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Bitteschön: http://www.imperativarecords.com/?page=detail&pid=21#!immediate-store/cszq Ich habe mir "Epic Choral Action", "Percussive Action", "Action/Drama #5" und "Suspense/Drama #5" bestellt. Den Rest habe ich schon (abgesehen von "Youth Oriented" und "Comedy", die ich nun wirklich nicht brauche). Vorsicht allerdings bei den Alben, die vor "Themes for orchestra and choir" entstanden sind! Yoarev Gorem schrieb mir dazu: "As for the EPIC CDs, the higher the volume number, the higher the amount of real orchestra (#3 - majority of tracks are real). If you are interested more in compositions as opposed to pure orchestra, then all the EPIC CDs offer a real glimpse into the pervasive compositional trailer style prevalent about 15 years. If you are just interested in music with real orchestra as its focus, I would just go for #3 (#2 has 10 of 25 tracks that are real orchestra). However, please note the EPIC CDs are not similar to the THEMES series. The compositional style is different, and the size of the orchestra was smaller. This was part of our evolution as producers of epic trailer music. You can view the EPIC collection as a historical pre-cursor to the THEMES series ;-)" Soll heißen: Der für Immediate bekannte und typische Stil findet sich erst auf den "Themes for orchestra and choir"-Alben. Viele der Einzel-CDs wurden mit Sampels realisiert!
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Danke für die Rückmeldungen. Ich guck' mal, wie ich das noch einbaue bzw. abändere.
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Der Wind und der Löwe Die verwitwete Eden Perdicaris lebt in Marokko, das um 1904 Objekt der Begierde für die Führung des deutschen Reichs, des britischen Imperiums, Frankreichs und Amerikas ist. Der marokkanische Sultan Abd El-Aziz, der zugleich der Neffe des Paschas von Tanger ist, führt eine europafreundliche Politik, doch ist er eigentlich nur eine Marionette seines Onkels. Der Bruder des Paschas, Raisuli, ist der Anführer eines Berberstammes, nachdem ihn sein Bruder, der Pascha, verhaften ließ, doch die vielen Jahre in der Zelle konnten Raisuli nicht töten. Nun versucht der Stammesführer, einen internationalen Zwischenfall zu provozieren und die Großmächte heraus zu fordern, indem er die amerikanische Staatsbürgerin Eden Perdicaris mit ihren beiden Kindern Williams und Jennifer aus deren luxuriösen Villa entführt. Die junge Witwe glaubt an die Macht des amerikanischen Präsidenten, Theodore Roosevelt, der sich gerade im Wahlkampf befindet und den Zwischenfall in Marokko für seine Zwecke nutzt. Er hofft, die Macht und Überlegenheit der amerikanischen Armee in dieser Angelegenheit unter Beweis stellen zu können und so die europäischen Konkurrenten einzuschüchtern. Eine geglückte Rettungsaktion der Mutter und ihrer Kinder würde Roosevelt außerdem viele amerikanische Wählerstimmen einbringen. Während Eden Perdicaris’ Kinder die Ritte durch die Wüste und das naturverbundene Lebenden der nomadischen Krieger als unterhaltsames Abenteuer wahrnehmen, ist die Witwe von dem Verhalten Raisulis abgestoßen. Nachdem die Familie von den Berbern in dere Festung im Rif, einem Gebirgszug gebracht wurde, besticht sie einen der Männer, sie aus der Festung und durch die Wüste führen soll, doch dieser entpuppt sich als Betrüger, der die Mutter mit ihren Kindern an eine Gruppe Menschenhändler verkauft, die in der Wüste leben… Regisseur John Milius ist den meisten Cineasten durch „Conan der Barbar“ oder „Die rote Flut“ im Gedächtnis geblieben. Solche Filme bilden mit äußerst bedenklichen moralischen Werten und teils sogar gefährlicher Propaganda die Kehrseite des anerkannten Autorenfilms. „Der Wind und der Löwe“ allerdings ist frei von gewaltverherrlichenden, propagandistischen Inhalten, ohne dass Milius auf seine Lieblingsthemen verzichten muss. Auch hier geht es um starke Männer, Persönlichkeiten, denen Ruhm und Ehre alles bedeuten. Milius nutzt einen wahren Vorwand, um Macht und Einfluss geschickt von mehreren Seiten zu beleuchten. Theodore Roosevelt und Raisuli sind militärische Führer, verfügen über Gefolgsleute und versuchen, mit ihren Taten die Politik in ihrem Interesse zu beeinflussen. Trotzdem sind die beiden Männer, die sich nie begegnen, völlig unterschiedlich. Roosevelt, der sein Cowboy-Image pflegt, Briefkontakt mit dem Waffenhersteller Winchester pflegt und den starken, schlauen aber einsamen Bären als wahres Symbol für Amerika und seine Bürger sieht, trifft seine Entscheidungen von seiner Ideologie und der Hoffnung auf einen erneuten Wahlsieg geleitet. Raisuli ist ein Mann der Natur und ein Krieger, der sich in vorderster Reihe ins Gefecht stürzt. Letzten Endes gibt es zwischen den beiden Männern weder einen Gewinner noch einen Verlierer, stattdessen gibt es ein versöhnliches Finale. Filmisch wandelt „Der Wind und der Löwe“ auf den Pfaden berühmter Abenteuerklassiker wie „Lawrence von Arabien“ und vermittelt durchweg eine sehr nostalgische Stimmung. Trotzdem schafft es Milius, auch zeitgenössische Strömungen aufzugreifen wie z.B. bei der letzten Konfrontation, die stark an eine ähnliche Szene aus Peckinpahs „The Wild Bunch“ erinnert. Opulent ausgestattet und in der kargen spanischen Landschaft gedreht erinnert der Film an die großen Leinwandepen des Golden Age. Doch Milius beweist nicht nur, dass er sich in der wieder zum Leben erweckten Materie bestens auskennt, auch sein Talent für furiose Actionszenen beschert dem Zuschauer äußerst rasante und explosive Gefechte. Ob Mann gegen Mann, der Dynamit-geladene Schlusskampf oder die spektakuläre Entführung der Perdicaris’ – den famos gefilmten und geschnittenen Actionszenen geht niemals die Puste aus. Nicht nur filmisch, auch darstellerisch kann „Der Wind und der Löwe“ voll und ganz überzeugen. Sean Connery ist eine ideale Besetzung für Raisuli, den noblen Anführer eines Berberstammes und auch Candice Bergen füllt die Rolle der entführten Witwe voll und ganz aus. Ihre aggressiven Ausbrüche gegenüber den Entführern sowie ihr intensives Spiel in melancholischen Szenen lassen die Empfindungen der Frau und Mutter voll und ganz nachvollziehen. Brian Keith ist nicht nur optisch eine treffende Besetzung für Theodore Roosevelt, er schafft es zusätzlich, die schmale Gratwanderung zwischen aufgeblähter Aufschneiderei und ideologischem Optimismus ohne peinliche Übertreibung zu vollziehen. Insgesamt ist „Der Wind und der Löwe“ ohne Zweifel auch heute noch einer der sehenswertesten Abenteuerfilme, die nach dem Ende des Golden Age entstanden sind. „Der Wind und der Löwe“ war der erste Breitwandabenteuerfilm, den Jerry Goldsmith vertonen sollte. Mitte der 70er Jahre steuerte der Komponist zielstrebig auf den Höhepunkt seiner Karriere zu, der sich von den späten Siebzigern bis zu den frühen Achtzigern erstrecken sollte. Auch die Musik zu John Milius’ Wüstenabenteuer gehört zu den herausragenden Arbeiten Jerry Goldsmiths, der sich hier deutlich an den schwelgerischen Musiken eines Maurice Jarre orientiert, aber dennoch seinen eigenen modernistischen und zurückgenommenen Stilismen treu bleibt. „Der Wind und der Löwe“ als orchestrale Abenteuermusik zu bezeichnen, wäre etwas zu kurz gegriffen, denn neben mehreren exotischen Soloinstrumenten wie der Oud und der griechischen Bouzoucki verfügte der Komponist über eine äußerst vielseitig bestückte Schlagwerkgruppe, die nicht selten die Führung übernimmt. „Der Wind und der Löwe“ ist durch mehrere Leitmotive strukturiert. Wie in mehreren späteren Partituren spielt auch in dieser Musik die Quinte eine wichtige Rolle. Dieses archaisch und nackt wirkende Intervall findet bei Goldsmith stets in Zusammenhang mit kriegerischen Elementen wie den Klingonen in „Star Trek“ oder den tapferen Helden in „Der erste Ritter“ auf. In „Der Wind und der Löwe“ taucht die Quinte stets als Rufmotiv in den Hörnern über kräftige Schlagwerkattacken auf und verbindet die beiden Themen der Antagonisten Raisuli und Roosevelt. Während der Berberführer mit einem heroischen Thema bedacht wird, das entweder als kräftige Melodie der Trompeten erklingt oder sanft von den Streichern oder Holzbläsern gespielt wird, so ist das Thema für Roosevelt von sanfterer und gediegenerer Natur. Beide musikalische Signaturen beginnen mit der Quinte und stellen so die Gemeinsamkeiten der beiden Männer heraus. Der Witwe Perdicaris ist kein eigenständiges Leitmotiv zugedacht, doch wenn ab der zweiten Hälfte des Films die Gefühle der Frau zu Raisuli erwachen, führt Goldsmith ein Liebesthema ein, das wie so oft bei diesem Komponisten mehr ein inniges und sanftes Gefühl als überromantisierte Schwelgereien musikalisch widerspiegelt. Von melodischer Schlichtheit erklingt das Liebesthema als Solo der Holzbläser oder sanft in den Streichern, aber niemals ausufernd oder in vollem Orchestertutti. Den Kriegern des Berberstammes sind gleich zwei Themen zugeordnet: Ein orientalisches Actionthema, das während der Kampfszenen in den Violinen erklingt und von der für orientalische Skalen typischen übermäßigen Sekunde geprägt sowie eine weitere Melodie für das alltägliche Leben der Araber. Die verschiedenen Armeen bedachte Goldsmith mit bedrohlichen Marschmotiven des Schlagwerks, das vor dem Finale beim Aufeinandertreffen der einzelnen Nationen stark an Fieldings Musik zu „The Wild Bunch“ erinnert – eine Hommage, die sich in der gesamten Gestaltung der Szene von selbst erklärt. Auch die erste Actionmusik wird allein von der Perkussion bestritten: Hämmernde Metallschläge und sich überlappende binäre und ternäre Rhythmen verleihen den virtuosen Actionszenen eine zusätzliche Rohheit. Doch nicht nur beim Einsatz des Schlagzeugs stellt Jerry Goldsmith seine Kenntnisse über alternative Spieltechniken unter Beweis. Insbesondere die Wüstenszenarien waren für den Komponisten eine gute Möglichkeit, diverse alternative Spieltechniken einzusetzen. So erklingen zerrissene Motivfetzen der Piccoloflöte über vierteltönig gestimmte Fagotte und nach dem Anschlag in Wasser getauchte Glocken während der Morgenstimmung um Berberlager, sorgen über den Klavierkasten gezogene Gummibälle für morbide Klänge oder bildet die Windmaschine zusammen mit dem Becken schon fast einen sprechenden Chor. Für eine kommerzielle Veröffentlichung spielte Jerry Goldsmith gut die Hälfte der Musik neu ein und nahm wie gewöhnlich einige Veränderungen in der Partitur vor. Diese LP-Version wurde von Intrada auf CD veröffentlicht, war aber bald vergriffen, sodass „Der Wind und der Löwe“ zu einer sehr kostspieligen Investition wurde. 2008 jedoch veröffentlichte Intrada mit der Unterstützung Lukas Kendalls die vollständige Originaleinspielung, die LP-Aufnahme und sämtliche Source-Stücke auf einem 2-CD-Set, das keine Wünsche mehr offen lässt. Die sehr ausführlichen Informationen des prall gefüllten Booklets enthalten neben genauen Angaben zu Film, der Instrumentation und der Musik allgemein einen detaillierten Hörführer durch die Musik. Dieses Set ist also ein Muss für Goldsmith-Fans und Freunde der Abenteuermusik!
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Das ist korrekt. Stattdessen habe ich mich konsequent durch Goldsmith gearbeitet und dabei auch CDs geöffnet, die ich mir vor zwei bis vier Jahren angeschafft habe. An einige davon wäre ich heute aber nicht mehr so leicht gekommen wie damals ("Lionheart") und daher war es gut, die CD gekauft zu haben, auch wenn sie vier Jahre im Schrank stand, während ich mich durch viele LPs, die ich geschenkt bekommen habe, Havergal Brian, Vaughan Williams und andere gehört habe. Und genau so verfahre ich mit den CDs, die ich dieses Jahr angeschafft habe, denn dann werde ich wahrscheinlich froh sein, "John Carter" als propere CD zu haben, ebenso "Die Hard" 1-3 oder "The Boy who could fly".
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Und genau das mache ich andersrum. Ich habe bisher noch nicht Buch geführt, kann aber sagen, dass ich deutlich mehr als 120 CDs dieses Jahr erworben habe (rund 240 sind es allein im Bereich der E-Musik gewesen). Natürlich könnte man das als Völlerei oder unersättlichen Konsum bezeichnen - insbesondere wenn man bedenkt, dass ich nur drei Alben, die ich mir dieses Jahr gekauft habe, auch ausgepackt und gehört habe. Dennoch habe ich einen großen Teil meiner Freizeit vor dem CD-Spieler verbracht - mit Jerry Goldsmith. Es ist nicht so, dass ich CDs kaufe und sie dann als Schmuckstück ins Regal stelle, zumindest nicht für immer. Wenn ich eine CD auspacke und höre, dann geschieht das auch mehrmals. Oft im Zusammenhang mit bereits von mir gehörten CD zum Vergleich etc. Kaufe ich also eine Aufnahme der Chopin-Balladen, dann höre ich sie vier bis fünfmal, aber zusätzlich auch die Aufnahmen der Balladen, die ich schon habe. Wenn also ein Paket mit drei bis vier CDs kommt, sitze ich schonmal drei bis fünf Tage an einer - sprich einen Monat - am ganzen Paket. Natürlich kommen aber in der Zeit noch weitere CDs rein, die dann erstmal auf die Wartebank müssen. Vor ungefähr vier Jahren habe ich mir "Lionheart" von Jerry Goldsmith gekauft, die ich aber erst letzten Monat geöffnet habe. Ich habe absolut kein Problem damit, CDs ungehört über mehrere Jahre "reifen" zu lassen, denn wir wissen alle, dass dieses Medium vom Aussterben bedroht ist. Und in 20 Jahren, wenn ich mir kaum Musik kaufen kann, weil alles nur noch in seelenlosen Downloads verfügbar ist, werde ich mich Tag für Tag an meinen gefüllten CD-Schränken erfreuen.
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So, Kinder, jetzt aber mal was weihnachtliches : Vier Miezen in hundsmiserabler, pseudospaciger Kulisse inklusive Silberpapier als Schneeflocken...Herz, was willst Du mehr?
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Ich höre gerade folgendes Album...(Teil 2)
Mephisto antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Das eine hat mit dem Anderen nichts zu tun. Sich darüber zu beschweren, dass "Ivanhoe" nicht ganz an "Ben Hur" heranreicht, ist ohnehin jammern auf hohem Niveau. Außerdem ist "Ivanhoe" wesentlich "kompakter" als die anderen beiden. Was ich für die Orchestrierung als weniger vorteilhaft empfinde, ist natürlich für einen besseren Hörfluss geeignet. -
Ich höre gerade folgendes Album...(Teil 2)
Mephisto antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Rozsa bezeichnete "Ben Hur" selbst als seinen filmmusikalisch größten Wurf - zu Recht, meiner Meinung nach, denn neben dem äußerst versierten Umgang mit Leitmotiven besticht Rozsa durch eine sehr eloquente Harmonik, eine vielfarbige Instrumentierung und raffinierte Kontrapunkte. "King of Kings" ist "Ben Hur" fast ebenbürtig und wird von mir sehr gemocht, weil er in dieselbe Kerbe wie "Ben Hur" schlägt, aber unbekannter und dadurch etwas "frischer" wirkt. "Ivanhoe" bewegt sich zwar ebenfalls auf hohem Niveau und besticht besonders durch die fundiert recherchierte Themengestaltung, allerdings übertreibt es Rozsa meiner Meinung nach etwas mit seinem "archaischen" Stil, der in den oben genannten Bibelepen mit einer gewissen Eleganz gehandhabt wurde, sich hier aber in äußerst blockhafter Orchestrierung und teils spärlicherer Harmonik äußerst. Vielleicht waren es solch sakrale Elemente um Jesus, die Rozsa in "Ben Hur" und "König der Könige" ermöglicht, in seinem schmetternden und kraftvollen Orchesterbombast immer mal ein paar sanftere Passagen einzuschieben, die es zwar auch in "Ivanhoe" gibt, aber stets in der klischeehaft quintgefüllten "Mittelalter"-Harmonik. -
Naja, vielleicht wandert dieses Set ja doch nochmal in meine Sammlung. Danke für die Eindrücke. Die Schmetterlingshüllen sind halt extrem empfindlich. Da purzeln dann auch gerne mal die CDs raus
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- La-La Land Records
- Alexander Courage
- (und 7 weitere)
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In diesem Jahr hat sich eine Generation fast vollständig verabschiedet. Hans Werner Henze, der wahrscheinlich letzte Expressionist und bedeutendste deutsche Komponist der Nachkriegsgeneration Elliot Carter mit 106 Jahren, der sogar noch bei Gustav Holst Unterricht hatte und somit eine Brücke in eine längst vergangene Zeit bildete Theo Brandmüller, ebenfalls deutscher Komponist, der mit 64 viel zu früh von uns gegangen ist und auch Dave Brubeck sowie Galina Pawlowna Wischnewskaja, eine der bedeutendsten Sopranistin des 20. Jahrhunderts und Dietrich Fischer-Dieskau, einer der bedeutendsten deutschen Sänger und jemand, der meine Kindheit geprägt hat: Herbert Lom! Mögen sie alle in Frieden ruhen.
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Die Mumie 1290 v. Chr. Befindet sich das ägyptische Reich unter der Herrschaft des Pharaos Setos I., der in der „Stadt der Lebenden“ regiert und dessen Geliebte, Anck-Su-Namun, eine Affäre mit dem Hohepriester Imhotep beginnt. Eines Nachts stört der Pharao mit seinen Soldaten die beiden Liebenden und Anck-Su-Namun begeht Selbstmord, um Imhotep zur Flucht zu verhelfen, denn sie weiß, dass dieser sie wieder auferstehen lassen kann. Also bricht Imhotep mit seiner Garde wenig später in die Gruft der Toten ein, stiehlt ihre Leiche und beginnt in der „Stadt der Toten“ das Ritual. Doch erneut werden sie von den Männern des Pharaos überrascht, das Ritual kann nicht vollendet werden und erneut stirbt Anck-Su-Namun vor Imhoteps Augen, der lebendig mumifiziert und mit dem Hom-Dai-Fluch belegt wird, der besagt, dass, sollte der Hohepriester wieder erweckt werden, er die zehn biblischen Plagen über das Landbringen würden, die Ägypten bereits einmal heimsuchten. 1926 stiehlt der britische Missionar Jonathan Carnahan dem Amerikaner Rick O’Connell ein achteckiges Artefakt. O’Connel kämpfte drei Jahre zuvor in der französischen Fremdenlegion auf dem Boden, auf dem sich einst Hamunaptra befand, gegen ein Beduinenvolk und ging als einziger Überlebender aus der Schlacht hervor. Das Fundstück entdeckte er bei seinem Marsch durch die Wüste. Carnahans Schwester Evelyn arbeitet in Kairo im Altertumsmuseum und stellt fest, dass das Artefakt eine Karte enthält, die den Weg nach Hamunaptra weist, in deren noch existierenden Gängen sich Schätze von unvorstellbaren Wert befinden. Da die Karte aber einem Missgeschick des Museumsleiters zum Opfer fällt, suchen die Geschwister O’Connell auf, um zu erfahren, woher das Fundstück stammt. Sie finden O’Connell im örtlichen Gefängnis und Evelyn gelingt es, den zum Tode verurteilten vom Galgen zu befreien, da sie dem Gefängnisleiter einen Anteil an den Schätzen verspricht. So machen sich die vier auf in die Wüste, um die „Stadt der Toten“ zu finden und müssen sich außerdem gegen amerikanische Archäologen behaupten, die ebenfalls nach Hamunaptra suchen. Nachdem sie die Ruinen der alten Stadt erreicht haben, begeben sich die vier in die Gruften, wo sie einen Sarkophag aufbrechen, in dem sich Imhoteps Mumie befindet. Schon bald wird klar, dass es sich dabei um Imhotep handelt, der sich erneut auf die Suche nach seiner Geliebten macht und das Land in Tod und Verderben zu stürzen beginnt… In den 90er Jahren schlugen viele Wiederbelebungsversuche alter Genres wie „Die Piratenbraut“ und „Der erste Ritter“ fehl, bis man um die Jahrtausendwende mit einer weniger ernsten Herangehensweise wieder Sparten des Golden Age in neuem Gewand auf die Leinwand brachte. Der Vorläufer zu den überaus erfolgreichen „Fluch-der-Karibik“-Filmen oder den beiden Kinoabenteuern Zorros ist Stephen Sommers’ „Die Mumie“. Allerdings entscheidet sich das in den 20er Jahren angesiedelte Spektakel deutlich von den vorher genannten Filmen, denn während zumindest die letzten drei Teile der „Fluch der Karibik“-Reihe und insbesondere „Die Abenteuer des Zorro“ das Genre des Abenteuerfilms ironisch brechen und parodistisch auf die Schippe nehmen, entsteht der Humor in „Die Mumie“ hauptsächlich aus dem Genre selbst, ohne sich darüber prätentiös lustig zu machen. Wie gewohnt wird bei Sommers auch in „Die Mumie“ mehr geklotzt denn gekleckert. Übertriebene Fechtkämpfe mit Skeletten, Araber-Zombis, durch die sich die Helden möglichst brutal eine Schneise mit einem Auto schlagen, biblische Plagen und Skeletthände, die aus dem Wüstensand geschossen kommen: Sommers lässt kein Klischee aus und hat sichtlich Freude daran, sämtliche Zutaten des klassischen Abenteuerfilms zu einem äußerst temporeichen Straßenfeger zu verschmelzen. Dabei ist „Die Mumie“ in allererster Linie ein Actionfilm, der mit allerhand spekatkulärer Gefechte und Schießereien aufwartet, wie der feurigen Flussfahrt auf dem Nil oder der dem Prolog folgenden Schlacht in den Ruinen von Hamunaptra. Äußerst rasant inszeniert, elegant geschnitten und fotografiert hat der Film somit auch überdurchschnittliches Handwerk zu bieten. Nur die digitalen Effekte sind alles andere als gut gealtert. Neben den typischen Schauplätzen wie längst vergessen Gruften, Ruinen alter Städte und orientalischer Städte sind sämtliche Figuren reine Klischees, wobei Sommers vor der übertriebenen Darstellung alter Vorteile zu keinem Zeitpunkt halt macht. Ob Amerikaner, Engländer, Araber oder Agypter – hier bekommen alle ihr Fett weg. Als draufgängerischer O’Connel überzeugt Brendan Fraser, der sichtlich Spaß an seiner Rolle sowie seinen übercoolen Sprüchen hat und diese mit übertriebener Mimik zu charakterisieren. Rachel Weisz’ Rolle der Evelyn könnte so auch direkt aus einem Golden Age Film stammen, denn sie hat nichts anderes zu tun, als hübsch auszusehen (was ihr in der Tat gelingt), ihre Augen aufzureißen, um Hilfe zu rufen und gerettet zu werden. John Hannah spielt einen herrlich überzogen britischen John Carnahan und Arnold Vosloo brilliert in der Rolle als tragischer Bösewicht und verfluchter Hohepriester Imhotep. Insgesamt ist „Die Mumie“ also ein brillanter Abenteuerfilm, der aufgesetzt Parodie nicht nötig hat und durch die Liebe zum Genre durchgängig famos unterhält. „Die Mumie“ war die zweite und letzte Kollaboration von Stephen Sommers und Jerry Goldsmith, für den sich die Arbeit an der Musik zu einer wahren Stresssituation entpuppte. Im Gegensatz zu dem ersten gemeinsamen Projekt der beiden – „Deep Rising“ – war Goldsmith zudem auch wenig begeistert von dem Film und bezeichnete „Die Mumie“ in einem Interview sogar als „piece of crap“. Das lässt die Musik allerdings nicht vermuten, denn die zählt zu den besten Arbeiten des Hollywoodveteranen. Innerhalb von knapp zwei Wochen komponierte Jerry Goldsmith mit einem groß besetzten Orchester, exotischen Soloinstrumenten, einigen elektronischen Hilfsmitteln und einem Chor eine große und kräftige Abenteuerpartitur, die Sommers’ Bilder ansprechend unterlegt. Dabei schadet zu keinem Zeitpunkt, dass hier alle vorstellbaren orientalischen Musikklischees voll ausgekostet werden, denn wenn Goldsmith zu den Bildern des antiken Ägyptens die Posaunen eine mit einer übermäßigen Sekunde verfeinerten Skala schmettern lassen, einzelne Töne der Oud die flirrende Wüstenhitze einfangen und hektische Xylophonläufe die Skelettarmeen in den Kampf schicken, deckt sich diese stereotype Herangehensweise mit Sommers’ stark von Hommagen gekennzeichneten Bildsprache. Goldsmiths handwerkliches Können und sein versierter Umgang mit dem Orchester tragen maßgeblich zum Hörgenuss bei. Doch nicht nur klangliche Masse, auch eine Fülle von Leitmotiven sorgt für gehörige Abwechslung. Den zentralen Platz nimmt natürlich das Liebesthema ein, eine sanfte und lyrische Melodie, die mit ihrem aufstrebenden Charakter die jugendliche Zuversicht Evelyns sowie den optimistischen Charakter O’Connells musikalisch widerspiegelt. Meistens über sanfte Streicherteppiche von der Flöte oder Oboe intoniert, erklingt diese Melodie auch als schwelgerisches Thema der Violinen oder als kräftiges Abenteuerthema in den Hörnern. Das musikalische Gegenstück bildet eine ab- und wieder aufsteigende Skala, die mit der übermäßigen Sekunde sofort Assoziationen mit orientalischen Schauplätzen wachruft und für die mystische Vergangenheit Ägyptens steht. Für Imhotep griff Goldsmith zusätzlich auf eine von ihm in den 90er Jahren favorisierte Idee zurück: Posaunenglissandi. Während sie aufsteigend im „13ten Krieger“ die Wendol repräsentierten, so erklingen sie nun bedrohlich absteigend. Auch neben diesen leitmotivischen Ideen komponierte mehrere herausragende Stücke wie die kraftvolle Musik zu dem Wüstenritt, die einer mit Chor garnierten, weitschweifigen Melodie unterlegt wird oder die schauderhaften Rituale des alten Ägyptens, für die der Komponist mit einige sehr mystische Minuten schrieb. Im Fokus steht allerdings wie auch beim Film die Action, in der sich Goldsmith zumeist auf die Kraft seines Orchesters besetzt. Hämmerndes Schlagwerk, gehetzte Streicher und treibende Bläserrhythmen sorgen für immer neue musikalische Achterbahnfahrten, denen nie die Puste ausgeht. Da die Actionpassagen oftmals auf thematischem Material fußen, sind sie selten so gradlinig und ökonomisch wie die zur gleichen Zeit entstandenen stark von Ostinati geprägten Actionmusiken zu den in der Gegenwart angesiedelten Thrillern. Zum Filmstart veröffentlichte DECCA ein CD-Album mit fast einer Stunde Laufzeit, das alle wichtigen Elemente der Musik in klarer Klangqualität abdeckt. Mit der DVD-Veröffentlichung, die zumindest in Amerika über eine isolierte Tonspur verfügt, erschienen schnell die ersten 2-CD-Bootlegs mit der vollständigen Musik. Die gepresste Doppel-CD des Fantasylabels „Egyptian Enterprises“, das zudem auch unveröffentlichte Musik zu „Die Mumie kehrt zurück“ und „The Scorpion King“ enthält, dürfte zu den populärsten Bootlegs dieser Musik zählen, ist klanglich allerdings schlechter als die kommerzielle Veröffentlichung geraten, da eindeutig die DVD als Quelle dient. Außerdem kommen bei rund 90 Minuten Laufzeit der kompletten Musik deutliche Längen auf – insbesondere während der vielen Suspense-Stücke in der Mitte des Films, sodass die DECCA-CD eine rundum gelungene Album-Version ist, die keine Wünsche offen lässt. Das tut die Musik auch nicht, denn Fans großer Abenteuermusik kommen bei Goldsmiths „Die Mumie“ voll und ganz auf ihre Kosten.
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Soundtrack CDs: Chronologische Filmreihenfolge
Mephisto antwortete auf BigMacGyvers Thema in Filmmusik Diskussion
Auf Souchaks Wunsch gibt's hier einmal die Filmreihenfolge von Goldsmiths "The Sum of all Fears": 02 The Mission 03 The Bomb 07 The Deal 04 That went well 12 Deserted Lab 08 Changes 05 Clear the Stadium 13 Real Time 10 His Name is Olson 09 Snap Count 14 How Close? 15 The Same Air -
Habe heute noch einmal mein Donaueschingen-Erlebnis Oktober 2012 revue passieren lassen, indem ich das Konzert mit dem Nadar Ensemble auf der SWR-Seite nochmal ansah. Der belgische Komponist Stefan Prins beleuchtete in seinem Stück "Generation Kill" die heutige kriegerische Situation, in der ein Angriff aus der Ferne, quasi per Joystick ausgeführt wird. Diese Situation wird auf das Ensemble übertragen, das sich gegenseitig mit Spielkonsolen steuert (die Musiker werden aufgenommen und auf eine Leinwand vor ihnen projeziert. Mit diesen Aufnahmen "arbeiten" die "Spieler"). Das Ganze schlägt dann in einen Drohnenangriff um. Natürlich ist das nicht besonders witzig, aber hört mal hin, was da einer bei 29:25 macht, bevor der Applaus einsetzt... http://www.swr.de/donaueschingen Das Video findet sich am unteren Ende der Website, betitelt mit "Konzert mit dem Nadar Ensemble".
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Ich höre gerade folgendes Album...(Teil 2)
Mephisto antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Also die Musik ist zu über 80% auf der CD vertreten. Die Filmreihenfolge habe ich mir am 1.1. dieses Jahr bei der Sichtung notiert und kann die gerne heute nachmittag im entsprechenden Thread reinstellen. Ein großs Problem ist meiner Meinung nach, dass die einzelnen Stücke sehr alleinstehend sind. Neben recht antsprechender CIA-Musik, einigen Action und Suspense-Passagen gibt es auch diverse Klischee-Orient-Stückchen und Russennummern, die zwar alle für sich sehr nett anzuhören sind, auf der CD fehlt Golsmith allerdings eine musikalische Verbindung, sodass man teilweise wirklich das Gefühl hat, durcheinander nicht verwendete Stücke aus "Air Force One", "Die Mumie" und "US Marshals" zu hören. Die Songs machen das natürlich nicht besser. Dass die Musik reines Stückwerk ist, fällt im Film negativ nicht auf, auf CD hat das allerdings einen gravierenden Nachteil. -
Ich höre gerade folgendes Album...(Teil 2)
Mephisto antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Ist er auch nicht -
Der absolute Hammer: Goldsmith, Rosenman, abgelehnte Filmmusik auf einer CD! Geht's besser? (Aus Spaß werde ich mir dann aus meiner Sammlung noch eine CD mit den Originalaufnahmen zusammenstellen und eine "Deluxe Ultimate Private Edition" brutzeln - weil ich's kann)
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- Intrada
- Leonard Rosenman
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(und 1 weiterer)
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Veröffentlichung Intrada veröffentlicht HOOSIERS von Jerry Goldsmith
Mephisto antwortete auf BigBears Thema in Scores & Veröffentlichungen
Ich konnte mich mit "Hoosiers" nie anfreunden. Viel zu viel Elektronik bei einem doch so groß besetzten Orchester. Besonders schlimm im Finale, die er die plastikhaften Hornsynthies über die echte Horngruppe legt - warum? Naja, CD wird trotzdem angeschafft, weil ich die Musik bisher nur auf der bösen Dopplung mit "Gladiator" habe... -
Natürlich sollte man sich allumfassend mit der Materie auseinander setzen, insbesondere bei Filmmusik. Allerdings ist es nicht nur der Klang. Die Synths in "Logan's Run" und "Illustrated Man" sind noch viel älter und "schraddeliger" (danke, ronin) als die in "Under Fire", aber sie passen in's Konzept und sind zudem musikalisch vielschichtig verwendet worden. In "Under Fire" haben die Synths bis auf ein Konzept, das schlichtweg nicht funktioniert, keine Daseinsberechtigung - insbesondere wenn man bedenkt, dass Goldsmith stets betont hat, Synths nicht als Orchesterersatz zu verwenden. Es gibt viel Musik, die ich vom Klang nicht mag, aber der ich ohne jedes Problem ihre Genialität anerkennen. Dazu gehören mehrere Symphonien Haydns und Mozarts und viele Werke von Bach. Bei "Under Fire" ist allerdings die Hoffnung auf eine Versöhnung verloren. Soweit ich weiß, ist es nicht nur "sampeln", wenn man etwas rein elektronisch erzegt. Mit Samples können auch akustisch eingespielte Elemente gemeint sein, wie eben diese drei Chöre, deren Potential meiner Ansicht nach verschenkt wurde. Man hat die einmal rufen lassen und das dann zu einem elektronischen Hauchen verzerrt, was man als Sample verwendet hat. Du hast Recht: Ich persönlich kann mit diesem kratzigen Geräusch über erhabene Hornmelodien nichts anfangen. Ich frage mich allerdings auch (wie in "Medicine Man", warum man auf elektronische Samples zurück greifen musste, obwohl man echte Musiker vor sich hat. Das frage ich mich auch bei den digitalen Klavieren oder E-Tomtoms in "Basic Instinct" ("Roxy loses"), obwohl ich da weder mit der Komposition an sich oder dem Klangergebnis ein Problem habe.
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The Edge - Auf Messers Schneide - Rivalen am Abgrund Charles Morse hat ein fotografisches Gedächtnis und dieses sein Leben lang ausgiebig genutzt. Fast jede Sekunde seiner Freizeit in Bücher vertieft, baute er mit seinem Intellekt und seiner logischen und überlegten Denkweise ein Unternehmen auf, mit dem er Billionen verdiente. Sein Glück fand der Billionär schließlich in der jüngeren und äußerst attraktiven Mickey, die bald seine Ehefrau wurde. Mickey arbeitet als Fotomodell und wird oft vom ehrgeizigen Fotografen Robert Green abgelichtet. An Charles Geburtstag ist ein Fotoshooting in Nordamerika mit Mickey geplant, die mit einem männlichen Modell vor der wilden und unberührten Natur posieren soll, in der sich die Holzhütte befindet, die Charles, Mickey, Robert und Stephen als Quartier dient. Styles, der Besitzer der Hütte, warnt seine Gäste vor wilden Bären in der Umgebung. Die Gruppe wartet vergebens auf Mickeys männlichen Kollegen, der allerdings wegen schwerer Krankheit absagt. Robert Green entdeckt in der Hütte das Foto eines Indianers, einem Bekannten von Styles, den dieser ein Jahr zuvor abgelichtet hatte und ist begeistert von der Ausstrahlung des Ureinwohners, der sich gerade im Wald auf Bärenjagd befindet. Er beschließt, den Indianer aufzusuchen und zum Fotoshoot mit Mickey zu überreden, sodass sich bald der Fotograf mit seinem Assistenten und Charles in dessen Privatjet auf den Weg zur Hütte des Bärenjägers begeben. Auf dem Flug kollidiert das Flugzeug allerdings mit einem aus dem Nichts auftauchenden Vogelschwarm und stürzt ins Wasser. Der Pilot stirbt, Robert gelangt schnell an die Wasseroberfläche und Stephen kann von Charles im letzten Moment vor dem Ertrinken gerettet werden. Völlig alleine in der Wildnis und ohne Ausrüstung, beginnen Green und sein Assistent bald zu verzweifeln während Morse sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und sein enzyklopädisches Wissen nutzt, die Orientierung wieder zu finden und möglichst schnell Pläne zu entwerfen, wie die drei Männer zurück zur Hütte gelangen können, bevor der kalte Winter einsetzt, der in wenigen Tagen hereinbrechen wird. Durch einen selbstgebauten Kompass Mores schöpfen die Männer Hoffnung und machen sich auf den Weg, doch schnell merken sie, dass ihnen ein ausgewachsener Bär auf der Fersen ist. Ohne jede Waffen, Nahrung oder angemessener Kleidung beginnt für die Männer ein Kampf ums nackte Überleben... Der innerhalb von vier Monaten in Alberti und British Columbia gedrehte "The Edge" ist ein äußerst unterhaltsamer Abenteuerfilm, der von der prächtigen Naturkulisse, engagierten Schauspielern (inklusive des Bären), einer interessanten Figurenkonstallation und packender Actionszenen profitiert. Die Gewichtung von menschlichen Schicksalen und furioser Kampfszenen mit dem Bären hält sich dabei gekonnt die Waage. Interessanterweise weicht dieser Film ein altes Klischee gekonnt auf: Charles Morse ist reich und hat eine jüngere Frau. Dennoch ist er nicht der typische reiche Sack, sondern der größte Sympathierträger des Films. Erfreulicherweise wird nicht erwähnt, was für ein Unternehmen ihm überhaupt gehört. Dennoch ist man sich sicher, dass er sich sein Vermögen mit Fleiß und Intelligenz erarbeitet hat. Auch wenn "The Edge" im Grunde ein oberflächlicher Abenteuerfilm ist, der keine großen philosophischen Ansprüche erfüllen will und sich der Spannung einer Extremsituation bedient, lassen sich dennoch mehrere Elemente des alltäglichen Lebens ausfindig machen und im besten Falle übertragen. Es bringt schließlich nichts, den Kopf zu verlieren und sich verzweifelt auf den Boden zu werfen, um in der Nacht an Erschöpfung zu sterben. Abstand zur eigenen Situation nehmen, sie sich erklären und Lösungswege suchen sind der bessere, produktivere und richtige Ansatz, den Morse in jeder Minute verkörpert. "The Edge" funktioniert vielleicht gerade deswegen so gut, weil er überhaupt nicht mehr sein will als ein Unterhaltungsfilm und deswegen auch handwerklich durch die Bank beeindruckend inszeniert ist. Lee Tamahoris Inszenierung ergibt mit der herrlichen Kameraarbeit Donald McAlpines und dem stets im richtigen Tempo gesetzten Schnitt Neil Travis' eine atmosphärisch dichte Symbiose. Hervorragende Höhepunkte bilden auch die Kampfszenen mit dem Bären. Nie zu kurz oder zu lang, hervorragend geschnitten und grandios in Szene gesetzt, krallt man sich hier in die Sitzlehnen. Die Hauptdarsteller sind alle treffend besetzt. Nachdem Dustin Hoffman, Harrison Ford und Robert DeNiro die Rolle Mores abgelehnt haben, erwies sich Anthony Hopkins als wahrer Glücksfall für den Film. Er spielt die Rolle des allwissenden und sympathischen Superreichen scheinbar mühelos. Ihm ist Alec Baldwin in der Rolle des Fotografen Green an die Seite gestellt, der ebenfalls hervorragend spielt. Besonders bei den verzweifelten Ausbrüchen seines Charakters spornt sich Baldwin immer wieder zu Höchstleistungen an. Harold Perrineau Jr. ist als Assisstent Stephen leider nur Beiwerk, dessen Ende relativ vorhersehbar ist (nicht nur wegen der Hautfarbe - eins der ganz wenigen Mankos des Films, dass auch hier der Schwarze als Kanonenfutter dient). Elle MacPerson hat als Mickey nur wenig Leinwandpräsenz, nutzt diese allerdings voll aus und auch L. Q. Jones überzeugt voll und ganz als knorriger Blockhüttenbesitzer Styles. Insgesamt ist "The Edge" also ein äußerst sehenswerter Abenteuerfilm vor grandioser Landschaftskulisse. Vertont wurde "The Edge" von Hollywoodveteran Jerry Goldsmith, an den Regisseur Lee Tamahori einige Anweisungen gab. So verlangte Tamahori, dass die Musik rein akustisch und ohne jede Zuhilfenahme elektronischer Elemente eingespielt wird, sodass hier eine der wenigen rein orchestralen Partituren des Komponisten aus den letzten Jahren vorliegt. Außerdem bat Tamahori um ein ausschweifendes Haupthema, das die vielen üppigen Landschaftsaufnahmen angemessen vertonen konnte. Goldsmith befolgte bei Anweisungen und komponierte einen äußerst erfrischenden und detailreichen Abenteuerscore, der zu den Höhepunkten seines Spätwerkes gezählt werden kann, denn auch wenn die Musik an sich wie viele andere Kompositionen Goldsmiths aus dieser Zeit einen leicht routinierten Charakter hat, so bewies er im Umgang mit dem Orchester doch noch einigen Erfindungsreichtum. An "The Edge" kann man genau beobachten, dass die typischen elektronischen Elemente aus dem musikalischen Denken Komponisten nicht mehr wegzudenken waren und er somit versuchte, seine glockenhaften Synthies, die die Hauptthemen von "Sleeping with the Enemy" oder "Angie" schmückten, akustisch nachzuempfinden, indem er Klavier und Trompete in leichten Achtelgirlanden um das Orchester drapierte. Für bedrohliche Szenen griff Goldsmith auf alternative Spieltechniken der Streicher zurück und lässt zum Beispiel die Kontrabässe auf dem Steg spielen. Wie viele Filmmusiken des Komponisten ist auch "The Edge" monothematisch angelegt. Das Hauptthema ist - auf Wunsch des Regisseurs - eine große und bogenhafte Melodie, die meistens in moll erklingt und von den Hörnern über volle Orchesterbegleitung gespielt wird. Dieses Thema und seine Arrangements für die Landschaftsaufnahmen gehört zu den besten Einträgen in den späten Themenkatalog Goldsmiths und muss sich nicht hinter "Mulan" oder "Der erste Ritter" verstecken. Für die Bedrohung durch den Bären griff der Komponist auf einen Effekt zurück, den er auch in "Der 13te Krieger" und "Die Mumie" einsetzte, die in derselben Zeit entstanden: Schwere Posaunenglissandi vermitteln das Gefühl der drohenden Gefahr und fangen außerdem die Wirkung eines Tierlautes ein. In den Actionszenen verzichtet Goldsmith außerdem auf seine typischen Ostinato-Strukturen und bedient sich heftiger Ausbrüche des Orchesters und des Schlagwerks, das um einige exotische Elemente wie Congas bereichert ist und somit einen urigen Charakter mit sich bringt. RCA Victor veröffentlichte zum Filmstart ein 38 Minuten langes Album mit den Höhepunkten der Musik, das allerdings bald vergriffen war. 2010 veröffentlichte Lalaland Records die vollständige Musik plus drei Bonustitel als auf 3500 Stück limitierte Edition, die neben einem umfangreichen Begleitheft auch mit einer Verbesserung der Klangqualität aufwartet. Diese CD sei jedem ans Herz gelegt, denn Jerry Goldsmith schrieb für "The Edge" eine äußerst frische und teils raffinierte Partitur, sodass man sich wünscht, mehr Regisseure als Tamahori hätten ihm derartige Anweisungen gegeben.
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Wenn das wieder so ein faschistoider Mist wird, werde ich das ganz sicher boykottieren...wie die meisten dieser unnötigen, uninspirierten und überflüssigen Fortsetzungen!
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Bei Goldsmith gibt es nunmal Synthies und Synthies. Erlich gesagt, fällt mir kein weiterer Komponist ein, bei dem man den Elektronikeinsatz von Musik zu Musik stets so unterschiedlich einordnen und bewerten muss. Wer allgemein ein Problem mit elektroakustischen Effekten in einer Filmmusik Probleme hat, wird bei Jerry Goldsmith nur in sehr wenigen Fällen glücklich. Schließlich war der Komponist von Beginn an fasziniert von den Möglichkeiten der frühen (und späten) Synthesizer. Der "Ultravox"-Synthesizer in "Satan Bug" und "In Harm's Way" gehört zu den frühesten Geräten dieser Art, die Goldsmith für sich entdeckte. Dabei machte er mehrmals darauf aufmerksam, dass er seine Synthesizer nicht als Instrumentenersatz, sondern Ochestererweiterung verstünde. Ein schöner Gedanke, der in "Logan's Run", "Illustrated Man", "Mephisto Waltz", "Gremlins", "Leviathan", "Basic Instinct", "Looney Tunes" und weiteren sehr gut funktioniert. Dennoch hat mir Goldsmith viel z oft auf elektronische Elemente zurückgegriffen, obwohl man die erzeugten Klänge akustisch viel differenzierter hätte erzeugen können. Ein sehr schöner Beweis ist "The Edge", in dem er sogar vom Regisseur angewiesen wurde, auf seine Synthies zu verzichten. Hier erinnert sich Goldsmith dann seit langer Zeit wieder an alternative Spieltechniken der Streicher, interessante Schlagzeugeffekte und raffinierte Instrumentation der Bläser. Derartige Details wichen nämlich in den letzten 15 Jahren seines Schaffens stark den programmierten Samples. Manchmal gehörte es zum Konzept, Instrumente akustisch zu imitieren, um auf den Filminhalt aufmerksam zu machen. Die künstliche Orgel, Flöte etc. in "The 'Burbs" macht wunderbar deutlich, dass es sich hier nunmal nicht um "echtes" Militär, Horrorgestalten und Westernhelden handelt. Walgesänge in "Leviathan" kann man so schwerlich im Studio erzeugen, aber warum man die ganzen Quietscheffelte und das Drumset in "Gremlins 2" nicht akustisch in bester Disney-Tradition erzeugen konnte, ist mir schleierhaft und konnte ich mir bisher nur mit Faulheit und Bequemlichkeit erklären. Manchmal steht hinter solchen Dingen wie gesagt ein Konzept. Dieses lässt sich aber vom Rezipienten schwer erschließen, wie die völlig veralteten Synthies in "Under Fire", die mir regelmäßig die Freude an der Musik nehmen. Klar weiß ich, dass Goldsmith die Isolation der Journalisten in der fremden Umgebung durch den Unterschied zwischen Synthies und Orchester darstellen wollte, aber irgendwie funktioniert das nicht, denn es gelingt nicht, die Journalisten mit den elektronischen Elementen zu identifizieren, weil diese wie das Orchester südamerikanisch folkloristisch geprägte Stimmen spielen und sogar viele südamerikanische Instrumente imitieren. Wie soll man da auf amerikanische Journalisten schließen können? Für "Medicine Man" konnte ich keine Aussage zu dem Einsatz der Synthies finden und die völlig veralteten und billigen Klänge auch ästhetisch und konzeptionell nicht rechtfertigen. Insofern leider eine vertane Chance, denn gemessen an früheren Ausflügen in den Dschungel wie "High Velocity" hätte diese Musik ein großer Wurf werden können. Das Potential lässt sich in der thematischen Vielfält und einigen wenigen Momenten erkennen.
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Hier in Deutschland ist sie jedenfalls schlechter geworden. In Lübeck z.B. werden die Orchestermusiker schlechter bezahlt als Busfahrer (deren Gehalt im Gegensatz zu dem der Musiker bereits zweimal aufgestockt wurde). Allerdings müssen die froh sein, ihre Stelle noch zu haben, denn in diesem Jahr wurde wieder bundesweit viel zusammen gestrichen. Außerdem wurde eine Fusion beider Rundfunkorchester des WDR dieses Jahr beschlossen, die verheerende Auswirkungen auf das deutsche Musikleben haben kann, denn wenn man jetzt sogar bei staatlichen Institutionen den Rotstift ansetzt, wird man vor lokalen Einrichtungen noch weniger halt machen!
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Gern geschehen, Souchak! Weitere folgen Ich war bei Goldsmiths Plasikflöten zu Beginn doch leicht geschockt und irgendwie wurde die Musik bis zu "The Trees" nur mäßig besser. Ich musste mir die CD in drei bis vier Hördurchgängen erstmal von der Elektronik "freihören", bevor ich auch die Stärken der Musik erkannte, denn leider dominieren die Synths einfach zu sehr. Ärgerlich besonders deshalb, weil es eigentlich keinen Grund gibt, Panflöten und anderes exotisches Instrumentatium zu sampeln, wenn man sich auch andere südamerikanische Instrumente und ein Orchester leisten konnte. Bei mir wird die CD jedenfalls noch lange im Regal stehen, bis ich die mal wieder hervorhole.
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Medicine Man - Die letzten Tage von Eden Rae Crane ist eine äußerst intelligente und erfolgreiche Wissenschaftlerin, die mehrere Preise gewann und jetzt in New York für ein pharmazeutisches Unternehmen arbeitet, aber kaum über praktische Erfahrungen in der angewandten Wissenschaft verfügt. Das Unternehmen, für das Crane arbeitete, finanziert auch die Arbeit des Schotten Dr. Robert Campbell, der im Urwald von Amazonien bei einem Stamm Eingeborener lebt und seit Jahren Untersuchungen betreibt. Um die Ergebnisse seiner Forschung zu überprüfen, verlangt er nach einem Gaschromathographen. Da alle von Campbell angeforderten Assisstenten nicht verfügbar sind, wird Rae Crane von ihrer Firma zu dem eigenwilligen Schotten in den Dschungel geschickt. Bei dieser Gelegenheit soll sie gleich feststellen, ob die Untersuchungen des Wissenschaftlers weiter unterstützt werden sollten. Dieser ist über neue Kollegin alles andere als begeistert, weil er Crane für zu unerfahren hält. Die Frau darf allerdings bleiben, als sie ihm mitteilt, dass von ihren Beobachtungen die weitere Finanzierung von Campbells Projekt abhängt. Nach und nach offenbahrt er der skeptischen Wissenschaftlerin, dass er ein Mittel gegen Krebs gefunden hat, allerdings ist es ihm bis heute nicht gelungen, den Stoff zu rekonstruieren und somit zu verfielfältigen. Campbell beobachtete einst den Medizinmann des Stammes, wie er eine bestimmte Pflanze, die nur in einer gewissen Höhe auf den Bäumen wächst, erntete und auch ihm ist es gelungen, mit dem ersten Serum, das er aus dieser Pflanze gewann, eine Eingeborene zu kurieren. Sämtliche weiteren aus dieser Pflanze erstellten Medikamente blieben allerdings wirkungslos, weil ein bestimmtes Element innerhalb des Moleküls fehlt, dass er nun verzweifelt sucht. Dr. Crane bleibt skeptisch, sodass Campbell sie mit einen Versuch überzeugt: Quasi über nacht gelingt es ihm mit Hilfe des Serums, krebskranke Ratten mit einer Injektion des Medikaments zu heilen. Tatsächlich hat er Dr. Crane damit überzeugt, aber mittlerweile neigt sich der Vorrat des wirkungsvollen Serums bedenklich dem Ende zu. Die nächsten Tage verbringen die beiden Wissenschaftler mit den Eingeborenen damit, die Pflanze zu ernten und weitere Seren herzustellen, doch auch diese bleiben wirkungslos. Dann wird bei einem Jungen ein Tumor im Halsbereich festgestellt, der in den nächsten Tagen seine Luftröhre zu verschließen droht. Um ihn zu retten, müsste man den letzten Vorrat des wirksamen Medikaments opfern. Doch die Wissenschaftler kämpfen nicht nur gegen die Krankheit, sondern auch gegen Zerstörung: Ein Bauunternehmen arbeitet an einer Straße, die den Dschungel durchqueren und durch das Gebiet des Stammes verlaufen soll. Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt. Regisseur John McTiernan ist den meisten Cineasten wahrscheinlich durch Filme wie "Predator" oder "Stirb Langsam" als Action-Experte im Gedächtnis geblieben. In "Medicine Man" versuchte er sich allerdings einmal an einem völlig anders gelagerten Stoff. Auch wenn mit "Predator" bereits ein voriger Film McTiernans den Dschungel als wichtigen Schauplatz nutzte, so ist "Medicine Man" völlig anders gelagert. War der Urwald in "Predator" ein undurchdringliches und tödliches Labyrinth, so ist er hier ein Ort des Friedens, der Gemeinschaft; Heilung bringend und Tod besiegend. Allerdings bewegt sich der Film stets an der Oberfläche, zehrt von zweifellos schönen Naturaufnahmen des brasilianischen Dschungels und dem zwischenmenschlichen Verhältnis der beiden Protagonisten, deren Beziehung innerhalb der Filmhandlung einem starken Wandel unterzogen ist. Diese allerdings gradlinig stetig wachsende Anziehung zwischen Dr. Campbell und Dr. Crane ist zwar kitschfrei und recht bodenständig, dafür aber auch recht unspektakulär und vorhersehbar geraten. Immerhin stimmt die Chemie zwischen Sean Connery und Lorraine Bracco, die ihrer Darstellung wegen allerdings für die goldene Himbeere nominiert war. Die im Subtext ohne Frage mitschwingende ökologische Botschaft lässt ebenfalls den nötigen Nachdruck vermissen. Die Bedrohung des Urvolkes in Form der Vorrückenden Bauarbeiten und der mit einher ziehenden westlichen Zivilisation scheint letzten Endes keine Auswirkung für die Eingeborenen zu haben. Die ziehen nämlich in aller Seelenruhe ein paar Kilometer weiter in den Dschungel. Die Ironie, dass teils die für Campbells Finanzierung verantwortlichen Industriellen sich ins eigene Fleisch schneiden, indem sie nicht willig sind, die Bauarbeiten um wenige Tage zu verlegen, damit die ganze Welt den Krebs bekämpfen kann, bleibt traurigerweise nur eine Randnotiz. John McTiernan versteht sich auf atmosphärisch dichte Inzenierungen. Die klaustrophobische Stimmung in "Predator" oder die fast aussichtslose Situation John McClanes in "Stirb Langsam" waren durch eindrucksvolle Bilder und Klangkulissen treffend eingefangen. "Medicine Man" lässt all das leider vermissen. Stattdessen handelt es sich bei diesem Film um ein solides Urwald-Abenteuer, das zwar über seine Laufzeit zu unterhalten weiß. aber ohne jeden Nachklang verblasst, sobald der Abspann läuft. Auch wenn John McTiernan drei Mal mit Michael Kamen und zweimal mit Bill Conti zusammen arbeitete, so scheint es bei diesem Regisseur kaum einen Stammkomponisten zu geben. Als er 1992 "Medicine Man" drehte, hatte er bereits je einmal mit Bill Conti, Michael Kamen, Alan Silvestri und Basil Poledouris kollaboriert. "Medicine Man" wurde letzten Endes von Jerry Goldsmith vertont, der sich anfang der der 90er von seinem kreativen Tiefpunkt mit der wegweisenden Musik zu "Basic Instinct" langsam zu erholen schien und sich für die letzten zehn Jahre seines Schaffens auf sauber gearbeitete Routine mit einigen wenigen Höhepunkten einpendelte. In den 70er Jahren hatte der Komponist mehrfach Filmmusiken mit südamerikanischem Einschlag geschrieben wie "Cabo Clanco", "High Velocity" und "Breakout". Der Höhepunkt dieser Reihe dürfte "Under Fire sein", der zwar heute stark unter der veralteten Elektronik leidet, aber dennoch über eine Fülle an äußerst cantabilen Melodien mit südamerikanischen Einschlag verfügt und von dem brillanten Spiel Pat Methenys profitiert. "Medicine Man" war somit nach "Under Fire" die erste Filmmusik des Komponisten, die nach südamerikanischen Elemente verlangte. Für die Untermalung der weitschweifigen Aufnahmen des Dschungels und die darin statt findende Hadlung stand Jerry Goldsmith ein durchschnittlich besetztes Symphonieorchester zur Verfügung, dessen Klangkörper er - typisch für diese Zeit - mit einer Bandbreite elektronischer Effekte erweiterte. Die Musik ist traditionell durch mehrere Leitmotive strukturiert, von denen gleich zwei die Musik zum Vorspann bestreiten. Zum einen komponierte Goldsmith ein sehr fröhliches, klassisch südamerikanisch anmutendes Thema für die Eingeborenen, das mit verschiedenen Gitarren, Panflötensyamples und elektronischen Flötenklängen vorgetragen wird. Das Gegenstück bildet die Musik für die vorrückenden Bauarbeiten, die von einem elektronischem Fundament aus klassisch dumpf klingenden künstlichen Tomtoms und einem elektronischen Puls getragen wird. Auch das aus einer Linie aus langen Tönen bestehende Thema wird von einem Mischklang aus akustischen Holzbläsern und elektronischen Effekten zu Gehör gebracht und von einem Hornkontrapunkt flankiert. Neben einigen lateinamerikanisch folkloristischen Passagen tritt auch eine fast meditative Akkordfolge der Harfe in einigen nachdenklichen Augenblicken auf. Der Kern der Musik allerdings ist das Hauptthema, das für die Beziehung zwischen Crane und Campbell und die Schönheit der Natur steht. Hier komponierte Goldsmith eins der schönsten Themen seines Spätwerks, eine äußerst lyrische Melodie, die anmutig von den mittleren Streichern und Hörnern gespielt wird. Während Cambpells und Cranes ersten Ausflug in die Höhen des Regenwaldes schöpft Goldsmith dieses Thema in einem sechsminütigem Orchesterstück voll aus und treibt es von einem triumphalen Höhepunkt zum nächsten. Glücklicherweise kommt diese Passage fast vollständig ohne Elektronik aus, denn mit dieser hat es dieselbe Bewandnis wie mit den Synthesizern in "Under Fire" und anderen Filmmusiken des Komponisten. Sie sind hemmungslos veraltet, klingen billig und plastikhaft. Besonders die Vorspannmusik zu "Medicine Man" leidet unter dem steten Eletrkonikeinsatz wie auch mehrere andere Stücke, zumal sich die Musik nahezu vollständig hätte akustisch realisieren lassen, da Goldsmith ja einzelne Solosintrumente und ein voll besetztes Orchester zur Verfügung standen. Somit wird einem des Öfteren die Freude an dieser detailreichen und heiteren Musik merlich getrübt. Da diese in Europa aufgenommen wurde, war es Varèse Sarabande allerdings glücklicherweise möglich, die übliche Laufzeit von einer halben Stunde generös zu überschreiten, sodass bei dem Album mit 50 Minuten Laufzeit fast die vollständige Filmmusik in chronologischer Reihenfolge vorliegt. Der Hörgenuss dieser einfallsreichen Musik ist leider durch die veraltete Elektronik stark getrübt, aber die wundervollen sechs Minuten zu "The Trees" sind den Kauf alleine wert.
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The Ghost and the Darkness - Der Geist und die Dunkelheit Der britische Ingenieur John Patterson ist von dem afrikanischen Kontinent begeistert und fasziniert. Umso glücklicher wird er, als er 1898 von Sir Robert Beaumon beauftragt wird, in der britischen Kolonie eine Brücke über dem Fluss Tsavo zu errichten, die eine Eisenbahnlinie durch die Steppe ermöglicht und so die Grenzen der Kolonie verbindet. Pattison verabschiedet sich von seiner schwangeren Frau, der er verspricht noch vor Geburt des Kindes zurück zu kehren und macht sich auf die Reise. An der Baustelle trifft er den britischen Aufseher Angus Starling, der sich stets im Streit mit David Hawthorne, dem Doktor befindet sowie Samuel, einen afrikanischen Eingeborenen, der das Vertrauen aller Arbeiter genießt. In dem Lager herrscht allgemeine Spannung, die von den unterschiedlichen Religionen der Arbeiter herrührt. Außerdem wurden mehrere Menschen von einem Löwen attackiert, der nachts um das Lager herumschleicht. Schon in der ersten Nacht nach seiner Ankunft legt sich Pattison auf die Lauer und erlegt das Raubtier mit nur einem Schuss. Dadurch gewinnt er auf einen Schlag das Vertrauen sämtlicher Menschen auf der Baustelle, sodass die Arbeiten zügig und erfolgreich vorankommen. Eines Nachts jedoch wird Mahina, ein afrikanischer Vorarbeiter, nachts von einem Löwen aus seinem Zelt geschleift und in der Steppe zerfleischt. Jede Hilfe kommt zu spät. Tags darauf greift ein Löwe sogar mitten im Lager einen Arbeiter an. Bei einem Rettungsversuch kommt Sterling ums Leben und bald darauf wird klar, dass es sich um zwei Löwen handelt, die von den Arbeitern bald "Der Geist und die Dunkelheit" getauft werden. Obwohl mehrere Vorkehrungen getroffen werden, fallen immer wieder Menschen den Tieren zum Opfer und Pattersons Versuche, die Löwen zu erlegen, schlagen fehl. Als Sir Robert Beaumon die Baustelle besichtigt und äußerst unzufrieden über den mittlerweile schleppenden Verlauf der Arbeiten ist, verspricht er, den berühmten Großwildjäger Charles Remington zu benachrichtigen, der bald darauf mit mehreren Massai-Kriegern eintrifft. Am nächsten Tag macht sich Pattison mit Remington und den Kriegern auf die Jagd, als der Ingenieur plötzlich einer der Raubkatzen Auge in Auge gegenüber steht... Fast genau 100 Jahre nach den blutigen Ereignissen wurden die Vorkommnisse an einer britischen Baustelle auf die Leinwand gebracht. Der einleitende Satz, dass alles gezeigte der Wahrheit entspräche, ist allerdings - wie in jeder Verfilmung historischer Ereignisse - mit Vorsicht zu genießen. Im Jahre 1898 hielten tatsächlich zwei männliche Löwen eine Baustelle am Fluss Tsavo für neun Monate in Angst und Schrecken. Der zuständige britische Ingenieur Patterson behauptete, die Löwen hätten 135 Menschen getötet, bisher konnte immerhin nachgewiesen werden, dass die Raubkatzen immerhin 35 der Arbeiter verspeist haben. Für die Gründe des aggressiven und untypischen Verhaltens der Löwen gibt es verschiedene Theorien. Neben der schlüssigen und weit verbreiteten These, die Löwen hätten sich wegen Futterknappheit an Menschen vergangen, ist es auch möglich, dass zumindest einer der Löwen geistesgestört war. Der Schädel weist einige Anomalien auf, die das Jagdverhalten des Tieres beeinträchtigt haben könnten. Das erklärt allerdings nicht das Verhalten des anderen Löwen. Colonel Patterson jagte und erlegte die beiden Raubkatzen schließlich nahezu im Alleingang. Somit ist die Figur des Großwildjägers Charles Remington, der von dem anglo-amerikanischen Großwildjäger Cahrles Ryall inspiriert wurde, reine Fiktion. Auch die Löwen entsprechen nicht der Rasse der Raubkatzen damals, die nämlich nicht über eine fotogene Mähne verfügten. Abgesehen von derartigen historischen Unstimmigkeiten und fiktiven Charakteren ist Regisseur Stephen Hopkins allerdings ein sehr unterhaltsamer und atmosphärisch dicht inszenierter Abenteuerfilm gelungen, der besonders durch die beeindruckenden Landschaftsaufnahmen des Nationalparks Songimvel und der detaillierten Ausstattung gewinnt. Auch wenn man einige historische Fakten außer Acht ließ, so wurde doch auf Authentizität geachtet. Allerdings sind die Actionszenen nicht ganz zufriedenstellend. Oftmals sieht man die Löwen nicht richtig oder aber die Protagonisten stellen sich teilweise überflüssig dumm an. Im entscheidenden Moment hat das Gewehr Ladehemmungen, fällt die Waffe runter, stolpert man etc. Das wird bei rund fünf Auseinandersetzungen Pattersons mit den Löwen schließlich vorhersehbar und ermüdend. Somit überzuegt der Film besonders durch seine Schauwerte. Die Massai-Krieger, mit denen Remington eintrifft, sind tatsächliche Stammeskrieger und für die Löwen wurden fast durchgängig echte Tiere eingesetzt. Auch die Schauspieler sind allesamt treffend besetzt. Val Kilmer sieht dem historischen Vorbild des Colonel Pattersons absolut nicht ähnlich, verkörpert den afrikafaszinierten, ehrgeizigen jungen Ingenieur allerdings vielschichtig und sympatisch. Michael Douglas, der auch an der Prodution beteiligt war, scheint seine Rolle als leicht schrulliger Großwildjäger Remington sichtlich Spaß zu machen. John Kani als bedachter Samuel überzeugt durchweg und Bernard Hill nimmt man den Arzt voll ab. Tom Wilkinsson spielt den rücksichtslosen Robert Beaumont mit perfektem Benehmen herrlich zwiespältig und Brian McCardie verdient sich als redefreudiger Angus Sterling einige Sympathiepunkte. Insgesamt ist "Der Geist und die Dunkelheit" ein schön fotografierter, atmosphärisch dichter und mit durchweg guten Schauspielern besetzter Abenteuerfilm, über dessen Schwäche in den Actionszenen man hinwegsehen kann. In den letzten Jahren seinen lebens steuerte Jerry Goldsmith einige überzeugende Beiträge in den Katalog der Abenteuerfilmmusiken in den 90er Jahren bei, zu denen auch "Der Geist und die Dunkelheit" ohne Frage gehört. Der Komponist hatte bereits zwei Jahre zuvor mit "Congo" ein in Afrika angesiedeltes Abenteuer vertont, sollte diese Musik allerdings selbst übertreffen. Die grötenteils orchestral gehaltene Musik ist mit mehreren Leitmotiven versehen. Für den Protagonisten schrieb Goldsmith ein tänzerisches Flötenthema, was sofort Assoziationen an die irische Heimat des Ingenieurs Patterson weckt. Dieses Thema wird allerdings von afrikanischen Handtrommeln begleitet, sodass von Anfang an beide Erdteile musikalisch miteinander verbunden werden und Pattinsons Faszination für den exotischen Kontinent zum Ausdruck kommt. Die bildschöne Landschaft fing der Komponist mit einem erhabenen Hornthema ein, dass sich fast hymnisch über ausladende Streicher und massive Schlagzeugbegleitung steigert. Das Blech spielt ohnehin eine bedeutende Rolle in der Musik, die fast durchgehend auf schweren und erhabenen Charakter ausgelegt ist. Auch für die Löwen komponierte Jerry Goldsmith ein erhabenes und ausladendes Thema, das hauptsächlich auf einem gebrochenen Moll-Akkord basiert und in den Hörnern erklingt. Neben dem typischen Arsenal an Synthsizern, die allerdings nur sporadisch zum Einsatz kommen, standen dem Komponisten ein Gesangsensemble aus indischen und afrikanischen Stimmen sowie der Solist Nusrat Fateh Ali Khan zur Verfügung. Das Potential des Chors, der der sehr westlich geprägten Musik eine spezifische Farbe hätte verleihen können, wird allerdings nicht genutzt. Stattdessen wurde der Gesang in den Media Venture Sutdios seperat aufgenommen und teilweise gesampelt wie die kriegerischen Rufe, die elektronisch zu einem künstlichen Hauchen verzerrt wurden, das während der Vorspannmusik den Hörgenuss deutlich trübt, weil es sich in den Orchesterklang überhaupt nicht einfügt. Auch der Sologesang während des Löwen-Themas ist deutlich gesampelt und wirkt zu rau und künstlich. Es ist völlig unklar, warum man so mit den Stimmen umgegangen ist, aber ein Gewinn ist es für die Musik nicht. In den Actionpassagen sagt sich Goldsmith erfrischenderweise von seinen Ostinatostrukturen los und lässt der Klanggewalt des Orchesters mit massiven Schlagwerkattacken, Blechakkorden und gehetzten Streicherrhythmen freien Lauf. Die ungebändigte Musik für die Angriffe der Raubkatzen lässt sich somit mit ähnlichen Momenten aus dem zur selben Zeit entstandenen "The Edge" vergleichen. Zum Filmstart erschien ein CD-Album, das alle wichtigen Passagen und Themen in einer dem Hörfluss sehr zuträglichen Präsentation enthielt. Eine längere Bonussektion, die vielleicht auch Freunde der Weltmusik zum Kauf anregen sollte, wird durch fünf Gesänge des gemischten Chors und Nusrat Fateh Ali Khans bestritten. Auch wenn diese Sektion dem Goldsmith-Puristen wenig attraktiv erscheint, so ist sie dennoch eine nette stimmungsvolle Zugabe, die aber leider auch deutlich macht, welches Potential mit den gesampelten Stimmen in der orchestralen Filmmusik verschenkt wurde. Die CD ist mittlerweile vergriffen und nur noch zu gehobenen Preisen erhältlich, doch es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch hier die expandierte Neuauflage auf dem Markt erscheinen wird. Jerry Goldsmith schrieb für "The Ghost and the Darkness" eine melodisch inspirierte, mit vielen erhabenen Blechmomenten und heftigen Actionpassagen aufwartende Abenteuerfilmmusik.