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Mephisto

Italienische Genre-Filmmusik der 50er-70er Jahre

Empfohlene Beiträge

vor 4 Stunden schrieb Angus Gunn:

Da fällt mir sonst spontan noch der FERRAMONTI-Score ein, oder auch AVVVENTURIERO, die ich aber nicht ganz so hoch schätze wie eben CINEMA PARADISO. Gibt´s denn in der Richtung noch irgendwelche besonderen Tipps?

Ich weiß natürlich nicht, wie bewandert Du bei Morricone bist, denn elegische Scores gibts eine ganze Menge bei ihm. Ich mag EREDITA FERRAMONTI und AVVENTURIERO auch sehr, vor allem FERRAMONTI hatte es mir immer schon angetan. Mein ganz persönlicher Favorit wäre IL DESERTO DEI TARTARI von 1976, der die Tragik und die Verlorenheit des Films auf musikalisch kongeniale Weise einfängt. Vielleicht muß man hierbei aber auch einen Bezug zum Film haben, denn es gibt durchaus ein paar herbere dissonante Partien, die vielleicht nicht jedermanns Sache sind, und der Einsatz der Orgel ist ebenfalls ungewöhnlich. Aber diese traumverlorene Atmosphäre, die durchgehalten wird, ist einfach einmalig..
Ansonsten würde ich vor allem diese Titel nennen, die echte Perlen und wohl nicht jedem geläufig sind:
- I PROMESSI SPOSI (1989) - CD dürfte ziemlich rar sein inzwischen und deshalb kennen den Score nur sehr wenige
- IL PRATO (1979)
- QUESTA SPECIE D´AMORE (1972)
- LA CALIFFA (1970 - inzwischen durch viele Reissues wohl deutlich populärer geworden als noch in den 80ern und 90ern
- LE DUE STAGIONI DELLA VITA (1971) - eigentlich ist nur die eine lange Suite mit knapp 20 Minuten elegisch und romantisch, aber das ist einfach genial und von daher bei mir immer ganz oben mit dabei
- ADDIO FRATELLO CRUDELE (1971)
- LA DISUBBBIDIENZA (1981)
- A TIME OF DESTINY (1989)

Ich könnte da jetzt sicher eine ganze Menge mehr noch nennen wie D´AMORE SI MUORE, LA VENEXIANA oder CANONE INVERSO, aber die oberen waren für mich schon unheimlich prägend und sind mir immer noch sehr wichtig neben deutlich bekannteren Arbeiten wie NOVECENTO oder MARCO POLO, die ich wohl nicht besonders erwähnen muß..

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vor 5 Stunden schrieb Stefan Schlegel:

Ich weiß natürlich nicht, wie bewandert Du bei Morricone bist

Ich habe längst nicht alles von ihm, brauche aber auch nicht alles. Gerade bei den rein oder überwiegend elegischen Scores sieht´s bei mir mager aus. Von den genannten kenne ich die meisten nicht. Auch IL DESERTO DEI TARTARI nicht, werde ich aber mal im Auge behalten.

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vor 51 Minuten schrieb Angus Gunn:

Ich habe längst nicht alles von ihm, brauche aber auch nicht alles. Gerade bei den rein oder überwiegend elegischen Scores sieht´s bei mir mager aus.

Wie kommts? Liegt es einfach daran, daß Du - was ja wie ich über die Jahre oft festgestellt habe auch bei vielen anderen deutschen Filmmusiksammlern der Hinderungsgrund ist - die zugrunde liegenden Filme nicht kanntest oder kennst und deshalb gezögert hast, beim ein oder anderen eher obskuren Score überhaupt zuzugreifen?
Bei mir ists jedenfalls ganz genau umgekehrt gelaufen. :)
Ich habe seit Ende 70er ganz bewußt bei Morricone selektiert und überwiegend nur die romantischen Soundtracks von ihm gesammelt, die mich wirklich emotional angesprochen haben. Am Anfang natürlich auch mal klare Fehlkäufe gemacht, das bleibt bei den vielen Morricone-Scores logischerweise nicht aus, aber durch andere Sammler, die unbekannte Titel schon hatten, hat man doch bald gehörig dazugelenrt und gemerkt, was für einen selbst in Frage kommt und was nicht. Ich bin dann mit meiner Auswahl auch immer sehr gut gefahren. Ich habe mich nie wie viele andere auf die populären Morrricone-Titel konzentriert, die eh jeder kennt, sondern habe sehr bald die Erfahrung gemacht, daß bei ganz unbekannten Filmen oftmals die besseren Musiken zu finden sind. Aber man muß natürlich erst mal darauf kommen - von alleine ging das zumindest damals nicht, denn es gab ja kein Internet. Heutzutage sind natürlich die Möglichkeiten des überall Reinhören-Könnens völlig andere und von daher ist die Situation gar nicht mehr vergleichbar.
Ich brauche ganz bestimmt auch nicht alles von Morricone. Die Krimis und Thriller-Scores, die abgefahrenen psychedelischen Sachen von ihm oder die Easy Listening-Geschichten habe ich zum Beispiel fast alle nicht - klar, früher einmal gehört oder von anderen LP oder CD ausgeliehen, aber selbst eben nicht gekauft, weil es mich zumeist kaum angesprochen hat. Von daher ist es höchstens ein Drittel vom gesamten Morricone-Output, den ich mir wirklich auf Tonträger zugelegt habe. Und damit bin ich seit Jahren vollkommen zufrieden und das reicht mir auch aus.

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vor 6 Stunden schrieb Stefan Schlegel:

Ich könnte da jetzt sicher eine ganze Menge mehr noch nennen wie D´AMORE SI MUORE, LA VENEXIANA oder CANONE INVERSO, aber die oberen waren für mich schon unheimlich prägend und sind mir immer noch sehr wichtig neben deutlich bekannteren Arbeiten wie NOVECENTO oder MARCO POLO, die ich wohl nicht besonders erwähnen muß..

Folgende CDs sind auch noch zu empfehlen:

- Per Amore (1976)

- Cosi come sei (1978)

- La Dame aux Camélias (1980) 

Besonders La Dame aux Camélias ist wunderschön.😍

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vor 13 Minuten schrieb the.lord.of.the.rings:

- La Dame aux Camélias (1980) 

Besonders La Dame aux Camélias ist wunderschön.😍

Ja, volle Zustimmung, obwohl ich DIE KAMELIENDAME jetzt schon eher zu den allgemein bekannteren Morricone-Soundtracks gezählt hätte und ihn deshalb weiter oben auch nicht erwähnt habe..
Ich hatte die LP schon damals an 1981 als sie rauskam gekauft und diesen Kauf auch späterhin nie bereut. Wirklich feine, äußerst reizvolle Musik, die man einmal gehört kaum mehr aus dem Ohr bekommt.

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vor 2 Stunden schrieb Stefan Schlegel:

Wie kommts?

Tja, wie kommts?  In jungen Jahren habe ich mich einfach mehr für Musik aus dem Action-/Abenteuer-Genre interessiert und mich bei Morricone entsprechend auf die Western gestürzt. Auch dort gab es wunderbare, elegische Themen zu entdecken. Sachen wie IL GRANDE SILENZIO oder "Father Rattigan" aus NAVAJO JOE fand und finde ich absolut großartig. Aber auch Sachen wie LE PROFESSIONEL, LE MARGINAL, Musik zu damals aktuellen Kinofilmen wie FRANTIC und MISSION mochte ich sehr und liebe sie auch heute noch. Ich glaube, der erste Morricone, der von überwiegend ruhiger, epischer und emotionaler Natur war, und der mich richtig beeindruckt hat, war SECRET OF THE SAHARA. Die Serie lief seinerzeit im ZDF und wurde durch die Musik enorm aufgewertet. Die LP war auch sehr gut in den Regalen der Kaufhäuser vertreten.

Aber das Hauptaugenmerk galt halt lange Zeit dem klassischen Abenteuer- Kriminal- und Action-Kintopp, am besten noch mit reißerischem Cover-Design. Zum überwiegenden Teil waren mir die Filme vorher bekannt, Verdachtskäufe kamen aber auch öfters vor.

Auch wenn´s langsam unangehm wird, aber die Musik zur KAMELIENDAME ist mir auch unbekannt, wird aber vorgemerkt. :)

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I PROMESSI SPOSI (und nicht I PROMESSO SPOSI) hatte ich oben doch schon erwähnt. Ist ganz klar einer der schönsten Morricone-Scores der 80er und bei mir in den Top 10 auf jeden Fall dabei. Die Vorlage ist ein in Italien ganz berühmter historischer Roman aus dem frühen 19. Jahrhundert von Alessandro Manzoni - spielt am Comer See und witzigerweise konnte  ich genau dort im Urlaub vor 20 Jahren sogar noch ein CD-Exemplar zum normalen Preis für einen guten Freund auftreiben - , der über die Jahrzehnte hinweg mehrfach verfilmt wurde. Auch die Musik von Carlo Rustichelli zur 1964er-Fassung ist sehr hörenswert und klasse.
Wie ich es bereits gedacht habe ist die CD natürlich inzwischen schweineteuer geworden:
https://www.discogs.com/de/Ennio-Morricone-I-Promessi-Sposi/release/4787860

Das war eine Fonit Cetra-CD, wo die RAI dahintersteckt, und da ist halt auch in naher Zukunft kein Reissue von den üblichen italienischen Soundtrack-Labels zu erwarten, weil die dort keinen Zugang haben. Deshalb ist die Musik leider vielen wohl auch völlig unbekannt.

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vor 3 Stunden schrieb Angus Gunn:

Ich glaube, der erste Morricone, der von überwiegend ruhiger, epischer und emotionaler Natur war, und der mich richtig beeindruckt hat, war SECRET OF THE SAHARA. Die Serie lief seinerzeit im ZDF und wurde durch die Musik enorm aufgewertet. Die LP war auch sehr gut in den Regalen der Kaufhäuser vertreten.

Ja, ich weiß, da ist damals an 1987 viel Werbung im ZDF für den Morricone-Soundtrack gemacht worden, als der TV-Mehrteiler dort gezeigt wurde. Das LP-Klappalbum stand dann auch überall herum in den Plattenläden  und das habe ich zu der Zeit natürlich auch mitbekommen. Dennoch hat bei mir SECRET OF THE SAHARA nie so richtig toll gezündet, die LP - obwohl ich sie selbstverständlich auch habe - war mir etwas zu lang und teilweise auch zu schleppend. Und das Ganze bricht auch etwas dadurch auseinander, daß die paar von Franco Ferrara 1965 dirigierten Stücke für die abgelehnte Morricone-Musik zu THE BIBLE dazwischengeschaltet sind, die einfach nicht so richtig mit dem Rest verschmelzen.
Den ein paar Jahre drauf entstandenen IL PRINCIPE DEL DESERTO-Score - auch ein Wüstenabenteuer -  fand ich musikalisch stärker und hat mir dann besser gefallen.

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vor 19 Stunden schrieb Stefan Schlegel:

Den ein paar Jahre drauf entstandenen IL PRINCIPE DEL DESERTO-Score - auch ein Wüstenabenteuer -  fand ich musikalisch stärker und hat mir dann besser gefallen.

Das ist bei mir genau umgekehrt. PRINCIPE ist in einem sehr ähnlichen Stil gehalten, auch sehr schön, aber für mich etwas schwächer. Über die beiden Ferrara-Tracks habe ich mich damals auch gewundert und habe sie als Stilbruch empfunden, obwohl sie für sich genommen opulent und auch im Film effektiv eingesetzt sind. Von ihrer eigentlichen Herkunft hatte ich seinerzeit noch keine Ahnung.

 

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Gioacchino Angelo (1899 - 1971) ist ein in völlige Vergessenheit geratener Komponist, der seit der Stummfilmzeit für über 150 Filmkompositionen (zum Teil ohne Namensnennung) verantwortlich war. Daneben schrieb er sinfonische Musik und neun Opern, wobei er als passionierter Wagner-Bewunderer auch gerne auf die Leitmotiv-Technik zurückgriff. Was heute von seinem Lebenswerk auf Tonträger verfügbar ist, sind diese zwei Italo-Western von 1965, die ich seit längerer Zeit mal wieder aus dem Regal gefischt habe.

Die Musiken beider Filme sind sich stilistisch sehr ähnlich und werden all jene bitter enttäuschen, die den typischen Spaghetti-Western-Stil erwarten. Tatsächlich stehen sie den amerikanischen Western der 40er Jahre näher als irgendetwas anderem. Die eingängigen Titelsongs wären als Eröffnung klassischer US-Serials mit Gene Autry und Co nicht fehl am Platze. Angelo macht eigentlich nichts verkehrt. Immerhin hatte er schon für zahlreiche amerikanische Filme die Scores der mediterranen Verleihfassungen geschrieben - u.a. auch für STAGECOACH, Western-Erfahrung war also vorhanden.

Mit Streichern und Hörnern kreiert er dramatische Action-Motive (wobei ihm allerdings die sehr kleine Orchesterbesetzung im Wege steht), und die netten Saloon-Songs wissen seine Sängerinnen charmant vorzutragen. Aber die besten Momente sind solche von sentimentalem Charakter, bei denen er Instrumente, und vor allem das Cello, gerne solistisch einsetzt. ESPRESSIONI DOLOROSE und TRAMONTO NEL WEST aus DALLAS wären hier lohnende Anspieltipps. Eigentlich ganz sympathisch, aber auch nichts, was man jetzt ausdrücklich empfehlen würde.

Interessante Randnotiz: Es gibt einen von Cinzia Angelo betriebenen You-Tube-Kanal (mit 4 Abonnenten!), auf dem zumindest ein paar rare Musikstücke zu finden sind. Insbesondere Angelos Sinfonien sind einen Versuch wert.

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Carlo Savina:  GOLDSNAKE

Also eines muß ich Savina ja lassen:  Titelsongs konnte er verdammt gut. So manch eine seiner Western-CDs steht bei mir eigentlich nur wegen ihrer kraftvollen Eröffnungsballade im Regal. "Rocks, Blood and Sand" beispielsweise ist sicherlich einer der besten Songs, die je einen Italo-Western eingeleitet haben. Aber auch über seine Arbeit im Euro-Spy-Genre läßt sich ähnliches sagen. So auch im Fall von GOLDSNAKE, der mit einer wirklich coolen Eröffnungsnummer glänzt. Mit Blech und Streichern orchestriert, wie es sich für das Genre gehört, und ebenso stimmgewaltig wie lasziv von Iva Zanicchi interpretiert. Ein toller, vielversprechender Einstieg, aber leider (!) bleibt Savina nicht in diesem Stil, sondern driftet danach sofort ab in locker-flockiges Sixties-Geplänkel zwischen Nightclub-Atmosphäre, La-la-la-Gesang bei Actionszenen und minimalistischen Suspense-Motiven. "Lounge mood" heißt der vorletzte Track auf der CD, und dieser Titel könnte eigentlich auch über dem gesamten Album stehen. In der richtigen Stimmung ist das einigermaßen unterhaltsam anzuhören, aber es wäre viel mehr dringewesen, wenn Savina den Stil des Titelsongs auch im Score beibehalten hätte.

https://www.youtube.com/watch?v=QHeJN4Ubi34

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Gibt es eigentlich wirklich lohnenswerte Eurospy-Score. Habe bisher auch fast immer den Eindruck, dass abgesehen von einer ordentlichen Eröffnungsnummer, da in der Tat nicht mehr viel kommt. Auch filmisch ist das Eurospy-Subgenre ja überraschenderweise nicht gerade reich an Highlights.

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Das stimmt allerdings, wobei das natürlich auch Geschmacksache ist. Der beste mir bekannte Euro-Spy-Score ist De Masis THE BIG GAME, der mir durchgehend gut gefällt. Auch MISSIONE LADY CHAPLIN von Nicolai ist sehr ernsthaft und hat seine Meriten. Besonders gut kenne ich mich in dem Bereich aber nicht aus.

Glaubt man einigen Filmkritiken im Netz, dann ist LADY CHAPLIN ein lohnendes Genre-Highlight, und der erscheint im Januar bei Pidax auf DVD. Werde ich mal antesten.

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Es handelt es sich wahrscheinlich nicht um einen Genre-Film, trotzdem setze ich ihn hier mal rein. Der Film scheint in der Versenkung verschwunden zu sein. Auf die Musik bin ich mehr zufällig vor kurzen erst aufmerksam geworden. Das Hauptthema mit seinen (für Piccioni typischen, gedimmten) Streichern und Mandolinen ist keines, das sich unmittelbar Im Ohr festsetzt oder gar zum Mitsummen animiert. Es hat einen melancholischen, nostalgischen und durchgehend geradezu traumwandlerischen Charakter, mal eher der subtilen Dramatik zugeneigt, dann wieder helltönend romantisch. Gerade letzteres ist Piccioni besonders ergreifend gelungen, z.B. in Track 9 oder 21. Dazwischen eingestreut sind diegetische Musikstücke aus Taverne und Cabaret und entspannter Jazz und Blues im Timbre der 30er Jahre. Die berüchtigte Giovinezza, jene Hymne der faschistischen Partei im damaligen Italien, kommt nicht vor. Insgesamt vielleicht nicht in der gleichen Liga wie SENILITA oder C´ERA UNA VOLTA aber ein sehr schöner Score mit einlullender Wirkung.

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Am 8.8.2020 um 09:45 schrieb Angus Gunn:

Es handelt es sich wahrscheinlich nicht um einen Genre-Film, trotzdem setze ich ihn hier mal rein. Der Film scheint in der Versenkung verschwunden zu sein.

Zumindest hat ihn vor ein paar Monaten jemand auf Youtube aus der Versenkung gehoben. Genrefilm ist es in der Tat keiner, sondern eine Liebesgeschichte zur Zeit des italienischen Faschismus.
Ich habe mal reingeschaut und der Film scheint schon recht anspruchsvoll zu sein. Erinnert mich ein wenig an  De Sica`s späteren IL GIARDINO DEI FINZI CONTINI oder Florestano Vancini´s LE STAGIONI DEL NOSTRO AMORE:

Ich mag die Musik mit ihrem meditativen traumbelrorenen Charakter eigentlich auch ganz gern (kenne sie schon viele Jahre), ziehe aber aus demselben Jahr 1969 Piccionis I FRATELLI KARAMAZOV deutlich vor. Es gibt auch dort ein Thema, das ein wenig Ähnlichkeit hat mit GIOVINEZZA GIOVINEZZA.
Sind übrigens Balalaikas, die neben den Streichern zu Gehör kommen, nicht Mandolinen.

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Am 9.8.2020 um 15:46 schrieb Stefan Schlegel:

Sind übrigens Balalaikas, die neben den Streichern zu Gehör kommen, nicht Mandolinen.

Balalaikas, Mandolinen.... da soll man nicht durcheinanderkommen...:)

Danke für den Karamazov-Tipp. Ein großartiger Score, den ich bisher noch nicht kannte. Besonders dieser Track hat es mir angetan:

 

 

Neues Thema:

IL PREZZO DEL POTERE (Luis Bacalov)

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Weil ich die Tage den Film gesehen habe, und im Anschluß auch die CD nochmal durchgehört habe, möchte ich hier eine lare Empfehlung für die Musik aussprechen. Aus meiner Sicht einer von Bacalovs besten Western-Scores.

Als "Blutiges Blei" lief der Film in Deutschland, dabei wäre "Der Preis der Macht" ein wesentlich angemessererer Titel gewesen, denn es geht um ein Attentat gegen den amerikanischen Präsidenten James A. Garfield (gespielt von Van Johnson), der bei der Anreise nach Dallas getötet werden soll. Bill (Giuliano Gemma), dessen Vater von den Verschwörern umgebracht wurde, kann den Anschlag verhindern, doch es wird bereits ein weiteres Attentat vorbereitet. Ein überaus interessanter, dramatischer Western, der ein ungewohntes Feld beackert. Er nimmt Bezug zum Kennedy-Mord, greift die Rassismus-Thematik auf und zeigt korrupte Machenschaften hinter den Kulissen, die tief ins System hineinreichen und von tendenziöser Berichterstattung gedeckt werden. In gewisser Hinsicht von zeitloser Aktualität, und kompentent inszeniert von Tonino Valerii.

Die Musik startet mit einem episch angelegten, sinfonischen Thema, das in der Album-Version Streicher und Chor betont, in der Filmversion liegt der Schwerpunkt eher auf den Percussions. Beide Versionen sind auf der GDM-CD vertreten. Mit einer gepfiffenen Melodie, mit E-Gitarren und De Geminis Mundharmonika sind eigentlich alle Italo-Western-Zutaten versammelt, stets eingebettet ins orchestrale Fundament. Sehr gelungen sind auch die sanften, melancholischen Ausformungen des Titelthemas. Ganz besonders bemerkenswert ist ein famoses Action-Thema, das zum ersten Mal im Track IL PONTE  und später nochmal in Track 23 auftaucht, und das Assoziationen zu Jerry Goldsmith zuläßt. Ungewöhnlich im Genre, und auch im Film äußerst wirkunsvoll. In diesem Fall empfehle ich ausdrücklich die Komplett-Edition bei GDM. Auf der ursprünglichen CAM-CD fehlen doch einige wichtige Varianten.

 

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Am 14.3.2021 um 15:56 schrieb Angus Gunn:

Balalaikas, Mandolinen.... da soll man nicht durcheinanderkommen...:)

Danke für den Karamazov-Tipp. Ein großartiger Score, den ich bisher noch nicht kannte. Besonders dieser Track hat es mir angetan:

Hast Du Dir inzwischen auch die Doppel-CD von FRATELLI KARAMAZOV zugelegt oder bist Du nur von den 35 Minuten auf Youtube ausgegangen, die es seit ca. 10 Jahren bereits als digitalen Download gab, damals wohl von Piccionis Sohn hochgeladen? Mit 137 Minuten bietet die Doppel-CD von Kronos natürlich unheimlich viel mehr an Musik und lohnt sich auf alle Fälle.
Der von Dir oben verlinkte Track ist auf CD 2 als Track Nummer 11 zu finden, hat aber dort sogar eine Länge von 6:11 Minuten, da die ersten ca. 1 1/2 Minuten bei Youtube nicht mit dabei sind. Das Thema selbst nennt sich "Aria classica" und taucht in mindestens drei Varianten auf der Doppel-CD auf - es weist in seinem mystisch-elegischen Charakter schon sehr stark auf Piccionis spätere Musik zu LE MONACHE DI SANT´ARCANGELO voraus - Flötist war in beiden Fällen übrigens der berühmte Severino Gazzelloni. Auch die introvertierten Piccioni-Musiken für Francesco Rosis CRISTO SI È FERMATO A EBOLI von 1978 und TRE FRATELLI von 1981 klingen hier doch schon recht deutlich an. Für mich absolut traumhafte und hinreißende Musik, in die ich regelrecht versinken und wie in eine andere Welt abtauchen kann.
Ich halte eh FRATELLI KARAMAZOV für einen der schönsten Piccioni-Scores. Natürlich ist die Doppel-CD mit mehr als zwei Stunden und so einigen Wiederholungen etwas zu lang, aber für mein Empfinden bleiben dennoch ganz starke und wirklich essentielle 70-80 Minuten übrig. Ich hatte im anderen Forum mal was Längeres zu der Kronos-Edition geschrieben und zitiere daraus hier gerne nochmals ein bißchen was, sofern es für Dich (und vielleicht noch den ein oder anderen) von Interesse ist:

"Die erste CD mit 66 Minuten hat an sich nur wenige Durchhänger, vielleicht so zwei, drei Stücke, wo mal musikalisch nicht so viel passiert, ansonsten läßt sich das recht gut am Stück durchhören und ist wirklich auch erstaunlich abwechslungsreich komponiert. Problematischer wird dann eher CD 2, wo ich vielleicht noch so 20 Minuten als für mich unverzichtbar ansehen, aber auch Einiges an Repetitionen weglassen oder wenigstens an den Schluß stellen würde.
Ich finde das schwelgerisch ausladende Hauptthema vom Main Title ja sowieso wunderbar, es erinnert sehr stark an das etwas später komponierte zu LICHT AM ENDE DER WELT. Ganz typischer Piccioni mit den Überlagerungen der Streicherstimmen und der stetig auf- und abwärts gleitenden Melodik. Herrlich auch das barockisierende, würdevolle "Aria classica"-Thema, das auf MONACHE DI SANT'ARCANGELO vorausweist. wo ebenfalls Severino Gazzelloni an der Flöte als Solist tätig war. Daneben gibt es noch ein feines, graziöses Liebesthema und ein viertes romantisches Thema, das "Tema seconda" auf der CD genannt wird und ebenfalls sehr schmachtend, aber etwas meditativer, zurückhaltender daherkommt. Der Score erschöpft sich allerdings nicht im Wechselspiel dieser Themen - wobei wirklich wunderbare elegische Delikatessen dabei sind wie das lange letzte Stück auf CD 1 oder das erste auf CD 2 , die jeweils fast 5 Minuten gehen und mich richtiggehend begeistern -, sondern es kommt reichlich anderes musikalisches Material noch hinzu: Packende dramatische Passagen, mitreißende, unglaublich rasante Tänze mit etwas russischem Kolorit, die prächtigen liturgischen Chöre, wobei das "Super Flumina Babilonis" bei UOMINI CONTRO ein Jahr später wiederauftauchen wird, dann düstere Dissonanzen wie man sie von Piccionis sinfonischen Scores ja ansonsten auch kennt, in der geballten und exzessiven Klangschärfe von "Tema parricida" (CD 2, Tracks 2) allerdings sogar ganz stark an Ähnliches von Alex North gemahnend, der für Piccioni ohnehin ja immer ein großes Vorbild darstellte. Sehr schön auch die klassische Fuge in "Fuga Ljussa" (CD 1, Track 19) oder die mystischen Streicher in "Psicologica Ljussa" - dieses letzte Stück wird ein paar Jahre später in Piccionis TRAVOLITI DA UN INSOLITO DESTINO übrigens auch wieder auftauchen, wurde also auch bereits hier für KARAMAZOV komponiert."

Zu PREZZO DEL POTERE noch kurz: Würde ich auch zu den besten Western-Scores von Bacalov zählen. Ich war eigentlich mit der alten CAM-CD durchaus ganz zufrieden. Die GDM hat ja im Prinzip nur noch die eigentlichen Film-Tracks in der zweiten Hälfte hinzugefügt, wodurch sich sicherlich einige Dopplungen ergeben dürften. Wie viele wirklich lohnende neue Tracks kommen Deiner Meinung da denn gegenüber der CAM-CD hinzu?

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Als CD-Liebhaber habe ich mir natürlich ohne Umwege die Kronos-CD zugelegt. Von den YT-Tracks wußte ich bis vor zwei Tagen gar nichts. Habe sie erst gefunden, als ich etwas zum verlinken gesucht habe. Ja, Piccioni finde ich auch großartig, aber da klaffen auch noch einige Lücken bei mir. EBOLI und TRE FATELLI würden mich auch interessieren, aber davon scheint es aktuell keine greifbaren Veröffentlichungen zu geben. Seit der CD-Premiere in den frühen 90er Jahren bin ich auch ein Bewunderer von SENILITA. Der ist atmosphärisch einfach unglaublich mit seiner betörenden Romantik und den allgegenwärtigen Irritationen und Spannungen. Manche seiner jazzigen Scores gefallen mir auch (wie z.B. CADAVERI ECCELLENTI), womit ich allerdings überhaupt nichts anfangen kann ist jener ausgeflippte Easy-Listening-Sound a la 10TH VICTIM.

Bei PREZZO DEL POTERE kommen in den Bonus-Tracks von allem die elegischen Streicherpassagen zum Zuge, zum Teil in Tracks von bis zu zwei oder drei Minuten Länge. Die waren relativ dünn gesät im Original-Album. Außerdem gefällt mir persönlich die Filmversion der Titelmusik etwas besser (wobei es aber vermutlich nur eine andere Abmischung ist), da hier einzelne Instrumente klarer hervortreten. Außerdem wird das erwähnte Goldsmith-ähnliche Action-Thema variiert. Im Film wird von beiden Versionen Gebrauch gemacht, wenn ich mich nicht irre. Wirklich Neues gibt es freilich nicht, mir war´s das aber wert.

Noch ein Kuriosum am Rande: Auf der CAM-CD wurde die Länge des Stückes IL PONTE annähernd verdoppelt, indem der Track einfach zweimal hintereinandergeschnitten wurde. Auf dem alten Vinyl-Album (und auch jetzt wieder auf der GDM-CD) war das wohl noch anders, und dort hat es die korrekte Länge von rund zweieinhalb Minuten. Es ist mir auch anderweitig schon aufgefallen, dass die CAM-CDs aus den 90ern nicht immer mit dem alten Original-Album übereinstimmen, wie ich früher immer angenommen hatte. Ganz krass war das bei Ciprianis UOMO, CAVALLO, PISTOLA der Fall, bei dem etwa die Hälfte der Tracks gegen andere ausgetauscht wurden (Die Track-Titel sind aber nicht entsprechend geändert worden).  So war der letzte Track "Notturno per colt" beispielsweise ein nur wenige Sekunden langer Cut-Out der Titelmusik, auf der LP war es aber eine weitere Version des Deguello-Themas aus diesem Film. Die GDM-CD hat das alles dann vor ein paar Jahren richtiggestellt. Sind diese Änderungen willkürlich geshehen, oder was hatte das für Gründe?

 

 

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Das stimmt aber nicht so ganz, daß "Il ponte" aus IL PREZZO DI POTERE auf der alten CAM PRE 8-LP von 1969 kürzer gewesen sei als auf der späteren CAM-CD. Schau dir mal das Tracklisting an und Du wirst erkennen, daß die Länge des Tracks sowohl auf LP wie auf CD 4:10 Minuten beträgt - das heißt, die Dopplung war auch schon auf der LP, vermutlich um den insgesamt recht kurzen Score noch etwas länger zu machen:
https://www.pervertium.com/videos/3839/cut-portrait-extreme-14-and-18/
Erst für die GDM-CD wüurde diese Dopplung dann also entfernt.

UN UOMO, UN CAVALLO, UNA PISTOLA ist dagegen eher ein Sonderfall, zumal es davon Ende der 60er Jahre gar keine komplette LP gab, sondern damit nur die B-Seite der CAM SAG 9004-Platte gefüllt wurde. Das waren also nicht mal 20 Minuten. Deshalb hat CAM dann in den 90ern für die CD wohl eine andere Auswahl getroffen. Der 5-Minuten-Edit des Titeltracks auf der alten LP scheint aber auch für die GDM-CD dann nicht mehr verwendet worden zu sein. Und wie ich gelesen habe sollen die paar "choral overlays", die auf der CAM-CD zu hören sind, auf der GDM wiederum fehlen.

Im Großen und Ganzen waren aber die Scores der ersten CAM-CD-Staffeln, die an 1992 erschienen, schon überwiegend immer identisch mit den früher in den 60ern und 70ern veröffentlichten LPs.

Mit Deinen Piccioni-Wertungen stimme ich schon ziemlich überein. SENILITA zählt genauso zu meinen Piccioni-Favoriten seit 1992 als ich die Musik das erste Mal auf CD gehört hatte. Absolut betörende und delikate Musik, die ich immer wieder gerne auflege.
10TH VICTIM kann ich auf CD ebenfalls nichts abgewinnen. In dem recht witzigen Science-Fiction-Film von Elio Petri selbst paßt diese recht spleenige Untermalung an und für sich schon recht gut, aber ohne Bilder gibt mir das auch nicht viel.

Von EBOLI habe ich übrigens seit vielen Jahren eine Kopie vom Masterband in sehr guter Klangqualität. Ich habe mir davon damals eine 45 Minuten-Version auf CDR zusammengebastelt,  um die vielen doppelten Takes und unnötigen Wiederholungen des Masterbands zu umgehen. Die Musik lebt hauptsächlich von ihrem wunderbaren elegischen Hauptthema, das mich 1980 beim erstmaligen Sehen des Films im Kino ganz enorm beeindruckt hat und das in allen möglichen Varianten für diverse Solo-Instrumente und Orchester auf dem Masterband vorkommt - es gibt sogar eine Version nur für Klavier - , daneben gibts aber auch noch einige atmosphärische und impressionistische Passagen (in der Kinofassung übrigens nicht verwendet), die schon etwas den späteren CHRONIK EINES ANGEKÜNDIGTEN TODES vorwegnehmen. Bei Interesse kann ich Dir also gerne privat was zukommen lassen.
Leider wird in absehbarer Zeit wohl keine offizielle CD bei Digitmovies von EBOLI erscheinen, da es große rechtliche Probleme gibt. Außer CAM war da nämlich auch noch Vides der Co-Editor und die wollen viel bzw. zuviel Geld für die CD-Veröffentlichung. Daran hapert alles und deshalb erscheint die wohl seit ein paar Jahren sogar schon fertig gemasterte CD einfach nicht.
Auf TRE FRATELLI warte ich selbst schon eine halbe Ewigkeit. Bislang gibt es das Hauptthema nur auf der Rosi/Piccioni-Doppel-LP von Anfang der 80er. Rechteinhaber ist an und für sich Sugar - aber nicht CAM. Die haben selbst zwar kein Originalmaterial davon, aber es würden zumindest zwei Bänder im Piccioni-Nachlass existieren, die vor rund 10 Jahren gefunden wurden. Leider tut sich bislang trotzdem nichts bezüglich einer offiziellen CD, was höchst bedauerlich ist.

 

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