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Soundtrack Board

Sebastian Schwittay

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Alle Inhalte von Sebastian Schwittay

  1. Dafür bräuchte man wohl empirische Studien - ich glaube, dass für die meisten Zuschauer ein reines Moll-Grummeln für atmosphärische Funktionalität ausreicht (tut es ja auch bei vielen Giacchino- oder Wallfisch-Musiken). Ob der Einsatz von Modalharmonik tatsächlich auf funktional/prä-kognitiver Ebene viel mehr Wirkung in den Film bringt, weiß ich nicht. Für musikalisch sensitive Zuschauer und Fachkundige bestimmt, dem Durchschnittszuschauer dürfte es aber eher nicht auffallen. Damit ist es dann auch nicht mehr dem Bereich Funktionalität zuzuordnen. Funktionalität würde ich in der Filmmusik als obligatorische Grundlagenwirkung definieren - das Triggern bestimmter Emotionen bei einem breiten Publikum durch erprobte (!) musikalische Mittel. Das Funktionale an Gordons Musik würde ich daher eher in der äußeren Beschaffenheit suchen, z.B. in der Instrumentierung (in diesem Fall: der Einsatz des Chors in der Vampirmusik). Das ist etwas, was unmittelbar auf emotionaler Ebene verständlich ist, aufgrund kultureller Konventionen (Dracula, Omen, weiß der Geier, was noch alles...). Die Modalharmonik und das ganze Konzept der harmonischen Aufhellung in Richtung Diatonik dagegen eher nicht. Zu speziell, zu komplex und auch zu weiträumig gedacht für Grundlagenwirkung.
  2. Ein atmosphärischer Ansatz, der in Gordons Musik ja auch drin steckt. Aber er belässt es halt nicht dabei, sondern nutzt das künstlerische Ausdruckspotenzial der Musik im Tiefenstrukturellen (nämlich im Modalharmonischen). Machen in der Tat die wenigsten heutzutage. (Goldsmith hat das auch gemacht, siehe ALIEN.)
  3. Doch, natürlich: die Oktatonik/Diatonik-Gegenüberstellung als klangsinnlichen und intellektuellen Ausdruck der Gegensätzlichkeit von Vampir- und Menschenwelt hätte es für die reine Funktionalität nicht gebraucht. Das ist eine poetisch-ästhetische Entscheidung, die dem Film eine künstlerische Substanz jenseits der Minimalanforderungen gibt.
  4. Funktionalismus ist für mich eine Minimalanforderung an Filmmusik. Sie muss darüber hinaus die Möglichkeiten der Kunstform Musik nutzen, um dem Film wirklich Substanzielles hinzuzufügen. Aber das hatten wir ja alles schon zur Genüge...
  5. Ja. Ist leider ziemliches Hipster-Kino. Bunt und stylish, ein bisschen gewollt anstößig, mit Anflügen ins Fantasy-Hafte (finaler Schwertkampf inklusive). Kann man originell finden, ich fand's alles eher doof.
  6. Du hast doch die 15 Jahre als zeitlichen Rahmen gesetzt. Und nein, das Argument zieht auch gegenwärtig nicht: ich brauche keinen bestenfalls soliden Wallfisch (das bezieht sich auf die aller(!)besten Passagen aus IT), wenn ich zeitgleich einen OUT OF THE SHADOWS oder MIDSOMMAR bekommen kann. Gescheitert sicher nicht. Aber es ist eben nur das Allernötigste, was er in Sachen dramaturgischer und künstlerischer Gestaltung bringt.
  7. Habe leider auch noch keine Infos dazu gefunden. Hier nochmal ein paar Tracks direkt zum Anklicken:
  8. Wie schon oft gesagt (gerade auch im Kontext Wallfisch): man muss sich nicht am Bodensatz orientieren. In den letzten 15 Jahren gab es viele hervorragende musikalische Horrorfilm-Konzepte, angefangen bei Christopher Gordon (DAYBREAKERS, OUT OF THE SHADOWS), über Beltrami (KNOWING, THE SNOWMAN) und Young (SINISTER), bishin zu ganz aktuellen Beispielen aus Hollywoods Indie-Horror-Marktsegment (THE VVITCH, MIDSOMMAR). Das Argument, man "bekäme ja nichts Besseres", ist kein valides.
  9. DANIEL ISN'T REAL, Clark
  10. Möchte hier nochmal auf einen der interessantesten Scores des zurückliegenden Jahrgangs aufmerksam machen (neben RISE OF SKYWALKER und MIDSOMMAR in meiner persönlichen Top 3): die Musik zum Coming-of-Age-/Schizophrenie-Drama DANIEL ISN'T REAL vom britischen Komponisten Chris Clark (kurz: Clark). Wie so viele interessante Filmmusik-Newcomer kommt auch Clark aus der populären Musik (Dance, Electro). DANIEL ISN'T REAL vermischt elektronische Dance/Techno-Elemente und Samples (z.T. stark verfremdet und collagiert) mit harmonisch sehr spannenden Streichersätzen, die an den frühen Howard Shore, teils an David Shires ZODIAC, entfernt auch an Bernard Herrmann erinnern, sowie mit sehr klangschönen, minimalistischen Klavierparts, die von einer sehr differenzierten Aufnahme der Anschlags- und Nebengeräusche leben. Überhaupt gelingt Clark trotz der starken elektronischen Einflüsse ein sehr analog anmutender Klang. Ein bisschen was müsste man aus dem 56-minütigen Album rausnehmen, aber Highlights gibt es genug. Anspieltipps: "Spiral Crackerjack" (Track 2), "You're Pulling My Face Off" (Track 3), "Volatile" (Track 6), "Isolation Theme (Thigpen)" (Track 13). https://open.spotify.com/album/15m3dBrdIYKHwJGlhkXNHp?si=qb0rqLtVT-uhremrPJ3sxw
  11. Die manifestierte Angstvision der Zimmer-Hater. Ich glaube schon, dass das etwas differenzierter und interessanter werden wird.
  12. Ja, wäre dann für's nächste Jahr. Und BIRD BOX hätte man schon für die 2018er-Umfrage nominieren können - Internet-Filmstart war im Dezember 2018, Score kam Anfang Januar 2019 (also vor Ablauf der Nominierungsphase am 31. Januar).
  13. Noch eine Woche, dann endet die Nominierungsphase.
  14. Ich war kurzentschlossen auch noch dabei, sogar auf beiden Konzerten (Csongor und unserem Freund Ming sei Dank - am Sonntag hatte ich völlig überraschend sogar eine Karte in der ersten Kategorie). Und obwohl Williams ja eigentlich nicht unbedingt zu meinen absoluten Favoriten zählt, und auch das Programm bis auf "The Rebellion is Reborn" und CLOSE ENCOUNTERS (in meinen Augen) eher von Standard-Repertoire geprägt war, konnte ich mich der tollen Performance emotional kaum entziehen. Mit welch einem Elan die Wiener Philharmoniker gerade das Sonntagskonzert abfeuerten, war schlicht überwältigend. Mit am schönsten fand ich - neben der Performance von "The Rebellion is Reborn", die in den letzten Takten leicht erweitert war - die Darbietung von "Dartmoor, 1912" aus WAR HORSE. Hier schien Williams am meisten "drin" gewesen zu sein, sein Dirigat war sehr innig - das Pastorale ist ja auch genau sein Ding. Großartig hier: Solo-Flötist Walter Auer, der von Williams nach dem Stück zurecht anerkennende Gesten zugeworfen bekam. Hübsche (Neu-)Entdeckungen für mich waren das Thema aus SABRINA, das ich selten höre, und dessen impressionistische Einleitung mit dem leicht dissonanten Klaviermotiv den Wienern hier so hintergründig und schwebend gelungen ist wie ich es noch nie vorher gehört habe - und "Nice To Be Around" aus CINDERELLA LIBERTY mit seinem herrlich entrückten, durch mehrfache Wiederholung des Schlussakkords sehr gedehnten Ausklang. Ich finde Williams nach wie vor einfach am spannendsten, wenn er in solch moderne Gefilde abgleitet, sei es Modernismus, Impressionismus, Jazz oder Minimalismus. Wirklich eine tolle Erfahrung, nicht zuletzt auch wegen der Treffen mit den Forumsbekanntschaften und den vielen Freunden aus Wien - das ist für mich meist sogar das schönste. Danke, @Csongor, @Stempel, @sami, für schöne Abende und Gespräche.
  15. Das ist wohl das Wichtigste. Wenigstens kein Balfe. Ich bin mal vorsichtig gespannt auf Zimmers Ideen. Er hat ja mittlerweile eine gewisse Reifephase erreicht, und kann auch durchaus originell, siehe INTERSTELLAR. Vielleicht wird es am Ende tatsächlich eine interessante, zeitgemäße Vertonung wie damals der Serra (auch ich schätze GOLDENEYE sehr). Schon interessant, wie toll Contis Gunbarrel-Sequenz heute noch wirkt. Neben Barrys Arrangements für ON HER MAJESTY'S SECRET SERVICE, MOONRAKER und THE MAN WITH THE GOLDEN GUN immer noch meine liebste Gunbarrel-Musik. (Ach ja, und Kamen natürlich. ❤️ )
  16. Williams wäre hier natürlich der verdiente Gewinner, seine Musik ist die beste und ausdrucksstärkste aus der Auswahl. Er könnte sogar Chancen haben, wenn die Voter nostalgisch werden, und sich wie 2015 bei Morricone denken: okay, das ist ein großer Karriereabschluss, das bekommt meine Stimme. Wäre natürlich schön, und in diesem Fall auch verdient (sonst finde ich so einen Nostalgie-Scheiß ja in der Regel hochproblematisch...). Die trübe JOKER-Musik passt dagegen wunderbar in unsere tristen Zeiten - die Chancen stehen für Gudnadottir sicher am besten.
  17. Toll, schönes Zeichen gesetzt gegen dramatische, erzählerische Filmmusik - und für oberflächlichen Dekorativismus.
  18. Ich hatte schon immer Pech beim Kauf von Computern und digitaler Technik. Mein Fernseher spinnt ständig, bei einem Laptop funktionierte von Anfang an das Laufwerk nicht, Festplatten haben sich aufgehängt (sowohl im Laptop als auch externe Platten, die nach 4 Jahren im Schrank nicht mehr anlaufen), Sticks werden nach einem Jahr nicht mehr erkannt, etc... Ich greife mir im Laden scheinbar immer gezielt Mangelware heraus. Ich vertraue dieser komplizierten Technik einfach nicht mehr, und bleibe bei primitiven Datenspeichern wie CDs. Die sind nicht kaputtzukriegen.
  19. Wird bestimmt nicht wesentlich memorabler als der zu gleichen Teilen blasse wie krachige Score zum ersten Teil.
  20. Meine Musikbibliothek steht physisch im Regal, in Form meiner CD-Sammlung. Nachdem mir 2019 eine Festplatte und ein Speicherstick ohne Vorwarnung und ohne ersichtlichen Grund verreckt sind (Totalcrash bei der Festplatte, digitale Klicks in den Musikdateien auf dem Stick) habe ich das Vertrauen in die digitale Speicherung auf Computern und Laufwerken restlos verloren. Spotify benutze ich als Reinhör-Service und für unterwegs.
  21. Gute Einzelfilme sind wichtiger als gute Trilogien. Muss man in den heutigen, seriell verseuchten Zeiten scheinbar doch immer wieder betonen. Abrams hätte hier einfach einen dramaturgisch und rhythmisch ordentlichen Film machen müssen. Nichts hat ihn davon abgehalten.
  22. Du hast Angst, dass ein Bond-Score bei Romer "daneben" gehen könnte wie bei Eric Serra (du meinst wahrscheinlich eher, originell werden könnte?) - aber ein gesichtsloser Sounddesigner und Krawallmacher wie Lorne Balfe ist für dich eine sichere Bank? Ich schlucke und schweige.
  23. Kenne bislang keines der beiden Remakes, aber das Original von Bob Clark ist einer der stimmungsvollsten und intelligentesten Horrorfilme der 70er Jahre. Gerade vor zwei Wochen mal wieder im Filmmuseum in Frankfurt von einer wunderbaren 35mm-Kopie gesehen, herrlich. ❤️ Das erste Remake von 2006 scheint ja nicht ganz so schlimm zu sein - auch wenn ich nicht glaube, dass es Clarks Film auf irgendeiner Ebene das Wasser reichen kann.
  24. Bitte nominiert nur Scores, die ihr auch wirklich toll fandet - damit wollten wir ja erreichen, am Ende nicht wieder vor einem Berg von fast 100 Scores zu stehen. Habe ein bisschen das Gefühl, dass wieder alles, was irgendeinen Aktualitätswert hat, in die Runde geworfen wird (was in den letzten Jahren eher zu künstlich aufgeblasenen Listen geführt hat)... Falls mich mein Eindruck täuscht, will ich aber nichts gesagt haben.
  25. Bisher wurden 67 Scores nominiert: 1917, Thomas Newman ABOMINABLE, Rupert Gregson-Williams ACE COMBAT 7: SKIES UNKNOWN, Keiki Kobayashi AD ASTRA, Max Richter, Lorne Balfe ADULTS IN THE ROOM, Alexandre Desplat ALADDIN, Alan Menken ALITA: BATTLE ANGEL, Tom Holkenborg ALL IS TRUE, Patrick Doyle ANNA, Eric Serra ANNO 1800, Dynamedion AVENGERS: ENDGAME, Alan Silvestri BUNUEL IN THE LABYRINTH OF THE TURTLES, Arturo Cardelús CAPTAIN MARVEL, Pinar Toprak CHERNOBYL, Hildur Gudnadottir CHILD'S PLAY, Bear McCreary CLIFFS OF FREEDOM, George Kallis DEATH STRANDING, Ludvig Forssell DUMBO, Danny Elfman DVESELU PUTENIS (BLIZZARD OF SOULS), Lolita Ritmanis EARTHQUAKE BIRD, Atticus Ross, Leopold Ross, Claudia Sarne FAST & FURIOUS PRESENTS: HOBBS & SHAW, Tyler Bates FORD V. FERRARI, Marco Beltrami, Buck Sanders FROZEN II, Christophe Beck GODZILLA: KING OF MONSTERS, Bear McCreary HARRIET, Terence Blanchard A HIDDEN LIFE, James Newton Howard HOW TO TRAIN YOUR DRAGON 3: THE HIDDEN WORLD, John Powell IT: CHAPTER TWO, Benjamin Wallfisch J'ACCUSE, Alexandre Desplat JOKER, Hildur Gudnadottir JUDY, Gabriel Yared JUMANJI: THE NEXT LEVEL, Henry Jackman THE KING, Nicholas Britell LADY AND THE TRAMP, Joseph Trapanese THE LEGEND OF THE WAR HORSE, Anne-Kathrin Dern, Daniel James LIFE IS STRANGE 2, Jonathan Morali THE LIGHTHOUSE, Mark Korven LOST IN SPACE SEASON 2, Christopher Lennertz MALEFICENT: MISTRESS OF EVIL, Geoff Zanelli THE MANDALORIAN, Ludwig Göransson MARRIAGE STORY, Randy Newman MASQUERADE HOTEL, Naoki Sato MIDSOMMAR, Bobby Krlic MIMI AND THE MOUNTAIN DRAGON, Rachel Portman MINUSCULE 2: LES MANDIBULES DU BOUT DU MONDE, Mathieu Lamboley MOTHERLESS BROOKLYN, Daniel Pemberton MRS. LOWRY AND SON, Craig Armstrong OUR PLANET, Steven Price PENGUINS, Harry Gregson-Williams THE PROFESSOR AND THE MADMAN, Bear McCreary RED DEAD REDEMPTION II, Woody Jackson RIM OF THE WORLD, Bear McCreary ROUBAIX, UNE LUMIÈRE, Grégoire Hetzel A SHAUN THE SHEEP MOVIE: FARMAGEDDON, Tom Howe SHAZAM!, Benjamin Wallfisch SOLE, Nabeel Ansari SORDO, Carlos M. Jara SPIDER-MAN FAR FROM HOME, Michael Giacchino STAR WARS: THE RISE OF SKYWALKER, John Williams TOLKIEN, Thomas Newman TOY STORY 4, Randy Newman TRAUMFABRIK, Philipp Noll US, Michael Abels THE WANDERING EARTH, Roc Chen WEATHERING WITH YOU, Radwimps WONDER PARK, Steven Price WORKERS & RESOURCES: SOVIET REPUBLIC, Rotem Hecht -------------------------------------------------------------------- Die Nominierungsphase endet am 31. Januar 2020. Bitte immer folgendermaßen nominieren: FILMTITEL, Komponist Also Filmtitel in Großbuchstaben, dann ein Komma und dann den Namen des Komponisten in normaler Schrift.
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