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Soundtrack Board

Sebastian Schwittay

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Alle Inhalte von Sebastian Schwittay

  1. Klar, ein großer, oscar-verdächtiger Wurf war bei den fünf Nominierten nicht dabei. Den Filmmusik-Sebbel 2012 hat dementsprechend auch schon THE MASTER gewonnen. Dass Tommy Newman überhaupt noch zur Oscar-Verleihung kommt, überrascht mich übrigens. Hartnäckige Sau. Zu ARGO: die spielerische Unbekümmertheit, mit der hier ein politisches Thema angegangen wird, hat mich sofort fasziniert. Fluffig finde ich das nicht, eher gewagt.
  2. SILVER LININGS PLAYBOOK ist großartig, allerdings tun sich viele schwer mit der Bewertung des Films, nicht nur hier im Board. WINTER´S BONE ist als Teil einer aktuellen Welle von sozialkritischen White-Trash-Filmen (siehe auch FROZEN RIVER) sehr interessant, wenngleich auch etwas arg spröde und dramaturgisch wenig zielgerichtet. Als Stimmungsbild und Mileustudie aber in der Tat fantastisch. In jedem Fall ist Lawrence eine wirkliche starke, erfreulich unangepasste Schauspielerin, mit einem feinen Gespür für vielschichtige Rollen. Bleibt zu hoffen, dass sie vom System nicht ähnlich vereinnahmt wird wie jüngst Jeremy Renner.
  3. Lieber ein intelligenter, reflektierender Film mit Statement als opulentes Ausstattungskino, das außer Eye-Candy und Konsens-Thematik nix zu bieten hat.
  4. Goldsmith-goes-Mancini ist eher nicht so meine Schublade, würde mich jetzt eher mal über ADRIAN MESSENGER freuen. Und natürlich über SEVEN DAYS IN MAY, neben dem wohl verschollenen SALAMANDER mein Favorit unter den unveröffentlichten Jerrys, aber darauf darf man wohl erstmal nicht hoffen.
  5. Eigentlich kann man doch durchaus zufrieden sein, LIFE OF PI ist für den Filmmusik-Freund zwar sicher nicht essentiell, aber doch klangschön, inspiriert und im Film prima. "Pi´s Lullaby" hätte ich mir als besten Song gewünscht, aber naja, es musste halt der Publikums-Knaller sein. Egal, abgehakt und aus dem Sinn. Was die anderen Kategorien betrifft, so haben mich viele Gewinne echt gefreut: Jennifer Lawrence siegt verdient über Chastain, der feine ARGO wird bester Film, der Effekt-Oscar geht endlich mal wieder an die Richtigen, und auch die Tarantino-Sache war wirklich erfreulich. Einzig in der Hauptdarsteller- und Nebendarstellerinen-Kategorie hätte ich mir THE MASTER gewünscht. Feine Show auch, überraschend lax und selbstironisch. Über die Obama-Masche könnte man natürlich streiten, ich fand´s etwas übertrieben.
  6. Wenn ich mir überlege, dass Jerry Goldsmith gerade mal einen (!) Score-Oscar, jedoch keinen Oscar für´s Lebenswerk gewonnen hat, dafür aber Williams jetzt schon 5 Oscars gewonnen und darüber hinaus auch noch Chancen auf eine Ehrenwürdigung seitens der Academy hat, würde ich sagen: das passt schon gut, wenn ein gerade mal solider Score wie LINCOLN nicht ausgezeichnet wird. Wäre übrigens schön, wenn ANNA KARENINA hier im Board generell mal etwas mehr rezipiert werden würde - ein wirklich intelligenter, vielschichtiger Score, der, was die musikalisch-kompositorische Versiertheit anbelangt, der Williams-Fingerübung in nichts nachsteht.
  7. Horner hat zahlreiche Spielberg-Produktionen vertont und gerade dort auch immer wieder versucht, dem Williams`schen Klangideal besonders nahe zu kommen. Das lässt schon auf eine sehr devote Haltung Horners gegenüber dem Hollywood-Guru schließen.
  8. Oliver meint die Americana-geprägten Tracks des Finales - elegische Streichersätze, die an Barber und Copland, und damit auch entfernt an Williams erinnern. Welche Tracks das auf dem Album sind, weiß ich leider nicht.
  9. Kann ronin und Lars, was den popsinfonischen Schema-F-Sound der orchestralen Passagen betrifft, voll und ganz zustimmen. Völlig uneigenständig, verwässert den Score total. Wenn schon eine orchestrale Ebene unbedingt sein musste, dann hätte die einfach markanter ausfallen müssen. Broughton kam übrigens über Trapanese zum Score - Trapanese hat ihn konsultiert, da er einer seiner Lehrer war.
  10. Bin auch absolut kein Howard-Fan, aber die groteske Hatz durch Rom in ANGELS & DEMONS hat mir doch irgendwie einen ziemlich spannenden und unterhaltsamen Kinoabend beschert. Daran erinnere ich mich gern zurück. RUSH interessiert mich schon aufgrund der Thematik wenig.
  11. Auch hier nochmal: Wunsch: ANNA KARENINA Tipp: LIFE OF PI
  12. Ich würde es im Kontext der Filmmusik bewerten, und in dieser Hinsicht wäre es schon etwas Neues, Erfrischendes gewesen, wie eben auch THE SOCIAL NETWORK. Letzterem wurde übrigens leider auch vorgeworfen, dass es für NINCE INCH NAILS-Verhältnisse nur das "Übliche" war - bei dieser Argumentation vergisst man aber, dass es Filmmusik ist, und eben kein NINCE INCH NAILS-Album.
  13. Das, was ich hier aus Morris' Zitat herauslese, belegt doch das, was ich gesagt habe. Oder verstehe ich da jetzt was falsch?
  14. Mal abgesehen davon, dass diese Sinnbilder doch arg simpel und offensichtlich sind, empfinde ich die orchestralen Elemente als recht ungekonnt drübergepappt. Wenn die Macher schon so modern gesinnt sind und eine Band engagieren, dann sollen sie sie ihren Rock/Pop/Electronic-Stil doch wenigstens "pur" ausleben lassen, wie im Falle von THE SOCIAL NETWORK. Das wirkte authentischer und unverkrampfter. Gewagt ist die Verpflichtung einer Band, spätestens nach dem Erfolg von Reznors THE SOCIAL NETWORK, mittlerweile nicht mehr - obwohl natürlich grundsätzlich interessant und begrüßenswert. Aber eben nur, so lange es nicht unnötig mit fremden Ingredienzen (hier: orchestraler Pomp) verwässert wird, die von den Musikern augenscheinlich nicht beherrscht werden.
  15. Die Äußerung zu Haneke zählt sicherlich zu den dümmsten, die man zur Kunstform Film überhaupt im Internet finden kann - aber immerhin, ein blindes Huhn findet auch mal ein Korn: seinen Einschätzungen bzgl. der Darsteller-Leistungen in THE MASTER stimme ich in jeder Hinsicht zu.
  16. Ja, leider. Aber da das mein Lieblingsscore ist, freue ich mich auch über ein alternatives Cover.
  17. Babis adapted: Mein persönlicher Favorit ist ANNA KARENINA, würde aber hinzufügen wollen, dass alle fünf nicht zu meinen absoluten 2012 Favoriten gehören. Ich tippe auf Danna, dicht gefolgt von Williams. Die anderen drei Kandidaten würde ich ausschließen. Nun ja, die Filmwirkung ist durchaus beachtlich, vor allem in der grandiosen Schlusssequenz, aber auch in der Szene auf dem Feld, in der Clayton dem Anschlag auf sein Leben entgeht. Wär?
  18. Bei THE ROBE hat sich die LaLaLand-Fassung gegenüber der Club-Ausgabe in Sachen Klangqualität aber schon massiv gelohnt.
  19. Das ist wirklich absolut nicht nett. Ich schätze Reznors Fincher-Scores sehr, aber ich muss zugeben, dass ich von Beal bislang noch nichts kenne. Ich lasse mich überraschen.
  20. Wirklich tolles Cover, hat gegenüber der Varèse-Club-Edition deutlich die Nase vorn. Ich bitte diejenigen, die sich das Album sofort zulegen werden, um kurze Info bei Erhalt des Albums, ob die Klangqualität tatsächlich besser ist. Allein wegen des tollen Covers würde ich die Musik jetzt nicht noch einmal kaufen - herausragender Score zwar, aber die Hardcore-Komplettierung muss nur bei meinen Lieblingskomponisten sein.
  21. Bin zwar kein Jackman-Spezialist, aber wenn man bedenkt, was für ein kreativer Tiefflieger der erste Score war, könnte man durchaus annehmen, dass der junge Newcomer den alten Haudegen ordentlich in die Tasche stecken wird.
  22. Und dann auch noch von den Produzenten des letzten APES. Nene, meine Abneigung multipliziert sich gerade. Musikalisch erwarte ich Ähnliches wie bei TRON LEGACY: einen bemühten Konsens zwischen alternativer Ausrichtung (Band) und traditionell-orchestralen Elementen. Wieso kann man sich denn nicht mal auf eines von beiden konzentrieren, v.a. wenn offensichtlich ist, dass die Band-Musiker keinerlei Verbindung zur E-Musik-Tradition haben/haben wollen?
  23. Meine konkrete Frage zu SPRING BREAKERS befindet sich im Trailer-Thread auf Seite 111. Ich frage das alles, weil ich eigentlich gar nicht mehr bis zum deutschen Starttermin am 21. März warten möchte - die Pressevorführung hab ich leider wieder verpasst. Nun ja, der Film kommt ja zu einem anderen Schluss: die Folterungen waren nicht die Verbrechen einzelner, sondern waren Teil eines staatlich gebilligten, und damit durchaus systematischen Folterprogramms der US-Regierung.
  24. Ich finde Heiligenverehrung genauso fragwürdig wie du, und finde vieles von Tarantino auch einfach nur bemüht bis blöde, etwa die KILL BILL-Filme und partiell auch PULP FICTION. Mit seinen letzten beiden Filmen hat er aber einen ganz gehörigen Schritt nach vorne getan, sowohl was Drehbuch-Qualitäten als auch die Komplexität der Meta-Ebenen anbelangt. Für mich haben INGLOURIOUS BASTERDS und DJANGO UNCHAINED, abgesehen von der collagenhaften Musik-Auswahl, nicht mehr viel mit seinen früheren Werken gemein, denen man Beliebigkeit viel eher vorwerfen könnte als seinen beiden aktuellen Filmen. Durchaus, ja. Die Folterszenen folgten einer dermaßen klassischen Dramaturgie (wie auch der gesamte Film), dass man die ganze Zeit meinte, man wäre in einem spannenden Genre-Film. Jegliche Form von filmsprachlicher Distanzierung wurde vermieden, jede Form von beängstigendem, irrationalen Schrecken ausgespart. Wenn man das Grauen wirkungsvoll darstellen will, darf man es nicht dermaßen traditionalistisch, nach Prinzipien der Spannungsdramaturgie inszenieren. Bigelows politisches Anliegen mag löblich sein, aber der Film zeigt, wie wenig die gute Frau von intelligentem Einsatz filmsprachlicher Mittel versteht; in der Umsetzung ihrer gut gemeinten Botschaft ist sie gescheitert. Popcorn-Folter funktioniert - zumindest bei mir - nicht. Sondern? PS: Du hast meine Fragen bzgl. BEASTS OF THE SOUTHERN WILD und SPRING BREAKERS noch nicht beantwortet.
  25. Obwohl mich dieses populäre Reiz-Thema insgesamt weniger interessiert, muss ich auch hier sagen: das hätte man durchaus kritischer und unangenehmer darstellen können. Kritischer, da die Ergebnisse der Folter schon in direkten Zusammenhang mit der gelungenen Aufspürung Bin Ladens gesetzt werden - unangenehmer, da die Folterszenen meines Erachtens doch sehr mainstreamig gestaltet und leicht konsumierbar waren. Insgesamt recht glatt und Hollywood-typisch, aber da kann man wohl einfach nicht mehr erwarten. Ein amerikanischer Film, der bzgl. Anti-Terror-Folter eine eindringlichere Wirkung entfaltet, wäre meiner Meinung nach Erol Morris' STANDARD OPERATING PROCEDURE - ist aber halt eine Doku. Wenn du mit "diabolisch" meinen Wunsch nach Wagemut in der aktuellen Kunst meinst, dann gebe ich dir Recht. Leider leben wir in einer Zeit, in der der Kompromiss (ein Faktor, der in Politik und Sozialgefüge von Bedeutung ist, nicht aber im kreativen Bereich) auch die Kunst stark prägt. Das führt leider allgemein zu einem künstlerischen bzw. innovatorischen Stillstand. Eine gewisse Entpolitisierung von Kunst würde dem in der derzeitigen Situation entgegenwirken - 2004 war ein weiser, homogenisierender Film wie L.A. CRASH, im Kontext von Bushs Weltpolitik, noch etwas Besonderes und Lobenswertes, im Jahr 2012 wirkt diese Tendenz - wie sami richtig bemerkt - jedoch schon wieder ungemein überholt. Zemeckis kommt mit seinem "Kino als moralische Anstalt" zu spät. Vor zehn Jahren hätte der Film einen besseren Eindruck gemacht. In manchen Dingen stimmt man überein, in manchen nicht. Ronin hat die Plausibilität dieser Lesart zwar schon fein relativiert, aber insgesamt zeigt sich hier schön, was ich mit der meisterhaften Mehrdeutigkeit meinte. Tarantino bietet als postmoderner Künstler ganz viele Lesarten an, bezieht die Rezeption durch das Publikum ganz gezielt in sein Kunstwerk mit ein. Man könnte auch anmerken, dass der Anti-Rassismus im Film mit genau den selben, unmenschlichen, brutalen, menschenverachtenden Mitteln durchgesetzt wird, wie der Rassismus. Das würde eine Interpretation in Richtung eines konservativen Backlash rechtfertigen, der die Progressivität der Bürgerrechtsbewegung nachträglich kritisch beäugt. Dafür würde die graphische Überbetonung von Gewalt gegen Rassisten sprechen. Tarantino ein verkappter Rassist? Wie gesagt: der postmoderne Künstler schafft offene, schizophrene Werke, die der Rezipient mit seiner Interpretation aktiv mitgestaltet. Ein Film wie DJANGO UNCHAINED ist dafür derzeit ein virtuoses Musterbeispiel. Diese Interpretation wäre angebracht, wenn man INDIANA JONES als betont postmodernes Werk eines betont postmodern eingestellten Künstlers bezeichnen könnte. Ist aber nicht der Fall, Spielberg ist ein im Vergleich zu Tarantino (relativ) unreflektierter Neo-Traditionalist. Was angebracht ist, und was nicht, könnte man aber auch zu bestimmen versuchen, siehe oben meine Antwort auf Ronin. Wieso sollte ich in einen Spielberg-Film z.B. komplexe, postmoderne Ansätze hineininterpretieren? Dagegen ist es durchaus angebracht, einem Filmemacher wie Tarantino, oder einem Filmkomponisten wie Elliot Goldenthal komplexere Meta-Kommentare zu "unterstellen", da bekannt ist, dass sie dekonstruktivistischen, postmodernen künstlerischen Strömungen angehören. Fazit: Kontextualisierung finde ich beim Interpretieren von Kunst sehr wichtig.
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