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alter Forumshase
Kontaktinformationen
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E-Mail
sschwittay@googlemail.com
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Website URL
oddandexcluded.wordpress.com
Profilinformation
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Geschlecht
Male
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Wohnort
Heidelberg / Mainz
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Interests
Filmmusik, Film, klassische Musik (v.a. des 20. Jahrhunderts), Kunst und Kultur, Geschichte, Architektur
Soundtrack Board
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Lieblingskomponist
Elliot Goldenthal, Jerry Goldsmith, Christopher Gordon, Michael Kamen, David Shire, Alex North, Marco Beltrami
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Anzahl Soundtracks & Scores
ca. 1000
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Leistungen von Sebastian Schwittay
Alter Forumshase (4/4)
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Hans Zimmer - DUNE: Part 3 (Dune: Messiah)
Sebastian Schwittay antwortete auf neos Thema in Scores & Veröffentlichungen
Ja - angefangen hat das irgendwo bei Finchers SE7EN (toller Film natürlich, keine Frage!), ging weiter mit der Düster-Farbstichigkeit von PANIC ROOM, und erreichte seinen Höhepunkt bei Nolans DARK KNIGHT-Filmen. Letztere haben dann auch die "existenzialistische Düster-Erzählung" etabliert. Fertig war der neue Trend, der bis heute alles kaputt macht. -
Hans Zimmer - DUNE: Part 3 (Dune: Messiah)
Sebastian Schwittay antwortete auf neos Thema in Scores & Veröffentlichungen
Ja, das ist halt die Position des Kanons.* Ich finde ALIEN auch gut, und er ist bei mir auch sehr weit oben im Scott-Ranking (trotz Vergewaltigung von Goldsmiths Musikkonzept) - aber HOUSE OF GUCCI finde ich noch deutlich spannender. Einer der interessantesten, wildesten, verrücktesten Scott-Filme überhaupt, und er zeigt exemplarisch, wie sich Scott im Alterswerk Spaß und Groteske gönnt - ähnlich wie in THE DOG STARS, über den ich auch hier geschrieben hatte. (* Der von Filmkritik und -wissenschaft etablierte Kanon - also das, was als besonders wichtig, "qualitativ" oder filmhistorisch bedeutend gilt - wird in den cinephilen Kreisen, in denen ich mich bewege, meist hinterfragt. Im Kanon herrschen ja oft althergebrachte, konservative Positionen vor, die z.B. Genrekino als minderwertig definieren oder an der überholten Autorentheorie festhalten. Neuere cinephile Strömungen brechen diese kanonischen Sichtweisen auf Filmgeschichte mehr und mehr auf. In Bezug auf Hollywoodkino kommen dann z.B. Fragen auf wie: ist ein Regisseur wie Anthony Mann nicht genauso bedeutend für das Western-Genre wie der kanonisierte John Ford? Reflektieren Larry Cohens Horrorfilme der 80er nicht genauso geistreich-kritisch über die amerikanische Gesellschaft wie die Melodramen Douglas Sirks? Ist ein Regisseur wie Peter Hyams, der lange als reiner Handwerker galt, nicht doch ein verkannter Meister und wichtiger Noir-Stilist seiner Zeit? Oder eben auch: sind Filme mit prägnanter Filmmusik nicht nur das Werk eines Regisseurs, sondern - im Sinne einer erweiterten Autorentheorie - auch des Filmkomponisten? Letztgenannter Punkt zeigt ja, dass ein Anzweifeln kanonischer Positionen auch unserer eigenen filmmusikkulturellen Subkultur zugute kommen kann.) Neben Kanonkritik ist auch die Analogfilmkultur prägend für neuere cinephile Strömungen. Sprich: das ästhetische Ideal ist der Look der Analogfilm-Ära. Das schließt auch warme, analoge Farbgebungen mit ein. Der Trend heutzutage geht jedoch - auch dank Nolan und Villeneuve - in Richtung Entsättigung. Sogar der Look älterer Filme wird bei Restaurierungen und Remasterings verfälscht, indem entsättigt und vergrauschleiert wird - eine ganze Generation von Filmemachern und Filmrestauratoren denkt mittlerweile monochrom. Diesem Trend stellen sich viele Cinephile konsequent entgegen. Zur Veranschaulichung hier ein Vergleich der alten Bluray von SHOWGIRLS (Paul Verhoeven, 1995) und der neuen Restaurierung von Capelight aus dem Jahr 2020: Die farbintensive alte Bluray (oben) kommt dem Look zeitgenössischer 35mm-Positivkopien recht nahe - so, wie man den Film damals im Kino gesehen hat. Die "Trend"-Restaurierung von Capelight hingegen (unten) tilgt die Farben, damit es in die heutige "Grau-in-Grau-Ästhetik" passt. Das alles ist das Ergebnis eines ästhetischen Brainwashings, das wir in erster Linie Regisseuren wie David Fincher, Christopher Nolan und Denis Villeneuve zu verdanken haben. Natürlich ist es am Ende subjektiv, was einem persönlich besser gefällt. Objektiv feststellbar ist allerdings der Trend an sich - ein Trend, der sogar das Filmerbe der Vergangenheit verfälscht. -
Hans Zimmer - DUNE: Part 3 (Dune: Messiah)
Sebastian Schwittay antwortete auf neos Thema in Scores & Veröffentlichungen
Mir ging es hier um die Diskussion eines ästhetischen Trends im Allgemeinen, der an Villeneuves DUNE konkret besonders sichtbar wird. Und durch Trailer, Bilder, Ausschnitte, usw. wird man eh so sehr mit der Ästhetik dieser Filme dauer-konfrontiert, dass man die Filme selbst gar nicht unbedingt gesehen haben muss, um zu wissen, dass man ihre Ästhetik trüb und abstoßend findet. Ich hätte auch Nolans THE ODYSSEY nicht sehen brauchen - es war genau das, was ich erwartet hatte. Die übliche Nolan-Tristesse eben. THANKSGIVING gesehen? Ein wunderbar farbiger, im besten Sinne altmodischer Film, der Genre-Konventionen (hier die des Slasherfilms) in die Gegenwart transferiert, ohne sie an den trüb-grauen ästhetischen Zeitgeist zu verkaufen. ICE CREAM MAN sah auch fantastisch aus, leider noch nicht gesehen. Wirken bunte, farbenfrohe Filme auf ein heutiges Publikum wirklich so trashig? Ist ja schlimm... -
Hans Zimmer - DUNE: Part 3 (Dune: Messiah)
Sebastian Schwittay antwortete auf neos Thema in Scores & Veröffentlichungen
Zwischen den kanonisierten Großmeistern der Vergangenheit (ich nehme an, du meinst Leute wie Hitchcock, Ford, Kubrick und Co.?) und den kanonisierten Blendern der Gegenwart - wie Nolan oder Villeneuve - gibt es ja zum Glück noch eine gigantische "Grauzone" der Vielfalt. Dir sicher zu links, aber Paul Thomas Andersons ONE BATTLE AFTER ANOTHER gehört sicher zur Speerspitze des brandaktuellen Genre-Autorenkinos; darüber hinaus machen auch Leute wie Zach Cregger, Ti West, Ari Aster oder Eli Roth gerade sehr aufregendes, wenig prätentiöses und wohltuend klassizistisches Genrekino. Den verrückten Altmeister Ridley Scott sehe ich immer wieder gerne (eigensinnige Meisterwerke wie HOUSE OF GUCCI haben das Publikum sehr irritiert; wunderbar war zuletzt auch THE DOG STARS), ebenso wie den guten alten Paul Schrader (THE CARD COUNTER). Und wenn es doch mal hippe, zeitgemäße Stylerei sein soll, schätze ich Luca Guadagnino (CHALLENGERS) viel mehr als Villeneuve und Konsorten. Auch einen Blick wert: die großartige Kelly Reichardt (THE MASTERMIND), Jordan Peele (NOPE), Jeff Nichols (THE BIKERIDERS) und S. Craig Zahler (DRAGGED ACROSS CONCRETE, sein letzter Film, leider schon 7 Jahre her). -
Hans Zimmer - DUNE: Part 3 (Dune: Messiah)
Sebastian Schwittay antwortete auf neos Thema in Scores & Veröffentlichungen
Mag durchaus alles sein - ich bewerte das aber aus rein film(ästhet)ischer Sicht. Villeneuve mag der Richtige für die Verfilmung gewesen sein, und trotzdem nervt er mich/uns seit Jahren mit seiner steril-monochromen Art, Filme zu machen. (Und ob ein Buch gut verfilmt ist, ist für die Betrachtung eines Films eh erstmal nachrangig.) Ist doch schön, wenn es was zu diskutieren gibt. Schließlich sind wir hier in einem Diskussionsforum. Nachdenken, Schreiben und Sprechen über Filme, Kunst und Kultur ist ja eh das Wichtigste überhaupt. -
Howard Shores achtzigster Geburtstag, und eine private Romantic-Comedy-Retro - meine Hör-Anlässe im Oktober: THE FLY (Howard Shore) THE CELL (Howard Shore) ONE FINE DAY (James Newton Howard) RUNAWAY BRIDE (James Newton Howard) IT COULD HAPPEN TO YOU (Carter Burwell) Zwei tolle Tracks: "Chlorine and Rust", mein Lieblingsstück aus THE CELL - und "Ike Writes Column" aus dem leider noch immer unveröffentlichten RUNAWAY BRIDE.
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Hans Zimmer - DUNE: Part 3 (Dune: Messiah)
Sebastian Schwittay antwortete auf neos Thema in Scores & Veröffentlichungen
Villeneuve ist in der cinephilen Szene, in der ich verkehre, schon äußerst unbeliebt, eigentlich sogar ein rotes Tuch. Was du als "tolle Optik" bezeichnest, wird da eher als Paradebeispiel für die trübsinnige Monochromie und Farbstichigkeit im aktuellen Kino wahrgenommen. Ich finde Villeneuve auch ausgesprochen trist - neben ihm i.d.R. auch Nolan oder die Mendes-Bondfilme, die alle bereits vor Jahren diese ästhetische Marschrichtung eingeschlagen haben. Zusammen mit der matschig-"epischen" Klangästhetik der Zimmer- und Göransson-Musiken (bezeichnenderweise greifen ja fast alle genannten Regisseure auf diesen Sound zurück; man kann also von einer übergreifenden Programmatik sprechen) lässt sich da schon von einem Verfall sprechen, zumindest im Sinne eines Verfalls von klanglicher und visueller Differenzierung. Kann man so und so sehen. De Palmas SCARFACE glorifiziert Tony Montana auch nicht, und trotzdem dient die Figur immer noch einer ganzen Generation von toxischen Mackern als Lifestyle-Vorbild. Es braucht nicht unbedingt Affirmation, um ideologische Inspiration aus fiktionalen Stoffen zu ziehen. Ich möchte gar nicht wissen, wieviele junge Typen die auf Motiven wie "Ehre", "Familie" und "Tradition" bauenden Wüstenkrieger-Erzählungen der DUNE-Filme auch ideologisch attraktiv finden. (Ich vermute, dass der Erfolg der Reihe auch mit dem allgemeinen Erstarken von Stammesdenken und Patriarchat zu tun hat. Diese Weltentwürfe boomen ja gerade wieder massiv, unter Rechten gleichermaßen wie in muslimischen Communities.) Ich und Hollywood-Bashing? Als jemand, der in seinem Cineasten-Freundeskreis als beschränkt gilt, weil er (fast) nur amerikanisches Kino schaut... Nun denn. -
Caldera: DEADFALL/I MARRIED A MONSTER (David Shire)
Sebastian Schwittay antwortete auf Caldera Recordss Thema in Scores & Veröffentlichungen
Danke für den Einblick! Hoffe, Shire geht es gesundheitlich noch einigermaßen gut. Schön, dass er so leidenschaftlich an den Veröffentlichungen mitwirkt. -
Hans Zimmer - DUNE: Part 3 (Dune: Messiah)
Sebastian Schwittay antwortete auf neos Thema in Scores & Veröffentlichungen
Ich auch nicht. Die Tristesse der monochromen Villeneuve-Optik in Verbindung mit diesem hohlen Kriegergedöhns wirklich absolute Endstufe des ästhetischen und ideologischen Verfalls im zeitgenössischen Hollywood-Kino. Schlimmer als Marvel. Würde ich mir nur gegen Bezahlung anschauen. Der Zimmer-Score zum ersten Teil hatte tatsächlich einige interessante Aspekte, vor allem die skalenbasierte Faktur des Themas. Actionscoring aber natürlich furchtbarer Matsch. -
Ja, die mochte ich beide sehr gern. "Großartig" ist vielleicht etwas zu hoch gegriffen, aber gut sind die auf jeden Fall, besonders JURASSIC WORLD: REBIRTH.
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- sony music
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Michael Abels - HOPE
Sebastian Schwittay antwortete auf ronin1975s Thema in Scores & Veröffentlichungen
Die "Freeway Chase" höre ich gerade auch öfter beim Arbeiten. In den ersten paar Minuten hat das immer mal wieder John-Adams-Flair, später könnte es auch ein Debney-Actionscore aus den 90ern sein ("Helicopter Pursuit" aus END OF DAYS, das Finale aus THE RELIC o.ä.). Macht wirklich Laune! -
Was habt ihr zuletzt gesehen?
Sebastian Schwittay antwortete auf Scorechasers Thema in Film & Fernsehen
Ein paar coole Sichtungen der letzten Tage: PUPPET MASTER (David Schmoeller, 1989) Wirr erzählter Unfug über eine Handvoll parapsychologisch Begabter, die sich in einem Hotel an der kalifornischen Küste zusammenfinden und dort vom Adepten eines Puppenmagiers dezimiert werden. Zwar kaum spannend, aber die Puppen-Sequenzen sind next level Alptraummaterial (u.a. gibt es eine Blutegel erbrechende Frauenpuppe, die von einer der Hauptfiguren zunächst für eine Sexualpartnerin gehalten wird). Diese Szenen, von denen es zum Glück einige gibt, heben PUPPET MASTER dann doch in den Pantheon der besonders verstörenden Hotelhorrorfilme in der Nachfolge von Kubricks THE SHINING. Nach LEPRECHAUN und PUMPKINHEAD das dritte B-Horror-Franchise, das ich dieses Jahr anschneide oder zu komplettieren versuche. Ich muss zugeben: ich habe ein Herz für diese kostengünstig produzierten, aber oft sehr originellen Horrorreihen der VHS-Ära. (3,5/5) FAR AND AWAY (Ron Howard, 1992) FAR AND AWAY ist am interessantesten, wenn er Nicole Kidman lüstern den Körper ihres frisch gebackenen Ehemanns Tom Cruise erkunden lässt. Ein Meta-Film über eine ikonische Hollywood-Ehe, der sich einige Jahre später mit Stanley Kubricks EYES WIDE SHUT zu einer Art Diptychon formen sollte. Als Historienepos funktioniert er nur halb so gut, aber der 'Oklahoma Land Rush' im letzten Akt und das triumphale Schlussbild gehören zu den großen Momenten des 90er-Hollywoodkinos, die man unbedingt gesehen haben sollte – und das am besten auf großer Leinwand. (4/5) (Gesehen am vergangenen Samstag auf dem 19. TODD-AO 70mm-Festival in der Schauburg Karlsruhe.) MOUNTAINS OF THE MOON (Bob Rafelson, 1990) Abenteuerfilm über die Suche nach der Nilquelle im späten 19. Jahrhundert. Ein Film über Versehrung, Verstümmelung und den körperlichen Preis des Entdecker-Ruhms. In einer schönen Szene gegen Ende des Films vergleichen Patrick Bergin und Bernard Hill ihre Narben; in einer weniger schönen Szene zu Beginn bekommt Bergins Figur von afrikanischen Eingeborenen einen Wurfspeer durch den Unterkiefer gestoßen (und wenig später fressen sich Käfer durchs Trommelfell seines Expeditionskollegen Iain Glen). Im Kontrast zum schmerzhaft-körperlichen Realismus von Rafelsons Entdecker-Drama steht ein überragend schöner, romantischer Abenteuerscore von Michael Small, der im Einsatz afrikanisch-ethnischer Elemente Jerry Goldsmiths 90er-Abenteuermusiken wie CONGO oder THE GHOST AND THE DARKNESS vorwegnimmt. (3,5/5) -
Danke für die Einschätzung. Werde den aber, aller Voraussicht nach, und wie so oft bei mir und Desplat, nur im Film hören.
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Sebastian Schwittay antwortete auf Scorechasers Thema in Film & Fernsehen
Ein paar aktuelle Filme: THE ODYSSEY (Christopher Nolan, 2026) Trüber Realismus gepaart mit einer Erzählwut, die in der ersten Dreiviertelstunde Rückblende an Rückblende reiht – es ist alles mal wieder genauso, wie man es sich von einem Christopher-Nolan-Film erwartet. Dazu gibt es tosenden Klangmatsch von Ludwig Göransson, der die ohnehin viel zu lärmend abgemischte Tonspur noch unerträglicher macht. Pluspunkte gibt es für den Zyklopen und die grotesken, wenn auch viel zu kurz aufblitzenden Verwandlungseffekte der Circe-Sequenz. In anderen Händen hätte THE ODYSSEY ein schöner Monsterfilm werden können. (2,5/5) THE DOG STARS (Ridley Scott, 2026) Mal melancholische LAST OF US-Variation, mal irrsinniger Wald-und-Wiesen-MAD MAX: erneut kommt Ridley Scott mit einem hochgradig eigenwilligen Spätwerk um die Ecke, das in seinen verwegenen Ein- und Tonfällen beweist, dass HOUSE OF GUCCI kein Ausrutscher, sondern Programm war. Wo immer es die Umstände erlauben, lässt Scott sich mit den Filmen seiner – vermutlich – letzten Schaffensperiode den puren Wahnsinn raus, und räumt gründlich mit den Vorstellungen eines "gereiften Altersstils" auf. Das Spätwerk als Spielwiese statt als Weihealtar. (4/5) DIGGER (Alejandro G. Iñárritu, 2026) Der wahnsinnig platte Theater-Kram ist fast so nervtötend wie BIRDMAN und erweist der ansonsten unterhaltsamen Freakshow einen (Erklär-)Bärendienst. Politsatire für Leute, denen man jeden Witz erklären muss. (2,5/5) BACKROOMS (Kane Parsons, 2026) BACKROOMS habe ich einen Tag nach George A. Romeros KNIGHTRIDERS gesehen, mit dem er ein verblüffendes Meta-Double-Feature abgibt. Auf sehr unterschiedliche Weise kreisen beide Filme um den Ausverkauf einer Idee und deren Nutzbarmachung durch einen Investor. KNIGHTRIDERS erzählt davon ganz konkret in seiner Filmhandlung (Martin Ferrero als Werbe-Investor, der die Motorrad-Ritter um Ed Harris unter Vertrag nehmen will), während in BACKROOMS – als wohl interessantestem Beispiel für Talent-Exploitation in der jüngeren Filmgeschichte – der Ausverkauf eher hinter den Kulissen stattfindet. Man sieht den 20-jährigen Kane Parsons förmlich vor sich, wie er in einem Büro von fünfzehn A24-Funktionären umringt wird, die ihm vorschlagen, wie seine Web-Serie „Backrooms“ (2022) in Spielfilm-Form gebracht werden könnte – untermauert von einem professionellen Hollywood-Drehbuch, das die abstrakten Ideen der YouTube-Serie mit zwei interessanten Protagonisten und zwei sehr zeitgemäßen ‚backstory wounds‘ abfedert. Tatsächlich scheinen weder die Erzählung des toxisch-infantilen Clark (Chiwetel Ejiofor), der im realen Leben nicht zu Rande kommt und sich in kontrollierbare Scheinwelten flüchtet, noch die der Psychotherapeutin Mary (Renate Reinsve), die aus den Gefängnissen ihrer Kindheitstraumata auszubrechen versucht, organisch mit Parsons „Backrooms“-Lore verbunden zu sein. Viel mehr wirken sie wie von einem Hollywood-Script-Doctor eingepflanzt: gekonnt psychologisiert, mit gegensätzlichen Charaktereigenschaften der Hauptfiguren, alles by the book; nur eben in keinem Moment den Verdacht erweckend, es könne sich hier um die Ideen eines Hollywood-Debütanten handeln, der von der abstrakten Lore seines Found-Footage-Horrors urplötzlich die Kurve zum routinierten ‚character writer‘ kriegt. Die Ghost-Director-Theorien, die seit geraumer Zeit die Runde machen und über Produzent Osgood Perkins als eigentlichen Regisseur spekulieren, finde ich gar nicht mal abwegig – nicht nur wegen der Drehbuch-Aspekte, auch angesichts der professionell inszenierten Actionsequenzen im letzten Drittel des Films. Dass als zentrales Monster ausgerechnet eine Piraten-Werbefigur durch die Gänge der ‚backrooms‘ stapft und Jagd auf verirrte Seelen macht, ist am Ende vielleicht der denkbar passendste Ausdruck dieses gekaperten Ideen-Konglomerats. Auf verstörende Weise holt sich BACKROOMS hier selbst auf die Couch und erzählt seine Ausverkauf-Story auf der Meta-Ebene gleich mit. Everything must go! (3,5/5) OBSESSION (Curry Barker, 2026) Streckenweise etwas zu betont egdy und grausam – vor allem in den teils unnötig in die Länge gezogenen Gewaltexzessen – , trotzdem ein starker, unbequemer Horrorfilm, dessen durchschlagender Erfolg bei der GenZ auf ein profundes Misstrauen in traditionelle Geschlechterbeziehungen schließen lässt. Haben junge Menschen überhaupt noch Lust auf Paarbeziehungen, geschweige denn auf Fortpflanzung und das gemeinsame Großziehen von Kindern? Die Zukunft kann kommen! (4/5) PASSENGER (André Øvredal, 2026) Eine Aneinanderreihung billiger Jumpscares und öder Genre-Standards – tatsächlich so ein bisschen die Antithese zum ‚elevated horror‘ der Gegenwart, aber wenn das die Aussichten sein sollen, dann gute Nacht. Zum an sich spannenden Thema „Grusel auf nächtlichen Straßen“ fällt PASSENGER nicht ein einziges erinnerungswürdiges Bild oder Motiv ein, und auch auf Figurenebene bleibt sein blass gezeichnetes Hipster-Protagonisten-Pärchen völlig egal. Selbst Christopher Young arbeitet sich vergleichsweise uninspiriert durch die Jumpscare-Tristesse (das Soundtrack-Album ist da interessanter, denn es ist – wie so oft bei Young – ein Konzeptalbum, das den Score weiter ausbaut). Lieber nochmal die Louis-Chiles-Episode aus CREEPSHOW 2 oder die Fahrrad-Szenen aus IN THE MOUTH OF MADNESS schauen. (2/5) LEE CRONIN'S THE MUMMY (Lee Cronin, 2026) Nicht so subversiv wie Cronins EVIL DEAD RISE, hat aber einige spannende Dinge zum Thema „Lebendig-begraben-werden“ zu sagen. Der Film macht recht eindrücklich erfahrbar, wie es sein muss, wenn Gewebe über Jahre hinweg austrocknet, Organe ihre Elastizität verlieren, alles einreißt, sklerodiert und fermentiert. Die Gerüche, die Fäulnis, der Ekel der pflegenden Angehörigen; aber auch die Qual für den betroffenen Menschen, seine veränderte Sinneswahrnehmung durch vertrocknete Augen, verklebte Ohren und zersetzte Sinneszellen – all das kostet LEE CRONIN’S THE MUMMY genüsslich, aber auch mit dem nötigen Gespür für Grauen und Unbehagen aus, was ihn zu einem der wirkungsvollsten ‚body horror‘-Filme der jüngeren Vergangenheit macht. Dass die Gräuel der lebendigen Einbalsamierung im ägyptischen Ausland verübt werden, triggert außerdem reizvolle Urlaubs- und Auslandsängste – von FRANTIC bis MIDSOMMAR ein immer wieder gern gesehenes Motiv im Horror- und Psychothriller-Genre. Ein Film für Medizin-Interessierte, Hypochonder und Erkunder des Abjekten. Zudem gäbe er ein cooles Double Feature mit Wes Cravens THE SERPENT AND THE RAINBOW ab, der sich ebenfalls mit der Problematik unfreiwilliger Bestattung im dunklen Ausland beschäftigt. (4/5) PROJECT HAIL MARY (Phil Lord, Christopher Miller, 2026) Der Fels-Alien ist süß, der Film nie wirklich langweilig. Dass aber jeder Satz und jede Szene mit einem quirky-verpeilten Gag beschlossen werden muss, nervt gewaltig. PROJECT HAIL MARY passt damit gut in die regressiven 2020er – und zur kindsköpfigen Generation Marvel. Naturwissenschaft im All vermittelt Ridley Scotts THE MARTIAN besser und packender. (3/5) -
Veröffentlichung Intrada: JAWS 2 - John Williams (2 CD complete)
Sebastian Schwittay antwortete auf Stempels Thema in Scores & Veröffentlichungen
Ja, ist einfach der LP-Schnitt, der dann von Polydor in verschiedenen Ländern auch auf CD veröffentlicht wurde.