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Also das kann man ja gerne so sehen mit der Ökobotschaft, das macht Szenen wie diese aber nur umso lustiger:

Also wirklich... wie der Schlafsack davonhoppelt... und das ulkige Monster... und dann der Schlafsack regelrecht explodiert. 
Das is so unfreiwillig komisch, da fällt mir nichts zu ein.

Wie ein Regisseur, der nen Horrorfilm mit Message machen will und dann so unsinnige Szenen drinlässt... also naja...

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Am 24.10.2019 um 17:36 schrieb ronin1975:

Wie ein Regisseur, der nen Horrorfilm mit Message machen will und dann so unsinnige Szenen drinlässt... also naja...

Ich glaube, hier liegt eine Verwechslung vor. Es geht nicht um die "Message". Abgesehen von Deutschlehrern und Fördergremien interessiert sich niemand für "Botschaften". Kino ist super, wenn wir an die Erzählung andocken und eine sinnliche Erfahrung machen können, je intensiver, desto besser. Voraussetzungen dafür sind normalerweise ein Mindestmaß an Originalität und Genauigkeit.

THE PROPHECY hat eklatante Schwächen, das bestreitet niemand, Frankenheimer konnte mit dem Monster offenbar überhaupt nicht umgehen. Dafür kann man die Produktion nun auslachen. Man kann aber auch feststellen, dass der Film in der Beschreibung der Charaktere und der Milieus erstaunlich genau ist und damit eine ganz eigene Stimme, einen eigenen Ton hat. Alles in allem habe ich den Eindruck, dass der Film mich als Zuschauer ernst nimmt. Während ich bei der generischen Dutzendware von heute das Gefühl nicht loswerde, dass das Publikum im Grunde verachtet wird (siehe Marvel, siehe Till Schweiger, siehe bis runter zur SOKO Donau).

Und um diesen Unterschied gehts.

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Das stimmt wohl, wird aber eben durch ein lächerliches Monster und ulkige Schockmomente und Situationen  ruiniert oder macht es durchaus, ungewollt, umso lustiger. Vielleicht war der Film einfach in der falschen Zeit produziert... die Effekte konnten nicht mithalten... ein paar Jahre später hätt's dann geklappt mit Animatronics und Makeup, dann wäre dieser ernste Ton und die Ökobotschaft aber wieder nicht mehr aktuell gewesen... was bleibt ist ein Film, der für seine unfreiwillige Komik nun mal in Erinnerung geblieben ist und dafür lohnt er sich auch anzusehen... man kann da sehr viel Spass bei haben 🙂

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@Max Liebermann, danke, hätte ich nicht treffender formulieren können. :) 

Am 18.11.2019 um 23:48 schrieb ronin1975:

Leider Code A. 

Aber vielleicht wird das Master dann auch für eine britische oder gar deutsche VÖ verwendet. 

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SEEING RED (Su Friedrich, USA 2005)

Die Farbe Rot in unterschiedlichsten Erscheinungsformen im Stadtgebiet New York Citys - in tausend Schattierungen manifestieren sich Angst und Unsicherheiten bezüglich Andersartigkeit, Rollenerwartungen und Geschlechter-Stereotypien. Su Friedrichs eindringlicher Seelen-Striptease, teilweise direkt in die Kamera erzählt und geweint, hat mich schwer beeindruckt - geteiltes Leid ist halbes Leid.

Ein Film für Menschen, die sich ständig vergleichen, ihre Unsicherheiten nicht loswerden, sich in jeder Sekunde des Tages in Bezug setzen zum System gesellschaftlicher Normen und Rollenerwartungen. Was erwartet man von mir - als Mann, als Partner, als Sohn, als Europäer, als Filmwissenschaftler? SEEING RED mag keine sensationellen neuen Erkenntnisse übers Menschsein bieten, aber ich habe mich hier doch so wiedergefunden wie bei keinem anderen Film, den ich in diesem Jahr gesehen habe. 

Auf Vimeo gibt es den Film als Video-On-Demand zum Ausleihen - die 3,78 Euro lohnen sich: 

 

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Zwei aktuelle Highlights des Kino-Jahrgangs 2019: 

 

DER GOLDENE HANDSCHUH (Fatih Akin, D 2019)

Horrordrama über das Umfeld der St.-Pauli-Kneipe "Zum Goldenen Handschuh" und die Prostituiertenmorde durch Fritz Honka zwischen 1970 und 1975. Herrlich abjektes Körperkino aus Deutschland, das sich hemmungslos in die Gosse stürzt. Die Tristesse der schummrigen bundesdeutschen Kneipen-Zwischenwelten der frühen 70er interessiert Fatih Akin hier (zum Glück) viel mehr als schnöde Serienkiller-Psychologie - die Mäkeleien der Feuilleton-Kritik, die sich fast ausschließlich auf die Figurenzeichnung von Serienmörder Fritz Honka beziehen, laufen damit ins Leere. Starker, unglaublich physischer Film - empfindliche Zuschauer sollten sich aber auf Brechreiz-erregende Momente gefasst machen. 

 

IN FABRIC (Peter Strickland, GB 2019)

Die Geschichte eines dämonischen roten Kleides, das in einem barocken englischen Kaufhaus die Herzen einsamer und unsicherer Konsumenten höher schlägen lässt, nach dem Kauf allerdings ein mörderisches Eigenleben entwickelt. Ein ausgesprochen dunkler Herbst- und Winterfilm, der sich dem Freund abseitiger Einfälle und/oder Liebhaber europäischer Horrorfilme der 70er Jahre so wohlig um die Cineasten-Seele schmiegt wie der titelgebende Stoff des mordenden roten Kleides an den Körper der Hauptfigur (herausragend: Marianne Jean-Baptiste). In seiner Konsumkritik und den vielschichtigen Gedanken zu Materialismus und Fetisch vielleicht einer der komplexesten Stricklands to date. Einzig der Score hätte gerne besser, am liebsten vom Kaliber eines DUKE OF BURGUNDY sein können. 

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Warm Bodies

Was für ein ganz wunderbarer Film über das Leben!
Ich bin nun kein Fan von Zombiefilmen, weil sie im Grunde immer das Gleiche erzählen, aber der hier ist wohl der ungewöhnlichste Zombiefilm, den ich je gesehen habe. Er ist lustig, spannend, gefühlvoll und sogar philosophisch. Das ich diese Worte mal über so eine Art von Filmen schreiben würde, hätte ich nie gedacht. Ein großer Teil der Magie, die dieser Film ausstrahlt, stammt vom wunderbaren Cast, begonnen mit dem fabelhaften Nicholas Hout und Teresa Palmer, die eine fantastische Chemie verbindet. Natürlich muss ich auch Rob Corddry als M/Markus erwähnen, der in der einen oder anderen Szene den anderen ein klein wenig die Show stiehlt.
Die Musik von Marco Beltrami und Buck Sanders ist auch gelungen meiner Meinung nach. Was ich da auch besonders toll finde, dass der Score sehr gut mit den Songs harmoniert.
Ja, ein ganz wunderbarer Film, und ehrlich gesagt, ist das für mich sogar der beste Zombiefilm, den ich je gesehen habe. Das sollte aber keinen verwundern. Wer mich kennt, dem war das vielleicht sogar klar. :D

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Groundhog Day (...und täglich grüßt das Murmeltier)

Für mich einer der besten Komödien, die je geschrieben wurden, denn hier stimmt storymäßig einfach alles. Das beginnt bei der Komik, denn einfach jeder Gag im Drehbuch sitzt perfekt. Ich finde aber auch gut, dass trotz aller Situationskomik auch etwas Tiefe gezeigt wird. Was ich vor allem gut finde, wie der Wandel von Phil alias Bill Murray gezeigt wird. Es ist nämlich nachvollziehbar, wie er zuerst nach dem ersten Schock das alles für sich ausnützt, und dann immer mehr die Lust am Leben verliert und dann kommt der Wendepunkt. Das ist Geschichten erzählen auf allerhöchstes Niveau. So eine Story braucht auch einen sehr guten Cast und genau dieser ist vorhanden, allen voran Bill Murray und Andie MacDowall. Die beiden spielen echt wunderbar, und lassen sehr tief in ihre Charaktere blicken. Schön, wie ich am Ende sogar den Stil aus seinem späteren Score für "Dangerous Beauty" raushören konnte. Das erwärmte echt das Herz in mir.
Irgendwie fühlte es sich fast so an, als ob ich ihn das erste Mal gesehen habe, denn als ich ihn das letzte Mal gesehen habe, da war ich irgendwie noch ein anderer Mensch, denn ich konnte mich eigentlich nur noch an die lustigen Szenen erinnern. Das wird nun anders sein, denn das Gesicht von Bill Murray, wie all die Lebenslust aus ihm gezogen wurde, bleibt nun in meinem Gedächtnis.

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Die beiden Eröffnungsfilme des diesjährigen Hofbauer-Kongresses in Nürnberg (dessen Programm in diesem Jahr im Vorfeld nicht angekündigt wurde, und demnach vollständig aus Überraschungsfilmen bestand): 

 

MOSQUITO - DER SCHÄNDER (Marijan Vajda, BRD 1977)

Filmische Verarbeitung des "Vampir von Nürnberg"-Falles, der in den frühen 70er Jahren für Schlagzeilen sorgte - allerdings nicht vor Ort gedreht. 

Unfassbar grau und trist breitet sich das München der 70er Jahre vor dem Zuschauer und vor Werner Pochath als taubstummem Nekrophilen aus - das Blut, das er den Leichen mit einem Strohhalm aussaugt, und mit dem er sich und die toten Körper beträufelt, wirkt wie ein verzweifelter Schrei nach Farbe und Leben. Überhaupt ist MOSQUITO - DER SCHÄNDER ein herzergreifendes Melodram, und Pochath ein leidenschaftlicher Romantiker, der dem Glück hinterherjagt, es aber einfach nicht zu fassen bekommt. In fast jeder Szene ist Musik, überall bäumt sich der Film mit expressiver Inbrunst gegen Tristesse und Prädisposition auf. Umso schmerzhafter das Scheitern der Figur: der echte "Vampir von Nürnberg" wird wegen des Doppelmordes, mit dem der Film endet, 1976 zu lebenslanger Haft verurteilt.

 

HINTER KLOSTERMAUERN (Harald Reinl, BRD 1952)

Ästhetisch und atmosphärisch von Meisterhand inszeniertes Nachkriegs-Heimkehrerdrama über einen groben, hedonistisch veranlagten Familienvater und seinen Konflikt mit den Nonnen eines Ordensklosters, dem es gelingt, sowohl die autoritäre Bigotterie als auch die Transzendenz des Christentums sensibel und treffend abzubilden. Die herausragende spätromantische Filmmusik von Giuseppe Becce entrückt den Film in einigen Sequenzen ins absolut Außerweltliche. Einer der schönsten und intensivsten deutschen Nachkriegsfilme der 50er Jahre, von einem Regisseur, der die christliche Erfahrungs- und Glaubenswelt bis aufs Letzte durchdrungen hat. 

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Am 5.2.2020 um 10:30 schrieb Sebastian Schwittay:

HINTER KLOSTERMAUERN (Harald Reinl, BRD 1952)

Oh, der hätte mich auch sehr interessiert. Reinl geht immer. Seine "Jerry Cotton"s sind die unterhaltsamsten der ganzen Reihe, seine Nibelungen-Saga halte ich für weithin unterschätzt, und gerade am Anfang seiner Regie-Karriere hat er mit "Bergkristall" ein unglaublich starkes Heimatdrama hingelegt, das ich ebenfalls und ohne Einschränkungen zu den schönsten deutschen Nachkriegsfilmen zählen würde. Ein großer Regisseur.

Vielleicht findet ja die "Klostermauern"-Kopie irgendwann mal ihren Weg nach NRW. Ansonsten bleibt mir nur übrig, auf eine DVD-VÖ zu warten...:)

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vor 23 Stunden schrieb Angus Gunn:

Vielleicht findet ja die "Klostermauern"-Kopie irgendwann mal ihren Weg nach NRW. Ansonsten bleibt mir nur übrig, auf eine DVD-VÖ zu warten...

Für Ungeduldige: "Hinter Klostermauern" gibts komplett auf YT. Harald Reinls bester Film, könnte auch von Fritz Lang sein! :)

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Am 6.2.2020 um 22:34 schrieb Angus Gunn:

Oh, der hätte mich auch sehr interessiert. Reinl geht immer. Seine "Jerry Cotton"s sind die unterhaltsamsten der ganzen Reihe, seine Nibelungen-Saga halte ich für weithin unterschätzt, und gerade am Anfang seiner Regie-Karriere hat er mit "Bergkristall" ein unglaublich starkes Heimatdrama hingelegt, das ich ebenfalls und ohne Einschränkungen zu den schönsten deutschen Nachkriegsfilmen zählen würde. Ein großer Regisseur.

Was ich bislang von Reinl kenne, finde ich auch alles gut bis herausragend. Die Beschäftigung mit ihm lohnt sich. 

Die Kopie stammt übrigens aus der Sammlung von Reinl-Kenner André Malberg, der auch öfter mal im Kölner Filmclub oder beim Besonders wertlos zugegen ist - vielleicht kennst du ihn ja. Die Chancen, dass die irgendwann auch nochmal in Köln läuft, stehen damit recht gut. 

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Presumed Innocent

Ohne Frage ein sehr spannender Film mit großartigen Darstellern, allen voran Harrison Ford, Bonnie Bedelia und Raul Julia. Obwohl mir das Ende schon klar war, denn irgendwann erinnerte ich mich daran, wer der Mörder ist, blieb diese Spannung aufrecht. Das Drehbuch legt auch die eine oder andere Finte und es gibt auch Momente, an denen der Zuschauer glauben könnte, dass Ford der Mörder ist. Das macht den Reiz des Films aus. Die Musik von John Williams ist gut, auch wenn musikalisch nicht viel passiert und das Thema mich an irgendwas erinnert. Bei der "Sie sind frei"-Szene fand ich aber, dass hier Williams zu dick aufgetragen hat. Da wäre für mich weniger mehr gewesen, aber solange er eher im mysteriösen Sound geblieben ist, fand ich den Score passend. Bester Track sind für mich die End Credits.
Ja, ein wirklich immer noch sehr überzeugender Thriller. Das war toll, den mal wieder zu sehen.

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vor 7 Stunden schrieb Sebastian Schwittay:

Die Kopie stammt übrigens aus der Sammlung von Reinl-Kenner André Malberg, der auch öfter mal im Kölner Filmclub oder beim Besonders wertlos zugegen ist - vielleicht kennst du ihn ja. Die Chancen, dass die irgendwann auch nochmal in Köln läuft, stehen damit recht gut. 

Ja, den Malberg kenne ich. Ich kann ihn ja mal dezent befragen bezüglich einer Vorführung des Films hier in Köln.

Danke, Max, für den Tipp. Auf YouTube schaue ich Filme nur dann, wenn´s wirklich keine bessere Möglichkeit gibt. Von daher warte ich erstmal noch ab. Aber gut zu wissen, dass mir notfalls immernoch diese Option bleibt.

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Noch zwei Letterboxd-Kurzeviews zu aktuellen Filmen, schon im Dezember gesichtet: 

 

PORTRAIT DE LA JEUNE FILLE EN FEU (Céline Sciamma, F 2019)

Eine Künstlerin wird engagiert, eine scheue, verschlossene Adelstochter zu porträtieren, die mit ihrer Mutter auf einer kleinen, abgelegenen Insel vor der Bretagne wohnt. Für einen Film über die Erweckung durch Kunst ist PORTRAIT DE LA JEUNE FILLE EN FEU enttäuschend verzichtvoll. Eine begrenzte Farbpalette, ein begrenzter Affekt, und bis auf eine Szene keine Originalmusik - von allem so wenig wie möglich, ganz den zeitgenössischen Arthaus-Traditionen und der unter jungen Filmemachern populären Annahme verpflichtet, mit Minimalisierung ein Maximum an Ausdruck erreichen zu können. Die einzige Szene mit extradiegetischer Musik (die auch das Filmplakat ziert) öffnet für einen ganz kurzen Moment ein Fenster, lässt Luft, Ausdruck und Transzendenz in den Film, dessen Blick auf Kunst und Liebe ansonsten so leidenschaftlich und enthusiastisch wirkt wie ein Uni-Seminar. 

 

PARASITE (Bong Joon Ho, Südkorea 2019)

'Home Invasion' durch das Prekariat: die Mitglieder einer verarmten Familie bewerben sich bei einer reichen Familie als Hausmädchen, Nachhilfelehrerin und Chauffeur, ohne ihre Verwandtschaft offenzulegen - und unterwandern so nach und nach den Wohlstand ihrer Arbeitgeber. Im direkten Vergleich mit JOKER der ästhetisch wie narrativ weitaus spannendere Film über das Aufbegehren der sozial Abgehängten. Weniger prophetisch-prätentiös als das DC-Narrativ, mehr im Kleinen und Beispielhaften erzählt – am Vorabend der vielleicht tiefgreifendsten sozialen Umbruchsprozesse der letzten Jahrhunderte jedoch der weitaus beunruhigendere Film. 

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THREADS / TAG NULL (1984, Mick Jackson)

Die 80er Jahre sind auch ein Jahrzehnt von ambitionierten Spielfilmen über den Atomschlag und den nuklearen Winter. THE DAY AFTER ist das vielleicht populärste Beispiel, das der Bevölkerung ihre großen, kollektiven Ängste in erschreckenden Szenarien vor Augen führte. THREADS von 1984 war mir bisher unbekannt. Er ist seit 35 Jahren nicht mehr ausgestrahlt worden, und dies mag an der außerordentlich realistischen und drastischen Inszenierung liegen, bei der man kaum glauben mag, dass es sich hierbei um eine britische TV-Produktion handelt. Ein wirklich unangenehmes und verstörendes Werk, das ein jahrelanges Überleben nach der Katastrophe ohne Aussicht auf Besserung schildert, und das irgendwann im größten Elend einfach aufhört. Und zwar mit einer schockierenden Schlußsequenz, die wahrlich ihres Gleichen sucht.

Regisseur Mick Jackson drehte später in Amerika Kommerzkino, doch ist THREADS derjenige, mit dem er nach eigener Aussage in Erinnerung bleiben möchte. Wer sich belastbar genug fühlt, sollte sich diesen wichtigen Film nicht entgehen lassen. Alle anderen greifen zur Hollywood-Schmuse-Variante THE DAY AFTER.

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Heute gab es bei mir einen meiner damaligen Lieblingsfilme, den ich bestimmt das letzte Mal vor 15-20 Jahren gesehen habe. Daher wurde es Zeit, die Erinnerung wieder aufzufrischen.

FIVE CORNERS

Gleich vorweg: "Pinguine in der Bronx", so der deutsche viel schönere Titel dieses Films, ist auch nach der erneuten Sichtung immer noch einer meiner Lieblingsfilme.
Er ist eine interessante, in manchen Teilen lockere, aber auch spannende Geschichte, die im Jahr 1964 in einem Bezirk in der Bronx spielt. Es geht um einen Vergewaltiger, der wieder aus dem Knast kommt. Außerdem geht es um sein damaliges Opfer und ihren Freund sowie auch um denjenigen, der ihn damals ins Gefängnis brachte, der aber nun der Gewalt abgeschworen hat. In einer weiteren Nebenstory geht es um fünf weitere Charaktere und um Pinguins. Das Psychodrama ist meiner Meinung nach schon sehr gut geschrieben, aber wird hauptsächlich von seinen großartigen Schauspielern (u.a. Jodie Foster, wegen der ich mir damals den Film überhaupt angeschaut habe, Tim Robbins und John Turtorro) und der Atmosphäre der 60er getragen. Letzteres ist nicht nur im wunderbaren Setdesign zu erkennen, sondern auch an den Song u.a. von den Beatles (George Harrison ist Produzent des Films).

Der Score stammt hier von James Newton Howard, der hier noch relativ am Anfang seiner Filmmusikkarriere stand. Das Piano ist hier im Vordergrund, und hat sogar seinen Solo-Moment bei dem einzigen "Action"-Cue. Ab und zu tauchen, so vermute ich künstliche Streicher ebenfalls auf und den einen oder anderen etwas schrägen musikalischen Moment gibt es auch. Ja, der Score gefällt.  Jap.. der Film ist immer noch ein Lieblingsfilm von mir. Mal schauen, ob es wieder 15-20 Jahre dauert, bis ich ihn wieder mal sehe.

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vor 4 Stunden schrieb horner1980:

Heute gab es bei mir einen meiner damaligen Lieblingsfilme, den ich bestimmt das letzte Mal vor 15-20 Jahren gesehen habe. Daher wurde es Zeit, die Erinnerung wieder aufzufrischen.

FIVE CORNERS

John Patrick Shanley, ausgezeichneter Autor!

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Am 10.2.2020 um 18:32 schrieb Angus Gunn:

THREADS / TAG NULL (1984, Mick Jackson)

Danke für den Tipp, hatte ich selber noch gar nicht auf dem Schirm. Klingt äußerst spannend. 

 

EARTHQUAKE (Mark Robson, USA 1974)

Nach THE POSEIDON ADVENTURE - den ich schwerfällig und eher uninteressant fand - nun weiter im 70er-Katastrophenfilm-Text: John Williams vertont diesen Genre-Vertreter noch kleinteiliger und frickelig-modernistischer als das Poseidon-Abenteuer, und meidet bis auf die Vorspannmusik konsequent jede größere musikalische Geste. Da haben selbst Goldsmiths Zugänge zum Katastrophen-Kino tendenziell mehr romantischen 'scope'. Auch filmisch ist Mark Robsons Desaster-Szenario ein seltsames, unrhythmisches und anti-klimaktisches Unikum, das erst nach einer guten Stunde in die Vollen geht, und schließlich kurz und schmerzlos in der schmucklosen Nichtigkeit eines Abwasserkanals verendet. Ein Film, den man gerne auf die Couch bitten, und ihm seine tiefschürfende Verschrobenheit ins Bewusstsein holen möchte - denn an Intention möchte ich bei den vielen Eigensinnigkeiten dieses Films nicht glauben. 

 

LIFE OF BRIAN (Terry Jones, GB 1979)

Monty-Python-Entjungferung. Humor ist natürlich etwas höchst Subjektives, aber ich habe das Gefühl, dass LIFE OF BRIAN als 30- bis 40-minütige Sketch-Zusammenstellung besser funktioniert hätte als als 95-minütiger Spielfilm. Vielleicht fehlt meiner Rezeption einfach das nostalgische Fundament - echte Begeisterung konnte sich jedenfalls nicht einstellen, und im Gedächtnis wird mir der Film nur wegen einzelner, guter Gags, nicht jedoch aufgrund einer kohärenten und stimmigen Filmerfahrung bleiben. 

 

THE ROCKETEER (Joe Johnston, USA 1991)

Ernüchternde Wiederentdeckung von Disneys Superhelden-Period-Piece. Die anonyme und glatte Inszenierung verschenkt wahnsinnig viel Potenzial, auch James Horners naiv vor sich hin dudelnder Score hält den Film beständig im Superfiziellen - und Disneys Bedenken, die Hauptfigur vielleicht doch mit einem bekannteren und charismatischeren Darsteller zu besetzen, waren am Ende durchaus berechtigt. Hier ist leider fast jeder filmische Aspekt so charakterschwach und unverfänglich, dass man sich fragt, wie einem Anti-Auteur wie Johnston danach so etwas (relativ) Spielfreudiges und Bissiges wie JUMANJI gelingen konnte. Am Ende bleibt ein hübsches Art-déco-Abziehbildchen, ein kantenloser Fan-Favorite (vor allem in Kreisen von Filmmusikliebhabern), für den ich ganze drei Anläufe brauchte, um ihn zu Ende zu schauen. 

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vor 12 Stunden schrieb Sebastian Schwittay:

THE ROCKETEER (Joe Johnston, USA 1991)

Ernüchternde Wiederentdeckung von Disneys Superhelden-Period-Piece. [...] für den ich ganze drei Anläufe brauchte, um ihn zu Ende zu schauen. 

Hat Dir der Film früher besser gefallen?

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Ich habe mir nach über 20 Jahren JUMANJI wieder angeschaut ... die visuellen Effekte waren schon damals etwas schwach, aber nichtsdestotrotz hat der Film wegen Robin Williams und der fabelhaften Musik von James Horner sehr viel Spaß gemacht. Kommt heute äußerst selten vor, dass der Score so prägnant und positiv hervorsticht ... damit dem Film noch mehr Unterhaltungswert verleiht. 

THE ROCKETEER hat mir schon damals sehr gut gefallen und gefällt mir auch heute noch sehr gut. Ist ein richtiger Feelgood Movie. :) 

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Hab Rocketeer lang nicht mehr gesehen und früher echt gern gemocht ... ob's wohl immer noch so wäre? Hat eigentlich mal jemand den Comic angeschaut/gelesen?

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vor 17 Stunden schrieb Poldi:

Hat Dir der Film früher besser gefallen?

Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob ich den Film überhaupt je ganz gesehen hatte. Erinnert habe ich mich an die finale Luftschiff-Sequenz und die Zerstörung des "LAND"-Abschnitts des Hollywood Sign - möglicherweise als Kind oder Jugendlicher mal im Fernsehen gesehen. 

 

1917 (Sam Mendes, USA 2019)

Mendes' stilbewusstes Weltkriegs-Abenteuer ist am besten, wenn eher wenig passiert: die ersten 20 Minuten in den Schützengräben, das angespannte Warten der Soldaten in den Einbuchtungen der Lehmwände, der abgeklärte Humor, der mit dem Leben schon abgeschlossen hat. Später die trügerische Stille auf dem verlassenen Hof, bevor man beiläufig Zeuge einer Luftschlacht wird. Sensationalistisch und effektgeil dagegen, wenn die hinter den Protagonisten her schleichende Kamera an jedem verwesten Schädel hängen bleibt und jedes Geisterbahn-Detail der Oscar-geilen Ausstattung einfangen will. Referentiell und kopierfreudig in einer der (zugegebenermaßen) emotionalsten und körperlich unangenehmsten Szenen des Films, die eine Sequenz aus Spielbergs SAVING PRIVATE RYAN mustergültig neu auflegt. Und am Ende leider auch ganz der digitalen Blockbuster-Ästhetik verpflichtet, wenn bei eskalierenden Fußjagden in den stylish erleuchteten Ruinen einer Kleinstadt virtuos und comic-book-like in die Vertikale inszeniert wird - und Thomas Newmans überschätzter Score dazu smooth und zeitgemäß aus den Boxen wummert. 

Trotz alledem ist 1917 spannend und unterhaltsam, und als nette Kriegs-Exploitation prima goutierbar (anspruchsvolles Kino ist 1917 nämlich nicht, auch wenn die Oscars - und jene, deren Rezeption sich von der behaupteten Erhabenheit dieser Veranstaltung leiten lässt - anderes suggerieren mögen). Ich hätte ihn am liebsten in einem miefigen Bahnhofskino gesehen, mit prolligen Typen neben mir, die im Suff die Leinwand anbrüllen - und nicht im Rahmen einer wertigen Filmmuseums-Veranstaltung, wo sich ein schniekes, Weißwein-schlürfendes Bildungsbürgertum am Vorabend der Oscars seine monatliche Dosis Geschichtsschwere abholt. Aber man kann nicht alles haben. 

Am Ende heißt es nochmal tapfer sein, und ein erhebendes, verzweifelt nach Filmpreisen schreiendes Schlussbild herunterwürgen. Aber das bekommt man dann auch noch hin.  

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KING OF THE ANTS (Stuart Gordon, USA 2003)

Stuart Gordons Independent-Rachethriller über einen jungen Mann in Los Angeles, der in eine kriminelle Halbwelt gezogen wird, und nach einem Auftragsmord in den Grundpfeilern seiner Identität erschüttert wird, wirkt wie eine grimmige Low-Budget-Variation über Lynchs LOST HIGHWAY - inklusive Doppelleben, grotesken Gewalteinwirkungen auf Schädeldecken, und den charakteristischen Schwarz-Abblenden, mit denen auch im Lynch-Film die fiebrige Odyssee des Protagonisten visuell pointiert wird. Und doch ist Gordons Film ausgesprochen individuell: in seinem (verglichen mit Lynch) noch aussichtsloseren Existenzialismus, der zuweilen hysterischen Ästhetik, und seinen ausgezeichnet geschriebenen Charakteren. Eine schöne Genre-Entdeckung abseits der ausgetretenen Pfade. 

 

ADAM & YVES (Peter De Rome, USA 1974)

Einer der schönsten Filme aus dem "golden age of gay porn", der bereits beim Nürnberger Hofbauer-Kongress im Januar gezeigt, und zum Valentinstag noch einmal vom Filmkollektiv Frankfurt nachgespielt wurde. Das impressionistisch-erotische Abenteuer eines Amerikaners in Paris hat - wie viele Filme der Produktionsfirma Hand in Hand Films - sogar einen eigens komponierten und eingespielten Orchesterscore des New Yorker Komponisten David Earnest, der stilistisch zwischen Ravel, Milhaud und Strawinsky pendelt. Gemeinsam mit den anderen Earnest-Scores für die Hand-in-Hand-Filme ein bislang ziemlich unbeackertes Gebiet (Underground-)Filmmusikgeschichte, das es wert ist, entdeckt zu werden. 

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