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Für mich ist es die goldene Ära des Heimatfilms, da in den 30er und 40er Jahren die mit Abstand besten Filme dieses Genres entstanden sind. Und wie Du schon ganz richtig schreibst, machte sich dann in den 50er Jahren großflächig der Folklore- und Postkarten-Kitsch breit, mit dem auch ich meine Probleme habe. ALM AN DER GRENZE und besonders MARTINSKLAUSE zähle ich aber auch noch zu den wirklich sehenswerten Beispielen. Irgendwo hatte sich Werner Herzog auch mal lobend über die frühe Zeit des Heimatfilms (und im Besonderen auch über die "Geierwally") geäußert und die später stattgefundene Verkitschung beklagt.
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So, im Juni geht´s zum Bergwandern nach Südtirol. Kann´s kaum erwarten und habe gestern schonmal zur Einstimmung einen DVD-Abend mit zwei Klassikern des Heimat- und Bergfilmgenres gemacht. DER BERG RUFT (1938) Zwei konkurrierende Bergsteiger-Teams, angeführt vom Italiener Carrel und dem Engländer Whymper, versuchen sich an der Erstbesteigung des Matterhorns. Filmtechnisch ist das atemberaubend und auch die Dramaturgie hat Luis Trenker im Griff. Er inszeniert sich selber (in der Rolle des Carrel) gerne in heldenhafter Pose, und am Ende siegt der kameradschaftliche Geist zweier Sonderlinge über den spottenden Pöbel. (Eine Haltung, mit der sich Trenker den Unmut des Propagandaministeriums einhandelte, schließlich brauchte man willige Mitläufer, und keine freidenkenden Individualisten). Der Score von Giuseppe Becce trägt in seinem Überschwang fast schon etwas zu dick auf und stellt Trenker ein meist von Hörnern intoniertes, alpines Heldenthema an die Seite, weiß aber auch den mächtigen Berg mit wagnerischen Akzenten zu charakterisieren. "Geierwally" Heidemarie Hatheyer in ihrem Leinwanddebüt. Ein ganz großer Klassiker, in jeder Hinsicht. DER LAUFENDE BERG (1941) Weniger bekannt, aber nicht weniger sehenswert ist diese Ganghofer-Verfilmung von Produzent Peter Ostermayr, der sich in den folgenden Jahren noch zahlreichen weiteren Ganghofer-Romanen annehmen würde. Ständige Erdrutsche bedrohen eine Dorfgemeinschaft am Fuße eines mächtigen Berges. Im Kampf gegen den Unbill der Natur treten die persönlichen Differenzen und Rivalitäten zurück (weswegen DER LAUFENDE BERG vor den Augen der Propaganda-Abteilung wahrscheinlich für bessere Stimmung gesorgt haben dürfte). Erfreulich unkitschig, mit einigen beeindruckend inszenierten Erdrutsch-Szenen, mindestens einem wirklich halsbrecherischen Stunt, etwas Volkstümelei und natürlich großartiger Landschaft. U.a. mit "Siegfried" Paul Richter und Gustl Gstettenbaur. Sehr ansehnliches Werk aus der goldenen Ära des Heimatfilms über dessen geringe Bekanntheit man sich wundern muß.
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veröffentlichung Kritzerland: Alfred Newman - A Man Called Peter
Angus Gunn antwortete auf Trekfans Thema in Scores & Veröffentlichungen
Falls sich die jemand geholt hat, würde mich interessieren, ob sich die Anschaffung lohnt, vor allem in Bezug auf die verbesserte Klangqualität gegenüber der FSM-CD. Im Fall von HOW GREEN WAS MY VALLEY hat sich die Kritzerland-CD für mich definitiv gelohnt. Wenn der Klang hier ähnlich gut aufbereitet wurde, wäre ich einem Kauf nicht abgeneigt. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Angus Gunn antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Das stimmt, aber ich empfinde auch einfach Strukturen in der Filmmusik, wenn gut gemacht und passend eingesetzt, keineswegs nachteilhaft und oft auch sehr effektiv. Bei beiden CDs stimme ich aber zu, dass die ursprünglichen Alben ausreichen, und das Zusatzmaterial ist ja auch löblicherweise separiert vom LP-Programm. So oder so ist das DISERTORI-Hauptthema wirklich stark, da laß ich mir nichts einreden: https://www.youtube.com/watch?v=9PG0AxffzLs -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Angus Gunn antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
COLPO DI MANO gefällt mir eigentlich sehr gut. Sehr lyrisch, melodisch einfallsreich, mit Flamenco- und Morricone-Einflüssen. Einige Tracks könnten auch aus einem Western stammen. Und LA LUNGA NOTTE DEI DISERTORI mag ich ebenfalls besonders gerne. Hatte dazu schonmal was geschrieben: "Ein holprig inszenierter Kriegsfilm ist LA LUNGA NOTTE DEI DISERTORI. Ciprianis Hauptthema begeistert von den ersten Takten an und steigert sich zu einer wuchtigen, dramatischen Komposition, die sich noch lange im Ohr festsetzt und an diesen Film doch eher verschwendet ist. Desweiteren gibt es nette Wüstenromantik und Abenteuermotive, die mich zeitweise ein wenig an Böttchers Karl-May-Musiken erinnert haben." -
Ja, "Banana Joe" wäre toll. Der hat noch dieses schöne Urwald-/Südamerika-Flair in Stil von "Zwei Himmelhunde". Habe den schon ewig nicht mehr gesehen, kann mich aber erinnern, dass ich spaßeshalber damals auf sämtliche Scoretracks geachtet und sie zeitlich addiert habe. Dabei bin ich dann auf rund eine halbe Stunde gekommen. Irgendwo gab´s da noch ein Corrida-Stück in einer Stierkampfarena, Militärisches in dem Ausbildungscamp, Sambamusik beim Abstempeln von Formularen und stille, sakrale Klänge in einer Kirche. Ist lange her, deshalb ohne Gewähr, aber das gäbe sicherlich ein schönes Album.
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Time to say Goodbye. Habe einige FSM-Hefte zu verschenken. Vol. 2: Heft 1-9 Vol. 3: Heft 1-10 Vol. 4: Heft 1-5 / 9-10 Vol. 5: Heft 1-10 Vol. 6: Heft 1-10 Vol. 7: Heft 1-6 Einzige Bedingung: Selbstabholung hier in Köln. Ansonsten wandert alles demnächst ins Altpapier.
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Tod am Mississippi (1974) Lange vor MISSISSIPI BURNING behandelt diese in schwarz-weiß gedrehte DDR-Produktion die Ereignisse um die drei Bürgerrechtler Goodman, Chaney und Schwerner, die 1964 vom Ku-Klux-Klan ermordert wurden. Im Gegensatz zur amerikanischen Verfilmung, die sich auf die FBI-Polizisten konzentriert und deren Ermittlungsarbeiten stark dramatisiert, neigt TOD AM MISSISSIPPI eher zur dokumentarischen Sachlichkeit und packt einiges an Fakten in eine fast schon zu kurze Laufzeit. Das amerikanische Südstaaten-Setting ist auch dank eingeschnittener Dokumentaraufnahmen von Rassenunruhen, Städten, Flughäfen ganz gut getroffen. Insgesamt nicht gänzlich überzeugend, aber doch ein sehr interessantes Fundstück. Der Film endet mit Tom Paxtons großartiger Folk-Ballade Goodman and Schwerner and Chaney: https://www.youtube.com/watch?v=gCHjV4IodY4
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veröffentlichung Music Box Records: I Clowns (Nino Rota)
Angus Gunn antwortete auf Oliver79s Thema in Scores & Veröffentlichungen
Ich befürchte bei der Expandierung zwar einiges an zirzensischen Märschen und ähnlichem, aber I CLOWS hat auch wirklich Charmantes zu bieten. Das Original-Album ist von jener verspielten Eleganz, die so viele Fellini-Soundtracks so reizvoll macht (und einer der ganz seltenen Fälle, bei denen mich die beigemischten Dialoge nie gestört haben). Von daher wird wohl auch diese CD in meine Sammlung wandern. -
ANGEL - STRAßE OHNE ENDE (Neil Jordan) Auch wenn mich nicht jeder seiner Filme überzeugt, so ist Neil Jordan doch zweifellos ein sehr interessanter Regisseur. Sein Erstlingswerk ANGEL habe ich irgendwann mal in den 80er Jahren bei einer Fernsehausstrahlung gesehen. Damals habe ich ihn als sehr sperrig empfunden, aber die außerordentlich dichte Atmosphäre hatte mich dennoch beeindruckt. Heute nun, über 30 Jahre später, sehe ich den Film mit reiferen Augen und bin sehr beeindruckt. Ein Tanzlokal wird von einer Gruppe maskierter Gangster überfallen. Der Saxophonist Danny wird Zeuge zweier Morde und macht sich mit einer erbeuteten Maschinenpistole daran, die Täter aufzuspüren und hinzurichten. Was ein handfester Rache-Thriller hätte werden können, entpuppt sich als nüchterne Reflexion über Gewalt und ihre Auswirkungen, eingelullt in spärliche Saxophon-Improvisationen. Auf seiner fatalen Reise wird Danny mit anderen, ähnlich resignativen Schicksalen konfrontiert. Eine Frau nutzt die Gelegenheit, sich mit seiner Waffe vor seinen Augen selber zu erschießen. Starkes Kriminaldrama, das wenig Wert auf äußerliche Spannungseffekte legt, dafür umso mehr mit seiner fast schon nihilistischen Stimmung glänzt.
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DER MIETER (1967) Österreichische TV-Adaption von THE LODGER, einer Variante der Jack-the-Ripper-Geschichte. London wird von einer Mordserie an Prostituierten erschüttert. Ellen Bunting beschleicht allmählich der Verdacht, dass der kultivierte Gentleman Mr. Quill, der bei ihr ein Zimmer gemietet hat, der nächtliche Mörder sein könnte. Aus dem Mikrokosmos eines familiären Haushalts im viktorianischen London heraus erzählt, entwickelt sich ein intensives, kammerspielartiges Psycho-Drama in stimmungsvollem Schwarz-weiß, mit einem dämonischen Pinkas Braun in der Rolle des zwilichtigen Mieters. Steht der gelungenen Hitchcock-Verfilmung von 1927 in nichts nach.
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DEUX HOMMES DANS LA VILLE / LE TOUBIB / LA VEUVE COUDERC ENDSTATION SCHAFOTT ist ein intensives Kriminal-Drama um einen Ex-Kriminellen, der nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis vom rachsüchtigen Inspektor Goitreau schikaniert wird bis die Situation eskaliert. Regisseur Jose Giovanni, der einst selber nur knapp einer Hinrichtung entkam, verwendet viel Sorgfalt auf die Charakterzeichnung seiner Protagonisten, gibt ihnen das nötige Profil in einer rauen, authentischen Welt, was die Figuren in seinen Filmen stets so lebensecht und ihre Schicksale so nachvollziehbar wirken läßt. Diese Kunstfertigkeit ist es auch, die eigentlich eher konventionelle Abenteuer-Reißer wie LE RUFFIAN oder LES AVENTURIERS (bei letzterem schrieb er nur das Drehbuch) aus der Masse ähnlicher Produktionen heraushebt und zu etwas Besonderem macht. Francois De Roubaix, zu der Zeit Giovannis Stammkomponist, mußte auf Drängen von Delon das Feld räumen für Philippe Sarde. Und der ignoriert konsequent jegliche äußerliche Spannung und konzentriert sich mit einer melodiösen, emotional aufwühlenden, streicherbetonten Musik ausschließlich auf das Innenleben der Protagonisten Gino (Delon) und seines Bewährungshelfers (Gabin) und ihre Beziehung zueinander. Das Ende wird keiner so schnell vergessen, der den Film gesehen hat, und die Musik hat einen nicht zu unterschätzenden Anteil an dessen Wirkung. Nach der ersten Sichtung des Filmes war Sarde der Meinung, dass das Publikum am Schluß nicht genügend Mitgefühl mit Delons Schicksal haben würde, da er ja einen Verbrecher darstellte. "... and so I had to transform Delon´s character. With a simple, yet refined music. I had to give this film an atmosphere that would make people realise they did not want this guy to go back to prison or die on the scaffold." Die beiden anderen Filme DIE WAFFE DES TEUFELS und DER STRÄFLING UND DIE WITWE kenne ich (noch) nicht. Sie sind musikalisch sehr ähnlich angelegt, wobei besonders LE TOUBIB mit seinem pathetischen, aber auch resignativ-gebrochenen Hauptthema und den wunderbar eingeflochtenen Bass-Soli hervorsticht. Mal wieder ein Volltreffer. Philippe Sarde at his best!
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Auf den CDs ist es nicht. Die alte LP aus den 80ern ist bis heute nicht vollständig auf CD erschienen. Wenn überhaupt, dann findet sich das Stück dort. Wissen tue ich es aber nicht.
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Es gab jetzt genau 31 Folgen, verteilt auf 7 Staffeln. Diese letzte Folge geht so knapp 40 Minuten, hat also leichte Überlänge. Sollte man schon gesehen haben. Sie ist anders als alle surrealen Folgen, die es bisher gab. Eine große Abschiedstravestie, die nicht jedem gefallen wird. Aber wer will es den Machern übelnehmen, wenn sie Schotty auf ihre ganz spezielle Art und Weise zu Grabe tragen? Ich fand´s gelungen.
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Der Tatortreiniger: EINUNDDREISSIG Man sieht es schon an den gemischten Rezensionen bei Amazon. "Einunddreißig" ist die letzte Folge des Tatortreinigers, und alles andere als eine gewöhnliche. Für die Abschiedsvorstellung hat man sich etwas Besonderes einfallen lassen und alle Regeln über Bord geworfen. Schottys letzter Auftrag führt ihn in einen großen Firmenkomplex mitten im Nirgendwo. Es kommt zu zahlreichen Cameo-Auftritten skurriler Persönlichkeiten aus vergangenen Folgen, weswegen gute Kenntnisse der Serie von Vorteil sind. Niemand scheint hier bescheid zu wissen, und während sich Schotty noch im Foyer die Zeit vertreibt, ist das Mordkomplott gegen ihn schon in vollem Gange. Gänzlich unglamourös wird der Tatortreiniger aus seiner Existenz gerissen, und wer sonst, außer Merle, sollte die rührende Laudatio halten? Ein kleiner, surrealer Geniestreich. Mach´s gut, Schotty...
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Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Angus Gunn antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
Ebenfalls frisch aus dem Archiv geborgen: SARTANA - TÖTEN WAR SEIN TÄGLICH BROT. Man kann es dem ungarisch-stämmigen Khachaturian-Schüler Kojucharov nicht absprechen, einen ganz eigenen Stil bei der Vertonung "seiner" Italo-Western kreiert zu haben. Seine Themen sind griffig und mitreißend, melodisch ansprechend, mit stets ähnlicher rhythmischer Struktur und mit Streichern und Blech ausstaffiert. Und auch diese CD leitet mit einer packenden Overtüre ein, aber leider war´s das dann auch schon fast. Denn danach folgen in erster Linie viele dröge Suspense-Motive. Es gibt zwar noch ein zweites, relaxtes Banjo-Thema für den Kinski-Charakter, hier und da idyllischere Varianten des Hauptthemas, aber diese Momente sind nicht oft und vor allem viel zu schnell wieder vorbei, um gleich darauf wieder grummeligem Spannungs-Geflirre das Feld zu überlassen. Schade, denn ich mag die Titelmusik wirklich sehr gerne. Aber darüber hinaus hat dieses Album leider kaum etwas zu bieten, was eine Anschaffung lohnen würde. -
Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre
Angus Gunn antwortete auf Mephistos Thema in Filmmusik Diskussion
DER MAFIA-BOSS Unterhaltsamer Score von Francesco De Masi, der nichts wirklich Überraschendes zu bieten hat. Sämtliche Stilmittel und Versatzstücke sind aus anderen Genre-Musiken des Komponisten (wie LA MACCHINA DELLA VIOLENZA, NAPOLI SPARA etc.) wohl vertraut. Ein eingängiges Hauptthema mit jazzigen Rhythmen und kernigen Bläsersätzen sorgt für die passende Krimi-Stimmung und taucht auf dem Album in allen erdenklichen Varianten auf. Dazwischen gibt es entspannenden Lounge-Jazz, ein melancholisches Mafia-Thema mit morriconesken Maultrommel-Akzenten und eine sehr schöne bluesige Melodie, die dem "Fay"-Track aus LO SQUARTATORE DI NEW YORK sehr ähnlich ist. Ein grundsolider De Masi, der genau das abliefert, was man erwarten durfte. Sehr gute Klangqualität. -
Wojciech Gluchs Musik zu dieser TV-Mini-Serie ist eine große Überraschung, die mich beim ersten Hördurchgang begeistert hat. ZYCIE KAMILA KURANTA ist die Verfilmung dreier autobiograhischer Romane um einen Jungen, der im Armenviertel aufwächst und später die Ambition entwickelt, Schriftsteller zu werden. Bei der Musik mit ihrem melancholischen Flair arbeitet der Komponist viel mit solistischem Instrumentarium, in erster Linie Akkordeon, Cello (?), Klarinette, und läßt nur ab und zu ein größeres Ensemble erklingen. Auf der Seite von GAD Records lassen sich sämtliche Tracks für einige Sekunden anspielen. Ansonsten erlaube ich mir, den Track Nummer 2 hier einmal in voller Länge dem geneigten Ohre zur Begutachtung darzubieten: https://vimeo.com/320355974
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Diese CD umfaßt den Zeitraum von 1975 - 1982 und stellt vier Filmmusiken vor, die Korzynski für den Regisseur Celino Bleiweiß schrieb. Bei allen vier Filmen handelt es sich um TV-Produktionen der DEFA. ABSAGE AN VICTORIA und ICH WILL NACH HAUSE sind zwei Dramen, die der Komponist mit seichten Popmusik-Klängen ausstaffiert. Ersterer mit der Gitarre, letzterer mit der Mundharmonika in exponierten Solo-Parts. Korzynski hat eine Vorliebe für Streicher in hohen Tonlagen und setzt sie für die lyrischen Passagen ein. Aber auch käsige Kapriolen mit dem Keyboard prägen das Gesamtbild beider Scores. DIE SCHWARZE MÜHLE ist ein Märchenfilm, der auf der Krabat-Legende beruht. Das Hauptthema erweist sich als wenig einprägsam und schafft mit seinem helltönenden, etwas kitschigen Arrangement leider nicht die glaubwürdige Märchenstimmung, die hier eigentlich angebracht gewesen wäre. Besser sind da einige experimentellere Tracks gelungen. Besonders das wilde Posaunenarrangement, das den schwarzen Reiter bei seinen Untaten begleitet, weiß zu gefallen. Im großen und ganzen werde ich mit Korzynski nicht so recht warm, was sich auch schon beim "Possession"-Score (siehe weiter oben) angedeutet hat. Aber es kommt ja noch WILHELM MEISTERS THEATRALISCHE SENDUNG. Die zweiteilige Verfilmung eines Goethe-Szenarios, und die mit Abstand gelungenste Musik auf dieser CD. Hier erweist sich Korzynski als geschickter Melodiker der mit reizvollen Arrangements zeitgenössischen Barock mit dezenten, modernen Einflüssen kombiniert. Eine Musik von großer Schönheit und AusdrucksKraft, die den Erwerb der CD lohnenswert macht. Es spielt das DEFA-Orchester unter Manfred Rosenberg.
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Schuhputzer (Vittorio de Sica) Dank der aktuell erschienenen Pidax-DVD bot sich nun die Gelegenheit, mir diesen Klassiker mal zu Gemüte zu führen. Schuhe werden nur am Anfang geputzt, denn so verdienen sich Pasquale und Giuseppe im Rom der Nachkriegszeit ihren kärglichen Lebensunterhalt. Gelegentlich pflegen sie die Pferde reicher Leute, doch ihr großer Traum vom eigenen Pferd ist in unerreichbarer Ferne. Als sie in eine zwilichtige Diebstahl-Affäre verwickelt werden, geraten sie unschuldig in Verdacht und landen im Jugendgefängnis. Glaubwürdig in der Milieuzeichnung und deutlich in seiner humanen Aussage, entwickelt sich ein Gefängnisdrama, das zwar nicht ganz so eindringlich geraten ist, wie der etwas später entstandene (und wesentlich bekanntere) "Fahrraddiebe", aber dennoch als wichtiger Beitrag zum italienischen Neo-Realismus sehenswert ist. Wie bei den Fahrraddieben stammt die Musik auch hier von Alessandro Cicognini.
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Danke für die Info. Irgendwie passt das Stück ja eigentlich auch nicht zu der düsteren Atmosphäre des Films. Da wäre etwas hitzigeres, dramatischeres angebracht gewesen.
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Klasse Film! Den mag ich auch sehr gern. Und der paßt auch ganz gut zu dem, was ich mir gestern Abend angesehen habe: YELLOW SKY (Herrin der toten Stadt a.k.a. Nevada) Sieben Banditen (angeführt von Gregory Peck und Richard Widmark) flüchten nach einem Bankraub in die Wüste und geraten in eine verlassene Goldgräberstadt namens Yellow Sky. Mike (Anne Baxter) und ihr Großvater sind die einzigen Menschen, die hier noch leben. Wie sich herausstellt, sitzen die beiden auf einem größeren Goldschatz, den sie selbst gefördert haben, und schon bald eskalieren die Konflikte. Ein Western-Klassiker, der aber etwas in Vergessenheit geraten ist, wie mir scheint. Wellmans Inszenierung ist äußerst sorgfältig, die Schwarz-weiß-Kamera fängt ungewöhnlich stimmungsvolle Bilder ein, vor allem in den Szenen im Dämmerlicht oder Halbdunkel mit ihren Licht- und Schatten-Kontrasten. Auffallend ist auch die Musik. Denn nach einer neutralen Overtüre im typischen Stil der 40er von Alfred Newman säuselt nur noch der Wüstenwind durch die Szenerie. Kein Ton Filmmusik unterstützt die hochdramatische Handlung, und ich kann mich an keinen anderen Western erinnern, bei dem das so gemacht wurde. Ungewöhnlich und sehenswert.
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Im Gegensatz zu den sieben Stücken bei "Lucertola" (siehe weiter oben), hat es sich das britische Label "Finders Keepers" zum Ziel gesetzt, den vollständigen Score zu Rollins delirierender Vampir-Fantasie herauszubringen. Und das war nur mit Kompromissen möglich. Sämtliches bisher fehlendes Material mußte mangels Alternativen direkt der Tonspur entnommen werden, Geräuscheffekte inklusive. Zwei oder drei kurze Dialoge hat man ebenfalls übernommen, aber leider in englischer Sprache. Dabei wäre bei einem Rollin-Film die Wahl der französischen Originalsprache die sinn- und stimmungsvollere gewesen. Dennoch ist das Ergebnis ganz passabel geraten und unterhaltsam durchhörbar. Was die CD für den Fan nahezu unverzichtbar macht, ist das ungewöhnlich sorgfältig gestaltete Booklet, das den Leser auf eine archäologische Reise in die pariser Underground-Musikszene der frühen 70er Jahre mitnimmt und dort den Ursprüngen der Gruppe Acanthus nachspürt. Spannend und informativ. Und wer sich generell für den Regisseur oder europäisches Genre-Kino der 70er Jahre interessiert, dem möchte ich mit Nachdruck die Blu-Ray-Mediabooks von "Wicked Vision" ans Cineasten-Herz legen. Diese stellen tatsächlich sogar die vor etwa zehn Jahren erschienenen, erstklassigen "Encore"-Editionen in den Schatten, sind neu abgetastet (aber nicht zu sauber, das Zelluloid-Flair bleibt erhalten) und glänzen mit wunderbar ausgewogenem Kontrast. Im Fall von LE FRISSON wurde als ganz besonderes Schmankerl noch die deutsche Kinofassung SEXUAL-TERROR DER ENTFESSELTEN VAMPIRE erstmalig beigefügt. Da diese jedoch nicht mehr aufzutreiben war, mußte sie mit der komplett erhaltenen, deutschen Tonspur und dem seinerzeit vom Verleiher nachgedrehten Material, das sich im Archiv der Murnau-Stiftung befand, rekonstruiert werden. Unglaublich, welch ein Aufwand hier für ein Nischenprodukt betrieben wurde, und das Ergebnis spricht für sich.