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Angus Gunn

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  1. Hans-Martin Majewski: EIN MANN NAMENS HARRY BRENT / ZEICHEN DER GEWALT In den 60er Jahren zog der Name Francis Durbridge die deutsche Bevölkerung vor die Bildschirme. Produktionen wie DER ANDERE und vor allem DAS HALSTUCH waren Anfang der 60er Jahre enorme Straßenfeger als es diesen Begriff noch gar nicht gab und lebten von der Ensemble-Leistung erstklassiker Schauspieler, die die zum Teil sehr statischen und dialoglastigen Inszenierungen auch heute noch mit Einschränkungen sehenswert machen. EIN MANN NAMENS HARRY BRENT ist von 1968 und deutlich unterhaltsamer inszeniert, da hier die Kameraführung unter dem bewährten Regisseur Peter Beauvais um einiges dynamischer ist und man ein wesentlich filmischeres Konzept verfolgte, während die kammerspielartigen Frühwerke aus heutiger Sicht schon ein wenig Geduld erfordern. Majewski vertonte den 3-Teiler monothematisch im Tango-Takt. Das Thema gibt nicht viele Variationen her, und dies ist auch nicht beabsichtigt. Der stets gleichförmige Rhythmus durchzieht den raffiniert ausgetüftelten Rätsel-Krimi, zielgerichtet und betulich im Tempo, von Anfang bis Ende und verleiht der Handlung eine Stringenz, die kein Abweichen in Nebenschauplätze zuläßt. Das Stück gab es seinerzeit auf einer Single. Auf einem der einschlägigen CD-Sampler ist es bisher meines Wissens nach nicht berücksichtig worden. Ich bin ein großer Fan der 70er-Jahre-Folgen der unverwüstlichen Kultserie DERRICK. Und deshalb muß in diesem Faden auch dieser Serie die Ehre erwiesen werden. Es gab zahlreiche Single-Veröffentlichungen und CD-Sampler, die diese Serie während ihres 24-jährigen Bestehens begleitet haben. Majewski hat in der frühen Phase eine handvoll Derrick-Episoden vertont, darunter auch die zwei Spitzenfolgen TOD AM BAHNGLEIS und NUR AUFREGUNG FÜR ROHN, die beide musikalisch lediglich mit wenigen und für sich genommen unergiebigen Akzenten ausgestattet sind. ZEICHEN DER GEWALT ist da ein anderes Kaliber. Mit Schlagzeug und vorrangig eingesetztem Saxophon entwickelt sich ein packendes, jazziges Krimi-Arrangement mit grimmigem Unterwelt-Kolorit, das in der abschließenden Jagd über die Dächer seinen Höhepunkt findet. Diese Szenen habe ich weitestgehend im ursprünglichen Zustand belassen, und das geht natürlich nicht ohne die damit verbundenen Geräuscheffekte. In anderer Form existiert diese Musik leider nicht.
  2. Höchstens sporadisch. Am Gegenwartskino zieht mich kaum noch etwas an.
  3. Ich muß ja mal eine erschütterndes Geständnis machen: Ich habe noch nie einen Sissi-Film gesehen (mit Ausnahme von Viscontis "Ludwig II"), und von der Existenz dieser Scheibe wußte ich bisher noch garnichts. Aber was da an Hörbeispielen zu finden ist, klingt nicht uninteressant. Das CD-Cover ist allerdings ein Grauen. Wie kann man sich erst bei der Produktion eine solche Mühe geben, und dann das Produkt mit einer solch unglaublichen Entgleisung verunstalten?
  4. Ich bin mir ziemlich sicher, dass der auch beim Chris angeboten wurde. Aber jetzt ist er tatsächlich dort nicht mehr zu finden. Bei Musicbox ist die erste Charge als ausverkauft markiert, daran wird´s wohl liegen.
  5. Der hat mir auch sehr gefallen. Woody Allen ist schon seit Jahren der einzige Regisseur dessen aktuelle Filme ich mir regelmäßig anschaue, und wenn´s eben geht, dann im Kino. Dort sitzt auch in der Regel ein angenehmes Publikum, das weiß, wie man sich im Kino benehmen sollte.
  6. L´OURS werden die meisten hier wohl kennen. Es ist mit Sicherheit einer seiner bekanntesten, wenn nicht der bekannteste Score von Sarde. Großartige Bilder und eine dramatische Geschichte, die ohne Dialoge und ohne Effekthascherei vermittelt wird - ein Traumprojekt für einen Komponisten. Zeichnet Sarde die Bewegungen der Bären musikalisch nach, dann geschieht dies mit feinem Humor, aber auch in aller Würde und mit aller gebotenen Ehrfurcht. Und ich habe mich natürlich gefragt: Lohnt sich die Anschaffung des neuen Albums von Musicbox Records? Trotz anfänglicher Skepsis lautet die Antwort: Unbedingt! Zum einen bekommen wir hier natürlich endlich ein ordentliches Booklet, zum anderen ist die Musik nun nicht mehr in zwei namenlose, lange Suiten aufgeteilt, sondern liegt in 15 einzeln betitelten Tracks vor. Aber abgesehen von der besseren Übersichtlichkeit ist das Zusatzmaterial der eigentliche Grund, der diese VÖ so wertvoll macht. Es handelt sich um 6 Stücke, die mit hochkarätiger Solistenbesetzung (ohne Orchester) zur Zeit der Filmproduktion mit eingespielt wurden. Mit Cello, Gitarre, Violine und Flöte zaubert Sarde ganz hinreißende Arrangements des Tschaikowsky-Hauptthemas, mal verträumt, mal als Menuett. Zu welchem Zweck er diese Stücke damals eingespielt hat, darüber kann ich nur spekulieren. In den Film hätten sie stilistisch nicht reingepaßt. Vermutlich einfach aus Freude an der Musik. Und an dieser Freude dürfen wir nun 30 Jahre später auch teilhaben. Es lohnt sich.
  7. Dito. Auch ein liebevoll gestaltetes Booklet ist für mich ein starkes Argument für die CD. Meine Sammlung ist nicht etwa Platzverschwendung sondern Teil der Wohnungseinrichtung, um die es mir zu schade wäre, sie in Schubladen verschwinden zu lassen. Die Schallplattensammlung wird nur noch in Ausnahmefällen ergänzt, etwa durch den Erwerb alter Hörspielplatten (wer die ersten 30 Folgen der "drei Fragezeichen" auf Vinyl zusammenbekommen will, muß richtig tief in die Tasche greifen). Vinyl-LPs sind aber auch nach wie vor das beste Medium, wenn es darum geht, sich einen Tonträger vom Künstler signieren zu lassen. Würde ich nur noch streamen oder downloaden (wo ist da eigentlich der Unterschied?) hätte ich neulich in Berlin die De-Angelis-Brüder auf einer mobilen Festplatte unterzeichnen lassen müssen.
  8. Mit der "angeschrägten Jazz-Kriminalfilmmusik" würde ich im Fall vom HEXER zustimmen. LYDIA ist aber doch sehr eingängig und in meinen Ohren keineswegs schräg. Dieses Stück wird ja im Film immerwieder eingesetzt und gibt dem eigentlich sehr dramatischen Geschehen etwas Spielerisches. Schwer zu beschreiben, aber es funktioniert auf seine Weise großartig. Nur weil ich Wilhelm im Großen und Ganzen bevorzuge, heißt das ja nicht, dass ich Vorbehalte gegen Majewski habe. Gut, ich finde sein Musikkonzept bei der "Brücke" etwas überschätzt, das "fliegende Klassenzimmer" auf der CD mitunter etwas nervig, und im Allgemeinen hätte ich bei Majewski mehr zu kritisieren als bei Wilhelm, aber das wäre freilich herummäkeln auf hohem Niveau. Die "Schachnovelle" hatte ich ja selber schon über den grünen Klee gelobt und auch viele andere seiner Werke sind mir lieb und teuer. Also beides tolle Komponisten, aber einer muß halt der Favorit sein.
  9. Eugen Thomass: DER HEXER / LYDIA MUSS STERBEN Rainer Erler ist sicherlich einer der wichtigsten und innovativsten Filmemacher der deutschen TV-Geschichte. In seiner über drei Jahrzehnte andauernden Schaffensphase wurde er bei fast allen seinen Projekten von Komponist Eugen Thomass begleitet. Erlers Umgang mit Filmmusik folgte meist nicht den gewohnten Genreregeln. So beginnt die berühmte 5-teilige SF-Reihe DAS BLAUE PALAIS mit einer barocken und mit elektronischen Klängen ergänzten Overtüre. In OPERATION GANYMED begleitet mit beißendem Zynismus ein heroischer Parademarsch die vergessenen Astronauten bei ihrem verhängnisvollen Gang durch die Wüste. Trotz der Popularität hat es nie eine Tonträger-Zusammenstellung zu Erlers Filmen gegeben . Ja, noch nichtmal ein einziges Musikstück scheint jemals autonom veröffentlicht worden zu sein. Dabei hätte sich zumindest das Titelthema aus DAS BLAUE PALAIS oder der Titelsong seines berühmtesten Filmes FLEISCH (How much is anyone worth?) für eine zeitgenössische Vinylpressung geradezu angeboten. Eines von Erlers Frühwerken ist eine Fernsehadaption von Edgar Wallace´ DER HEXER, die von ihrer schrulligen Atmosphäre lebt und sich enger an die Buchvorlage hält, als es der Kinofilm tat. Ein eher ungewohntes Sujet für den Regisseur, und von Thomass gab´s dementsprechend auch eine eher konventionelle Musikbegleitung, die die skurrilen Ereignisse augenzwinkernd kommentiert. Bei LYDIA MUSS STERBEN kommt dagegen Erlers Neigung zum Tragen, Genrekonventionen gegen den Strich zu bürsten. Nach einem mißglückten Giftanschlag auf Lydia stirbt die falsche Person, und eine Unschuldige steht unter Mordverdacht. Anwalt Lindley, der Täter, versucht dem Gericht seine eigene Schuld zu beweisen, doch das Alibi, das er sich für die Tatzeit beschafft hat, ist bombensicher. Die Musik dieses cleveren Krimis besteht zur Gänze aus einem relaxten, eingängigen Klavier-Jazz-Thema, das zwischendurch immer wieder mal eingespielt wird und jegliche dramatische Entwicklung ignoriert.
  10. Ich hätte da noch eine Frage an die Mannen von Alhambra: War´s das nun endgültig mit Majewski und Wilhelm, oder könnte da theoretisch noch mehr kommen? Es geht mir dabei speziell um "Die fünfte jahreszeit", eine Mini-Serie, die ich sehr mag und die auch eine tolle Musik hat. Hatte ich im Straßenfeger-Faden schonmal vorgestellt. Aber auch Majewski hat im TV ein paar sehr ordentliche Sachen gemacht. Spontan fällt mir dazu die Derrick-Folge "Zeichen der Gewalt" ein. Richtig coole Krimimusik mit kleinem Ensemble.
  11. Nach dem Erfolg der TV-Mini-Serie SANDOKAN war es naheliegend, dass man sich mit den Hauptdarstellern Kabir Bedi und Carole Andre einer weiteren Romanvorlage von Emilio Salgari annahm. Diesmal fürs Kino, und wiederum unter der Regie von Sergio Sollima. Für die Dreharbeiten an karibischen Schauplätzen wurden drei spanische, schwimmfähige Galeonen in Auftrag gegeben, von denen die größte und aufwendigste in der Hafeneinfahrt von Cartagena unplanmäßig havarierte und neu gebaut werden mußte. Weiteres Ungemach sorgte für massive finanzielle Einbußen und dürfte wohl auch dafür verantwortlich sein, dass das Ergebnis letzten Endes weniger überzeugend ist, als die famose SANDOKAN-Serie. Keinerlei Ermüdungserscheinungen bemerkt man jedoch bei der Filmmusik. HOMBRES DEL MAR ist ein energetisches, mitreißendes Abenteuerthema mit viel exotischer Percussion und natürlich sofort ins Ohr gehender Melodie. Noch beeindruckender ist es in der langsamen Version TORTUGA, in der sich Bläser und Streicher über dem Trommelrhythmus des Themas annehmen. Seltsamerweise bekommt weder der von Mel Ferrer verkörperte Gegenspieler, noch seine Tochter (Carole Andre, eigentlich die weibliche Hauptrolle des Films) ein eigenes Thema zugeordnet. Statt dessen ist die zweite Melodie dem Eingeborenenmädchen YARA gewidmet. Vollorchestriert mit Rhythmusgruppe nimmt es einen tänzerischen Charakter an, als sanftes Flötensolo wird es zum melancholischen Zwischenspiel. Auf der CD von Digitmovies ist das ursprüngliche Album wieder separiert vom Bonusmaterial. Dieses ist in diesem Fall aber von besonderer Bedeutung, finden sich doch unter den bis dato unveröffentlichen Tracks Filmversionen, die sich zum Teil stark von den Albumfassungen unterscheiden, einen mehr szenenbezogenen Charakter haben und auch für sich genommen sehr willkommene Ergänzungen sind. So ist Track 13, eine von wuchtigen Cembalo-Klängen begleitete und mit Paukenschlägen akzentuierte Variante der HOMBRES DEL MAR, beispielsweise einer der stärksten Tracks der CD. Und auch die Filmfassungen von YARA weisen gegenüber ihren Pendents auf dem Album doch erhebliche Unterschiede in Struktur und Instrumentierung auf. Tolle Swashbucklermusik der etwas anderen Art zu einem nicht gänzlich überzeugenden Film. Zum Abschluß noch das Statement der "Filmharmonischen Blätter" vom Februar 1987: "Dieser Film aus Italien leitete das große Sterben der Piratenfilme ein. Phantasielos in Szene gesetzt, in Pappkulissen heruntergekurbelt - ohne Stars, trieb das Celluloidwerk in die Flaute. Die Musik von De Angelis jedoch begeistert, weil die Komponisten flotte Melodien zu Papier gebracht haben."
  12. Bin ich komplett anderer Meinung. Bernards Musik ist sehr charakteristisch und eigentlich unverwechselbar. Zwar meißt grobschlächtiger als die seiner Kollegen, aber zu den Hammer-Filmen paßt sie sehr gut und war geradezu stilbildend für den britrischen Horrorfilm seiner Zeit. Dieses Album ist jedenfalls eine ganz wunderbare Sache, und ich freue mich wirklich sehr darauf. Die Sache mit VIKINGS ist aber auch großartig. Das wußte ich noch gar nicht. Bin zwar sonst ein Verfechter von Originaleinspielungen, aber im Fall von VIKINGS würde ich eine Neuaufnahme sehr begrüßen, da die alte Aufnahme doch zum Teil erheblich unter dem mulmigen Klangbild litt. Ein Problem, dass ich auch schon im Nascimbene-Faden angesprochen hatte.
  13. Wenn ich mir die Rezensionen so durchlese, dann fällt mir auf, das Wilhelm doch einige meiner bevorzugten Film-Evergreens bearbeitet hat. Via Mala, die Björndals, die beiden Loriots, das sind alles von mir hochgeschätzte und immer wieder gern gesehene (und gehörte) Werke. Unterm Strich muß ich sagen, dass mir Wilhelm im Großen und Ganzen etwas mehr zusagt als Majewski. Gerade seine Nibelungen-Musik ist eine meiner liebsten CDs , und ich mag auch den Film sehr gerne. Er besitzt halt eher eine lockere Abenteueratmosphäre, während die Fritz-Lang-Version mehr der dramatischen Schwere des Stoffes gerecht wird. Zu TARABAS hatte ich ja bereits im Straßenfeger-Faden meine Meinung kundgetan. In der Zwischenzeit habe ich mir auch die Verfilmung von FLUCHT OHNE ENDE angesehen, die ich als etwas zugänglicher empfand, was daran liegen mag, dass die wiederum von Lohner gespielte Hauptfigur nicht so sperrig charakterisiert ist, wie es in TARABAS der Fall war. Beide Mini-Serien sind aber natürlich unbedingt sehenswert, und die anderen beiden (HIOB & RADETZKYMARSCH) werde ich mir in absehbarer Zeit mit Sicherheit auch noch anschauen. Und noch ein Tipp zu den Nibelungen: Es gibt da noch eine italienische Verfilmung des Stoffes von 1957 mit Sebastian Fischer (Synchronsprecher von Peter O´Toole). Dieser Film kopiert ziemlich offensichtlich und manchmal sogar Einstellungsgetreu den Lang-Klassiker. Die Musik zu diesem Film hätte ich auch sehr gerne auf CD. Der Komponist Franco Langella hangelt sich quasi an Wagner entlang und mischt eigene Ideen fortwährend mit Wagner-Zitaten. Es gibt ihn auf YT und DVD in jeweils gleich schlechter Qualität. Aber das gehört jetzt eher in den Faden mit italienischer Genre-Musik.
  14. Diesen Soundtrack habe ich noch als Schallplatte aber jahrelang nicht mehr gehört. Jezt nach der Begutachtung der CD bin ich doch einigermaßen positiv überrascht. Dass hier ein Synthsizerscore für einen Zeichentrickfilm gewählt wurde, macht erstmal stutzig. THE PLAGUE DOGS ist erstmal ein sehr naturalistischer und bedrückender Film. Und es ist aus meiner Sicht einer der besten und erschütterndsten Filme der 80er Jahre. Die Landschaften, die Menschen und Tiere stehen ganz im Kontext der hoffnungslos-tragischen Geschichte der beiden aus einem Versuchslabor entflohenen Hunde und werden aus ihrer Perspektive gezeigt. Die synthetisch-kalte Musik besitzt keinerlei Wärme und nur selten wird es etwas verspielter (wie in "The Change" mit dem Kronos-Quartett und Vivaldi-Anleihen). Gleeson fängt auf diese Weise sehr überzeugend die Gefühlswelt der Hunde (die Landschaften erstmal als fremd und feindselig wahrnehmen) und ihre Situation musikalisch ein. Und das funktioniert auch als Album sehr gut. Gleeson war maßgeblich an der Umsetzung des "Apocalypse Now"-Scores beteiligt, und manch eine der geisterhaften Klangflächen weißt auch gewisse Parallelen auf. Mit dem Unterschied, dass mir PLAGUE DOGS um einiges besser gefällt.
  15. Immer gerne. Und ein Ende ist vorläufig nicht in Sicht, denn es geht weiter mit: Der historisch verbürgte, italienische Söldner Ettore Fieramosca (1476-1515) muß hier in der Gestalt von Bud Spencer als Held einer Klamauk-Komödie herhalten. Aber trotz des nicht unbeträchtlichen Aufwandes, der hier betrieben wurde, ist das Ergebnis eher mau, und auch das Einspielergebnis blieb weit hinter den Erwartungen zurück. Die Musik dagegen besitzt wieder jenen unwiderstehlichen Charme und jene augenzwinkernde Pfiffigkeit, die man von De Angelis erwarten kann. Der Song OH ETTORE, von sonorer Baßstimme interpretiert, beißt sich natürlich mit dem deutschen Titel, denn bei uns wurde die Titelfigur bekanntermaßen in "Hector" umbenannt. Aber dieses kleine Ungleichgewicht dürfte früher kaum jemandem aufgefallen sein, und nach dem Titelstück hat man erstmal einen hartnäckigen Ohrwurm weg. Leider, und da sind wir direkt bei der Schwäche des Albums, beruht die Musik zur Gänze auf diesem Hautthema und präsentiert es in nahezu jedem Track. Zwar in mannigfaltiger Variation, mal als Andante, mal als Allegro, mal vollorchestriert, mal mit federleichter Flöte ("Come una faviola"), mit andauerndem Wechsel in der solistischen Begleitung und mit vielen originellen, witzigen Einfällen durchzogen, aber letzten Endes doch des Guten zuviel. Immerhin gibt es zwischendurch mal eine Fanfare hier und da und auch ein wenig höfische Untermalungsmusik. Unter diesen ist "Musica di Corte N.2" ein besonders hübsches Schmuckstück, das aber leider schon nach gut einer Minute wieder vorbei ist. Am Stück durchgehört viel zu repititiv, hat das Album für mich einen eher archivarischen Charakter. Als solches ist es aber dennoch begrüßenswert und zeugt von einer Zeit, als die Musik zu Komödien noch wirklich nach Komödie klingen durfte.
  16. Einen hab´ ich noch: Auch auf die Gefahr hin, mich zu wiederholen, ist L´ARBITRO ein nicht minder unterhaltsames Album wie die oben von mir beschriebenen. Eine Fußball-Klamotte um einen ehrgeizigen Schiedsrichter (Lando Buzzanca), der im Karriererausch seine Frau (Joan Collins!) vernachlässigt. Eingängige Themen gibt es gleich mehrere. MISS ELENA ist ein samtiges, verspielt-melodisches Stück, das von Gitarre und Flöte eingeleitet wird um schließlich vom Orchester übernommen zu werden. I´M FOOTBALL CRAZY ist eine lässige und höchst eingängig dahingleitende Nummer, die in der Gesangsversion mit unwiederstehlichem Humor gesegnet ist. Doch damit nicht genug, bietet Track 6 eine ebenso geschmeidige Melodie mit Rhythmusgruppe, Klavier und Flöte. Die Tracks 5 & 10 bauen dagegen minutenlang auf einem rocklastigen Fundament auf, ergänzen die Percussion- und E-Gitarre-Läufe mit Akzenten von Streichern und gestopftem Blech, womit sich das Komponisten-Duo hier schonmal für zukünftige Glanzleistungen im Genre der Polizei- und Gangsterfilme empfiehlt. Auch bei L´ARBITRO haben die Mannen von Digitmovies alles richtig gemacht und das Album in seiner Original-Zusammenstellung belassen. Ergänzende Alterativ- und Filmversionen sind als Bonustracks angehängt.
  17. Was für ein überaus angenehmer, entspannender Score. Die kammermusikalische Besetzung ist ja oben schon en detail beschrieben. Das angelsächsische Flair der Musik ist dem Handlungsort Irland geschuldet. Bei aller Melancholie wird es aber nie wirklich schwermütig, statt dessen schwebt über dem Ganzen ein latenter Optimismus. Diese CD bestätigt mal wieder meinen bisherigen Eindruck, dass Yareds gelungenste Kompositionen in kleineren, europäischen Filmen zu finden sind, fernab von Hollywoods Kitsch-Epen.
  18. Als Kind überlebt Benedetto unverletzt einen Unfall, was als göttliches Zeichen ausgelegt wird. Er wird der Obhut der Kirche überantwortet und von Mönchen erzogen. Als Erwachsener gerät er in Konflikt mit seiner anerzogenen Religiosität und seiner zwangsweise unterdrückten Sexualität und Lebensfreude. DER SCHIELENDE HEILIGE ist nicht nur das Regiedebut von Nino Manfredi, sondern auch die erste Filmmusik der De-Angelis-Brüder. Im Jahre 1971 noch vor VIER FÄUSTE FÜR EIN HALLELUJA entstanden, haben sie mit ihrem Erstlingswerk einen sehr lyrischen Score komponiert, der zwischen sakraler Erhabenheit, träumerischer Romantik und beseelter Dramatik angesiedelt ist. So möchte ich das sentimentale TEMA DI GIOVANNA (bzw. TITOLI) vielleicht als eine ihrer schönsten und eindringlichsten Schöpfungen überhaupt bezeichnen. TEMA DI BENEDETTO hingegen hat ein eher dramatisches Flair und zeugt von dessen innerer Zerrissenheit. SECONDO TEMA DI BENEDETTO spiegelt mit einer schlichten Flötenmelodie die naiv-unschuldige und von Komplexen belastete Seite der Hauptfigur wieder. Unterbrochen (oder besser: ergänzt) wird der Score von drei Liedern, die allesamt von Manfredi mit Chorunterstützung gesungen werden. Diese haben einen sehr volkstümelnden Charakter und sind vermutlich als Source-Music im Film eingesetzt. Eine mit spürbarem Engagement und Einfühlungsvermögen gestaltete Musik, die nur wenig Ähnlichkeiten zum späteren Werk der Komponisten aufweist. Im Hause Digitmovies sah man in dieser Veröffentlichung offenbar auch etwas Besonderes und spendierte ihr entgegen den sonstigen Gepflogenheiten ein schickes Digipack. Was bleibt wäre noch der Wunsch, diesen Film einmal zu sehen zu bekommen, denn gerade Nino Manfredi scheint mir hierzulande im Heimkino-Format bislang sträflich vernachlässigt zu sein. Und wer jemals die geniale Sozialsatire "Die Schmutzigen, die Hässlichen und die Gemeinen" gesehen hat, der wird meinen Wunsch verstehen.
  19. Putzfrau Tina führte ein wildes Eheleben, steht aber nun unter Verdacht ihren Ehemann in der Kläranlage entsorgt zu haben. Eine Anwältin versucht zu beweisen, dass es sich um einen Unfalltod gehandelt hat. Diese schwarze Komödie lief bei uns unter dem Titel EINE LAUS IM PELZ in den Kinos. Käme sie auf DVD heraus, würde ich sie mir alleine wegen Monica Vitti nicht entgehen lassen. Ganz entzückend ist aber nicht nur Frau Vitti sondern selbstverständlich auch die Musik. MISTER LOVE nennt sich das Titelthema, das im ersten Track wunderbar eingängig vorgestellt wird. Es hat einen leicht entrückten, melancholischen Charakter, läßt sich aber ansonsten natürlich im Bereich der Popmusik verorten. DELITTO entstammt mit Schlagzeug und monotonem Klavierrhythmus direkt dem in den 70er Jahren florierenden Giallo-Genre. CARILLON kommt ohne Carillon-Klänge aus, ist aber ein geschmeidiges Kleinod für Streichorchester und wechselnde Solo-Instrumente. Zwischen clever orchestrierten Tango- und Walzertracks fällt noch INCOMPRENSIONE auf, hinter dessen Titel sich eine kurze, aber sehr schöne Klavierfassung des Hauptthemas verbirgt. Erneut ein wenig bekannter und entdeckenswerter Score, der in der 25-minütigen Album-Fassung bei mir keine Minute Langeweile aufkommen ließ. Dem Album schließen sich auf der CD 30 weitere Minuten mit Alternativfassungen an. Am Dirigentenpult steht diesmal Alessandro Blonksteiner.
  20. Kaum bekannt, aber einer ihrer schönsten Scores. IL SINDACALISTA vermittelt seine Sozial- und Wirtschaftskritik in Form einer Satire. Unzufrieden mit den Arbeitsbedingungen zettelt ein sizilianischer Fabrikarbeiter einen Aufstand an ohne zu ahnen, dass sein Aktivismus wiederum von der Unternehmsleitung für deren eigene finanziellen Interessen ausgenutzt wird. Ich habe den Film nicht gesehen, und er scheint auch nicht bei uns zur Aufführung gekommen zu sein. Aber er beackert offenbar ein ähnliches Feld wie zu der Zeit die Nino-Manfredi-Komödien, für die die De-Angelis-Brüder ebenfalls ganz zauberhafte Scores geschrieben haben. Das Hauptthema ist der Handlung entsprechend auch eine eingängige Hymne a la "Internationale", die mit glühendem Pathos zum Mitmarschieren animiert. Ein kraft- und temperamentvolles Musikstück, mit voller Orchesterpräsenz und Chor, das mit Sicherheit weiter verbreitet wäre, wenn der Film zu mehr Bekanntheit gelangt wäre. Dieses Thema begegnet uns noch in nicht minder gelungenen, sanft-melancholischen Varianten mit solistischen Parts von Klavier und Flöte, behutsam eingesetztem Glockenspiel und oszillierenden Akkordeonklängen. Volkstümlicher geht es bei einem skurrilen Walzer zu, oder relaxter bei einer entspannt-bluesigen Jazznummer. Das ist alles mit viel Sorgfalt gestaltet, und ich habe den Eindruck, dass den beiden Komponisten an diesem Film besonders viel gelegen war. Das Album war für mich damals jedenfalls eine sehr erfreuliche Überraschung und ich kann es nur weiterempfehlen.
  21. Nicht der attrativste Score von Williams, aber starke Titelmusik. Als dieser Film früher mal im Fernsehen lief, da fand ich eben diese Eröffnungsszene mit den Flugzeugen, den sich öffnenden Bombenklappen und der dramatischen Musik sehr packend und mitreißend. Ein paar Jahre später kam dann die CD mit der Wentworth-Einspielung heraus. Aber seltsam... irgendwas stimmte nicht. Die Overtüre besaß längst nicht mehr die dramatische Wucht, die ich noch aus dem Film in Erinnerung hatte. So wurde das Album zum Staubfänger im Regal, ohne dass ich mir wirklich im Klaren darüber war, woran es eigentlich haperte. Bis die Originalaufnahme erschien und ich erneut mein Glück versuchte. Und tatsächlich... da war sie wieder, jene griffige Dramatik, die mir seinerzeit den Testosteronspiegel in die Höhe fahren ließ. Insgesamt, vor allem auch beim Midway March, ist die Williams-Aufnahme um einiges prägnanter und transparenter. Auch hier wieder ein klares Statement für Originaleinspielungen.
  22. 05. Oktober, Berlin So, da ich annehme, dass niemand von euch sonst dabei war, hier ein kurzer Erlebnisbericht vom gestrigen Konzert: Obwohl ich zum ersten Mal in Berlin war, habe ich von der Stadt eigentlich nur den Bahnhof, die U-Bahn-Stationen und die direkte Umgebung der Columbia-Halle gesehen. Und das war alles auch eher das Gegenteil von schön. Einquartiert habe ich mich im Ibis-Hotel direkt am Hauptbahnhof. Ich mag die Dinger nicht (zu teuer, zu unpersönlich), aber es war ja auch nur für eine Nacht. Vor der Columbia-Halle hatte sich bereits ein illustres Völkchen versammelt. Die T-Shirt-Motive ließen keinen Zweifel daran, dass sich von diesem Event weniger der Filmmusikliebhaber sondern natürlich vielmehr die Spencer/Hill-Gemeinde angesprochen gefühlt hat. Bei Einlaß fiel mir zuerst jenes Plakat ins Auge dessen Motiv auch schon die Promotionaktionen im Vorfeld geziert hatte und das mit folgendem Satz überschrieben war: DIE MACHER DER BUD SPENCER UND TERENCE HILL FILMMUSIK. Mal abgesehen von fehlenden Binde- und Auslassungsstrichen schien mir die Vokabel "Macher" schon etwas unglücklich gewählt zu sein. Man stelle sich einmal das letzte Morricone-Konzert in der Köln-Arena mit einer solchen Übertitelung vor: "Der Macher der Clint Eastwood und Quentin Tarantino Filmmusik" Aber gut, Schwamm drüber. Um 20 Uhr ging´s dann los. Die beiden betraten gut gelaunt die Bühne, und es gab das zu erwartende Potpourri der beliebtesten Songs. Sitzplätze waren genügend vorhanden, aber schon nach den ersten Klängen saß eigentlich niemand mehr. Zur Big Band gehörte auch eine Streichergruppe, die die meißte Zeit kaum herauszuhören aber auch für die eine oder andere solistische Passage zuständig war. Instrumentales gab es in Form der Titelmusik aus ZWEI AUßER RAND UND BAND und des "Piedone"-Themas. Nahezu sämtliche bud-spencer-bezogene Filmsongs hatten ihren Auftritt. Aber auch "Why Is Everyone So Mad?" aus AUCH DIE ENGEL MÖGEN´S HEIß, "Zorro is Back", "Orzowei" aus der gleichnamigen TV-Serie und alle drei Songs aus den SANDOKAN-Filmen. Letztere wurden von einem Gruß des Darstellers Kabir Bedi eingeleitet der kurz in einem Einspieler auf der Leinwand erschien. Für die unvermeidliche "La-La-La"-Nummer aus ZWEI WIE PECH UND SCHWEFEL zog dann tatsächlich noch ein etwa 40-köpfiger Chor auf die Bühne. Alles in allem ein sehr gelungener Abend. Nichts für den Freund feinsinniger Klanggespinste, aber toll die beiden mal live auf der Bühne erlebt zu haben. Und da ich keinesfalls ohne Autogramm wieder nach Hause wollte, hatte ich mir natürlich auch die Teilnahme an der Aftershow-Party gesichert. Diese fand mit zahlenmäßig reduziertem Publikum bei freier Verköstigung in angrenzenden Räumlichkeiten statt. Der Chor war auch hier wieder anwesend und sorgte mit hübschen A-capella-Arrangements diverser Bud-Spencer-Filmsongs (nicht nur von De Angelis) für das passende Ambiente. Beim Smalltalk-Streifzug durch die Gemeinde stieß ich nicht nur auf Sal Borgese sondern u.a. auch auf eine dreiköpfige Clique italienischer Besucher von denen einer von seinen Begleitern als der weltgrößte De-Angelis-Fan betitelt wurde. An spleenigen Figuren herrschte kein Mangel, und ich hatte große Mühe überhaupt noch an die begehrten Trophäen heranzukommen. Unzählige Fotos, auch schonmal ein Filmplakat, hier und da eine DVD, aber kaum jemand hatte Tonträger dabei, was mich schon etwas gewundert hat. Eine Single von "Trinity", ein Album von "Bulldozer", zwischendurch mal ein CD-Sampler. Ich war also mit meinen Vinyl-Schätzen, die blasphemischerweise noch nichtmal Bud-Spencer-Bezug hatten, ein Exot in der Front der versammelten Jagdgesellschaft. Von anderen auf meine merkwürdigen Mitbringsel angesprochen, nutzte ich die Gelegenheit einer handvoll erstaunter Partygäste den Stellenwert der beiden "Filmmusik-Macher" im italienischen Genre-Kino etwas näher zu erklären. Hier nun die erbeuteten Trophäen. Im Fall von LA POLIZIA INCRIMINA (großartiger Film übrigens, der endlich mal eine sorgfältige DVD-Edition verdient hätte) konnte ich nun endlich nach Franco Nero und Enzo Castellari auch die Komponisten auf dem Cover verewigen. Wurde auch langsam Zeit.
  23. Eine junge Frau auf einer Art Selbstfindungstrip besucht viermal die tschechische Stadt Olomouc, jedesmal zu einer anderen Jahreszeit, reflektiert über ihr Leben und freundet sich mit einem als Pantomime auftretenden Jungen an. Zum Film selber kann ich sonst nichts weiter sagen. Er scheint bisher nicht im deutschen Sprachraum aufgeführt worden zu sein. Die sehr lyrische und stimmungsvolle Musik stammt von Emil Viklicky. Der Komponist verarbeitet nach eigener Aussage mehrere regionale, folkloristische Motive in der Musik. Besonders anmutig ist ihm das verträumte, von Streichern, Oboe und Klavier interpretierte AUTUMN THEME gelungen. Nicht minder stimmungsvoll sind die OPENING CREDITS, die mit dem Klavier beginnen, um dann zum Orchestertutti anzuschwellen. Gesungen wird auch. Mit klarer, ätherischer wirkender Stimme interpretiert Zuzana Lapcikova ein Folkslied namens IN OLOMOUC TOWN (Dreh- und Handlungsort des Films), das sich mit seinem emotionalen und wehmütigen Flair sehr schön ins Ganze einfügt. Aber BLOUDIM ist in Teilen auch ein Jazz-Score. Stücke wie SUMMER THEME und HIGHLANDS, LOWLANDS JAZZ VERSION sind verspielt und deutlich optimistischer angelegt, verlieren aber nie ihre Themenstrukturen aus den Augen und fließen überaus angenehm dahin. Vor allem das ARION FOUNTAIN THEME mit seinen herrlichen Soloparts von Klavier und Oboe, gleitet, vom Streichorchester flankiert, ungemein geschmeidig durchs Ohr. Ein sehr behagliches, stilvolles Album, dessen Nachteil aber in seiner Kürze liegt. Gerade mal 23 Minuten währt der gesamte Score, und entsprechend kurzatmig ist manch ein Track ausgefallen. Dafür hat Viklicky aber in den FINAL CREDITS immerhin ganze 5 Minuten Zeit, seine Themen und Motive noch einmal in einem wirklich hörenswerten und voller Ideen steckenden Finale zu einem gelungenen Abschluß zu bringen. Um den Käufer nicht mit einer so kurzen Laufzeit im Regen stehen zu lassen, findet sich im Anschluß noch ein 11-minütiger Bonus-Track, bei dem es sich anscheinend um den Mitschnitt eines Jazzkonzertes handelt, das ebenfalls auf dem OLOMOUC TOWN-Thema beruht.
  24. Irmin Schmidt: ROTE ERDE In einer Auflistung der besten deutschen TV-Produktionen überhaupt dürfte die 13-teilige Bergarbeiter-Saga ROTE ERDE auf gar keinen Fall fehlen. Im Mittelpunkt steht der aus Pommern eingewanderte Bruno Kruska, der im Ruhrgebiet Ende des 19. Jahrhundert unter Tage als Bergmann arbeitet. Erzählt wird seine Lebensgeschichte (und in der zweiten Staffel die seines Sohnes) vor dem Hintergrund sozialer und politischer Unruhen in erdigen, düsteren Bildern. Aus zeitgeschichtlicher Sicht eine hochinteressante, und ebenso in der Darstellung der desolaten Lebensverhältnisse und der beklemmenden Arbeitsumstände auf der Zeche formidable Serie, die nicht nur Ruhrgebietler begeistern und fesseln sollte. Das gilt aber auch für die Musik des "Can"-Mitbegründers und mit allen akademischen Wassern gewaschenen Irmin Schmidt, dessen wunderschöne, elegische Kompositionen einen erheblichen Teil zur Stimmung beitragen. Im Kern rocklastig, ist das Hauptthema ein verführerisches, balladeskes Requiem von einnehmender Schönheit. Bluesige Harmonika- und Akkordeonklänge über betörenden, sphärischen Klangflächen unterstützen auch weiterhin das bedrückende Flair der Bilder. Besonders anmutig, wenn dann noch ein Cello hinzukommt. Zu monotonen Streicherpizzicati geht es hinab in finstere Grubenschächte und das Saxophon sorgt für emotionale Lichtblicke, wenn es sich in jazziger Manier im drangvollen Klang der Hoffnungslosigkeit seinen Raum nimmt. Ich weiß nicht, ob diese Musik als Download angeboten wird, aber die damalige Teldec-LP sollte nicht allzu schwer aufzutreiben sein.
  25. Mir gefällt die auch immernoch wesentlich besser als die "Score"-Doku aus dem letzten Jahr. Das mag aber auch daran liegen, dass "Der Klang der Bilder" zu einer Zeit kam, als man noch nicht die heutigen Informationsmöglichkeiten hatte. Damals war das schon eine beeindruckende Erfahrung all die Komponisten mal im Film vorgeführt zu bekommen. Heute ist das nichts Ungewöhnliches mehr. Außerdem konzentrierte sich "Score" viel zu sehr auf die heutige Filmproduktion, die mich sowohl bildästhetisch wie auch musikalisch kaum noch interessiert. Das ist natürlich nur meine persönliche Präferenz, aber selbst die wenigen Beispiele aus der Filmgeschichte beschränkten sich ja wirklich nur auf das Allerbekannteste. "Klang der Bilder" war da viel ausgewogener. Ich habe mir den mal digitalisiert, die Qualität ist allerdings nicht gerade umwerfend, da ich auch nur meine eigene, alte VHS-Aufnahme nehmen konnte.
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