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Alle Inhalte von Sebastian Schwittay
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Community Blog zum Thema Filmmusik-Analyse
Sebastian Schwittay antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Die moderne Musik bedient sich anderer Systeme, um Emotionen auszudrücken. Nicht mehr die traditionelle Dur-Moll-Tonalität, sondern unter anderem: - Neu-Strukturierungen des gegebenen Tonvorrats (Zwölftontechnik bei Schönberg, modale Strukturen bei Debussy, Bartók oder Messiaen) - Erweiterungen des Tonvorrats (Kompositionen mit Vierteltönen, z.B. bei Wyschnegradsky) - Collage-Technik (von Ives bis Corigliano) - oder auch, sehr wichtig, die Geräuschhaftigkeit, d.h. die Konzentration auf Klangereignisse, also auf den "puren" Klang. "Dissonant" und "geräuschhaft" sind demnach keinesfalls Synonyme für Negatives. Ich jedenfalls empfinde keinerlei negative Emotion, wenn ich mir Klangkompositionen von Varèse, Penderecki oder Ligeti anhöre - viel eher empfinde ich Aufregung, Spannung, Begeisterung und Erfrischung. Wie ein Naturforscher, der eine seltene Spezies entdeckt hat. Exploration und Begeisterung am "Unerhörten" sind insgesamt wohl auch die wichtigsten (emotionalen) Triebfedern in der modernen Musik, sowohl bei Komponisten als auch bei vielen Rezipienten. Edgard Varèse schrieb seine "Amériques" (sein wohl wichtigstes Werk) direkt nach seiner Übersiedlung in die USA, in die "neue Welt". Hier drückt sich all das aus, was ich oben beschrieben habe: der Eindruck des Neuen, des bis dato Ungesehenen und Ungehörten, die explorative Neugier, grenzenlose Ambition und Enthusiasmus. Für mich sind das eindeutig positive Emotionen, auch wenn die Musik voll von Dissonanzen und Klangereignissen ist, die mit der traditionellen Vorstellung eines Schönklangs nicht mehr viel zu tun haben. http://www.youtube.com/watch?v=umL3v2ubVZo Ähnliches gilt für die Musik von Penderecki: die neuen Spieltechniken, die er v.a. für Streichinstrumente entwickelt hat, sollen in ihrer schroffen, puren Klanglichkeit keine negativen Emotionen ausdrücken. Pendereckis Musik wird leider seit vielen Jahrzehnten zweckentfremdet und in Horrorfilmen als Untermalung eingesetzt (THE SHINING, THE EXORCIST, INLAND EMPIRE...) - zugegebenermaßen sehr wirkungsvoll, aber diese Lesart der Musik steht im Gegensatz zur ursprünglichen Intention. Das Anliegen Pendereckis (und auch das der meisten modernen Komponisten) war es nicht, möglichst viel Schrecken und Negatives auszudrücken, sondern nach neuen Formen klanglicher Ästhetik zu suchen. Und ehrlich gesagt finde ich die Klanglandschaften bei Komponisten wie Penderecki, Ligeti und Co. außerordentlich ästhetisch! -
Mein Ohrwurm der Woche: die herrlich schwungvolle "Travel Music" aus Elfmans BEETLEJUICE. Insbesondere der Einsatz der Harfe (z.B. bei 0:25 oder 0:29, oder im letzten Takt vorm Schlussakkord) erinnert in seiner Virtuositat sehr an Elfmans großes Vorbild Bernard Herrmann. Eine richtig schöne, detailverliebt auskomponierte Miniatur.
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Community Blog zum Thema Filmmusik-Analyse
Sebastian Schwittay antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Ich empfehle den YouTube-Beitrag zu THE DARK KNIGHT... hier sieht man schön, wie wenig Zimmers Musik ist, wenn man mal das ganze fette, ausschmückende Sound-Design abzieht. Die Wirkung, die Jan beschreibt, kommt leider einzig durch die ewige Multiplikation der gleichen Strukturen. Ansonsten ist das eine tolle Idee, die Analyse von Intervall- und Harmonie-Strukturen als anschaulichen Video-Beitrag zu präsentieren. Vielleicht hat diese "didaktische" Form hier im Board mehr Erfolg als das rein schriftliche Vorstellen von Musik. -
007 at 50 (3): Des Boards liebster Bond-Film ist...
Sebastian Schwittay antwortete auf Souchaks Thema in Film & Fernsehen
LICENCE TO KILL. Realistisch, düster, brillant gespielt (Dalton, Davi, Del Toro), sehr hübsche Bondgirls, tolle Locations, furiose Lastwagen-Jagd und die, wie ich finde, beste Musik der Bond-Reihe, von Michael Kamen. Alle fünf Daumen hoch! -
OLDBOY?
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Interessante Interpretation, dennoch: mir kam Keatons Wayne immer wie ein sympathischer "Nerd", nie aber wie eine tiefgründige Persönlichkeit vor. Da bevorzuge ich dann wirklich eher die Nolan'sche Zeichnung der Figur - in allen anderen Belangen hat aber Burtons zweiter Teil das Zepter in der Hand.
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Zustimmung, als Bösewicht finde ich Keaton meist auch interessanter. Oder eben ganz Ausgeflipptes, wie BEETLEJUICE. Als Batman dagegen empfand ich ihn immer etwas blass, wenngleich die Filme mit ihm (insbesondere BATMAN RETURNS) das beste sind, was bisher zum Thema Batman gesagt wurde.
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Sebastian Schwittay antwortete auf Scorechasers Thema in Film & Fernsehen
Die DVD-Neuveröffentlichung in der "Action Cult"-Reihe ist sicherlich an den Starttermin von EXPENDABLES angepasst - aber ich wollte mir schon länger eine Meinung zu dem Streifen bilden, hat also nicht wirklich was damit zu tun. -
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Sebastian Schwittay antwortete auf Scorechasers Thema in Film & Fernsehen
MISSING IN ACTION (Joseph Zito) In seiner reaktionären Botschaft sicherlich nicht unbedenklich, aber immerhin ist das Ganze gar nicht mal so stumpfsinnig inszeniert, wie ich angenommen hatte. Insbesondere in den leiseren Spannungsmomenten (von denen es interessanterweise einige gibt) kann das Norris-Vehikel punkten, ebenfalls nett ist M. Emmet Walsh in einer semi-komödiantischen Nebenrolle. Gibt insgesamt sicher Schlechteres, aber auch Besseres. -
Diese limitierten CDs nähern sich dem Ausverkauf...
Sebastian Schwittay antwortete auf Thomas Nofzs Thema in Filmmusik Diskussion
IT fand ich im Film immer sehr schön und originell, zumindest für TV-Verhältnisse. Hab mir das Album jetzt auch noch schnell gesichert - hoffe, dass sich auf 2 CDs nicht allzu viele Durchhänger ergeben. -
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Sebastian Schwittay antwortete auf Scorechasers Thema in Film & Fernsehen
Ach, ich dachte, ich hätte PROMETHEUS vielleicht doch irgendwie falsch verstanden... aber nein. Und TOTAL RECALL, das war tatsächlich eine Entscheidung, die in tiefster geistiger Umnachtung getroffen wurde... -
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Sebastian Schwittay antwortete auf Scorechasers Thema in Film & Fernsehen
PROMETHEUS (Ridley Scott) Zum zweiten Mal. Scheint bei mir mit jedem Anschauen schlechter zu werden. Ich hol mir demnächst mal GALAXY OF TERROR, der gibt wenigstens nicht vor, mehr zu sein als ein doofes B-Movie... TOTAL RECALL (Len Wiseman) Unnötiges Remake, das rasante, aber hirnlose Unterhaltung bietet. Damit tut es genau das, was schon Verhoevens stumpfsinniges Original tat - also weshalb das ganze nochmal? Schon gut, ich hör auf... THE LAST BOY SCOUT (Tony Scott) In memoriam. Ein chauvinistischer, gewaltverherrlichender, zynischer, rabiater und außerordentlich vergnüglicher Film, glücklicherweise voller selbstironischer Brechungen und satirischer Untertöne. Kamens Score sollte nochmal veröffentlicht werden - besonders die ruhigeren Passagen überzeugen mit schönen, jazzigen (!) Horn-Parts. Demnächst mal wieder was Anspruchsvolles, versprochen. -
Ich höre gerade folgendes Album...(Teil 2)
Sebastian Schwittay antwortete auf Marcus Stöhrs Thema in Filmmusik Diskussion
Verstehe nicht, wie man ROBOCOP 2 hassen kann... wesentlich kraftvoller und origineller als das dünne Süppchen von Poledouris zum ersten Film. -
Kannst ja mal Cronenbergs COSMOPOLIS 'ne Chance geben, da siehst du Pattinson in einer durchaus reifen, ernstzunehmenden Performance.
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Mit Ausnahme von ENEMY OF THE STATE und - teilweise - LAST BOY SCOUT gefielen mir die Filme von Tony Scott bisher eher weniger (die Werbeclip-Ästhetik ist einfach nicht mein Fall), aber schocken tut's mich trotzdem... sehr tragisch. RIP, Mr. Scott.
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http://www.youtube.com/watch?v=SCdTIar1Ug8 Shires Thema (0:11 - 0:32) ist an sich schon eine Zwölftonreihe. Ich hätte gerne etwas groteskes.
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Sebastian Schwittay antwortete auf Scorechasers Thema in Film & Fernsehen
@Aldridge: Ich realisiere gerade selbst ein Kurzfilm-Projekt und bin zu dem Entschluss gekommen, auf aufwändige digitale Nachbearbeitung zu verzichten und soviel wie möglich "on location" zu realisieren. Grund? Der Kostenfaktor. Ich war auf der Suche nach einer Alm-ähnlichen Kuhweide im süddeutschen Odenwald, mit bergiger, bewaldeter Landschaft dahinter. Lässt sich schwer finden, aber irgendwie hat es doch funktioniert. Die Spritkosten für die Location-Suche bezahle ich da gerne, wenn ich sehe, dass die Bezahlung eines Profis, der mir mit großartigem Equipment Berge und Wald in den Bildhintergrund zaubert, locker die 1000-Euro-Marke erreicht. Wenn sich alle Filmemacher mehr (körperliche) Mühe geben würden, könnte man auch viel mehr "vor Ort" realisieren. Ich denke, mittlerweile ist einfach die Bequemlichkeit zu groß. Wieso pyrotechnische Anstrengungen unternehmen, wenn wir auch zehntausende Dollar an ILM oder Konsorten überweisen können, damit die es richten? Der reale Knall wäre wohl in den meisten Fällen billiger. -
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Sebastian Schwittay antwortete auf Scorechasers Thema in Film & Fernsehen
AVATAR war bisher der einzige MoCap-Film, von dem ehrlich gesagt auch ich einigermaßen überzeugt war. Aber anscheinend gibt es bei diesem Verfahren einfach massive Qualitätsunterschiede, und es muss halb Hollywood samt aller Geldmittel mobilisiert werden (wie im Falle von AVATAR), damit etwas einigermaßen realistisch Aussehendes zustande kommt. Vielleicht ist das Verfahren in 30 Jahren billiger, und es gibt mehr Filme mit realistischerem MoCap. Keine Ahnung. Bislang ist gut aussehendes MoCap eine absolute Rarität. -
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Sebastian Schwittay antwortete auf Scorechasers Thema in Film & Fernsehen
Ich lehne computergenerierte Effekte nicht generell ab, aber ich kritisiere ihren Einsatz bei: - real lösbaren Effekten (Explosionen, Feuer, Crashs, Make-Up, Dekors) - artifiziellem Nachbilden menschlicher Mimik, sowas ist mit Computern einfach schlicht und ergreifend nicht möglich. Ein rennender Tyrannosaurus in einer Totale ist mit Animatronik nicht darzustellen - aber fragmentierte Bewegungen in Nahaufnahme schon. Spielberg hat es bei JURASSIC PARK, wie ich finde, ganz richtig gemacht. Digitale Effekte nur da, wo es unbedingt notwendig ist. Denn der digitale Effekt ist leider bis heute als solcher zu identifizieren, und schmeißt zumindest mich immer aus dem Geschehen. -
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Sebastian Schwittay antwortete auf Scorechasers Thema in Film & Fernsehen
Ich würde in den 33er KING KONG auch nicht sehr viel mehr Tiefe hineininterpretieren als in Jacksons Film. Ich denke, Mephistos Forderung nach mehr Hirn bezieht sich insgesamt weniger konkret auf KING KONG, sondern allgemeiner auf eine Haltung, die nicht immer nur die eigene Emotion zum ultimativen Bewertungsmaßstab ernennt. Und diese Forderung ist vollkommen legitim. Zum Thema Motion-Capturing: Ich kann damit in den seltensten Fällen etwas anfangen, schon gar nicht bei Affen. Das MoCap in RISE OF THE PLANET OF THE APES empfand ich z.B. als grauenhaft künstlich und vollkommen unnatürlich. Wie Mephisto m.E. ganz richtig geschrieben hat: dem Affen wird eine alberne Menschen-Mimik übergestülpt, die ihn einfach nur noch nach Karikatur aussehen lässt. -
Veröffentlichung Sony Classical: PARANORMAN - Jon Brion
Sebastian Schwittay antwortete auf ronin1975s Thema in Scores & Veröffentlichungen
"Zumutung" und "Qual" ist ganz sicher was anderes - wenngleich die Musik ziemlich fragmentarisch wirkt, trotz soliden Orchester-Handwerks. Auch stilistisch ziemlich querbeet zusammengepflückt, ohne eigene Akzente zu setzen. Ich finds nicht furchtbar, aber auch nicht weiter erwähnenswert. -
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Sebastian Schwittay antwortete auf Scorechasers Thema in Film & Fernsehen
Die Frage, ob digitale Effekte natürlicher und realistischer wirken, ist immer so eine Frage... eine Frage, die ich für mich immer mit einem klaren "Nein" beantworte. Aber das ist wohl Ansichtssache. In Jacksons Version von KING KONG ist mir eindeutig ein bisschen zu viel Vermenschlichung des Affen vorhanden. Ich weiß, das ist heutzutage in, aber mir gefällt es besser, wenn das Gute in der Bestie nur angedeutet wird, wie eben im Original. -
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Sebastian Schwittay antwortete auf Scorechasers Thema in Film & Fernsehen
Vielleicht liegt es dran, dass du mit der filmischen Ästhetik prä-1960 einfach nicht viel anfangen kannst? Ich empfand den alten KONG jedenfalls nie als derart blass. Jacksons Version dagegen gefiel mir nie - Kitsch und Gefühlsduselei, gepaart mit fürchterlichem Special-Effect-Overkill. Wenn ich allein an die Szene auf dem zugefrorenen See im Central Park denke, fröstelt es mich.