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Anlässlich der Beschäftigung mit der Satzform der Passacaglia (ich habe vor, mein erstes Orchesterstück als solche zu gestalten), suche ich gerade nach Beispielen aus der Filmmusik, die sich diesem Gestaltungsprinzip zuordnen lassen. Bei der Passacaglia wird ein mehrtaktiges Bassthema zunächst vorgestellt und dann ständig wiederholt - zusätzlich treten nach und nach immer mehr frei variierende (Ober-)Stimmen hinzu. Die Intensität und Dramatik steigert sich dabei kontinuierlich.

 

Aktuell fallen mir natürlich "The Attack" aus Goldsmiths THE BLUE MAX ein (wobei mich hier mal eine genauere Analyse interessieren würde - eigentlich ist es ja keine durchgehende Passacaglia, sondern wird immer wieder durch Zwischenepisoden aufgebrochen), sowie das "JC Theme" aus Beltramis TERMINATOR 3 (ein einfacher gebautes Beispiel).

 

Fallen euch noch weitere ein? In der klassischen Musik gibt es ja zahllose Beispiele (Bach: c-Moll-Passacaglia; Schostakowitsch: Sätze aus der 8. und 15. Sinfonie, dem 1. Violinkonzert und dem 10. Streichquartett) - in der Filmmusik scheint die Form, trotz ihres großen dramatisch-emotionalen Potenzials, wesentlich seltener angewendet zu werden.

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Anlässlich der Beschäftigung mit der Satzform der Passacaglia (ich habe vor, mein erstes Orchesterstück als solche zu gestalten), suche ich gerade nach Beispielen aus der Filmmusik, die sich diesem Gestaltungsprinzip zuordnen lassen. Bei der Passacaglia wird ein mehrtaktiges Bassthema zunächst vorgestellt und dann ständig wiederholt - zusätzlich treten nach und nach immer mehr frei variierende (Ober-)Stimmen hinzu. Die Intensität und Dramatik steigert sich dabei kontinuierlich.

 

Aktuell fallen mir natürlich "The Attack" aus Goldsmiths THE BLUE MAX ein (wobei mich hier mal eine genauere Analyse interessieren würde - eigentlich ist es ja keine durchgehende Passacaglia, sondern wird immer wieder durch Zwischenepisoden aufgebrochen) [...]

 

Unser guter Jonas Uchtmann hat "The Attack" daher auch zutreffend als Chaconne identifiziert. Allerdings sei darauf hingewiesen, dass die musikwissenschaftliche Literatur da recht schwammige Begriffe und Eingrenzungen liefert.

 

Der Umgang mit der streckenweise sehr streng formal gestalteten Musik aus THE BLUE MAX zeigt, dass eine derartige geschlossene Form sich oft schwierig mit einem Film kombinieren lässt, da sie viel "Luft zum Atmen" braucht, um sich voll zu entfalten. Ein zu heftiger und unregelmäßiger Szenenwechsel würde sich schwerlich mit der Passacaglia kombinieren.

 

Was die Passacaglien in der "E-Musik" betrifft, möchte ich Dir unbedgint diejenige aus Benjamin Brittens "Peter Grimes" ans Herz legen, falls Du sie noch nicht kennst. Was Britten dort nach und nach für Geschütze auffährt, um eine wahrhaft klaustrophobische Spannung zu erzeugen, ist sehr beeindruckend - wie vieles von Britten!

 

https://www.youtube.com/watch?v=_REZ0LZ-9uQ

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Anlässlich der Beschäftigung mit der Satzform der Passacaglia (ich habe vor, mein erstes Orchesterstück als solche zu gestalten), suche ich gerade nach Beispielen aus der Filmmusik, die sich diesem Gestaltungsprinzip zuordnen lassen. Bei der Passacaglia wird ein mehrtaktiges Bassthema zunächst vorgestellt und dann ständig wiederholt - zusätzlich treten nach und nach immer mehr frei variierende (Ober-)Stimmen hinzu. Die Intensität und Dramatik steigert sich dabei kontinuierlich.

 

Aktuell fallen mir natürlich "The Attack" aus Goldsmiths THE BLUE MAX ein (wobei mich hier mal eine genauere Analyse interessieren würde - eigentlich ist es ja keine durchgehende Passacaglia, sondern wird immer wieder durch Zwischenepisoden aufgebrochen).

Die "echte" Passacaglia in BLUE MAX betrifft Allerdings eher "Retreat" und nicht "The Attack": Das letztere Stück ist, wie Du schon schreibst, nicht durchkomponiert, sondern eher eine polyphon gearbeitete Basso-ostinato-Variation oder - s. Mephisto - eine (sehr) frei gehandhabte Chaconne. Obwohl die Unterscheidung beider Formen schwammig ist, wird die Chaconne im Vergleich zur Passacaglia in der Literatur gelegentlich als etwas freier und im Ausdruck weniger gravitätisch beschrieben (weitere Chaconnen in diesem Sinne finden sich bei Goldsmith in PAPILLON in "Survival" und in IN HARM'S WAY in "First Victory"). "Retreat" ist als Passacaglia mit 16 Variationen für Filmmusik-Verhältnisse schon sehr geschlossen, wobei man formal leicht einwenden kann, dass sich einige der Variationen im Mittelteil mit ihrem Stimmentausch, Augmentationen und Abbrüchen zu weit vom Bassthema entfernen, um während der gesamten 8 Minuten von einer Passacaglia zu sprechen.

Registerwechsel, geringfügige rhythmische und diastematische Variationen und auch ein zeitweiliges Aussetzen der Bassstimme kommen dagegen auch in den Lehrbuchbeispielen vor, vgl. BWV 582 als vielleicht bekannteste Passacaglia überhaupt.

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Schon mal viele schöne Tipps und Vorschläge! :) Die Britten-Passacaglia kannte ich noch nicht und finde ich besonders spannend - besonderen Dank für den Tipp, Gerrit. :)

 

 

Die "echte" Passacaglia in BLUE MAX betrifft Allerdings eher "Retreat" und nicht "The Attack"

 

Ja, irgendwie hatte ich immer "The Attack" im Kopf - aber "Retreat" ist formal noch um Einiges eindeutiger, stimmt.

 

 

Wenn ich mir die Videos so anhöre, liege ich mit meinen Vorschlägen wohl daneben.

 

Gute Frage. "Fireworks" aus ESCAPE FROM TOMORROW hat zwar auch ein durchlaufendes Bass-Ostinato - aber es hat keinen getragenen oder schreitenden Charakter und es steigert sich im Verlauf auch kaum. Ob man das dennoch als entfernten Verwandten einer Passacaglia bezeichnen kann, weiß ich nicht. Gerrit? Jonas? :)

 

Beim "Ride to Dubno" handelt es sich m.E. einfach um eine gewöhnliche Variation über ein Thema - ein Thema, das auch nie im Bass, sondern nur in den Melodieinstrumenten liegt. Berichtigt mich, wenn die Beschreibung unzutreffend ist.

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Merkwürdig, daß Miklos Rozsa's Historien-Scores in diesem Forum hier anscheinend recht unbekannt zu sein scheinen. Dabei stammen zwei der berühmtesten und öfters in der Sekundärliteratur angesprochenen Filmmusik-Passacaglien aus YOUNG BESS und DIANE. In beiden Fällen liegt der gregorianische Choral Dies Irae der jeweiligen Passacaglia zugrunde und in beiden Fällen handelt es sich um Sterbeszenen. In YOUNG BESS wird Falstaffs Tod damit untermalt, in DIANE der Tod von König Heinrich VIII. Die Passacaglien sind natürlich auch auf den jeweiligen Soundtrack-CDs von YOUNG BESS und DIANE mit oben.

Überhaupt ist die Passacaglia in manchem Historienfilm früher zu finden gewesen. Waxman beispielsweise hat sie in THE SILVER CHALICE im Track "The Stranger" (so betitelt auf der Tsunami-CD) bzw. "Luke" (auf der FSM-CD) verwendet.

Wer sich für Passacaglien in der Filmmusik interessiert, kommt auch an David Raksins FOREVER AMBER wohl kaum vorbei. Der ganze Score basiert eigentlich auf einer Passacaglia-Figur, die gleich im Main Title vorgestellt wird. Roy Prendergast hat in seinem Buch "Film Music: A Negelected Art" schon in den 70ern einige Partiturbeispiele daraus herausgegriffen, wo man diesese Passacaglia-Figur sehr schön sieht (siehe Seite 234ff. in dem Auszug):

http://www.acousticslab.org/filmmusic/Prendergast1992_06-07.pdf

 

Was etwa Raksin im großartigen und komplex verschachtelten Track "The Great Fire" daraus macht und was er selbst dabei eine "quasicaglia" nannte, das steht etwa den oben angesprochenen Tracks aus Goldsmiths BLUE MAX hinsichtlich kompositorischer Brillanz in keinster Weise nach. Vor Allem Raksins Einspielung aus den 70ern mit dem New Philarmonia Orchestra für RCA ist hier nacnhhaltigst zu empfehlen. "The Great Fire" ist auf der CD der Track 5 und gehört für mich zum Besten, was US-Filmmusik zu bieten hat

 

Auch ein Virgil Thomson mit seiner eindrucksvollen Passacaglia "Robbing the Alligator's Nest" für LOUISIANA STORY von 1948 sollte bei so einer Auflistung ja eigentlich nicht fehlen.

 

Und selbst bei Morricone kann man beim Historienfilm LA DAME AUX CAMÉLIAS etwa eine Passacaglia finden. Oder bei Philippe Sarde in LA FILLE DE D'ARTAGNAN ("Passacaille mazarina").

 

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In beiden Fällen liegt der gregorianische Choral Dies Irae der jeweiligen Passacaglia zugrunde und in beiden Fällen handelt es sich um Sterbeszenen. In YOUNG BESS wird Falstaffs Tod damit untermalt, in DIANE der Tod von König Heinrich VIII.

Oh sorry, merke das beim nochmaligen Durchlesen gerade jetzt erst. Das war natürlich Quark und da hat mich die Walton-Passacaglia oben mit dem "Death of Falstaff" wohl etwas aus dem Konzept gebracht. ;)

Bei YOUNG BESS wird natürlich der Tod Heinrichs VIII. (= Charles Laughton) mit einer Passacaglia untermalt, und bei DIANE der von King Francis I. (= Pedro Armendariz). So war es gemeint.

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