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Soundtrack Board

Angus Gunn

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  1. Zitat aus dem Booklet: "For BUNNY LAKE IS MISSING, Glass works with general serialism and even strict 12-tone techniques for his more atonal sections."
  2. Aber nicht jeder beliebige Takt ist gleich ein Ostinato, die Tonfolge muß schon etwas komplexer sein, um sich so nennen zu dürfen? Beispiel Henry Mancini: - Titelmusik von CHARADE: Die rhythmisch geschlagenen Hölzer - Dieser slapstickhafte Rhythmus im "Baby Elephant Walk" wären demnach beides Ostinati? Anderes Beispiel: Du kennst vielleicht von James Bernard die Titelmusik von DRACULA von 1958. Diese wird von einem gleichförmigen, geschlagenen Rhythmus begleitet. Keine Figur, einfach nur ein Takt (den man in der Neu-Einspielung übrigens weggelassen hat, deswegen ist jetzt mal nur die Originalaufnahme relevant). Ostinato oder nicht?
  3. Ja, das ist er tatsächlich. Hat sich seitdem musikalisch vielseitig entwickelt. Stimmt, habe nochmal nachgesehen. Mein Fehler. Zu meiner Entlastung muss ich sagen, dass ich den Text vorhin nicht von zu Hause aus geschrieben habe und somit die CD nicht zur Ansicht vorliegen hatte.
  4. Ach so, es steht so im Soundtrackcollector eingetragen, wie ich gerade selber sehe. Sind denn die Angaben dort eigentlich immer zuverlässig, mal so ganz allgemein gefragt.
  5. Das wäre in der Tat meine nächste Frage gewesen, da Hossein im Zusammenhang mit LES MISERABLES auftaucht, aber auf der Hortensia-CD kein Hinweis darauf zu finden ist. Woher weiß man sowas?
  6. So, erstmal vielen Dank für die ganzen Anregungen und Hinweise. Eine CD aus dem Iran, das ist ja mal wirklich exotisch. Besitzt Du die selber, gibt es dazu Hörsbeispiele? "Miniatures Pictures" - ist das eine Filmmusik, ein Konzert, oder was hat es damit auf sich? An die Ben-Hur-CD hatte ich vor einiger Zeit auch schonmal gedacht und sie dann wieder vergessen. Jetzt werde ich sie aus reiner Neugier mal bestellen. Beim Soundtrackcollector wird unter Hossein ja eine ganze Menge Vinyl aufgelistet, hauptsächlich EPs, aber davon besitze ich überhaupt nichts. Und selbst die meisten Filme sind momentan wohl nicht zu beschaffen, kein Wunder dass der Mann heute kaum noch ein Begriff ist. Meine allererste Begegnung mit Hossein fand damals mit der Alhambra-CD von "Rasputin" statt, und viel später dann mit dem Universal-Sampler, der aber auch wirklich gut ist, und den ich deshalb hier jetzt mal vorstelle: Um Gefallen an diesem famosen Sampler zu finden ist eine Zuneigung zur Jazzmusik unerläßlich, ist doch mehr als die Hälfte des Albums diesem Musikgenre zuzurechnen. Und es sind wahrlich einige Perlen darunter, die die Schwarz-weiß-Atmosphäre von französischer Nouvelle Vague, von schummrigen Nachtclubs der 50er Jahre, von regennassem Kopfsteinpflaster und einsamen, nächtlichen Stränden atmet. Letztere Finden sich in der Titelsequenz von Robert Hosseins TOI, LE VENIN mit dem auch das Album eröffnet wird. Der "Blues a la nuit" erzählt von Leidenschaft und Schmerz und bringt damit die Emotionen des hitzigen Psychodramas auf den Punkt. Die kürzlich erschienene DVD aus der Filmclub Edition sei hier ausdrücklich empfohlen. Andere Töne schlägt dagegen LES MENTEURS (1961) an. Obwohl es sich hierbei um einen Kriminalfilm handelt ist die knapp 5-minütige Suite von eher leichterer Natur. Im Folgenden wechselt die Stimmung mehrfach zwischen leicht-humorvoll, trist und dramatisch, mal mit Schwerpunkt auf vollem Big-Band-Sound, mal mit dem Fokus auf kleinere Solistenbesetzung. Das ist alles sehr gefällig, mit Stil und Niveau umgesetzt. Besonders die Posaunen setzt Hossein hier und da wirkungsvoll ein, etwa im packenden UNE GUEULE COMME LA MIENNE. Ist die CD bis zum 13. Track ein reines Jazz-Album, so wechselt ab hier dann schlagartig die Stimmung. Zum Zapata-Revolutionswestern LE GOUT DE LA VIOLENCE kreierte Hossein mexikanische Themen, die mit der typischen Mariachi-Instrumentierung umgesetzt wurden. Das wunderbar-leiderfüllte Titelstück wird dabei von Severiano Alvarez mit Chorbegleitung gesungen und ist für mich ein Zauberwerk von großer emotionaler Kraft und außerordentlicher Ohrwurmqualität. Ich weiß nicht, ob Hossein hier auf traditionelles Liedgut zurückgegriffen hat, aber das Ergebnis ist mehr als überzeugend und kann in drei mustergültigen Tracks genossen werden. LE VAMPIRE DE DUESSELDORF wird von Kritikerseite her oft seine historische Sorglosigkeit angekreidet mit der Regisseur Hossein hier Faschismus und sozialen Zerfall im Deutschland der 30er Jahre darstellt. Ich hatte vor einigen Jahren bei uns im Kölner Filmclub die Gelegenheit mich selber davon zu überzeugen, und ich erinnere mich vor allem an ein ambitioniert und eindrucksvoll inszeniertes Filmkunstwerk, dessen expressionistisch-düstere Schwarz-weiß-Atmosphäre trefflich von Vater Hosseins Score unterstützt wurde. Mit schleifenden Klängen und finster murmelnden Männerstimmen kreiert er ein gespenstisches Requiem als zöge der Gevatter Tod persönlich durch die nächtliches Gassen. Im Gegensatz dazu bietet das Album noch das von Pia Colombo dargebotete Chanson "La belle de nuit". L´HOMME QUI TRAHIT LA MAFIA fällt vor allem durch das "Pre-generique" mit Daba-daba-daba-Frauenvokalisen im Burt-Bacharach-Stil auf. Zwei Jahre vor "Butch Cassidy and the Sundance Kid" hat dieser Track schon große Ähnlichkeit mit dem dort zu hörenden "South American Gateway". Als Rausschmeißer gibt es dann noch drei fulminante Tracks aus dem Western UNE CORDE, UN COLT, einem von vielleicht einer handvoll echter Western, die unter französischer Schirmherrschaft entstanden sind. Den Titelsong interpretierte der Amerikaner Scott Walker (Walker Brothers), den seit jeher eine Leidenschaft insbesondere für europäisches Kino auszeichnet. "The Rope and the Colt" ist dann auch eine ungemein schmissige Testosteron-Nummer, die noch lange im Ohr bleibt. In "Manuel et Maria" begegnet uns ein melancholisches Liebesthema, das zunächst von Solo-Gitarre dargeboten wird um dann mit ausladendem Pathos in sinfonischem Gewand zu erstrahlen. Ein rundherum empfehlenswertes Album in sehr wertiger Ausstattung. Und bei dieser Gelegenheit möchte ich auch mal das ungewöhnliche Design der "Universal France"-CDs lobend erwähnen. Es sind für mich derzeit die optisch gelungensten Coverentwürfe auf dem Filmmusik-Markt. Auch das Hossein-Album ist wieder mit erlesenem Geschmack gestaltet und enthält wie immer auch ein informatives, zweisprachiges Booklet. Weitere Anregungen, Korrekturen, Ergänzungen seitens der Leserschaft sind wie immer willkommen.
  7. Mich stören diese Eigenzitate überhaupt nicht. Erst recht dann nicht, wenn das Thema so verändert wird, dass es kaum wiederzuerkennen ist. ALICE ET MARTIN hätte ich wahrscheinlich wieder nicht bemerkt. Das ENNEMIS-INTIMES-Thema ist dagegen für mich viel leichter zu indentifizieren, auch hier bei RODIN. Keine Ahnung, warum das mal so und mal anders ist. Dazu fällt mir eine Anekdote ein: Keith Emerson hat mal erzählt wie er Argento die Filmmusik zu "Inferno" vorgestellt hat. Argento war enttäuscht, da Emerson nicht das berühmte Chorthema aus "Nabucco" mit eingearbeitet hat, wie er es sich gewünscht hatte, da dieses Stück im Film eine wichtige Rolle spielt. Emerson antwortete daraufhin das Thema käme sehr wohl vor und verwies auf den "Taxi Ride". Tatsächlich ist dieses Stück nichts anderes als eben dieses Nabucco-Thema. Emerson hat lediglich zwischen Verdis Noten noch weitere Zwischenschritte gesetzt und damit den Charakter des Stückes verändert. Argento hat´s nicht gemerkt und mir war es bis zu diesem Interview auch nicht bewußt.
  8. RODIN ist angekommen. Absolut wundervoller Score, ich kann Stefans Anmerkungen dazu nur unterschreiben. Auch das 8-minütige "La Cathedrale" mit seinem tragischen Anstrich - wie Sarde hier in Emotionen wühlt, das ist schon schwerst beeindruckend. Irgendwo hatte ich schonmal geschrieben, dass Filme über bildende Künstler und deren Werke schon viele Komponisten zu Höchstleistungen angespornt haben. Hier trifft es wieder zu. Und das mir RODIN bislang völlig entgangen ist, liegt einfach daran, dass keiner unserer hiesigen Fachhändler diesen Titel ins Angebot aufgenommen hat. Auch daran erkennt man das Nischendasein eines Albums wie diesem.
  9. Aus aktuellem Anlaß möchte ich hier einem Komponisten einen eigenen Faden spendieren, den wahrscheinlich die Wenigsten auf dem Schirm haben, der aber unbedingt Aufmerksamkeit verdient. Der Anlaß besteht in der glorreichen CD-Edition aus dem Hause Disques Cinemusique zum Orient-Abenteuerfilm SHÉHÉRAZADE (dt: Sheherazade - Der goldenen Löwe von Bagdad) aus dem Jahr 1963. Aminoullah (Andre) Hossein, im russischen Samarkand geboren, mit persischen Wurzeln, nahm zunächst in Berlin ein Medizinstudium auf, das er aber zugunsten seiner wahren Leidenschaft, der Musik, schließlich abbrach. 1926 verschlug es ihn nach Paris, als zu seiner Komposition Vers la lumiere eine Balletaufführung in der Pariser Oper choreographiert wurde. In den folgenden Jahrzehnten brachte Hossein sich und seine Familie mehr schlecht als recht über die Runden. Der Wendepunkt kam erst als er in den 50er Jahren begann Musik für die Bühnenstücke und Filme seines Sohnes zu schreiben. 1958 inszenierte Robert Hossein (meiner Meinung nach eines der charismatischsten Gesichter des französischen Kinos) mit sich selbst in einer Hauptrolle das stimmige Psychodrama TOI, LE VENIN (Nachts fällt der Schleier), dessen jazzige Musik, insbesondere der "Blues a la nuit" über den Film hinaus in Frankreich hohe Bekanntheit erlangte. Von da an waren die brotlosen Jahre vorbei, Hossein kümmerte sich zwar auch weiterhin um die Produktionen seines Sprösslings, betraute aber auch die Filme anderer Regisseure. Einer davon ist der auf Motiven aus "1001 Nacht" basierende Abenteuerfilm SHEHERAZADE mit Anna Karina und Giuliano Gemma. Prächtig und erhaben mit majestätischen Hörnern beginnt die Titelmusik Générique bevor die Streicher ein schwelgerisch-romantisches, orientalisch anmutendes Thema einführen. Im 4. Track wird das hinreißende "Theme de Renaud" mit Holzbläsern und Harfe erstmals vorgestellt, in dessen eingängiger Melodie eine große Melancholie zum Ausdruck kommt. Wunderbar in seinem klassizistisch-tänzerischen Charakter ist der "Danse de Shéhérazade", dem in "Bataille" ein aufwühlend-packendes Kriegsballett gegenübersteht. Eine phantastische, wunderschön orchestrierte Filmmusik, mit Hingabe und Ideenreichtum kreiert, die sich bei einer Lauflänge von 38 Minuten und klarem Stereo-Klang keinen einzigen Durchhänger leistet. An den Film ist zur Zeit nicht heranzukommen. Das Album entpuppt sich jedoch als funkelndes Juwel, das jedoch, so steht´s zu befürchten, nur von den Wenigsten wahrgenommen werden wird.
  10. Eine Musik von außerordentlicher, emotionaler Kraft. Sehr eindrucksvoll orchestriert, von schicksalhafter Schwere umwabert und gerade in den dramatischen Höhepunkten ("Rendesvous in the Moors"!) von einer Intensität, wie man sie nicht allzu häufig antreffen kann. Einer Literaturverfilmung von Rang mehr als angemessen.
  11. Das klingt sehr vielversprechend. Dito.
  12. Der fehlt mir in der Tat. Völlig übersehen. Wird heute noch bestellt, danke für den Tipp!
  13. Meines Wissens nach nicht. Deswegen habe ich ja den DVD-Ton genommen. Gerade bei Thomas wundert mich das, gibt es doch sonst fast alles von ihm irgendwo auf irgendwelchen Samplern. Und von der "Blechnapf"-Musik ließe sich sicherlich auch ein komplettes Album zusammenstellen. Die anderen beiden enthalten sonst wenig bis gar keine Musik. Gut, dann machen wir das mal. Marrin Böttcher: DAS KRIMINALMUSEUM 1963 startete das ZDF diese überaus erfolgreiche Reihe, die mit wechselnder Besetzung authentische Kriminalfälle filmisch nacherzählte. Wiederkehrendes Element war dabei die Vorspann-Sequenz in der eine Kamerafahrt durch die Räumlichkeiten des Museums bei einem bestimmten Gegenstand endete, der in der folgenden Episode eine entscheidende Rolle spielen sollte. Auf der CD KRIMINALFILMMUSIK MARTIN BÖTTCHER, VOL. 2 sind 10 Tracks in einem ausgewogenen Mischverhältnis von Score- und Source-Music anzutreffen. Böttcher ist einer jener Komponisten, die einen leicht zu identifizierenden, sehr charakteristischen Stil haben und der kommt bereits in der Titelmusik voll zum Zuge. Seine Krimimusiken sind stets wohltemperiert, elegant, mit zwilichtigem Unterton. Auch wenn sie stilistisch dasselbe Feld beackern, sind sie doch von der ausufernden Wildheit und den schrägen Kapriolen eines Peter Thomas weit entfernt. Auch habe ich seit jeher Probleme damit, die Themen seiner Karl-May-Vertonungen auseinanderzuhalten, und bei manchen seiner Kriminalmusiken geht es mir da ähnlich. So fließen die zehn Stücke angenehm dahin, auch wenn ihnen hier und da vielleicht noch ein gewisser Funke fehlt. Neben der Titelmusik ist DAS NUMMERNSCHULD (aus der gleichnamigen Episode) mit einer sehr eingängigen Melodie ein Höhepunkt der Suite. Schöne Folge übrigens, die zum Teil in Düsseldorf spielt, und bei der die dortigen Polizeibeamten auch ordnungsgemäß im rheinischen Dialekt kommunizieren ("Könischsallee achtundzwanzisch, isch wiederhole...) Die CD enthält außerdem noch die Musik von weiteren acht (Kino-)filmen und ist sehr empfehlenswert, auch wenn man es (LEIDER!) versäumt hat, die Musik zu DER ILLEGALE (siehe weiter oben) mit draufzupacken, die meiner Meinung nach Böttchers wertvollste Schöpfung ist.
  14. Drei Filme, drei Komponisten, drei bemerkenswerte Kleinodien der 60er Jahre ... ... die mir irgendwann mal besonders positiv aufgefallen sind und die ich hier nun hintereinandergereiht vorgestellt wissen möchte. Denn sie haben Aufmerksamkeit verdient, ist doch jedes der drei Stücke ein auf seine Weise hörenswerter Teil deutscher Fernsehgeschichte. 1. Rolf Wilhelm: SIR ARTHUR CONAN DOYLE Hinter diesem Titel verbirgt sich eine vom WDR produzierte, 6-teilige Sherlock-holmes-Reihe aus dem Jahr 1967. Ist man von Holmes-Verfilmungen sonst eher Dramatisches gewohnt, kommentiert Wilhelms pfiffiger Score die detektivischen Ermittlungen eher mit schelmischem Augenzwinkern und dem humorvoll eingearbeiteten Zitat der Big-Ben-Tonfolge. 2. Dave Hildinger: FLUG IN GEFAHR Dieser sehr sehenswerte Flugzeug-Thriller erzählt seine spannende Geschichte völlig ohne musikalische Unterstützung. Lediglich der Abspann gibt dem amerikanisch-stämmigen Komponisten die Gelegenheit die Handlung noch einmal akustisch zusammenzufassen. Getragene Hörner bringen die Maschine auf Kurs bevor hektisch geschlagene Klanghölzer Dramatik ins Spiel bringen. Eine Komposition die schon verblüffend an spätere John-Barry-Arbeiten erinnert. So ist z.B. der Bomben-Countdown aus "Goldfinger" hier gar nicht weit weg. 3. Peter Thomas: WER EINMAL AUS DEM BLECHNAPF FRISST... Nach der Entlassung aus dem Gefängnis versucht Buchhalter Willi Kufalt im bürgerlichen Leben Fuß zu fassen, doch die ablehnende Haltung der Gesellschaft treibt ihn in die Kriminalität zurück. Großartige Fallada-Verfilmung mit einer starken Musik von Peter Thomas, bei der er auf seine sonst üblichen Spleenigkeiten verzichtet und sich tatsächlich mal als versierter Dramatiker erweist. Meines Wissens nach gab es keine der drei Musiken jemals auf Tonträger zu erwerben.
  15. Auf ENNEMIS INTIMES bin ich nicht gekommen, dabei finde ich den richtig gut! Aber mit dem verbinde ich eigentlich immer nur das EVE-OF-DESTRUCTION-Theme. Zu TAXI MAUVE: Also diese irische Flöte im Hauptthema, das ist der Part, der bei MISUNDERSTOOD in den ersten Sekunden von der Trompete gespielt wird, ist das richtig? Meine Herren, da muß man aber schon exakt hinhören. Vielleicht fehlt mir auch einfach das Ohr dafür, mir entgehen des öfteren solche Parallelen. Auch die anderen sind mir nicht aufgefallen.
  16. Oh, oh, das ist schwer. Aber ich versuch´s mal. Also das Banjo-Thema müßte "Hors-la-loi" sein. Ein Thema, das dem einleitenden Trompeten-Motiv sehr ähnlich ist, kommt in "Mort d´un pourri" vor, z.B. im Track "Solitude", und das hätte ich vermutlich nie bemerkt, wenn ich jetzt nicht ganz speziell darauf geachtet hätte. Bei dem dritten habe ich auch nach längerem Grübeln keine Idee.
  17. Letztes Jahr erschienen, und soll deswegen auch nicht unerwähnt bleiben: Zwei Filme des amerikanischen Regisseurs Jerry Schatzberg. REUNION ist ein Drama um die schwierige Freundschaft zweier Männer unterschiedlicher Herkunft zur Zeit des Nationalsozialismus und des in Deutschland aufkeimenden Antisemitismus (letzterer ist ja bekanntlich durch die Politik unserer umnachteten Obrigkeiten bei uns wieder mit Riesenschritten auf dem Vormarsch) Der Score kreist um ein träges, stampfendes Motiv, das den Charakter eines Trauermarsches hat, aber auch Assoziationen zu teutonischem Brauchtum zuläßt und durch skurrile Instrumentierungskniffe zur Aufmerksamkeit zwingt. MISUNDERSTOOD zeigt Gene Hackman als alleinerziehenden Vater in Tunesien. Die Musik ist hier höchst unterhaltsam, bietet viel Raum für solistische Parts und jongliert virtuos mit einer originellen Mixtur aus amerikanischer und orientalischer Folklore. Eine zentrale Rolle in der Orchestrierung nimmt dabei das Banjo ein, was auch wunderbar funktioniert. Dieser Meinung war nicht jeder, denn einer der Produzenten verstieg sich zu der Bemerkung: "What the hell is a goddamn banjo doing in Tunesia?" Der Score hat´s dann ja auch nicht überlebt. Trotzdem natürlich eine äußerst gelungene Musik, die fortwährend mit kreativen Einfällen bei Laune hält.
  18. ... aber lange nicht mehr gehört. Sie läuft jetzt gerade. Verstehe ich das richtig, dass es die selben Tracks sind, die für LES EGARES verwendet wurden? Oder hat Sarde alles nochmal neu eingespielt?
  19. Sehr schönes Lied! Sowas war ja fast zu erwarten Nein, diese LP kenne ich nicht, aber im Booklet wird tatsächlich auch auf L´adolescente hingewiesen.
  20. Endlich mal wieder ein richtig tolles Sarde-Album, und ein 2-CD-Set noch dazu! Ich muß zugeben, von Laurent Heynemann (einem Ex-Mitarbeiter von Tavernier) kenne überhaupt nichts, und seine Filme sind hierzulande auch kaum bekannt und nur wenige überhaupt für den deutschsprachigen Markt übersetzt worden. IL FAUT TUER BIRGITT HAAS dreht sich um eine Art Spionage-Organisation, die den Auftrag bekommt, eine deutsche Terroristin zu töten. Der Schwerpunkt der Erzählung liegt aber nicht auf etwaiigen Aktionen, sondern auf dem menschlichem Drama. Und das hört man auch in der Musik. Der Score ist komplett und ausschließlich für Streicher orchestriert (Geigen und Violen), die vornehmlich in sehr hohen Tonlagen spielen, um Assoziationen zu Wagner (speziell "Lohengrin") zu wecken und damit den Bezug zu Deutschland herzustellen. STELLA ist in den 40er Jahren angesiedelt und Sarde nimmt auch im Score Bezug auf diese Zeit. Und wie so oft bedient er sich auch hier wieder hochkarätiger Solisten, dieses Mal sind es Stephane Grapalli und Hubert Rostaing. Aus einem neunminütigen Track für dreistimmige solistische Besetzung (Klavier, Klarinette, Geige) besteht der Score zu FAUX ET USAGE DE FAUX, bei dem ein Thema fortwährende, raffinierte Variationen erfährt. Ebenfalls solistisch besetzt ist LES MOIS D´AVRIL SONT MEURTRIERS, mit dem Fokus auf bluesigem Klavierspiel. LA VIEILLE QUI MARCHANT DANS LA MER beginnt mit einem schwelgerischen, walzerartigen Thema, das wirklich phantastisch orchestriert ist und schwankt ansonsten zwischen eher verspielten Motiven und solchen von ergreifender Traurigkeit und Melancholie. Für LE DERNIER CIVIL engagierte Sarde die Grimethorpe Colliery Band, deren charakteristischer Klang einen spannenden Gegenpart zu den wehmütigen Streicherarrangements und Mundharmonika-Soli bildet. Ein Album voller brillanter Kompositionen. Der Kotau geht nicht nur an Sarde und seine Musiker, sondern auch an Musicbox für diese essenzielle Veröffentlichung.
  21. Hach... es geht doch nichts über wohlige Kindheitserinnerungen. Sicher, manch ein Wiedersehen mit den Helden aus frühen Jugendtagen fällt in späteren Jahren eher ernüchternd aus. Der Weihnachts-Vierteiler SILAS kann mich jedoch auch heute noch begeistern und das liegt neben der spannenden Geschichte und der unterhaltsam-flotten Inszenierung zu einem nicht unerheblichen Teil auch an der Musik. Bruhns thematisch vielseitige Kompositionen leisten nicht nur im Film wertvolle Dienste, auch auf der Fernseh-Kult-CD sind die 18 Tracks ein reines Hörvergnügen. Eröffnet wird das Album mit dem Titelthema, das sich mit seinen flirrenden Streichern, der eingängigen Melodik und dem mitreißenden Rhythmus wie ein direkter Verwandter von Doldingers Glücksdrachenflug aus der "unendlichen Geschichte" ausnimmt. Beim FREUNDSCHAFTSTHEMA outet sich Bruhn als Morricone-Fan, erinnern doch nicht nur die ausladenden Streicher und die ätherische, weibliche Gesangsstimme stark an den italienischen Maestro. Beim Thema für MARIA, DAS BLINDE MÄDCHEN sieht es ganz ähnlich aus, lassen sich doch die dort vorkommenden Celesta(?)-Klänge unnmittelbar mit "C´era una Volta il West" assoziieren. PFERDEKRÄHE wird die hinterhältige Antagonistin des Films genannt. Ihr Thema ist ein infernalisches, agressives E-Gitarren-Intermezzo, das auf dem Goblin-Album von "Dawn of the Dead" nicht Fehl am Platz gewesen wäre. Das Drehbuch hält für die Pferdekrähe im Laufe der Geschichte übrigens eine für eine Jugend-Serie bemerkenswerte, charakterliche Wandlung bereit, die der Figur eine unerwartete Ambivalenz und Tiefe verleiht. Auch dies ist ein Qualitätsmerkmal der Serie. DIE MÜHLE AM FLUSS ist Schauplatz dramatischer Verfolgungsszenen und diese werden von einer schmissigen, synthetischen Musik a la "Captain Future" befeuert. Entspannter geht es da schon AUF DEM MARKTPLATZ DER KLEINEN STADT zu, wo mit relaxter, eingängiger Fötenmelodie und Gitarrenbegleitung fürs Ambiente gesorgt wird. DIE GROßE STADT präsentiert ein weiteres, gänzlich neues und gut geöltes Stück Pop-Musik in orchestralem Gewand, bevor wir mit einer kürzeren Variante des Titelthemas aus dem Album entlassen werden. SILAS ist natürlich kein klassisch aufgebauter Filmscore, jeder Track steht mehr oder weniger für sich. Bemerkenswert ist auch der Umstand, das die zeitgenössisch-moderne Musik tadellos im Film funktioniert, obwohl die Handlung in vorindustrieller Zeit angesiedelt ist. Bruhn hat seinen eigenen Stil, einen großen, melodischen Einfallsreichtum und weiß seine Themen wirksam und dynamisch zu präsentieren. Wer mit den Advents-Vierteilern aufgewachsen ist, oder wer an der Musik von "Captain Future" oder "Sindbad" Gefallen findet, der wird SILAS ins Herz schließen, denn es ist eines von Bruhns allerbesten Filmmusik-Alben.
  22. DER ILLEGALE (1972) - Musik: Martin Böttcher "Biografie eines Spions" lautet der Untertitel dieses Dreiteilers, der seine Geschichte nach wahren Begebenheiten erzählt. Anfang der 50er Jahre schleust der KGB den in kommunistischem Elternhaus aufgewachsenen, Wolgadeutschen Nikolai (Götz George) in die BRD ein, um dort unter einer bürgerlichen Tarnexistenz Spionagedienste auszuführen. Großartig, mit innovativer Schnittechnik, inszeniert von Günter Gräwert und hochkarätig besetzt. So glänzen in tragenden Nebenrollen u.a. Rolf Boysen und Gustav Knuth, sowie Paul Dahlke und Marga Maasberg (Hörspielfans freilich als Hexe Schrumpeldei in bester Erinnerung) als Nikolais Eltern. Was aber mindestens ebenso großen Anteil hat am ausgesprochen positiven Gesamteindruck ist die Musik, und die kann kaum genug gepriesen werden. Gleich die Eröffnungssequenz kommt mit einer emotionalen Breitseite daher, die es wirklich in sich hat: Die Kamera schwenkt über eine Blumenwiese hoch zu zwei spielenden Kindern, ein Junge und ein Mädchen. Sie laufen unbeschwert durch das Gras, daneben eine Ziege mit ihren Jungen. Martin Böttcher unterlegt die Aufnahmen mit einer unendlich elegischen, wunderschönen, russisch anmutenden Streichermelodie, die wohl mit Fug und Recht zu seinen schönsten Einfällen überhaupt gezählt werden kann. Doch etwas stimmt nicht. Irgendwie klingt das musikalische Arrangement zu wehmütig und ernst für dieses Idyll, bei dem man doch eigentlich eher etwas erwarten würde, was den kindlich-verspielten Charakter der Szene hervorhebt. Es dauert nicht lange, da sehen wir auch den Grund. Fahrzeuge nähern sich am Horizont und ziehen Staubfahnen hinter sich her. Die Kinder stehen auf und winken ihnen zu. Als sie näherkommen, ist es schon fast zu spät. Böttchers Elegie hört erst auf, als sie vom Rasseln der Panzerketten übertönt wird. Die Kinder rennen zurück zum Elternhaus als die ersten Projektile einschlagen. Nur eines von beiden überlebt. - Obwohl kaum vier Minuten lang, ist diese Anfangssequenz von einer unglaublichen Intensität, was vor allem auf die Kombination von Böttchers Musik und Gräwerts brillanter Inszenierung zurückzuführen ist. Im Folgenden wird das anfangs eingeführte Titelthema zum Leitmotiv durch den gesamten Film. Es behält dabei stets seinen melancholischen Charakter, auch wenn es beispielsweise bei einem Bootsausflug mit einer jungen Frau durch das sanfte Gitarrenspiel etwas lebensbejahender daherkommt. Als Nikolai schließlich seine Spionageaktionen ausführt, werden seine heimlichen Fotografier-Streifzüge durch die Stadt von einer weiteren Variation des Themas begleitet, das diesesmal einen eher zwilichtigen Charakter erhält und in dieser Form und in seiner Funktion an das Harry-Lime-Thema aus "Der dritte Mann" erinnert. Eine Filmmusik von eigentlich sehr einfacher Struktur und umso stärkerer Wirkung. Sparsam und pointiert eingesetzt, nimmt sie sich ihren Raum und entfaltet eine große, dramatische Kraft. Eine Soundtrack-Veröffentlichung hat es leider auch hier meines Wissens nach nie gegeben. Das Stück "Stranger´s Serenade" ist ein spezielles Single-Arrangement des Themas, das aber freilich wesentlich süffiger und verkaufstauglicher arrangiert wurde. Klingt schön, aber ein Album mit den originalen Filmtracks wäre mehr als wünschenswert.
  23. Ist die tatsächlich mono? Hätte ich jetzt, ehrlich gesagt, gar nicht bemerkt. Ich habe noch die LP, und von der Existenz einer alten CD-Auflage wußte ich bisher gar nichts. Die Musik ist jedenfalls ein Traum. Die Filmharmonischen Blätter meinten dereinst dazu: "Die Monsignor-Quixote-Suite ist ein farbenreiches, sehr dicht und melodisch gestaltetes Poem, durchsetzt mit spanischen Folkloreelementen, wobei immerwieder boleroähnliche Motive die Komposition an und fortführen. (...) Abril ist ein klassisch konzipiertes, prachtvoll instrumentiertes Konzertstück gelungen (...)" Dem kann ich mich nur anschließen.
  24. Ich erinnere mich noch, dass ROBIN HOOD damals im Deutschen Filmmusikdienst ziemlich verrissen wurde. Ich finde das betreffende Heft leider nicht mehr, aber man fand den Score wohl zu grob und schwerfällig. Das Genre verlange nach schwungvoller, funkelnder Eleganz a la Korngold, und das ginge dem Kamen-Score völlig ab. Außerdem fand man die Abmischung mißlungen, die Trompeten viel zu laut. Ich gebe das jetzt aus dem Gedächtnis wieder, aber so in diese Richtung ging die Meinung. Die Rezensionen von Karban und seinen Mannen waren zwar immer interessant zu lesen, mitunter auch lehrreich, aber für mich zu intellektuell-verkopft und entsprachen oft auch nicht meiner eigenen Meinung.
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