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horner1980

The Invisible Man von Benjamin Wallfisch

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Am 30.1.2020 um 17:54 schrieb Lars Potreck:

Funktionalität ist für mich die Hauptaufgabe der Filmmusik. Ich würde daher die Modalharmonik und das ganze Konzept der harmonischen Aufhellung in Richtung Diatonik als ein mögliches Werkzeug betrachten, damit Filmmusik auf welche Art auch immer beim Zuschauer funktioniert. Was ist denn Gordons "Werkzeug" auf den Film bezogen für dich, wenn die Instrumentierung für die Funktionalität zuständig ist? Außer dass es musikalisch zum Anhören äußerst interssant ist.

Ich weiß gar nicht, ob ich die Frage richtig verstehe - sein "Werkzeug", mit dem er eine konventionelle Funktionalität erreicht bzw. das normale Publikum lenkt, sind eben die Verarbeitungen der Konvention: düsterer Chor für die traditionelle Vorstellung von Vampiren, Streicher-Ostinati mit treibendem Elektronik-Puls zur Spannungserzeugung, ein eher einfaches, emotionales Thema für die menschlichen Protagonisten, viele "epische" Tutti-Passagen. Also all das, was sich sofort oberflächlich erschließt bzw. dem Kinogänger schnell eindeutige Bilder vor das innere Auge projiziert. 

Das harmonische Konzept, die Tonleitern, der sinfonisch-entwickelnde Anspruch auf der Makro-Ebene, aber auch satztechnische Feinheiten wie die krasse Mehrstimmigkeit im Actionfinale sind dagegen einfach nicht funktional - sondern optionale Ästhetik. Er macht das, weil er ein guter Komponist ist, und es fügt dem Film eine künstlerische Dimension hinzu. Aber es erfüllt keine direkte Zweckmäßigkeit mehr. So wie Kunst generell keine klar verwertbaren "Funktionen" hat, sondern abstrakte Wertkategorie ist. 

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Mal kurz zum Trailer zurück: Da schaue ich mir lieber noch ein x-tes mal den Film mit Chevy Chase an. Irgendwie kann ich mit aktuellen Werken nichts mehr anfangen.

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vor 3 Stunden schrieb Sebastian Schwittay:

Ich weiß gar nicht, ob ich die Frage richtig verstehe - sein "Werkzeug", mit dem er eine konventionelle Funktionalität erreicht bzw. das normale Publikum lenkt, sind eben die Verarbeitungen der Konvention: düsterer Chor für die traditionelle Vorstellung von Vampiren, Streicher-Ostinati mit treibendem Elektronik-Puls zur Spannungserzeugung, ein eher einfaches, emotionales Thema für die menschlichen Protagonisten, viele "epische" Tutti-Passagen. Also all das, was sich sofort oberflächlich erschließt bzw. dem Kinogänger schnell eindeutige Bilder vor das innere Auge projiziert. 

Das harmonische Konzept, die Tonleitern, der sinfonisch-entwickelnde Anspruch auf der Makro-Ebene, aber auch satztechnische Feinheiten wie die krasse Mehrstimmigkeit im Actionfinale sind dagegen einfach nicht funktional - sondern optionale Ästhetik. Er macht das, weil er ein guter Komponist ist, und es fügt dem Film eine künstlerische Dimension hinzu. Aber es erfüllt keine direkte Zweckmäßigkeit mehr. So wie Kunst generell keine klar verwertbaren "Funktionen" hat, sondern abstrakte Wertkategorie ist. 

Das bedeutet, es gibt dem Film inhaltlich nicht mehr Substanz und hat für den Film auch sonst keine Bedeutung, sondern ist nur ästhetisch nett anzuhören und befriedigt Leute vom Fach. Ich bin der Meinung, die Ästhetik sollte dennoch auch zweckdienlich sein, denn man kann auch Gefahr laufen, den Film zu versauen oder ins lächerliche zu ziehen. Siehe z.bsp Beltramis Gods of Egypt.

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Am 31.1.2020 um 23:23 schrieb Lars Potreck:

Das bedeutet, es gibt dem Film inhaltlich nicht mehr Substanz und hat für den Film auch sonst keine Bedeutung, sondern ist nur ästhetisch nett anzuhören und befriedigt Leute vom Fach. Ich bin der Meinung, die Ästhetik sollte dennoch auch zweckdienlich sein, denn man kann auch Gefahr laufen, den Film zu versauen oder ins lächerliche zu ziehen. Siehe z.bsp Beltramis Gods of Egypt.

Tut mir leid, aber so ein neoliberal-zweckrationaler Pragmatismus ist mir fremd. Substanz und Wert ist nicht an Funktionen gebunden. 

Kein Wunder, dass Filmmusik immer leb-, profilloser und austauschbarer wird, wenn offensichtlich schon das rezipierende Publikum mit Vorliebe in solchen tristen und kunstfeindlichen Verwertungskategorien denkt. 

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Wenn ein Komponist für einen Film komponiert, dann sollte seine Musik, diesen auch, wie auch immer, bereichern bzw. unterstützen oder fruchtbar kommentieren.
Das sagt Lars und da stimme ich ihm zu.

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Er sagt vor allem, dass alles, was nicht unmittelbar zweckdienlich ist, verzichtbar ist. Der E-musikalische Ausdrucksgehalt vieler Goldenthal-Filmmusiken wäre in Filmen wie BATMAN FOREVER, ALIEN 3 oder auch DEMOLITION MAN nicht unbedingt notwendig gewesen - zum Glück haben wir ihn trotzdem bekommen. Er bereichert den Film, aber natürlich nur für einen kleineren, Musik- und Kunst-sensibilisierten Teil des Publikums. Wenn Lars meint, dass all das "weg kann", nur weil es eben nicht durch alle Publikumsschichten wirkt, dann ist das kultureller Kahlschlag im Stil des sozialistischen Realismus...

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vor 8 Minuten schrieb TheRealNeo:

Das sagt er in der Form aber nicht. 

Es ergibt sich als Konsequenz aus seiner Einstellung. Wenn er gegen 'l'art pour l'art' nix hätte, würde er kaum mit Beispielen beweisen wollen, dass sowas gerne auch "nach hinten los geht" bzw. Filme "versaut". 

(Tut der Beltrami übrigens nicht. Die barocke Opulenz des Films verträgt sich ausnehmend gut mit Beltramis detailreicher Musik.)

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vor 10 Minuten schrieb Sebastian Schwittay:

 Substanz und Wert ist nicht an Funktionen gebunden. 

 

Meiner Meinung nach ist das bezüglich Filmmusik aber ganz wichtig, da die Musik beim Filmschauen ja auch mit Bildern, Schauspiel, Soundeffekte, etc. zusammenarbeiten muss. Konzepte müssen in erster Linie passen und funktionieren. Ob hoch- oder minderwertig ist erstmal egal. Bestes relativ aktuelles Beispiel ist Chernobly. Eigentlich nur funktionale Musik, die in der Serie aber nicht mal den von dir erwähnten Minimalanspruch erfüllt. Jeder Komponist muss sich bei der Wahl seines Musikkonzeptes überlegen, was er beim Publikum damit erreichen will. Und ob dieses Konzept tatsächlich im Film funktionieren würde. Leute wie Gordon und Goldenthal mögen von vornherein hochwertigere Konzepte vorlegen, weil sie es können, dennoch werden auch sie sich Gedanken machen, ob dieses oder jenes auch tatsächlich funktionieren würde.

 

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vor 1 Minute schrieb TheRealNeo:

Du findest die Musik in CHERNOBYL funktioniert nicht?

Überwiegend nicht. An etlichen Stellen war Musik wo ich mich fragte, wieso hier und wieso so eine Musik (meistens ja nur dieses Brummen). Für mich gab es eine einzige Stelle, die überzeugend und vorallem durchdacht vertont war. In der ersten Folge, als die Bewohner von etwas weiter weg dem Feuer zugeschaut haben und die entgegen fliegende Asche wie Glühwürmchen aussahen. Und wie die Leute dabei gelacht haben, weil das Spektakel so schön war. Das hat Guðnadóttir zwar auch so leicht träumerisch, übernatürlich vertont, also so, wie die Bewohner es wahrgenommen haben, aber du als Zuschauer weißt ja, dass es die Strahlung ist und die Leute somit unwissentlich die blanke Gefahr bewundern. Fand ich top vertont. Das Brummen und Grummeln sollte wohl die ständige unsichtbare Gefahr verdeutlichen, aber da dies ja ständig zu hören war, verpuffte die Wirkung auch schnell. Und wie gesagt, einige Stellen fand ich schlicht falsch bzw. unnötig vertont.

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Sorry für Off-Topic, aber ich fand sie dementsprechend effektiv/funktional, da dieses Grummeln/Brummeln immer auch diese Atmosphäre dieser ständigen Strahlungsgefahr ausstrahlte, wo man sich gar nicht sicher sein konnte, was nun Score ist und was diegetischer Sound-Effekt.

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vor 12 Minuten schrieb TheRealNeo:

Sorry für Off-Topic, aber ich fand sie dementsprechend effektiv/funktional, da dieses Grummeln/Brummeln immer auch diese Atmosphäre dieser ständigen Strahlungsgefahr ausstrahlte, wo man sich gar nicht sicher sein konnte, was nun Score ist und was diegetischer Sound-Effekt.

ich geh von aus, dass dies auch das Konzept war. Ansich auch nicht verkehrt und für die meisten Zuschauer wohl auch wirklich geglückt, aber für mich aufgrund teilweise falscher und auch zu häufiger Nutzung leider schnell abgenutzt.

@Sebastian

Bezüglich Gods Of Egypt. Die Musik verträgt sich aber meiner Meinung nach nicht mit der Dümmlichkeit des Films und seiner Figuren und deren Witzchen, ganz zu schweigen mit den teilweise schlechten Effekten. Man merkt förmlich wie Beltrami den Film größer und oppulenter machen will und ihn dabei leider nur noch lächerlicher macht. Ansich schöne Musik und ein gutes Konzept, nur nicht für diesen Film.

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vor 12 Minuten schrieb TheRealNeo:

Hätte er dann das Dümmliche Slapstick-artig untermalen sollen?
Das wäre ja bestimmt auch nicht im Sinne der Macher gewesen.

Die Musik ist zu ernst. Sie hätte wesentlich überzeichneter mit einem Augenzwinkern sein müssen. Kennst du Team America? Harry Gregson-Williams und Team haben einen typischen RCP Bruckheimer Score geschrieben. Aber die Musik ist dermaßen überzeichnet, dass sie wunderbar zu den absichtlich überzogen dramatischen Szenen passt, dass man darüber lachen kann. Weil es von den Machern auch so beabsichtigt ist. Halt ne Parodie. Gods Of Egypt will aber keine Parodie sein, sondern eigentlich ein spannendes Abenteuer mit etwas Humor. Leider ging die Umsetzung meiner Meinung nach völlig daneben.

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vor 42 Minuten schrieb TheRealNeo:

Ja und genau deshalb trifft ja dann auch Marco Beltrami keine Schuld.

Er konnte sich austoben. Von daher kann ich ihn schon verstehen. Ob er wusste, dass der Film letztendlich so ausfällt, kann ich nicht sagen. Bei Team America hatten die Macher das richtige Gespür für die richtige Musik und Harry und Co. waren sich nicht zu schade, ihren eigenen Musikstil auf die Schippe zu nehmen. Wer letztendlich bei Gods Of Egypt die Schuld hat, weiß ich nicht. Für mich hat der Film aber den falschen Score.

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Am 3.2.2020 um 14:01 schrieb Lars Potreck:

Meiner Meinung nach ist das bezüglich Filmmusik aber ganz wichtig, da die Musik beim Filmschauen ja auch mit Bildern, Schauspiel, Soundeffekte, etc. zusammenarbeiten muss. [...] Leute wie Gordon und Goldenthal mögen von vornherein hochwertigere Konzepte vorlegen, weil sie es können, dennoch werden auch sie sich Gedanken machen, ob dieses oder jenes auch tatsächlich funktionieren würde.

Eben. Und die Scores von Goldenthal, Gordon, Williams und anderen "E-Musikern" beinhalten ja immer schon ein funktionales Konzept - die Grundlage, wie oben bei DAYBREAKERS beschrieben.

Die Kunst und die ästhetische Vollendung ist das, was noch obendrauf kommt. Für mich (und viele andere) der entscheidende Faktor - der Liebe zur Musik wegen. 

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vor 22 Minuten schrieb Sebastian Schwittay:

Eben. Und die Scores von Goldenthal, Gordon, Williams und anderen "E-Musikern" beinhalten ja immer schon ein funktionales Konzept - die Grundlage, wie oben bei DAYBREAKERS beschrieben.

Die Kunst und die ästhetische Vollendung ist das, was noch obendrauf kommt. Für mich (und viele andere) der entscheidende Faktor - der Liebe zur Musik wegen. 

Ich geb zu, ich kann in Bezug auf Filmmusik mit Kunst und ästhetischer Vollendung etwas anfangen, wenn ich merke dass sie einen Nutzen/Funktion hat. Für mich muss sich das in Effektivität ausdrücken. Deshalb gefällt mir z.bsp Goldenthals Batman Forever genauso gut wie Zimmers/Howards Batman Begins. Mit Kunst/ästhetischer Vollendung die nur der Aufhübschung dient kann ich wenig anfangen. Deshalb kann ich ja z.bsp. auch nur mit wenigen John Williams Scores was anfangen.

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Wenn wir ehrlich sind, arbeiten die meisten guten Komponisten ihren "Anspruch" ja auch durchaus passend ins Gesamtbild ein. Die oktatonischen Tonleitern geben sowohl Gordons DAYBREAKERS als auch Greenwoods INHERENT VICE eine gewisse existenzialistische edginess, Goldenthal begreift das E-Musikalische eh oft als kritisch-postmodernen Kommentar zum Film, und so weiter. Ist natürlich alles nur für eine sehr kleine Zuschauerschaft wirklich nachvollziehbar, aber immerhin. 

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Ich seh das so, dass jeder der in irgendeiner Form künstlerisch/gestalterisch Dinge erschafft hat ein Höchstmaß an künstlerischer Freiheit verdient. Da der Film nun aber eine künstlerische Teamleistung ist müssen sich alle Beteiligten der Vision des Regisseurs unterordnen und diese zum Leben erwecken ( Funktionalität!). Solange der Film damit Funktioniert kann sich jeder künstlerisch Beteiligte auch über das Mindestmaß (der bloßen Funktionalität) hinaus einbringen! Sei das nun der Production-Designer, der im Hintergrund ein Kunstwerk einbringt, das im Zusammenhang mit der Geschichte des Films steht oder der Komponist, der eine musikalische Tiefe einbringt, die sich vielleicht nicht jedem erschließt, aber die anderen auch nicht stört! Dann sollten sie das tun! Und wenn‘s nur einer von 50 Zuschauern hört ist das genug!

 

Wenn wir nun Anfangen zu sagen, dass alles was nicht der Funktion untergeordnet werden kann falsch ist, da degradieren wir die Kunstform Film zur reinen Unterhaltung! 

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