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Philippe Sarde


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Ob die Anschaffung dieser CD nun unbedingt nötig war, mag fragwürdig sein. Aber CHOSES DE LA VIE gehört in meine Sarde-Top-10 und daher habe ich sie mir mit einer gewissen Erwartungshaltung bestellt. Bisher hatte ich nur das CD-Album von CAM aus den frühen 90er Jahren im Regal und demgegenüber sind immerhin mehr als 10 Minuten dazugekommen. Wichtigste Ergänzung ist ein 6-minütiger Track, der mehrere Spannungsstücke zu einer Suite zusammenfaßt. Im Gegensatz zum sonst so melancholischen Charakter der Musik wirken diese 6 Minuten eher wie aus einem Thriller jener Zeit. Und das wunderschöne CHANSON D´HELENE liegt nun in drei Sprachversionen vor (französisch, italienisch, deutsch)

Ich hätte vermutet, dass die Quartet-CD auf die Geräuscheffekte des Autounfalls verzichtet, die bei zwei oder drei Tracks mit eingemischt wurden (der Unfall ist Dreh- und Angelpunkt der Filmhandlung), aber diese Effekte sind uns erhalten geblieben. Sie stören allerdings auch nicht sehr. Wahrscheinlich hätte ich sie sogar vermißt, da ich mich in all den Jahren an sie gewöhnt habe.

Schön ist auch das Booklet der neuen CD, das nette Anekdoten bereithält. So feuerte Sarde, der seinen ersten Filmauftrag so perfekt wie möglich abliefern wollte, während der Aufnahmen einen Flötisten, weil der ein kurzes Vivaldi-Stück, das im Autoradio zu hören ist, nicht akkurat hinbekam. Auch wußte ich nicht, dass es ein Vorschlag von Sarde war, den Film mit dem Unfall zu beginnen und die Handlung dann als Rückblende zu erzählen.

Wirklich große Klasse sind auch die 12 Minuten aus NELLY ET MONSIEUR ARNAUD. Als Suite zusammengeschnitten baut dieser kurze, streicherbetonte Score eine mitreißende Dynamik auf und könnte auch als konzertantes Werk für sich stehen. Warum mir dieser Score bisher nicht sonderlich aufgefallen ist, kann ich nur vermuten. Entweder es liegt tatsächlich an der jetzt um mehr als das doppelte verlängerten Präsentation, oder die bisher vorliegenden 5 Minuten auf dem Sautet-Sampler von Universal sind schlicht und einfach in der großen Menge an exquisiten Themen auf jenem Album untergegangen. Wer weiß. Auf jeden Fall eine großartige Ergänzung zu CHOSES DE LA VIE, und ein Film, den ich mir mal für eine zukünftige Sichtung vormerke.

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vor 1 Stunde schrieb Angus Gunn:

Wirklich große Klasse sind auch die 12 Minuten aus NELLY ET MONSIEUR ARNAUD. Als Suite zusammengeschnitten baut dieser kurze, streicherbetonte Score eine mitreißende Dynamik auf und könnte auch als konzertantes Werk für sich stehen. Auf jeden Fall eine großartige Ergänzung zu CHOSES DE LA VIE, und ein Film, den ich mir mal für eine zukünftige Sichtung vormerke.

Diese 12 Minuten können im Film selbst eigentlich nie und nimmer vorkommen. Ich habe NELLY & MONSIEUR ARNAUD damals Anfang 1996 im Kino gesehen und war eigentlich schon etwas überrascht, daß so gut wie gar keine Filmmusik auftaucht bis auf die  längere Abspannmusik. Natürlich ist es ein ganz intimes Kammerspiel um nur zwei Personen, bei dem an sich eh nicht allzuviel Musik benötigt wird, aber hier ist wirklich fast gar nichts zu hören. So wie ich es noch weiß, sind es gerade mal ein oder zwei Szenen mittendrin, wo es mal 1-2 minütige Sarde-Tracks gibt. Das ist aber wirklich alles und insgesamt dürfte man wohl nicht mal auf 10 Minuten kommen. Wie oft zu der Zeit Mitte 90er - siehe etwa LES VOLEURS,  LA FILLE DE D´ ARTAGNAN oder ALICE ET MARTIN - dürfte Sarde mal wieder deutlich mehr schon im voraus komponiert und aufgenommen haben als dann schlußendlich überhaupt im Film verwendet wurde.

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  • 7 months later...

Wie ich am Wochenende von einem französischen Sammlerkollegen erfahren habe, befindet sich Sarde, der in  rund 10 Tagen seinen 74. Geburtstag feiert, in einem gesundheitlich ganz schlechten Zustand und war vor zwei Wochen schon fast dem Tode nahe. Er hatte anscheinend vor mehreren Wochen schon eine Herzkranzgefäßverengung und mußte sich daher einer Herzoperation unterziehen. Die Operation an sich ist zwar erfolgreich verlaufen, dennoch scheint Sarde durch seinen enormen Gewichtsverlust - er war ja lange Jahre durch total übergewichtig - nur noch ein Schatten seiner selbst zu sein.

Im April war er, der sich in Paris nur selten in der Öffentlichkeit blicken läßt, in der dortigen Cinémathéque nach der Vorführung des Romy Schneider-Films DAS MÄDCHEN UND DER KOMMISSAR zur Diskussion anwesend, an der auch Stéphane Lerouge beteiligt war. Es ist schon ziemlich schockierend, wenn man ihn da jetzt so sieht: Er kann kaum allein gehen, Regisseur Costa-Gavras muß ihn zum Stuhl führen, er scheint völlig ermattet und kann nur ganz langsam sprechen, manchmal wirkt sein Blick wie geistesabwesend. Wenn man das alles sieht, dann fragt man sich wirklich, ob er in Zukunft überhaupt noch mal eine Filmmusik schreiben wird:
 

 

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