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Straßenfeger: Deutsche TV-Klassiker und ihre Musik
Angus Gunn antwortete auf Angus Gunns Thema in Filmmusik Diskussion
Ennio Morricone: VIA MALA Diese 3-teilige Mini-Serie aus den 80er Jahren war bereits die dritte Verfilmung des dramatischen John-Knittel-Buches. Mario Adorfs Darstellung des tyrannischen Sägemühlen-Besitzers Jonas Lauretz dürfte eine seiner markantesten und denkwürdigsten Darbietungen sein. Die Musik von Ennio Morricone beginnt im Film mit dem dramatisch-aufbrausenden "Via Mala"-Thema. Auf den Tonträgern startet man dagegen wesentlich sanfter mit Silvies Thema, einer lieblich-nostalgischen, von den morricone-typischen, samtigen Streichern getragenen Melodie, die der von Maruschka Detmers gespielten Tochter zugeordnet ist. Dieses Thema verarbeitet Morricone im Folgenden auch noch in mehreren anderen Tracks, u.a. auch in "Un Vecchio Pittore", als sich zwischen ihr und einem Maler (Hans Christian Blech) eine väterlich-platonische Beziehung entwickelt. Ihr Thema ist das einzige im ganzen Score, das auch in all seinen Varianten von jeglichem dramatischen oder düsteren Beiwerk befreit ist. Alle anderen Tracks spiegeln mit dräuenden Motiven und bedrohlichen Streichern die allgegenwärtige, trostlos-aggressive Stimmung wieder, die ansonsten in Tom Toelles großartiger Inszenierung vorherrscht. Das schon erwähnte "Via Mala"-Thema ist dabei das markanteste, und dank seines häufigen Einsatzes im Film wohl auch dasjenige, das sich beim Zuschauer am ehesten festsetzt. Ein stampfender, martialischer Rhythmus mit plärrendem Blech und rabiaten Streichern, der den Lauretz-Charakter so exakt porträtiert, dass selbst Hörer, die den Film nie gesehen haben, unwillkürlich das Bild eines gewalttätigen, hitzköpfigen Tyrannen vor sich haben werden. Ein weiteres Kleinod ist das zwilichtige Carillon-Spiel in "Ninna nanna per una bambola senza vita", das einem kleinem, geistig behinderten Kind zugedacht ist und in einer Szene eingesetzt wird, in der Niklaus Lauretz nach dem Mord Spuren beseitigt und das Spiezeug der Kleinen in den Fluß wirft. Mit "La notte del delitto" klingt das Album mit einem 7-minütigen Suspense-Track aus und endet damit ebenso finster und unversöhnlich wie der Film selbst. -
Straßenfeger: Deutsche TV-Klassiker und ihre Musik
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Noch ein Jönsson zur Ergänzung: Das Hauptthema zu DER ROTE SCHAL gab es einerzeit mal als Vinly-Single, doch hatte diese verpoppte Aufnahme nicht mehr viel mit der Originalmusik gemein. Hier der tatsächliche Soundtrack in einem Zusammenschnitt, bestehend aus Anfangs- und Schlußtitel. -
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DIE FRAU IN WEIß (1971) - Musik: Hans Jönsson Die dreiteilige TV-Produktion DIE FRAU IN WEIß nach Wilkie Collins war 1971 der erste einer sehr erfolgreichen Reihe von Mehrteilern die von Autor Herbert Asmodi zusammen mit Regisseur Wilhelm Semmelroth realisiert wurden. Sämtliche Filme dieser Reihe basieren auf der Kriminalliteratur des 19. Jahrhunderts, haben einen mehr oder weniger ausgeprägten Mystery-Einschlag und sind in gehobenem Milieu oder Adelskreisen angesiedelt. Aus heutiger Sicht wirken diese Verfilmungen, die auch gerne als Plüsch-Krimis bezeichnet werden, etwas behäbig, und die Video-Technik, mit der die Innenaufnahmen realisiert wurden, haben jene Fernseh-MAZ-Qualität, an die man sich auch erstmal gewöhnen muß. Aber sie sind hochkarätig besetzt und bieten Literaturklassiker in anspruchsvoller Umsetzung. Ebenfalls zum Team gehörte Hans Jönsson (1913-1993), dessen Kompositionen die Filme ganz erheblich aufgewertet haben. Die Qualität seiner Musik ist nicht zu überhören, und bedenkt man die Tatsache, dass von ihm auch der treibende Jazz-Score zum legendären WDR-Krimi "Das Halstuch" stammt, so ist es doch mehr als verwunderlich, dass bisher noch keine einzige Note von ihm jemals als autonome Edition erhältlich war. Gerade DIE FRAU IN WEIß ist aus meiner Sicht ein Meisterstück. Der fast kammermusikalisch ausgestattete Score enthält ein Hauptthema, das in wunderbar kargen Klängen die Zerbrechlichkeit und Unschuld der von Heidelinde Weis verkörperten Titelfigur einfängt. Die Dramatik kommt in der Partitur dezent und subtil, aber dennoch ausdrucksstark, zum Zuge. Die folgende Suite ist in Bild und Klang nicht so toll, gibt aber, so hoffe ich zumindest, einen guten Querschnitt und Einblick in diese brillante Filmmusik: -
Straßenfeger: Deutsche TV-Klassiker und ihre Musik
Angus Gunn erstellte ein Thema in Filmmusik Diskussion
Es gab mal eine Zeit, da wurde im deutschen Fernsehen Wert auf Qualität gelegt. Es ist nicht so, dass nicht auch heute noch hervorragende Formate produziert würden, doch sind sie im großflächig ausgerollten Schundprogramm kaum noch auszumachen. Vor wenigen Jahrzehnten sah das noch anders aus, und heute blicken wir auf eine vergangene Fernseh-Landschaft zurück, die uns einen immensen Fundus an erlesenen Schätzen vererbt hat, von denen bereits viele, aber noch längst nicht alle, gehoben (sprich: auf DVD veröffentlicht) wurden. In diesem Faden soll nun auf einige dieser Perlen und auf ihre musikalische Ausgestaltung eingegangen werden mit dem Schwerpunkt auf sogenannte Mini-Serien, Mehrteiler und Einzelfilme. Während es manch ein Titelthema auf einen Sampler oder eine Single geschafft hat, waren und sind komplette Filmmusik-Alben doch eher selten anzutreffen. Manch ein Komponisten-Name ist heute kaum noch bekannt, und vielleicht findet sich ja die ein oder andere Anregung bei den hier im Board mitlesenden CD-Produzenten ... wer weiß . WALLENSTEIN (1978) - Musik: Eugen Thomass Beginnen möchte ich mit einem absoluten Klassiker. Eine 4-teilige Literaturverfilmung von ungeheurer Wucht, ein Monument des Historiendramas, das nicht nur in der deutschen TV-Geschichte seines Gleichen sucht und zu meinen persönlichen Favoriten zählt. Mit einer beeindruckenden Garde erstklassiger Schauspieler inszeniert Franz Peter Wirth die Geschichte des berühmten böhmischen Feldherrn in ebenso nüchternen wie überwältigenden Bildern und erlaubt einen Einblick in eine historische Epoche wie man es sonst nur selten erleben kann. Die Musik von Eugen Thomass ist dem Handlungsrahmen entsprechend sehr perkussiv, die Themen von herber Stringenz. Platz für Idyllisches ist da kaum, doch gibt es des öfteren authentisch anmutende Source-Music im Hintergrund zu hören, die für das passende höfische Ambiente sorgt. Da bisher nichts davon jemals auf Tonträger zugänglich gemacht wurde, habe ich selber eine kleine Suite zusammengebastelt und mit einer Schnittcollage aus dem Film versehen. Ich hoffe, dass diese kurze Zusammenstellung etwas von der Großartigkeit sowohl vom Film wie auch von Thomass´ Musik vermittelt. -
Ergänzung: Count Your Blessings mit Deborah Kerr ist eine im Kriegsjahr 1944 angesiedelte romantische Komödie mit dramatischen Zwischentönen. Und das spiegelt sich auch im Score wieder. Gerade im Eröffnungstrack, der im schwelgerisch-eleganten Walzertakt beginnt um dann ganz unvermittelt die Stimmung zu wechseln. Der fast 50-minütige Score ist hocherfreulich anzuhören, und hält auch weiterhin die Balance zwischen rührseliger Romantik, beschwingter Unterhaltung und Schwermütigem. Letzteres besonders beeindruckend z.B. in Track 7 ("Charles Is Back"). Mit feinsinnig komponierten Zwischentönen hält sich Love On The Run weniger auf. Die alberne Geschichte um einen Reporter und eine Millionenerbin auf der Flucht stattet Waxman mit locker-leichten Klängen aus, die zum Mickey-Mousing neigen und auch aus einem zeitgenössischen Disney-Trickfilm stammen könnten. Klares Highlight ist hier der tänzerisch-quirlige "Main Title / Running Bride". Fury ist ein frühes Selbstjustiz-Drama mit Spencer Tracy und Fritz Langs erster amerkanischer Film. Mit sechseinhalb Minuten ist hier fast der komplette Score vertreten, es fehlen lediglich ein paar kürzere Schnipsel. Das perkussive Motiv in der Titelmusik steht für den von Tracy gespielten Charakter und dessen Entschlossenheit seinen Racheplan durchzuziehen. Düster-romantisch geht es zu in Suspicion bei dem mir vor allem die sehr stimmungsvollen, ruhigeren Passagen wie "Lina Alone" oder "Morning Mail" gefallen. An Rebecca (ein Jahr zuvor entstanden) mußte ich auch des öfteren denken. Einer Variante des Mad-Scientist-Motivs bedient sich Tod Brownings Horrorfilm The Devil-Doll. Die Themen hier stecken voller sinistrer Orchestrierungen. Melodramatische Entwicklungen werden gleich wieder von schaurigen Streichermotiven oder zwilichtigen Glockspielklängen untergraben. Sehr atmosphärisch. "Opening Scene and Main Title" eröffnen den 37-minütigen Score zu King Of The Roaring 20´s mit einer wilden Mischung aus gershwineskem Jazz, zeitgenössischer Tanzmusik und Waxmans schroffem Personalstil. Im Folgenden werden immer wieder stilistisch Haken geschlagen zwischen fulminanten Jazzeinwürfen, sanftem Blues und tragisch-bedrückenden Motiven, die sich oft in solistisch eingesetzten Cello- und Saxophon-Klängen äußern. Ein wirklich großartiger Score und neben Captains Courageous für mich der Favorit der Box. Zum Klang: Der 30er-Jahre-Anteil kann hier leider nicht mehr mit dem hohen Standart der ersten beiden CDs mithalten. Während The Devil-Doll und Love on the Run noch sehr zufriedenstellend klingen, leiden die Aufnahmen von Suspicion und besonders Fury zum Teil schon erheblich unter Verzerrungen und den Acetat-üblichen Laufgeräuschen, sowie einem mal mehr und mal weniger ausgeprägtem Rauschpegel. Count Your Blessings (stereo) und besonders King of the Roaring 20´s (mono) bestechen dagegen beide mit exzellentem Klang. Es gibt überhaupt keinen Grund, sich diese Edition entgehen zu lassen.
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Das kann ich verstehen. Da hat jeder seine eigene Schmerzgrenze. Als ich vor gut 25 Jahren mit dem Sammeln angefangen habe, da waren mitunter Aufnahmen im Umlauf, die wirklich übel klangen und in diesem Zustand eigentlich nicht auf Tonträger gehörten. Mit Schrecken erinnere ich mich z.B. noch an die LPs mit "Duel in the Sun" oder Max Steiners "She". Aber mit den heutigen Möglichkeiten der Klangrestaurierung sieht die Sache ganz anders aus. Eine Qualität wie bei dieser Waxman-Box ist wirklich eine Offenbarung... aus meiner Sicht.
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Captains Courageous ist ein herrlicher Abenteuerscore mit bewegenden Melodien und swashbuckelnder Dramatik. Waxmans Personalstil ist hier schon in den ersten Sekunden des fanfarenartigen Titelthemas klar zu erkennen. Dr. Jekyll and Mr. Hyde ist erwartungsgemäß düsterer mit großem, melodramatischem Hauptthema. Pfiffige, verschmitzte Themen und banjo-lastige Americana-Arrangements bieten die Adventures of Huckleberry Finn. Zauberhafte Musik mit eigentümlichen Vibraphon-Effekten für die Weihnachtsgeister, Bizet-Beigaben und augenzwinkernde Wagner-Anleihen finden sich in dem sehr unterhaltsamen A Christmas Carol. Woman of the Year kommt ebenso leichtfüßig-romantisch daher mit unglaublich quirliger Overtüre und virtuosem Klavierspiel. Weiter bin ich noch nicht, aber schon die ersten beiden CDs sind eine Schatztruhe voller Geschmeide, und ein opulentes Weihnachtspräsent für den Golden-Age-Liebhaber. Die Klangqualität ist bestechend gut. Nur wenige Tracks sind von leichten Verzerrungen betroffen, kaum ein Hintergrundrauschen trübt das Hörerlebnis, und gerade in leisen Passagen kommen feinste Regungen des Orchesters deutlich und differenziert zur Geltung. Dass den fast 80 Jahre alten Aufnahmen freilich dennoch eine große Portion Patina anhaftet versteht sich von selbst und gehört für mich einfach dazu. So schön auch sorgfältig eingespielte Neuaufnahmen sind - gut erhaltene, sauber restaurierte Originalaufnahmen wie hier würde ich immer vorziehen, da deren charakteristisches Klangbild ein wichtiger Teil der nostalgischen Erfahrung sind.
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Auch ich habe lange aus reiner Neugier auf eine Veröffentlichung dieses Scores gehofft, und nun, nach dem ersten Hördurchgang macht sich erstmal Ernüchterung breit. Eine Stunde lang frostige, aggressive, schwer verdauliche Synthi-Klänge, das ist schon recht strapaziös. Natürlich ist die Komposition sehr komplex, und Shire hat genau das umgesetzt, was Coppola von ihm verlangt hat: Einen kalten, emotionslosen Sound, der den Horror des Krieges illustriert. Nur selten, wie in der "Orange Light"-Sequenz, wird es für ein paar Augenblicke etwas harmonischer. Für Kenner und Fans des Filmes ist es ohne Zweifel sehr interessant diesen alternativen Score einmal zu hören und mit der tatsächlichen Musikuntermalung zu vergleichen. Shires Score wäre sicherlich auch effektiv gewesen und in einigen Passagen ist sie sogar der Coppola-Musik recht ähnlich, besonders in den späteren Szenen in Kurtz´ Domizil. Dennoch muß ich sagen, dass ich unterm Strich Coppolas eigene Musik bei weitem vorziehe, sowohl für den Film selber, wie auch als Höralbum. Das etwa 30-seitige Booklet habe ich noch nicht durch. Andere Meinungen dazu?
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Eugen Illin & Andrzej Rokicki - DIE MUMINS An diese polnisch-österreichische Puppentrickserie von 1979 (nicht zu verwechseln mit der späteren Zeichentrickserie) habe ich eigentlich kaum noch Erinnerung, obwohl sie mich damals im richtigen Kindesalter erwischt hat. Die Musik dieses netten Klassikers ist insofern bemerkenswert, als dass sich hier wieder einmal zeigt, wie liebevoll und hochwertig damals Kinderfernsehen produziert wurde. Anstatt das Keyboard oder den Synthesizer anzuschmeißen oder sich auf zeitgenössischen Disco-Beat zu verlassen, arbeiten die beiden tschechischen Komponisten mit einem kleinen akustischen Ensemble, vorwiegend bestehend aus Holzbläsern, Violine, Klavier, Mundharmonika und Schlagzeug. Damit zaubern sie eine naiv-charmante, mal jazzige, mal volkstümliche Musikbegleitung, die so fröhlich und lebensbejahend daherkommt, mit so vielen kleinen Einfällen und pfiffigen Melodien durchzogen ist, dass man sich beim Hören unwillkürlich in unbeschwerte Kindertage zurückversetzt fühlt. Anspieltipps auf CD 1 sind das flotte HAPPY DANCING, das träumerische GOOD NIGHT, das drollige, von der Tuba begleitete SOMETHING STRANGE, oder auch das entspannte CALM AND PEACEFUL dessen Titel für sich spricht. Selbstverständlich sind das alles keine anspruchsvollen, künstlerisch ausgefeilten Kompositionen (was auch völlig unangebracht wäre), aber unzweifelhaft eine gelungene, humorvolle und in ihrem Kontext treffliche Musik, die locker den Standard eines Karel Svoboda erreicht und sehr gut nebenbei zu hören ist. Die Musiker dürften jedenfalls viel Spaß bei den Aufnahmen gehabt haben, da bin ich mir sicher, denn das ist nur allzu deutlich herauszuhören. Die Doppel-CD von Hi-Hat ist mit fast 100 Minuten großzügig bestückt, richtet sich aber natürlich vor allem an Fernseh-Nostalgiker, was man schon daran erkennt, dass man die Namen der Komponisten auf dem Inlay wirklich mit der Lupe suchen muß.
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KAREL ZEMAN: KRABAT (1977) Es sei gestattet hier auch mal einen Wunschkandidaten für eine eventuelle CD-Veröffentlichung vorzustellen. Karel Zeman dreht einzigartige Filme von zauberhafter Magie. KRABAT von 1977 erzählt die Geschichte in vermeintlich simpler Tricktechnik und mit großer erzählerischer Finesse. Die deutsche Fassung glänzt außerdem mit Christian Brückner in der Titelrolle und Friedrich Schütter als finsterer Mühlen-Zauberer. Zemans erklärtes Vorbild war der französische Trickfilm-Pionier Georges Melies, und grundsätzlich würde ich jede Tonträger-Veröffentlichung zu einem seiner Filme feiern. Aber gerade die Musik von Frantisek Belfin zu dieser KRABAT-Verfilmung ist von einer derartigen Schönheit und Poesie, dass es wirklich ein Jammer ist, sie vielleicht niemals außerhalb des Filmes kennenlernen zu dürfen. Aber wer weiß.... Einen Auszug aus dem Film habe ich gefunden, der zumindest etwas von dem Zauber von Belfins Komposition erahnen läßt:
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Die Western der DEFA sind in der Regel naturalistischer und künstlerisch ambionierter gestaltet als unsere trivialen, westdeutschen Karl-May-Verfilmungen und einige von ihnen kommen der Wahrheit wahrscheinlich näher als es selbst die allermeisten US-Western jemals gewesen sind. In rund 20 Jahren Produktionsgeschichte hat sich freilich auch eine Menge Filmmusik angesammelt, die auf den drei "Wigwam"-Samplern von "Cinesoundz" / "All Score Media" vereint sind. Sämtliche 16 Filme aus den Jahren 1966 bis 1985 sind in mehr oder weniger großzügigen Auschnitten berücksichtigt worden. Dabei fängt die Nummer 1 des CD-Trios erstmal ernüchternd an, denn sie wird von einer Reihe von schlagerseligen Liedern eröffnet, die, z.T. von Gojko Mitic gesungen, außerhalb des Filmkontextes natürlich damals zu Promotionzwecken aufgenommen worden waren. Schwamm drüber. Danach folgen mit DIE SÖHNE DER GROSSEN BÄRIN und CHINGACHGOOK, DIE GROSSE SCHLANGE (letzterer nach James F. Coopers "Wildtöter") die Partituren von Wilhelm Neef zu den ersten beiden Filmen dieses Subgenres. Klassische Westernscores, sinfonisch eher nach amerikanischen Vorbildern ausgerichtet, wobei gerade die SÖHNE auch Abstecher in jazzige Gefilde unternehmen, die Ähnlichkeiten zu Raimund Rosenbergers "Kurdistan"-Musiken haben. CHINGACHGOOK ist alles in allem traditioneller gehalten und teils sehr dramatisch. Hat die erste CD noch ihre Schwächen, bieten die beiden Nachfolger exzellente Western-Soundtracks in beeindruckender Originalität und stilistischer Vielfalt. SPUR DES FALKEN und WEISSE WÖLFE von Karl-Ernst Sasse sind absolut mitreißend und haben Elmer Bernstein als klares Stilvorbild. DER SCOUT und PRÄRIEJÄGER IN MEXIKO, ebenfalls von Sasse, sind dagegen mehr der europäischen Tradition verpflichtet. Besonders das von Hörnern getragene, vorwärtstreibende Hauptthema des letzteren ist phantastisch und dürfte sich noch lange im Ohr festsetzen. Dazwischen sorgen immerwieder fremdartige, mystische Flöten- oder Okarina(?)-Klänge für Verschnaufpausen. OSCEOLA von Wilhelm Neef ist ebenfalls mit einer sehr unterhaltsamen Suite vertreten und beginnt mit Trompetenklängen, die sehr stark an Hans Poseggas LOCKRUF DES GOLDES erinnern. In BLUTSBRÜDER übt sich Sasse in reduzierter Instrumentierung und schafft mit einem kleinen Ensemble u.a. aus Mundharmonika, Maultrommel, Gitarre und Percussions eine zurückhaltende, interessante Musik, die mit ihrem rocklastigen Titelthema mehr dem Italo-Western verpflichtet ist. Der Film verfügt außerdem über den großartigen Titelsong "Love Your Brother", geschrieben und gesungen von Hauptdarsteller Dean Reed. Eine mitreißende, balladeske Nummer, die auf CD 1 auch in der Single-Version vorliegt. Sehr ungewöhnlich und im Western-Kontext vielleicht sogar einzigartig ist Günther Fischers TECUMSEH, dessen Titelmusik mit Flöten und Frauenstimmen eine ganz eigentümliche, hypnotische Wirkung erzielt. Auch die übrigen Tracks folgen mit Percussions, Wah-Wah-Gitarren und gelegentlichen Einsätzen eines Streichorchesters den Idiomen der Rockmusik. Eine völlig eigenständige Filmmusik, die sich im Genre auf Nichts und Niemanden zurückführen läßt und dabei hochinteressant und faszinierend anzuhören ist. Ebenfalls originell orchestriert, aber etwas traditioneller und mit gelegentlichen Abstechern ins burlesk-komikhafte erfreut Hans-Dieter Hosallas APACHEN in einer längeren Suite. BLAUVOGEL stattet Peter Rabenalt mit sphärischen, teils synthetischen Klängen aus, die im Film eine ähnliche Wirkung erzielen, wie die Popol-Vuh-Musiken in den Herzog-Filmen. Mit den minimalistischen, melancholischen und sehr eingängigen Bluesläufen von Jürgen Kehrt verabschiedet sich das Genre 1985 mit ATKINS von den Leinwänden. Wunderbare CDs in vorbildlicher Zusammenstellung. Enorm unterhaltsam und für Western-Fans sowieso unverzichtbar.
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Kinderbuchautorin gefangen zwischen Illusion und Realität. Mit den Filmen von Altman habe ich seit jeher so meine Probleme und auch diesen hier fand ich bisweilen etwas dröge, aber gerade in den letzten 20 Minuten auch faszinierend und packend mit konsequentem Ausklang und stimmungsvollen Landschaftsaufnahmen. Der Musik von John Williams (die die meisten hier sicherlich kennen werden) hat "Spiegelbilder" viel zu verdanken.
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Eine gleichwertige Alternative gibt es, zumindest für mich, nicht. Bei "Cinemusic" habe ich mich vor Jahren mal umgesehen als das Forum dort noch frei zugänglich war, und hatte den Eindruck einer doch recht überheblichen, elitären Community. Aber vielleicht hat sich das inzwischen geändert? Gegen FB habe ich grundsätzlich nichts einzuwenden, allerdings scheint die dortige Interessengemeinschaft nur den kurzlebigen Smalltalk zu bedienen ohne irgendwelche archivarischen Strukturen. Wer, so wie ich, sich nur ab und zu mal meldet und dann gerne ausführlichere Texte schreibt und Soundtracks vorstellt die sonst völlig übergangen werden, wird mit FB kaum glücklich werden. In den amerikanischen Foren bei FSM und Intrada tummeln sich für meinen Geschmack zu viele Extremfälle. Das Hobby Filmmusik ist ja schön und gut, aber gerade bei den Amis habe ich den Eindruck, dass es dort schon verdächtig in pathologische Gefilde geht. Nix für mich, zumal ich auch Schwierigkeiten hätte, längere Texte in englisch zu verfassen, ohne dass sie für die englischen Muttersprachler holprig zu lesen wären. Ergo bleibt nur das Soundtrack-Board. Hier gibt es angenehme User, ein wohltemperiertes Diskussionsklima, und ich hoffe sehr, dass man noch zu einer Lösung findet. Falls nicht, und falls Ende des Jahres tatsächlich Schluß sein sollte, werde ich mich wohl oder übel mal bei "Cinemusic" anmelden und vielleicht mit dem einen oder anderen meiner bisherigen Texte nach dort umziehen. Aber soweit sind wir noch nicht...
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Formidabler, extravaganter Score von Pino Donaggio zu einem vergessenen Film mit Nicole Garcia, Milva (!) und Heinz Bennent. Dass er überhaupt mal im deutschen Fernsehen lief (und zwar 1989 als "Straße der Spiegel") habe ich erst durch Nachforschungen in den "TV-Foren" herausfinden können. Den Inhaltsangaben nach ein giallo-ähnliches Kriminaldrama mit ungewöhnlicher Rollenverteilung. Die Musik ist eine der interessantesten und schönsten, die ich von Donaggio bisher gehört habe. Im Zentrum der Komposition stehen zwei Instrumente: Klavier und Harfe. Jedes steht für einen der beiden weiblichen Hauptcharaktere im Film. Donaggio läßt beide mit- und gegeneinander agieren, mal einschmeichelnd melancholisch, mal harscher im Tonfall. Es ist (im übertragenen Sinne) "Dialog-Musik", mit der Funktion das Unausgesprochene zwischen den beiden auf der musikalischen Ebene wiederzugeben. Da ist kein Ton zuviel, jede Note mit Bedacht gesetzt. Viel besser kann es natürlich der Meister selber beschreiben, daher zitiere ich hier mal aus dem Booklet: It could be defined as a minimalist score, but of a very different minimalism from that of La Monte Young or Philip Glass. Rather than relying on the concept of obsessive repetition with occasional static variations, it relies on the use of a few tools aimed at obtaining the rarefaction effect I wanted to convey. So it becomes a dialogue between piano and harp that identifies with the relationship between the two protagonists of the film, arriving, in some scenes, to give voice to their thoughts. It is the same logic of approach I used for the museum scene in Dressed To Kill. Um diese beiden zentralen Instrumente herum tummeln sich nur wenige zusätzliche Klänge, und nur zweimal (bei "Riflessioni" und "Concerto al parco") kommt ein größeres Ensemble zu Einsatz. Kunstvolle Filmmusik von einem Meister der düster-romantischen Klänge.
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Nachdem ich nun alle drei CDs durchgehört habe, kann ich sagen, dass meine anfängliche Skepsis völlig unbegründet war. Dem Wunsch zahlreicher Fans nachkommend, hat man sich bei Quartet-Records um die musikalische Hinterlassenschaft des spanischen Horrorkinos der 60er/70er Jahre gekümmert. Da diese Aufnahmen in ihrem Heimatland sehr stiefmütterlich behandelt wurden, muß ein Großteil heute als verloren betrachtet werden, darunter auch die begehrten Kompositionen von Anton Garcia Abril zu den "Blind Dead"-Filmen. Es wurde also zusammengekratzt, was überhaupt noch aufzutreiben war. Herausgekommen ist dabei ein CD-Trio von immensem Unterhaltungswert. EL ESPANTO SURGE DE LA TUMBA (Blutmesse für den Teufel) ist wahrscheinlich von den sechs Filmen der bekannteste. Den schummrigen Orgel-Score mit Percussioneffekten könnte man sich gut als Begleitung eines expressionistischen Stummfilms a la "Dr. Caligari" vorstellen. Schräg und nur bedingt zu empfehlen. Im Anschluß daran erklingen fünf Tracks von Alfonso Santisteban aus dem agatha-christie-inspirierten Giallo EL ASESINO ESTA ENTRE LOS TRECE. Eingängige, jazzig-melodische Themen im typischen Stil der 70er aus denen das packende "La Fuga" herausragt. Ebenfalls von Santisteban stammen die beiden Scores der nächsten CD. ASESINO DE MUNECAS deckt eine breite Palette musikalischer Ausdrucksformen ab. Großartig und mit orchestraler Wucht beginnt das Titelthema, das sich mit Schlagzeug und Wah-Wah-Gitarren beinahe wie ein zeitgenössisches Rockmusical ausnimmt. Phantastisch auch das folgende "Los traumas del asesino", in dem das Titelthema mit Cembalo und entrücktem Chor variiert wird. Interessante Suspense-Tracks und Zeitgenössisches runden das Bild ab. Der zweite Titel NECROPHAGOS ist sehr viel sparsamer orchestriert, kreiert mit seinem kleinen Ensemble eine psychedelische, einlullende Atmophäre, streut aber immer wieder geschickt melodisches Material ein. Dritter Tonträger im Bunde ist dem Komponisten Fernando Garcia Morcillo gewidmet. LA NOCHE DE LOS BRUJOS ist bei uns als "Woodoo - Orgie des Grauens" auf DVD erschienen. Dschungeltrommeln geben hier den Ton an, dazwischen zeittypische Bossa-Rhythmen und samtige Frauenvocalise, wiederum im Stil der Giallo-Filme. Ein Okkultismus-Drama namens EL MONTE DE LAS BRUJAS ist nicht nur die Nummer zwei auf dem Album, sondern darf auch mit Fug und Recht als das Highlight des Sechserpacks bezeichnet werden. Im Zentrum steht ein melancholisches, wunderschönes Thema, das auf dem "Dies Irae" beruht und im Titeltrack als Orchesterarrangement mit glasklarem Trompetensolo präsentiert wird. Danach deklariert ein infernalischer A-capella-Chor seine Texte zum Teil in englischer Sprache, was ich bei dem starken Akzent der beteiligten Sänger erst garnicht gemerkt habe. "Dreams of Darkness" und "Give me your command" sind zwei der Brocken, die ich glaube verifizieren zu können. Ein unglaublicher Track, der nur noch von der wahrlich furiosen Orchesterfassung getoppt wird, bei der wirklich alles aus ist. Dagegen verblaßt selbst Keith Emersons "Mater Tenebrarum" aus INFERNO, wobei hier stilistische Vergleiche durchaus naheliegen. Ein außergewöhnlicher, ambitionierter Score bei dem sich instrumentale und gesungene Tracks zahlenmäßig in etwa die Waage halten. Die Booklets sind wie gewohnt ansprechend gestaltet, beinhalten Texte zu Filmen und Musik, und auch die kaum bekannten Komponisten werden hier mal vorgestellt. Es gibt hier viel zu entdecken.
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Alfi Kabiljo - BANOVIC STRAHINJA / THE FALCON / DER FALKE Die Titelmusik über den Vorspann-Credits war es, die mich vor etwa 25 Jahren mächtig beeindruckt hat. Sie stammt aus der Feder von Alfi Kabiljo, jenem geheimnisvollen Komponisten, der sich mit dem Vinyl-Album "Sky Bandits" dem westlichen Filmmusikfan als virtuoser Schöpfer sinfonischer Abenteuermusik empfahl und danach auf Nimmerwiedersehen von der Bildfläche verschwand. Heute, im Zeitalter der unbegrenzten Information per Mausklick, ist die Identität des Herrn natürlich längst gelüftet. Das alte VHS-Tape von DER FALKE war damals meine erste Begegnung mit dem renommierten, serbischen Komponisten, und ich hätte im Leben nicht geglaubt von dieser jugoslawischen Produktion einmal ein Soundtrack-Album in den Händen zu halten. Umso größer war die Überraschung als Kronos Records letztes Jahr genau diese Musik ankündigte. Die Titelmusik ist freilich die Hauptattraktion des Albums. Mächtige Glockenschläge und tiefe Chöre leiten eine prachtvolle Overtüre ein - aufwühlend und pathetisch, mit Streichern und wortloser, weiblicher Gesangsstimme. Ein ergreifendes Thema, das sich ganz auf Augenhöhe des von Franco Nero gespielten Protagonisten bewegt und sich dabei auch perfekt in das mittelalterliche Szenario einfügt. Kabiljo ist aber nicht an einem aktionsreichen Abenteurscore interessiert. Er entwirft Stimmungsbilder mit begrenztem Instrumentarium und greift nur ab und zu auf das ganze Orchester zurück. Selbst ein DUEL wird in seinen Händen zu einem schwer dahingrummelnden, düsteren Requiem. Neben den sakralen Chören sind es vor allem die für die türkischen Antagonisten stehenden orientalischen Folklorismen, die einen großen Teil des Albums ausmachen. Große, aussdrucksstarke Filmmusik. Schön wäre auch mal eine sorgfältige DVD-Edition des Films, denn der ist wirklich sehenswert.
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Die klingt deswegen nicht kindisch, weil der Film einfach kaum kindliche Zugeständnisse hat. Der Dialog mit dem Tod am Schluß... als hätte Ingmar Bergmann in seiner düstersten Phase einen Märchenstoff verfilmt. Absolut genial und eine unbedingte Empfehlung für alle, die sonst bei Märchenfilmen die Nase rümpfen. Und das gilt auch für "Jorinde und Joringel" vom gleichen Team. Hier hat man sich wirklich was getraut und sich komplett aus dem Kinderfilm-Korsett befreit. Danke, Oliver, für die Erinnerung!
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GÜNTHER HAUK: Wer reißt denn gleich vor´m Teufel aus (Titelthema & Teufels Ehehölle)
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Habe ich zuletzt vor rund 25 Jahren im TV gesehen und mir nun mal die DVD besorgt. Die 90er-Jahre-Verfilmung mit Anthony Quinn hat ihre Schwächen. Bei einer so berühmten Vorlage ist es eine heikle Sache, eigenmächtige Änderungen vorzunehmen, besonders dann, wenn diese nirgendwo hinführen und eigentlich nur im Weg stehen. Mit Quinn ist den Produzenten natürlich ein Besetzungscoup gelungen, und auch die deutsche Fassung glänzt hier mit der Verpflichtung von Franz-Josef Steffens in der Titelrolle. Steffens war ein überaus markanter Sprecher, der vor allem der Kassettenkinder-Generation ein Begriff sein dürfte. So ist "Der alte Mann und das Meer" letzten Endes doch eine sehenswerte, unterhaltsame Neuverfilmung geworden. An die Atmosphäre, Größe und dramatische Wucht des John-Sturges-Klassikers reicht sie aber in keinem Moment heran.
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Bei dem guten Ruf den die Märchenproduktionen der DEFA-Studios weltweit genießen ist es schon verwunderlich, dass dieser hübsche Sampler aus dem Hause CINESOUNDZ bisher ein Unikat geblieben ist. Denn meines Wissens nach hate es weder vor- noch nachher einen vergleichbaren Versuch gegeben das musikalische Erbe der babelsberger Fabelwelten diskographisch aufzuarbeiten. Auszüge aus 22 Filmen tummeln sich auf dieser Scheibe, die insgesamt 19 Komponisten auf großzügigen 74 Minuten vereint. Die ausgewählten Musikstücke sind keiner Chronologie verpflichtet und sind auch nicht nach Filmen sortiert, sondern folgen einer Zusammenstellung, die ein optimales, in sich geschlossenes Hörerlebnis anstrebt. Eingestreut sind kurze, markante Monologe, wie z.B. das bekannte "heute back ich, morgen brau ich..." aus der Rumpelstilzchen-Verfilmung DAS ZAUBERMÄNNCHEN. Bei MÄRCHENLAND handelt es sich also mehr um ein Konzeptalbum als um ein archivarisch sortiertes Arrangement. Und als solches funktioniert es auch wirklich gut, die Stücke selber stammen offenbar allesamt von vernüftigen Quellen (zumindest wurden keine Filmton-Aufnahmen dazwischengemogelt). Die Produktionsdaten der Filmen umfassen einen Zeitraum von 1956 bis 1991. Entsprechend abwechslungsreich und stilistisch durchwachsen ist das Album ausgefallen, aber es ist angenehm und kurzweilig anzuhören, auch wenn ich selber auf manch ein süßliches Liedchen durchaus hätte verzichten können. Im Folgenden möchte ich ein paar Musik-Beispiele herausgreifen. Das Titelthema von KÖNIG DROSSELBART ist wunderbar-eingängige sinfonische Abenteuermusik, die auch aus einer Musketier-Verfilmung stammen könnte. Ähnlich angelegt, aber verspielter und operettenhafter ist DAS SINGENDE KLINGENDE BÄUMCHEN, dessen Titelthema auf knapp 4 Minuten mehrmals die Stimmung wechselt. Einer der schönsten Tracks ist Günther Fischers Titelmusik vom BÄRENHÄUTER, einem sehr melancholischen Carillon-Spiel mit synthetischem Beiwerk, das im Film während der Vorspannsequenz sogar im Bild von einem namenlosen Musiker gespielt wird (nicht ganz synchron, aber trotzdem eine nette Idee). In den 70er Jahren hinterließen Folk und Jazz auch ihre Spuren im Märchengenre. Hier ist vor allem das kurze, aber feine SECHSE KOMMEN DURCH DIE WELT zu nennen, das erst ein volkstümliches Flötenthema mit entspanntem Beatrhythmus unterlegt und dann zu einem an Italo-Western erinnernden Trompetenmotiv übergeht. Ernste und spannende Orchesterklänge bietet das Intro vom EISENHANS, dem zwar auch der Erzählertext hinzugemischt wurde, was aber im Rahmen der Edition eigentlich kaum stört. Voller schöner Einfälle steckt auch WER REIßT DENN GLEICH VORM TEUFEL AUS, wo von tänzerisch-elegant zu dramatisch-perkussiv hin- und hergeschwenkt wird. Außerdem finden sich die essenziellen Teile von Karel Svobodas unverwüstlichem Klassiker DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL auf der Scheibe. Eher negativ fällt auf, dass die eigentlich sehr gute Titelmusik von Joachim Werzlau zu DAS TAPFERE SCHNEIDERLEIN hier um etwa die Hälfte gekürzt wurde (vom selben Komponisten hätte ich übrigens auch gerne die aufbrausenden Orchesterfurien vom TEUFEL VOM MÜHLENBERG mit an Bord gehabt) Es gibt jedoch nicht nur Instrumentales zu hören, dazwischen tummeln sich selbstverständlich auch einige gesungene Lieder, die von sämig-kitschig bis fröhlich-heiter reichen. So ist z.B. FRAU HOLLE gleich mit zweien vertreten, dem kindertümlichen "Aufgewacht!" und dem "Frau-Holle-Lied". Und statt des operettentauglichen "Eins zwei" aus DAS FEUERZEUG hätte ich doch eher die Titelmusik bevorzugt. Mit zwei Beiträgen ist auch Manfred Krug vertreten, dessen Gesangskünste allerdings - ich drücks mal vorsichtig aus - nicht das starke Gewand dieses Albums sind. Unterm Strich eine empfehlenswerte CD für Sammler, die sich auch gerne mal in anderen Regionen umschauen. Natürlich gäben die Archive noch viel mehr her, und manch eine der hier vorgestellten Musiken würde ich wirklich gerne auch in vollständiger Form besitzen. Zum Abschluß noch eine Liste der hier vertretenen Komponisten und den dazugehörigen Filmen (zeitlich von 1956 an aufsteigend) JOACHIM WERZLAU (Das tapfere Schneiderlein) HEINZ-FRIEDEL HEDDENHAUSEN (Das singende klingende Bäumchen) SIEGFRIED BETHMANN (Das Feuerzeug / Die goldene Gans) WOLFGANG PIETSCH (Das Zaubermännchen) HANS DIETER HOSALLA (Das hölzerne Kälbchen) SIEGFRIED TIEFENSEE (Schneewittchen) GERHARD WOHLGEMUTH (Rotkäppchen) JOACHIM-DIETRICH LINK (Frau Holle) WOLFGANG LESSER (König Drosselbart) KLAUS LENZ & HERMANN ANDERS (Dornröschen) PETER RABENALT (Sechse kommen durch die Welt) KAREL SVOBODA (Drei Haselnüsse für Aschenbrödel) GÜNTHER FISCHER (Bärenhäuter / Froschkönig / Hans Röckle und der Teufel / Der Prinz hinter den sieben Meeren) GÜNTHER HAUCK (Wer reißt denn gleich vorm Teufel aus) PETER GOTTHARDT (Schneeweißchen und Rosenrot) ANDREAS AIGMÜLLER (Der Eisenhans) ZDENEK JOHN (Die Gänseprinzessin und ihr Pferd Fallada) FRIEDBERT WISSMANN (Das Licht der Liebe)
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Geht mir eigentlich ähnlich. Ich habe das mal als eigenes Thema angelegt, da es aus dem östlichen Europa ja nur sehr wenig Soundtrack-Veröffentlichungen gibt, und man hier wunderbar alles reinpacken kann, was geographisch östlich des ehemaligen eisernen Vorhangs liegt. Das schließt auch die Defa-Produktionen mit ein, oder Wunschkandidaten für eventuelle CD-Editionen. Bin selber mal gespannt was dabei rumkommt.
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Francois Tusques: LA REINE DES VAMPIRES
Angus Gunn erstellte ein Thema in Scores & Veröffentlichungen
Anscheinend auch von unseren hiesigen Fachhändlern völlig unbemerkt sind vor drei Jahren Francois Tusques Musikaufnahmen zu Jean Rollins LA REINE DES VAMPIRES herausgekommen. Verantwortlich hierfür ist das rührige britische Label "Finders Keepers", die die Aufnahmen aus Tusques Privatarchiv in sehr guter Tonqualität gerettet und auf LP verewigt haben. Eine CD gibt es leider nicht, und wer den Kauf eines Vinyl-Albums scheut, der kann sich zumindest an den Download halten, den das Label auf seiner Seite anbietet. Zum Film: Dieser ist der zweite Teil eines Kurzfilms names VIOL DU VAMPIRE (mit einem Score von Yvon Geraud), baut lose auf diesem auf, hat aber ansonsten eine völlig eigenständige Handlung. Beide Teile zusammen wurden als abendfüllender Spielfilm unter dem VIOL-Titel in die Kinos gebracht, wobei LA REINE bei dieser Gelegenheit in LES FEMMES VAMPIRES umbenannt wurde. Es ist eines von Rollins Meisterwerken, noch in schwarz-weiß gedreht, mit unglaublichen visuellen Einfällen, wild, poetisch, einzigartig und unvergeßlich. Die Musik von Francois Tusques läßt sich mit diesen Begriffen am besten beschreiben: Avantgarde, Free Jazz. Wem bei diesen Begriffen nun das kalte Grauen packt, der kann sich getrost zurücklehnen, denn er muß sich keinerlei Gedanken mehr machen, ob sich der Erwerb dieser Musik für ihn eventuell lohnen könnte. Wer jedoch schon Erfahrung mit dieser Musiksparte hat, oder musikalischen Experimenten wie z.B. Morricones Kapriolen mit der "Nuovo-Consonanza"-Gruppe etwas abgewinnen kann, der kann ja mal in dem unten verlinkten Auszug probehören. In den Film fügen sich Tusques kakophonische Klänge jedenfalls blendend ein und tragen sehr zur eigentümlichen Stimmung bei. Das musizierende Ensemble hat in einer Szene sogar einen Cameo-Auftritt. Tusques selber läßt in einen Interview auf der Encore-DVD durchblicken, dass er der klassischen Herangehensweise in der Filmmusik nicht viel abgewinnen kann, was nicht sehr überraschend ist und was sicherlich auch mit Rollins Ansichten übereingestimmt haben dürfte. Seine Musik zu REINE DES VAMPIRES erwies sich jedenfalls als so trefflich, dass Rollin sie 1970 für LA VAMPIRE NUE erneut verwendete. -
VALERIE - EINE WOCHE VOLLER WUNDER von Lubos Fiser Wer den Film sieht wird sich fragen, für welche Zielgruppe er eigentlich gemacht ist. Die eigenwillige Mischung aus Märchen, Drama, gotischen Horrormotiven und erwachender Sexualität, erzählt in einem collagehaft zusammengesetzten, rauschhaften Bilderreigen, steckt voller Symbolismen die zu entschlüsseln der Zuschauer selber gefordert ist. Heute genießt VALERIE in cineastischen Kreisen einen Ruf als eines der bedeutendsten, ungewöhnlichsten und kunstvollsten Werke des tschechischen Kinos. Regisseur Jaromil Jires entstammt der tschechischen "New Wave", einer dem Neuen Deutschen Film vergleichbaren Bewegung, aus der u.a. auch Milos Forman hervorgegangen ist. Die 13-jährige Hauptdarstellerin Jaroslava Schallerova ist perfekt für die Titelrolle und trat später dann noch in konventionelleren Märchenfilmen wie "Die Gänsehirtin am Brunnen" auf. Lobus Fiser war über vier Jahrzehnte ein höchst produktiver Filmkomponist. In seine Filmographie gehören u.a. die Rübezahl-Stop-Motion-Kurzfilme aus dem 70er Jahren, der charmante TV-Klassiker "Die Märchenbraut" und Karel Zemans geniale Jules-Verne-Verfilmung "Auf dem Kometen". VALERIE beginnt mit dem knapp 6-minütigen THE MAGIC YARD, wunderbar klassizistisch, hinreißend melodiös. Im Folgenden werden stlistisch viele Haken geschlagen, auch innerhalb eines Tracks ändert sich gerne mal abrupt die Stimmung. Düsteres wechselt mit melancholischem Harfensolo, Cembalo- und Carillon-Klänge gehen in sakrale Chöre über. Volkstümliche Tänze, sinistre Sprechgesänge, Zirzensisches, Kirchenorgel und hier und da schieben sich horrible Schauerintermezzi dazwischen. Dass VALERIE trotz der musikalischen Vielfalt nicht auseinanderfällt, ist Fisers sensiblem Umgang mit seinem Material zu verdanken. Tatsächlich fällt nicht ein einziger Track negativ aus dem Rahmen, alles fügt sich harmonisch ins Gesamtkonzept und verliert auch nach mehrmaligem Durchhören nichts von seinem einnehmenden Zauber und seiner suggestiven Kraft. Die CD stammt vom engagierten Label "FindersKeepers", die nicht nur Filmmusik bringen und gerne in den modrigsten Archiven auf Beutezug gehen. Das Booklet ist wie immer mit Hingabe produziert, informativ, ausführlich und kompetent.
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Ich höre gerade folgendes Album...(Teil 2)
Angus Gunn antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Kannte ich bisher noch gar nicht und bin gerade schwer begeistert. Habe mir bei dem Versuch die Scheibe unbeschadet aus der Verankerung zu puhlen zwar fast den Daumen gebrochen, aber die Mühe war es definitiv wert! Fantastisches Hauptthema, ungeheure Dramatik in "Major´s Rescue" und "Rosanna´s Death", aber auch (und gerade) die tiefschürfenden ruhigen Tracks wie "No Sleep" sind meisterhaft ausgearbeitet und sehr eindringlich. Man lauscht gebannt dem Spiel mit den Klangfarben, der Mischung aus Pastoralem und Schwermütigem, besonders beeindruckend in "Home Again". Letzteren würde ich jetzt nach dem ersten Hördurchgang auch als den Höhepunkt der Partitur bezeichnen. Aber das ist nur der erste Eindruck, denn bei einer Filmmusik von derart hohem Niveau ist jetzt erstmal ein zweiter Durchgang erforderlich... -
Na bitte, da haben wir ja jetzt (fast) alles aufgedröselt! Das Booklet (wenn man es so nennen kann) der Hexacord-CD ist doch sehr mager und äußerst dürftig an Information. Warum wurde die Herkunft der Tracks nicht mit angegeben, oder wußte Zamori es selber nicht so genau? MORTE DI UN AMICO & WHERE THE SPIES ARE sind tatsächlich Lücken in meiner Sammlung. Wußte gar nicht, dass ich davon doch was habe! Nice!