Sprachraum bisher noch nicht zur Aufführung. Auf CD erweist sich I CORVI TI SCAVERANNO LA FISSA als weitaus konziser denn UOMO AVVISATO MEZZO AMMAZZATO... PAROLA DI PSIRITO SANTO, handelt es sich um mehrere Variationen dreier Themen. Das Hauptthema wird von schattenhaften und verhuschten Tremoli der Streicher und Flatterzungen der Flöte eröffnet, die eine tolle „Nachtatmosphäre“ kreieren, bevor nach einem wuchtigen Glockenschlag die eigentliche Titelmelodie erklingt. Über einen sanften Streicherteppich erklingt der A-Teil des Themas unisono in der Flöte und dem Cembalo, eine leicht poppige synkopische Klavierfigur füllt die Liegetöne der Melodie aus. Der B-Teil weist mit der Solotrpmete über einen Bolerothythmus deutlich mehr Pathos auf. Dreimal erklingt das Hauptthema in dieser Form fast unverändert im weiteren Verlauf des Films, allerdings entwarf Nicolai noch eine ansprechende Variation, in das Thema von einer Orgel gespielt und anschließend von der Solovioline fortgeführt wird. Neben der Titelmelodie schrieb der Komponist zwei weitere Themen: Eine etwas beschwingtere Melodie, die vom Cembalo über eine dezente Begleitung der Rhythmusgruppe gespielt wird und einen leicht mexikaischen Einschlag aufweist sowie ein melancholischeres Thema, das insgesamt zweimal erklingt. Insgesamt mag es ein lobenswertes Unterfangen sein, bisher unzugängliche Westernmusik von Nicolai zu veröffentlichen – der Markt ist ja ohne Frage da. Allerdings kranken auch diese beiden Genrebeiträge unter ständigen Wiederholungen und im Falle von UOMO AVVISATO MEZZO AMMAZZATO... PAROLA DI PSIRITO SANTO unter spannungsarmer Spannungsmusik und albernen Saloonstücken. I CORVI TI SCAVERANNO LA FISSA bildet da das rundere Hörerlebnis, auch wenn es hier ebenfalls nur eine Auswahl der präsentierten Stücke tun würde.
  25. Ein beeindruckender Film, der mit der Musik eine hervorragende Wirkung erzeugt. Vielleicht mein Favorit der Tarkovsky-Filme, die ich kenne. Hatte nie auf dem Schirm, dass es dazu eine Veröffentlichung gab.
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