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Alle Inhalte von Sebastian Schwittay
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Nun, bei denen, die weniger schreiben, ist es durchaus anders: Christopher Gordon ist da jetzt sicher ein Extrembeispiel, aber selbst bei jemandem wie Marco Beltrami fällt auf, dass unter den Scores, die er pro Jahr schreibt, prozentual immer noch mehr Substanzreiches übrig bleibt als bei absoluten Workaholics wie Desplat oder Howard. Ich habe mich jetzt auch mal durch RUST AND BONE gehört, und finde das zwar teilweise ganz schön kammermusikalisch-luftig und oft auch originell instrumentiert (Blech-Choräle, E-Gitarren, Akkordeon), aber kompositorisch herrscht in mindestens der Hälfte der Tracks auch wieder ziemlicher Stillstand: ewige Orgelpunkte, mit ein paar Tupfern von Klavier, Gitarre und Harfe zwischendrin, und das minutenlang. Das passiert bei Desplat einfach immer öfter und öfter, schon 2009 hat mich das bei COCO AVANT CHANEL und (zeitweise) CHÉRI auf Dauer ganz schön genervt. Da frage ich mich manchmal, warum man in solchen Fällen nicht einfach ganz auf Musik verzichtet. Oder man macht es, wie ich finde, wirklich interessanter, und verwischt die Grenzen zwischen Sounddesign und Score völlig, wie im Falle von THE HURT LOCKER. Für mich ist letzterer keineswegs in die gleiche Kategorie einzuordnen wie Desplats ZERO DARK THIRTY, weil hier wirklich ein aus vielen Schichten bestehendes Sounddesign erstellt wurde, das im Film gar nicht mehr als extradiegetischer Score wahrgenommen wird. Die Oscarnominierung für diesen ungewöhnlichen Ansatz finde ich hier absolut berechtigt.
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Aber was bringt dieses Argument in der Diskussion um ZERO DARK THIRTY? Die "recht dichte[n] Suspensecollagen" höre ich eigentlich auch nur im ersten Track, der ein wenig wie eine Mischung aus Goldenthal und Zimmers INCEPTION anmutet. Ansonsten erreicht der Score nicht mal ansatzweise die Vielschichtigkeit der Klangcollagen aus Beltramis/Sanders' THE HURT LOCKER. Anyway: je mehr Desplat schreibt, so scheint mir, desto generischer und uninteressanter wird ein Großteil seines Outputs. Gerade zu anspruchsvollen Filmen wie ARGO oder ZERO DARK THIRTY gibt es dann nur ein bisschen vor sich hin dräunendes Suspense-Material und weiter nichts. Wobei ARGO am Ende immerhin noch schöne Americana hatte, die für Desplat recht ungewöhnlich klang - würde den Score demnach auch noch höher einstufen als den Zero-Score ZERO DARK THIRTY. Aus dem Desplat´schen 2012 ließ mich bisher eigentlich nur MOONRISE KINGDOM aufhorchen - RISE OF THE GUARDIANS muss ich mir noch zu Gemüte führen, die Hörbeispiele klangen aber immerhin solide.
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Ich habe mir jetzt mal die (recht langen) iTunes-Ausschnitte angehört (1,5 Minuten pro Track, das dürfte also ziemlich repräsentativ sein) - und frage mich schon, was an diesem musikalischen Minimalaufwand hörenswert sein soll. Nichts gegen subtile Lösungen, aber so etwas auf CD zu veröffentlichen und dann auch noch Geld dafür zu verlangen, das finde ich schon beinahe frech. Minutenlange Synthie-Orgelpunkte und unvariierte, ewig wiederholte Mini-Motive des E-Bass, garniert mit ein paar blassen Orientalismen aus der Retorte. Ist ja schön, wenn Desplat für solche entspannten Jobs ein bisschen Geld einsacken kann, aber als Hörer fühle ich mich da doch schon verarscht und frage mich, ob der Komponist, wenn er das veröffentlicht, überhaupt noch an den Hörer/Musikfreund denkt, geschweige denn ihn überhaupt für voll nimmt. Wenn Desplat auf dieses musikalische Nichts andererseits tatsächlich stolz sein sollte, dann ist die moderne Filmmusik wirklich im Eimer. Fazit: Au weia. Erklär mir doch bitte, sofern das überhaupt möglich ist, was du mit "soweit" meinst. Ach, und überhaupt: welche Filmmusik hast du gehört?
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Eigenartige Score-Bewertungen
Sebastian Schwittay antwortete auf Alexander Grodzinskis Thema in Off Topic
Clemmensen lehnt musikalische Avantgarde leider strikt ab - ist für ihn nur zu ertragen, wenn es einen mindestens genauso starken, oder stärkeren melodischen Gegenpol in der Musik gibt. Sein ALIEN³-Review kann man demnach schwer ernst nehmen. -
Bitte noch zwei Stunden Geduld, heute Abend kommt ein neuer Screenshot.
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Weihnachtsgeschenke 2012
Sebastian Schwittay antwortete auf queenofthefoovulturess Thema in Off Topic
Wünsche ebenfalls gute Genesung! -
Ich finde, gerade in den Tracks, in denen das (irgendwie verschmitzte) Hauptthema des Scores zum Tragen kommt, gibt es immer wieder humoristische Brechungen, die beinahe grotesken Charakter haben. Etwa diese auffallend akzentuierten, abwärts schlitternden motivischen Figuren in "Leaving the Apartment" (1:30) oder "Live Free or Die Hard" (2:11), die es ganz ähnlich auch in Kamens DIE HARD-Scores gibt, etwa in "Gruber´s Arrival" aus dem ersten Score, bei 1:00: http://www.youtube.com/watch?v=nz_0HNGWo20 Sicher, bei Beltrami ist es subtiler, "versteckter" und weniger offensichtlich, aber dennoch ist es da - Beltramis musikalischer Humor ist eben etwas zurückgenommener und akademischer.
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Weihnachtsgeschenke 2012
Sebastian Schwittay antwortete auf queenofthefoovulturess Thema in Off Topic
Bei mir gab es neben einigen DVDs (BADLANDS, COSMOPOLIS, MOONRISE KINGDOM und TINKER TAILOR SOLDIER SPY) LaLaLands erweiterte Ausgabe von DIE HARD WITH A VENGEANCE - außerdem zwei süße Kuscheltiere von meiner Freundin. -
Die Tanzakademie aus Dario Argentos SUSPIRIA.
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Die Neueinspielungen des Materials aus 100 RIFLES, RIO CONCHOS und Co. klingen im Vergleich zu den Originalen zwar etwas bisslos, aber allein wegen des abgelehnten Rosenman-Scores werde ich hier wohl schon zugreifen. Schöne Veröffentlichung zum Jahresende!
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- Intrada
- Leonard Rosenman
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Noch nicht, nein. Sind die denn empfehlenswert?
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Der Nicolas-Cage-gute-alte-Zeiten-Thread
Sebastian Schwittay antwortete auf TheRealNeos Thema in Film & Fernsehen
Hier sollte man wahrlich nur das brillante Original von Robin Hardy ansehen, und alles andere ignorieren. Selbst die Fortsetzung THE WICKER TREE. Was Cage betrifft: von seinen neueren Filmen gefällt mir BAD LIEUTENANT ganz ausgezeichnet, eine großartige Performance. Ansonsten natürlich LORD OF WAR, und einige echt gute Leistungen in den 90ern, darunter v.a. BRINGING OUT THE DEAD, der bislang noch gar nicht genannt wurde. -
Da durfte sich Lubezki wieder austoben... Sieht aber echt gut aus!
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Ich fand THE EXPENDABLES 2 interessanterweise auch weitaus unterhaltsamer als Teil 1. Lag vielleicht daran, dass Stallone nun einem echten Regisseur den Regie-Stuhl überlassen hat. DAS sind doch mal feine Neuigkeiten. Hab mir dieses Jahr die erste Staffel der originalen Serling-Serie als UK-DVD geholt und bin fasziniert. Den Film von Dante/Spielberg/Landis finde ich auch ganz wunderbar. Hatte sich nicht mal Leonardo DiCaprio die Rechte an einer neuen Filmversion der TWILIGHT ZONE gesichert?
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Was habt ihr zuletzt gesehen?
Sebastian Schwittay antwortete auf Scorechasers Thema in Film & Fernsehen
Was bringt es, wenn unbekannte, originelle, wenig massentaugliche Bücher konventionell und massentauglich inszeniert werden? Storytechnisch ambitioniert ist das Ganze ja durchaus, nur bringt das eben die Buchvorlage mit sich. Die Visualisierung, das "Filmkünstlerische" an dem Projekt dagegen wirkt visuell zusammengeklaubt, aus Dutzenden Blockbustern der letzten Dekade. Ist ja schön und gut, dass man sich an Stoffe wagt, die keiner gewinnversprechenden Franchise angehören, aber wenn dann am Ende etwas genauso formelhaftes entsteht, wie man es aus dem Mainstream-Programm gewohnt ist, wurde meiner Meinung nach einfach zu viel Wirbel um nichts gemacht. COSMOPOLIS ist einer der wenigen Filme der letzten Jahre, denen ich eine wirklich avantgardistische Tendenz attestieren würde. Weg von entwickelnder Narration, hin zur versponnenen Metaphysik und zum reflektierenden Stillstand - keiner mochte es (IMDb-Wertung mittlerweile: 5,3), aber das ist symptomatisch für unsere heutige Kino-Landschaft, die von komplexer, intelligenter Narration à la Nolan geprägt ist und eben nicht mehr von avantgardistischen Elementen (Körperlichkeit, Tabubruch, Schock, Kontemplation oder politische Konzepte). COSMOPOLIS schließt, wie ich finde, an die Tradition der Midnight Movies der 70er an - ein subkulturelles Kino, das sich Trends entgegenstellt und vom Mainstream-Publikum völlig abgelehnt wird. Dass er teilweise sogar auch vom Non-Mainstream-Publikum angefeindet wird, hängt wohl damit zusammen, dass es in unserer heutigen Gesellschaft keine wichtigen gegenkulturellen Tendenzen mehr gibt - die 70er sind (leider) vorbei. Um deine Frage zu beantworten: ja, ich finde, COSMOPOLIS ist eher eine Bereicherung, weil er Dinge anders und eigenständiger macht als der Mainstream. (Nolan, Fincher, Bigelow und Co. empfinde ich übrigens auch als Bereicherung - denn sie sind zwar eher einem traditionalistischen, narrativen Kino zuzurechnen, aber stilistisch eigenständig und unverkennbar. So etwas sehe ich bei CLOUD ATLAS leider in keiner Minute.) Cronenbergs frühes Kino (zu dem er mit COSMOPOLIS in gewisser Weise zurückkehrt), gehört in die oben beschriebene Tradition der Midnight Movies und ist als avantgardistisches Konzeptkino zu verstehen, das mit den Bewertungsmaßstäben des narrativen Kinos schwer zu erfassen ist. In VIDEODROME geht es um Schock, Körperlichkeit, sexuelle Perversion und Obsession, sowie um wirre pseudo-politische Konzepte, die bewusst wirr und unzusammenhängend gestaltet sind, um den Zuschauer zu verunsichern und anzugreifen. Das Hauptthema des Films ist, was ein Medium mit der Wahrnehmung eines Menschen anstellt - mit der Wahrnehmung des Protagonisten im Film, als auch mit unserer eigenen Wahrnehmung. Diese Konzentration auf die Wahrnehmung ist das zentrale Merkmal des Avantgarde-Films - elaborierte, sinnhafte und kunstvoll komponierte Erzählung spielt hier keine Rolle. Du kannst nicht sagen, dass sich hier irgendetwas im "Nichts" verliert - denn das, was du "Etwas" nennen würdest (ich nehme an, du meinst ein erzählerisches Etwas), hatte Cronenberg nie vor. Man kann Cronenbergs frühe Filme einfach nicht mit dem Vokabular des Erzählkinos beschreiben bzw. kritisieren. -
Immerhin, auf musikalischer Ebene ist das Ganze dank Goldenthal immer noch ziemlich interessant.
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Kritzerland: Alex Norths HOT SPELL und Adolph Deutschs THE MATCHMAKER
Sebastian Schwittay antwortete auf ein Thema in Scores & Veröffentlichungen
Als North-Freund interessiert mich HOT SPELL durchaus, werde da wohl bei Gelegenheit mal zugreifen. -
Beasts of the Southern Wild - Benh Zeitlin & Dan Romer
Sebastian Schwittay antwortete auf TheRealNeos Thema in Scores & Veröffentlichungen
Emotionale Musik, minimalistisch, folkloristisch geprägt, von zwei Komponisten, die in der Filmmusik-Szene noch recht neu sind - das liest sich zugegebenermaßen schon wie eine Mischung aus THE SOCIAL NETWORK, BABEL und FRIDA, oder? -
Ich tippe mal auf LINCOLN, da finden gerade die Pressevorführungen statt.
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Christopher Gordon - Musik für TWO MOTHERS
Sebastian Schwittay antwortete auf horner1980s Thema in Scores & Veröffentlichungen
Toll! Bin sehr gespannt, das dürfte wieder was Feines werden. Ist das ein australischer Film, oder hat er jetzt den Sprung in die US-Liga geschafft? -
Ich finde, der Score steht Kamens Arbeiten in nichts nach, auch die humoristisch-ironische Ebene wurde hier nicht vernachlässigt, wenngleich Beltramis musikalischer Humor sicher etwas subtiler ist als Kamens. Ronins News lesen sich wirklich gut, ich bin gespannt. Wenn er noch (!) besser werden sollte als LIVE FREE OR DIE HARD, wäre das wirklich ein Knüller, und das schon am Jahresanfang. EDIT: Wie ich sehe, funktioniert die neue Zitat-Funktion nicht über iPhone. Vielleicht kann ein Moderator das beheben.