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Hallo zusammen,

ich hatte in den letzten Wochen die Gelegenheit, den Score für den Kurzfilm HERO zu schreiben und mit dem City of Prague Philharmonic Orchestra aufzunehmen. Die Regisseure wollten einen "good old fashioned" 80er/90er Orchester-Score, gaben mir aber ansonsten komplette kreative Freiheit, was eine seltene und großartige Gelegenheit für jeden Komponisten ist.

Der komplette Score ist jetzt zum Anhören auf Soundcloud verfügbar:

Freue mich auf Kommentare!

Viele Grüße,

Robin

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Ohne den Film und dessen Bedürfnisse zu kennen hier mal mein Senf nach 1x Durchhören: Handwerklich spitze, dafür höchste Anerkennung, aber letztlich fehlt mir ein eigenes Profil (auch für die die Filmvorlage). Mir persönlich ist das über weite Strecken zu glatt und klischeehaft. Mein Gefühl ist, dass sich die Musik plakativ auf das draufsetzt, was im Bild ohnehin zu sehen ist. Das kann natürlich der Wunsch der Filmemacher gewesen sein, und vielleicht geht sich das bei einem Kurzfilm auch aus, aber für 90min wäre das kaum ein tragfähiges Konzept, denke ich.

Also ich hoffe, ich trete dir nicht zu sehr auf die Zehen, denn im Grunde schätze ich deine Fähigkeiten sehr und noch mehr deine Lust an der großen musikalischen Geste! Ich habe mich schon öfter in deinem Oeuvre auf Soundcloud umgehört. Aber auf Dauer zieht dann doch eine gewisse Monotonie ein, weil mir in der Musik oft die Tiefe fehlt, schon strukturell. Und das finde ich bei deinen Fähigkeiten extrem schade!!!

Ich bin mir aber auch bewusst, dass du dich in einer Abhängigkeit zu den Auftraggebern befindest, wie gesagt.

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Danke für das Feedback! Mir ist klar, dass man nicht jeden Geschmack/Anspruch etc. treffen kann, insofern keine Sorge wegen der Zehen, ist ja komplett mir überlassen ob/wie viel deiner Kritik ich annehme. Ich will auch gar nicht groß drauf eingehen, weil das hier einfach komplett den Rahmen sprengen würde aber unabhängig davon, ob es zutrifft oder nicht, finde ich es allerdings schon ne steile These von dir, Kritik zu üben an der Funktion der Musik in einem Film, den du nicht gesehen hast :) Aber wie gesagt, eine Diskussion darüber würde hier zu weit gehen.

Trotzdem danke nochmal und viele Grüße,

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robin, habe noch nie von dir gehört und auch nicht von deiner musik, soweit ich mich erinnere.

habe mir jetzt mal die fünf tracks von "hero" und hernach auch so einiges anderes auf deinem soundcloud-profil angehört und bin sehr begeistert. :applaus:

ganz großes kino deine musikalische schreibe!  :applaus:

und dann auch noch voll orchestral!

leistest dir dafür auch noch die (mittlerweile fein klingenden) prager, respekt!

dein "hero", aber auch andere sachen von dir, davon können sich manch "gestandene" hollywoodkomponisten ne gehörige portion abschneiden, insbesondere solche generischen kadetten wie ein henry jackman, der außer dem herrlichen  "gulliver's travels" bislang nix gescheites rausgebracht hat. 

da sind deine sachen klanglich besser und melodisch besser, nur mal als beispiel.

 

im gegensatz zu max liebermann, seh ich das überhaupt komplett anders.

ich höre musik generell nur als musik. der bildliche oder handlungsmäßige oder dramaturgische oder sonstige kontext einer musik, auch einer filmmusik, interessiert mich wenig bis gar nicht. 

beim musikhören stelle ich mir auch nie irgendwelche filmbilder oder phantasiewelten oder überhaupt irgendetwas gedanklich vor, sondern genieße einfach immer nur die jeweilige musik so wie sie ist, als reine musik. und den klang. losgelöst von jeglichem kontext.

und da ist deine schreibe, deine musik, dein klang ganz ganz großartig!

müßte ich einen vergleich ziehen, würde ich die qualität deiner schreibe und musik auf eine hochwertige 1a-stufe stellen, wie die eines 1a alan silvestri a la "back to the future" oder seiner komödien- und abenteuerscores. 

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Für mich gibt es auch zwei Wege Filmmusik zu hören, genießen und zu beurteilen. Der eine ist losgelöst von dem Film, die Musik alleinstehend genießen. Da ist es mir egal ob der Score zum Film passt oder nicht, die einzige Frage ist ... kann der Soundtrack alleinstehend als Musik begeistern, für Emotionen sorgen oder nicht? Die Filme zu Williams' Angela's Ashes oder Elfman's Edward Scissorhands habe ich nie gesehen und möchte sie auch nicht sehen, da mir diese Scores so gut gefallen, dass der Film diese nur zerstören könnte. 

Als zweites ist natürlich, wie wirkt die Musik im Film? Wie gut kann sie die Handlung unterstützen oder ist sie eventuell fehl am Platz, wirkt sogar störend? Haben wir alles erlebt. Da wir dies hier nicht beurteilen können, bleibt mir nur die Frage des Hörerlebnisses. 

Robin schreibt er hatte freie Hand, der einzige Wunsch der Filmemacher war den Score wie die der 80'er und 90'er erklingen zu lassen und das hat er meiner Meinung nach wunderbar hinbekommen. Das Hauptthema ist schön eingängig die Orchestrierung fein ausgearbeitet. Eine besondere, markante Handschrift kann ich zwar nicht erkennen aber das wäre bei einem 9 Minuten Score wohl auch schwer möglich. Das letzte Stück habe ich mir jetzt 5 mal angehört und gefällt mir sehr. Gute Arbeit Robin! :) 

8/10

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Handwerklich tadellos und sehr unterhaltsam! Auch ein tolles Gespür für Klangfarben (bei der Kürze nehme ich an, du hast selbst orchestriert). Dennoch, und da stimme ich Max zu, reitet es sehr auf den Trendwellen des Silvestri/Williams/Broughton-geprägten "Show-Scoring", an dem sich mittlerweile gefühlt jeder junge Filmkomponist abarbeitet. Das ist gar nicht so sehr nur ein Vorwurf an die Komponisten, sondern auch an die Filmemacher, die bei großem Orchester scheinbar nur an die oben genannten Tonsetzer denken und unbedingt ein Retro-Feuerwerk in deren Geiste abfackeln wollen - dabei aber nicht bedenken, dass diese einseitige Retro-Kultur oft stilistische Beliebigkeit nach sich zieht. Daher stellt sich im Falle von HERO auch bei mir - bei aller Spielfreude und Perfektion im Umgang mit den musikalischen Mitteln - ein gewisses Feeling von Belanglosigkeit ein, da einfach kein nachhaltiger Akzent gesetzt wird. Ich habe die Musik, obwohl ich Spaß an ihr hatte, nach dem Anhören sofort wieder vergessen. 

Aber das sind alles Dinge, die ich nicht nur speziell hier, sondern generell bei vielen professionellen Jungkomponisten beobachte. Der Trend zur Show, zum dicken Effekt und zur großen sinfonischen Besetzung, die dann allerdings Konzept oder stilistische Autonomie weitgehend vermissen lässt. (Den fehlenden formalen Gestaltungswillen, den Max anspricht, kann ich da sogar noch verkraften - obwohl es natürlich auch schön wäre, wenn es in der Nachwuchs-Filmmusik noch mehr kunstmusikalisch orientierte "Formalisten" wie Beltrami oder Goldenthal gäbe, die statt der freien Form auch mal 'ne Passacaglia, ein Tanzschema oder sonstige Spielereien wählen, einfach "for it's own sake". Aber man kann nicht alles haben.)

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Danke fürs Feedback und interessante Diskussion. Ich versuch mich mal kurz zu fassen, auch wenn das wie bereits weiter oben gesagt eine sehr ausschweifende Diskussion werden könnte :)

Ich komme von der Perspektive her genau aus der anderen Richtung als Sebastian und auch Max. Ich beobachte bei vielen Jungkomponisten, besonders denen mit akademischen Hintergrund, ganz häufig dieses übersteigerte Bedürfnis, das Rad musikalisch neu erfinden zu wollen, irgendwelche ultra-ambitionierten Konzepte in der Musik unterzubringen um möglichst ja auch die künstlerische Wertigkeit des eigenen Schaffens zu untermauern. Das ist sowohl bei Filmmusikern aber ganz besonders auch bei der "normalen" Komposition ein ganz großes Thema.

Kleine Anekdote am Rande: Auch ich war in der akademischen Mühle, in der Käseglocke die mit der tatsächlichen Wirtschaft kaum was zu tun hat, war der Meinung, alles was ich schreibe, müsste jetzt unbedingt konzeptionell was ganz ausgefallenes sein. Hatte ich Spaß daran? Nein, aber ich war der Meinung, dass ich nur so künstlerisch etwas bedeutsames schaffen könnte. Das erste Stück, was ich nach dem Diplom geschrieben habe, war eine Auftragskomposition für ein lokales Jugendorchester, für die ich bereits während des Studiums einige Sachen geschrieben habe. Ich hatte freie Hand und hab natürlich so angesetzt wie ich es im Studium gelernt habe: ambitioniertes Konzept, versuchen, was künstlerisch ausgefallenes zu machen. Ich sah innerlich meine Profs vor mir sitzen und dachte "Ja, jetzt schreibst du was, wo sie anerkennend nicken werden." Und nachdem ich 2 oder 3 mal zu einem Stück angesetzt habe, ohne dass ich wirklich Spaß dran hatte, es mir nicht gefiel und ich um jede Note gerungen habe, habe ich es komplett über den Haufen geworfen und ein Stück basierend auf einer unfassbar simplen, nahezu kinderliedhaften Melodie zu schreiben. Und es fühlte sich großartig an, wie ein Befreiungsschlag. Als es dann mit dem Stück in die Proben ging und ich das Orchester sah, mich erinnerte, wie angespannt aber auch teilnahmslos die selben Musiker (Jugendliche zwischen 12 und 18) meine bisherigen Stücke gespielt haben und nun auf einmal dieses Stück vor sich hatten und quasi vor Spielfreude fast explodiert sind, Ausschnitte aus der Musik nach der Probe pfiffen, summten etc. gab es für mich einen kleinen Moment der Erkenntnis.

Ich schreibe Musik, weil ich Freude daran habe, und ich schreibe Musik, an der ich Freude habe, die ich mir selbst auch gern anhören würde. Ich schreibe Musik mit der Hoffnung, dass die ausführenden Musiker Freude dran haben und in der Hoffnung, dass die Hörer Freude dran haben. Es klingt plump, aber das ist für mich das oberste Ziel. Das Bedürfnis, etwas beim Hören von Musik zu fühlen ist Grundlage meines künstlerischen Schaffens.

Das ganz große Problem, was ich damit habe, wenn Nachwuchskomponisten mit "ambitionierten" musikalischen Konzepten um die Ecke kommen, ist, dass es ganz häufig eine hohle Blase ist, die mit bedeutungsschwangeren Phrasen erklärt wird, aber ganz häufig einfach - sorry, sehr harsche Formulierung - musikalische Unfähigkeit kaschiert. Für mich darf man erst dann an den Grenzen der musikalischen Tradition kratzen, wenn man besagte Tradition von vorn bis hinten beherrscht. Auch wenn's jetzt ne massive Verallgemeinerung ist, aber bisher fehlt mir tatsächlich der Gegenbeweis dafür: in den allermeisten Fällen haben solche Komponisten sehr wenig bis nix künstlerisch zu sagen. Vielleicht schaffen sie es mit besonderen Konzepten eine gewisse Spannung in ihrer Musik zu erzeugen, aber wenn sie mal ne 80er Jahre Powerballade schreiben sollen oder ne lyrische eingängige Melodie die 16 Takte trägt, ne Stilkopie von meinetwegen auch Hans Zimmer, dann kommt ganz oft als erstes n abschätziges Naserümpfen gefolgt von irgendwelchen Kommentaren über künstlerisch minderwertige Musik, gefolgt von "Nagut" gefolgt sehr oft von totalem Versagen, die Aufgabe zu erfüllen (und das oft nicht mal selbst erkennend). Und genau da ist für mich ganz häufig das Problem: künstlerische Arroganz gegenüber einem Genre/Stil kann man sich erst dann erlauben, wenn man handwerklich drüber steht. Und das tun wirklich nur die wenigsten. Das ist jetzt übrigens nicht auf irgendjemanden hier persönlich bezogen, sondern eine allgemeine Betrachtung. Nicht, dass sich wer angegriffen fühlt.

Das zweite große hier mit Reinspielende ist der Faktor Wirtschaft. Ich arbeite hauptberuflich als Komponist/Orchestrator/Arrangeur, muss meine Rechnungen davon bezahlen und meine Altersvorsorge damit regeln. Ich bin davon abhängig, dass ich "in der Wirtschaft gebraucht werde". Das klingt äußerst unromantisch, ist aber nunmal die Realität. Ich arbeite in einem Wirtschaftszweig, der primär von Publikumszahlen abhängig ist. Das heißt, meine Zielgruppe ist die größtmögliche Schnittmenge der Menschen. Das runtergebrochen auf Filmmusik bedeutet: Klischees sind Klischees, weil sie funktionieren. Ein Durchschnittspublikum hat eine gewisse musikalische Hörerfahrung und damit verbundene musikalische Hörerwartungen. Gewisse Emotionen werden in einem Durchschnittspublikum durch gewisse musikalische Mittel getriggert. Das ist mit etwas Erfahrung auch gar nicht so schwer: gewisse Akkordverbindungen, melodische Gesten, Klangfarben erzeugen gewisse emotionale Reaktionen. Der musikalisch gebildetere Rand des Publikums findet's dann mega plump, der ungeblidetste Rand versteht es nicht weil "Wäh, Orchester? Is mir zu hoch, wo ist Unnz Unnz Unnz?" aber bei der großen Mitte funktioniert es dann eben. Verschiebe ich jetzt den konzeptionellen Ansatz des Films und der Musik hin zu mehr Anspruch, komplexeren Konzept etc, verliere ich eine große Menge des Publikums. Was bringt es mir, wenn ich eine kleine Gruppe an Menschen damit glücklich mache, dass ich gerade ein total abgefahrenes Konzept musikalisch umsetze und die restlichen 90% keinen Stich sehen und geistig aussteigen?

Ich schreibe immernoch Filmmusik, Musik, die im Kontext bei möglichst vielen Menschen funktionieren muss. Wirtschaftliche Unabhängigkeit können sich die wenigsten Produktionen erlauben. Experimentellere Filme/Scores haben immer ein kleineres Publikum bis auf ganz wenige Ausnahmen. Wenn man so n großen Namen hat, dass es einen nicht mehr juckt, ob man damit was verdient oder Mutti die Miete der Studentenbude zahlt während man voll abgefahrene Experimentalfilme macht, kann man sich sowas erlauben. Sonst nicht. Unsexy, aber ist so.

John Williams' Erfolg ist übrigens meiner Meinung nach größtenteils darauf begründet, dass er es wie kaum ein anderer schafft, die Breite des Publikums, das er anspricht zu maximieren. Während die musikalisch weniger Gebildeten die teilweise unfassbar einfachen Grundideen und Melodien toll finden, sind die musikalisch gebildeteren davon fasziniert, dass halt doch immer mal wieder ne musikalisch unerwartete Wendung kommt, oder musikalisch spektakuläre Einschübe. Damit holt er zwar noch nicht die Hardcore-Musik-Nerds ab, aber zumindest einen ganz großen Teil seines Publikums. Bzw kann er dann die musikalisch anspruchsvollere Fraktion bei nem Nicht-Blockbuster-Score abholen, weil er es sich einfach erlauben kann.

Insofern verstehe ich die oben genannten Kritikpunkte einiger an der Musik, die ich geschrieben habe, habe aber auch meine Gründe, warum die Musik ganz genau so ist, wie sie ist. Ich hatte unfassbar viel Spaß an diesem Projekt, hab vor Freude feuchte Augen bei den Regisseuren gesehen, breite Grinser bei den Orchestermusikern, die teilweise persönlich auf mich zukamen und ihr Lob ausgesprochen haben und alle Involvierten mit Herzblut und Freude an dem Projekt dabei waren. Das schreibe ich nicht, um mich selbst zu feiern wie geil ich bin, sondern weil DAS es ist, was mein persönlicher primärer künstlerischer Antrieb bei so einem Projekt ist. Ich kann verstehen und respektieren, wenn andere Komponisten mit einer anderen persönlichen Zielsetzung da ran gehen, und ich kann akzeptieren, dass ich einen Teil des Publikums mit solcher Musik nicht erreichen werde. 

So, ist doch etwas mehr geworden, aber ich hoffe, dass es vielleicht für den ein oder anderen interessant zu lesen ist.

Grüße,

Robin

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vor 1 Stunde schrieb Robin:

 

Ich schreibe Musik, weil ich Freude daran habe, und ich schreibe Musik, an der ich Freude habe, die ich mir selbst auch gern anhören würde. 

 

Ich hatte unfassbar viel Spaß an diesem Projekt, hab vor Freude feuchte Augen bei den Regisseuren gesehen, breite Grinser bei den Orchestermusikern, die teilweise persönlich auf mich zukamen und ihr Lob ausgesprochen haben und alle Involvierten mit Herzblut und Freude an dem Projekt dabei waren. Das schreibe ich nicht, um mich selbst zu feiern wie geil ich bin, sondern weil DAS es ist, was mein persönlicher primärer künstlerischer Antrieb bei so einem Projekt ist. 

gut "gebrüllt", löwe. ;)

ganz genau so ist auch mein zugang als reiner konsument an musik, sie muß mir schlicht und einfach als musik spaß bereiten und mir gefallen.

mehr brauchts nicht und mehr will ich auch nicht.

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Hallöchen zusammen!

@Robin - Danke dir nochmal für dein ausführliches Interview für meine Bachelorarbeit! Du hast offiziell einen Anteil daran, dass ich mit der Note leben kann ;)

Dann gebe ich auch mal meinen Senf dazu: Ich finde deinen Soundtrack wunderbar. Wunderschöne Klangfarben und eine bunte Orchestrierung zeugen von einem reich gefüllten Handwerkskasten und einem guten Gespür für ausdrucksstarke Melodien. Dein Pfeil trifft allerdings auch genau in mein musikalisches Herz. Jeder hier weiß, dass ich nunmal ein ausgewiesener Fan von hochromantischen Soundtracks bin. Aus diesem Grund kann ich auch nie genug von Musik bekommen, die in diesem Stil komponiert wurde. Danke also dafür!

Ganz allgemein empfinde ich es überhaupt nicht so, dass sich im Moment zu viele Jungkomponisten an diesem Stil abarbeiten. Oder anders ausgedrückt: wie viele von denen gibt es denn, die das auch wirklich überzeugend umsetzen? Es mag sein, dass viele Komponisten den Versuch unternehmen, so zu klingen wie Williams. Aber am Ende stehen wir doch wieder vor dem neuen Star Wars Soundtrack und sagen: "Sowas kann einfach nur der Johnnyboy". Zum einen liegt das daran, dass eben nicht jeder Jungkomponist das Handwerk beherrscht um so eine komplexe und bunte Orchestrierung abliefern zu können wie der Maestro. Zum anderen reicht eben auch dieser Baukasten nicht aus. Ich werde es mir niemals nehmen lassen, dem Kompositionsvorgang auch ein Stück "Magie" zuzuschreiben. Soll heißen - Johnny schreibt eben wie Johnny, weil es in ihm drin steckt. Und Hansi schreibt wie Hansi, weil er es eben besonders gut versteht, mit sehr wenig sehr viel auszudrücken. Handwerk ist bei weitem nicht alles beim Komponieren. Sebastian hat mal bemerkt, dass auch das Schreiben von starken Melodien von jedem erlernbar ist. Ich frage mich dann aber, warum eine Musik wie der Imperial March oder der Raiders March so selten entsteht. Es hat ja seinen Grund, warum Williams so erfolgreich ist. Er schreibt sich ins Herz seiner Zuhörer und rührt sie nicht selten auch zu Tränen. Ist es nicht das worum es bei Musik gehen sollte? Warum in aller Welt sollten wir aufhören Musik zu schreiben, die bei den Menschen auf so positive Ressonanz stößt?

Genau an diesem Punkt zieht auch Robins "Spaß und Freude Argument". Ist es nicht völlig egal, in wie weit man einen gewissen Stil bedient, solange Menschen an der Musik Freude haben? Und noch viel wichtiger: Wenn der Komponist Freude an seiner Arbeit hat!

Mephisto hat mich schon ein paar mal gefragt, warum ich überhaupt Komponist geworden bin. Völlig zu Recht hat er angemerkt, dass es doch alles schon mal gegeben hat. Und meist wahrscheinlich viel besser als man es selber schreiben könnte. Aber das ist ja genau der Punkt! Großartige Musik die es schon gibt, motiviert mich doch gerade selber großartige Musik zu schreiben. Und wenn ich mir Williams oder Zimmer oder Mozart zum Vorbild nehme weil mich ihre Musik eben berührt, dann ist das doch völlig legitim. Man möchte Musik in diesem Stil schreiben, weil der Stil einfach toll ist. Das bedeutet noch lange nicht, dass man dabei nicht seine eigene musikalische Identität entfalten kann. Denn auch wenn Robin sich aus der selben Farbpallette wie Williams bedient, ist seine Musik die von Robin Hoffmann und nicht von John Williams.

Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist mit Musik seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Du kannst dich als kommerziell arbeitender Komponist eben nicht hinsetzen und einem breiten Publikum Zwölftonmusik anbieten. Das mag in einigen Fällen funktionieren, aber meistens wird man gezwungen sein, sich auf einer musikalischen Ebene zu bewegen, die viele Menschen zufrieden stellt. Das soll überhaupt nicht bedeuten, dass man nicht versuchen darf, neue Ideen in seiner Musik unterzubringen. Aber sowas muss sich oft in einem bestimmten Rahmen bewegen. Als wir die Musik zu dem Kurzfilm "Der Perfektionist" geschrieben haben war schnell klar, dass wir hier die Möglichkeit haben, zumindest auf der Instrumentierungsseite einiges auszuprobieren. Harmonisch betrachtet bedienen wir trotzdem alle Klischees die man sich vorstellen kann, weil sie eben funktionieren. Aktuell komponieren wir grade die Musik für ein Spiel. Dafür habe ich gerade ein Opening für Madrid geschrieben. Ohne musiklische Klischees, würde diese Musik überhaupt nicht funktionieren. Jeder würde sagen: "Hey! Das klingt ja gar nicht spanisch!" Man muss also immer den Spagat schaffen zwischen dem was das Publikum hören möchte und seinem eigenen Anspruch, neue Ideen einzuarbeiten.

Am Ende kommt dabei natürlich nicht immer Musik raus, die jedem gefällt. Aber das genau ist ja auch das Wesen der Musik und macht sie zur schönsten Sache auf der Welt :)

Soweit erstmal von mir...

 

 

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vor 23 Stunden schrieb Robin:

Auch ich war in der akademischen Mühle, in der Käseglocke die mit der tatsächlichen Wirtschaft kaum was zu tun hat, war der Meinung, alles was ich schreibe, müsste jetzt unbedingt konzeptionell was ganz ausgefallenes sein. Hatte ich Spaß daran? Nein, aber ich war der Meinung, dass ich nur so künstlerisch etwas bedeutsames schaffen könnte. Das erste Stück, was ich nach dem Diplom geschrieben habe, war eine Auftragskomposition für ein lokales Jugendorchester, für die ich bereits während des Studiums einige Sachen geschrieben habe. Ich hatte freie Hand und hab natürlich so angesetzt wie ich es im Studium gelernt habe: ambitioniertes Konzept, versuchen, was künstlerisch ausgefallenes zu machen. Ich sah innerlich meine Profs vor mir sitzen und dachte "Ja, jetzt schreibst du was, wo sie anerkennend nicken werden." Und nachdem ich 2 oder 3 mal zu einem Stück angesetzt habe, ohne dass ich wirklich Spaß dran hatte, es mir nicht gefiel und ich um jede Note gerungen habe, habe ich es komplett über den Haufen geworfen und ein Stück basierend auf einer unfassbar simplen, nahezu kinderliedhaften Melodie zu schreiben. Und es fühlte sich großartig an, wie ein Befreiungsschlag.

Du hast mich nicht ganz verstanden. Wieso glaubst du, dass eine (sinfonische) Musik mit Konzept und Stil eine verkopfte Sache sein muss, die zu schreiben - und zu hören - keine Freude bereitet? Was ich mir von der heutigen, großorchestralen Filmmusik wünsche (und was ich selber, wäre ich aus diversen Gründen nicht verhindert, den Job zum Broterwerb auszuüben, auch selbst für großes Orchester schreiben würde), ist kein mathematisch-trockener Pierre Boulez, keine abgefahrene Experimentalmusik, die man sich erst ein Dutzend Mal samt Partitur zu Gemüte führen muss, bevor man sie versteht - sondern einfach nur sinfonische Filmmusik mit stilistischer Eigensinnigkeit und gewissen ästhetischen Ambitionen abseits von den dominierenden, immer gleichen STAR WARS-, SUPERMAN- und BACK TO THE FUTURE-Klischees. In den 60ern, 70ern, 80ern, 90ern, sogar noch in den frühen 2000ern hat das auf vielfältige Weise funktioniert, auch im Mainstreamkino. Mich würde interessieren, was du von Beispielen wie Christopher Gordons SALEM'S LOT oder Marco Beltramis SOUL SURFER hälst. Ist das in deinen Augen überambitionierte Musik, die niemanden erreicht, nur weil sie - wie der Beltrami - eigenwillig konzipiert ist oder - wie der Gordon - akademisch-kunstmusikalische Ansprüche erfüllt? Oder gehen wir in die 90er zu Elliot Goldenthal: exzentrische Musiken zu Blockbuster-Produktionen wie DEMOLITION MAN oder BATMAN FOREVER - würdest du sagen, das ist Musik, die zu schreiben keinen Spaß macht, kein Publikum findet oder als Filmmusik nicht funktioniert? Selbst Zwölftonmusik kann "Pop" sein, wenn wir in die Mainstream-Filme der 70er schauen (siehe THE TAKING OF PELHAM 1-2-3). Spaß an der Musik und ein ambitioniertes Konzept schließen sich doch nicht aus. 

Ich verstehe einfach nicht, wieso in der Wahrnehmung junger Filmemacher und Filmkomponisten eine so klare, schwarz-weiße Trennung zwischen "Publikums-nah" und "Publikums-fern" vorgenommen wird. Woher weißt du so genau, dass "Spaß" nur mit einem spezifischen Stil, dem rousing Adventure-Scoring Williams'scher oder Silvestri'scher Prägung verbunden ist? Warum negierst du implizit ein Publikum, das auch an anderem Gefallen findet? Und welchen negativen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg hat denn tatsächlich eine anspruchsvolle, kunstmusikalische Filmmusik - INTERVIEW WITH THE VAMPIRE und A TIME  TO KILL waren in den 90ern schließlich auch große Hits. Das Publikum ist nicht auf die immer gleichen Klischees angewiesen, es ist nicht so dumm und unempfänglich für Brüche, wie es von den Apologeten des filmmusikalischen Funktionalismus immer wieder gepredigt wird. Das Publikum wird massiv unterschätzt. 

vor 23 Stunden schrieb Robin:

Ich hatte unfassbar viel Spaß an diesem Projekt, hab vor Freude feuchte Augen bei den Regisseuren gesehen, breite Grinser bei den Orchestermusikern, die teilweise persönlich auf mich zukamen und ihr Lob ausgesprochen haben und alle Involvierten mit Herzblut und Freude an dem Projekt dabei waren.

Und deiner Meinung nach funktioniert so etwas nicht, wenn man eine emotionale Musik mit unorthodoxem Klangkonzept schreibt? Die Erfahrungen, die du hier beschreibst, habe ich mit Regisseuren, Musikern und Publikum auch bei kleinen, untrendigen, eigenwilligen oder kammermusikalischen Musikkonzepten gemacht. Diese Dinge haben ausgezeichnet funktioniert und ich verstehe nicht, warum so etwas von "Komponisten aus der Wirtschaft" aus fadenscheinigen Gründen (schädlich in Bezug auf Wirtschaftlichkeit, fehlende Emotionalität) klein gehalten wird. Gerade der Absatz, in dem du von den ambitionierten Konzepten junger Komponisten schreibst, die "hohle Blasen" sind und "musikalische Unfähigkeit kaschieren wollen", zeugt von einer Kunstfeindlichkeit, die mich echt schockiert und die ich Leuten vom Fach so eigentlich kaum zutrauen würde. 

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Ein eigener Stil wäre mir das absolute A und O und der definiert sich nicht über das Beherrschen des Klangapparats, sondern hat im Idealfall - damit es zu mehr als reinem Epigonentum reicht - auch ganz eigene Lesart der zitierten Klischees zu bieten. Die kann ich hier beim besten Willen nicht erkennen. Deshalb: ordentlich gefertigt, ohne Frage, als Auftraggeber würde ich persönlich nach etwas mehr musikalischem Selbstbewusstsein verlangen. 

"Nehmen Sie bitte dieselbe Besetzung, aber machen Sie, dass es NICHT klingt wie Star Wars"..oder Früh-90er McNeely. Denn der scheint mir hier am ehesten Pate gestanden zu haben.

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vor einer Stunde schrieb Sebastian Schwittay:

Ich verstehe einfach nicht, wieso in der Wahrnehmung junger Filmemacher und Filmkomponisten eine so klare, schwarz-weiße Trennung zwischen "Publikums-nah" und "Publikums-fern" vorgenommen wird. Woher weißt du so genau, dass "Spaß" nur mit einem spezifischen Stil, dem rousing Adventure-Scoring Williams'scher oder Silvestri'scher Prägung verbunden ist? Warum negierst du implizit ein Publikum, das auch an anderem Gefallen findet? Und welchen negativen Einfluss auf den wirtschaftlichen Erfolg hat denn tatsächlich eine anspruchsvolle, kunstmusikalische Filmmusik - INTERVIEW WITH THE VAMPIRE und A TIME  TO KILL waren in den 90ern schließlich auch große Hits. Das Publikum ist nicht auf die immer gleichen Klischees angewiesen, es ist nicht so dumm und unempfänglich für Brüche, wie es von den Apologeten des filmmusikalischen Funktionalismus immer wieder gepredigt wird. Das Publikum wird massiv unterschätzt. 

Und deiner Meinung nach funktioniert so etwas nicht, wenn man eine emotionale Musik mit unorthodoxem Klangkonzept schreibt? Die Erfahrungen, die du hier beschreibst, habe ich mit Regisseuren, Musikern und Publikum auch bei kleinen, untrendigen, eigenwilligen oder kammermusikalischen Musikkonzepten gemacht. Diese Dinge haben ausgezeichnet funktioniert und ich verstehe nicht, warum so etwas von "Komponisten aus der Wirtschaft" aus fadenscheinigen Gründen (schädlich in Bezug auf Wirtschaftlichkeit, fehlende Emotionalität) klein gehalten wird. Gerade der Absatz, in dem du von den ambitionierten Konzepten junger Komponisten schreibst, die "hohle Blasen" sind und "musikalische Unfähigkeit kaschieren wollen", zeugt von einer Kunstfeindlichkeit, die mich echt schockiert und die ich Leuten vom Fach so eigentlich kaum zutrauen würde. 

Ich verstehe dein Problem nicht Sebastian. Niemand hat doch behauptet, dass eine "anspruchsvolle, kunstmusikalische Filmmusik" per se schlechter ist oder nicht ebenfalls gut ankommen kann. Das ist doch alles höchst subjektiv. Sowohl beim Prozess des Komponierens, als auch beim Hören der Musik. Was anspruchsvoll ist und was nicht, ist übrigens auch teilweise eher subjektiv. Wie schon erwähnt, schreibt ja nicht jeder mal eben einen Williams Score. Genauso wenig wie einen Goldenthal...oder auch einen Hans Zimmer. Diese Arroganz von manchen Kritikern geht mir auf die Nerven.

Die Abwechslung ist doch in der Filmmusik durchaus gegeben. Auch namenhafte Komponisten wie James Newton Howard wechseln ja häufig ihre Stilistik (Snow Falling on Cedars vs. Fantastic Beasts). Du findest doch genug Musik die dir Spaß macht oder? Du hast ja oben einige Beispiele aufgelistet. Warum gönnst du den Fans des hochromantischen Soundtracks nicht ihre Freude an der Musik? Optimalerweise ist der Geschmack breit aufgestellt. Ich kann mir problemlos erst Williams Jurassic Park und danach Ligetis Atmospheres anhören und finde in beiden Stücken völlig unterschiedliche Ansätze, die mich beide begeistern.

Ich stimme dir aber in einem Punkt zu: Das Publikum verträgt sicher auch das eine oder andere Mal etwas mehr Mut vom Regisseur/Produzenten, noch etwas mehr Abwechslung in die Filmmusiklandschaft zu bringen. Aber auch hier sehe ich Fortschritte. Gerade in den letzten Jahren. Siehe Sicario oder The Revenant oder auch diverse Game-Soundtracks.

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Aber du wirst doch einräumen, dass man auch im Rahmen romantischer orchestraler Musik, die sich weitgehend auf das Klassikrepertoire der letzten 150 Jahre beruft, Eigenständigkeit geben kann und sollte. Ein Komponist wie Horner hatte ja ebenso die Vorgabe, wie Star Wars etc. zu klingen (in 'Krull', z. B.) und trotzdem würde ich die Musiken nicht verwechseln: der Komponist hat sich eben nicht einfach auf das direkte Vorbild bezogen, sondern sich die Klassikvorgaben genommen und selber verwurstet. Das ist schon ein entscheidender Unterschied, ob ich die Vorlage verstehe und selber auswerten kann.

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vor 21 Minuten schrieb sami:

Aber du wirst doch einräumen, dass man auch im Rahmen romantischer orchestraler Musik, die sich weitgehend auf das Klassikrepertoire der letzten 150 Jahre beruft, Eigenständigkeit geben kann und sollte. Ein Komponist wie Horner hatte ja ebenso die Vorgabe, wie Star Wars etc. zu klingen (in 'Krull', z. B.) und trotzdem würde ich die Musiken nicht verwechseln: der Komponist hat sich eben nicht einfach auf das direkte Vorbild bezogen, sondern sich die Klassikvorgaben genommen und selber verwurstet. Das ist schon ein entscheidender Unterschied, ob ich die Vorlage verstehe und selber auswerten kann.

Da stimme ich dir zu 100% zu Sami. Genau so sollte es sein. Das meinte ich ja, als ich geschrieben habe, dass man auch in bewährten Stilistiken seine eigene musikalische Identität einbringen sollte.

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Hörst du das in den Beispielen oben? Gar nicht so sehr, um den armen Robin "abzufucken" (:rose:), eher weil meine eigene Wahrnehmung eben die ist, dass von wenigen Ausnahmen abgesehen heute alle jungen Komponisten nur noch Filmmusiken zitieren, selten aber das Selbstbewusstsein haben (dürfen), sich auf dieselben Vorlagen (die gerade bei Williams und Silvestri ja relativ klar sind) zu berufen, anstatt direkt zu zitieren. 

Insbesondere, weil dieser Sound ja inzwischen von Hollywood tausendfach breitgetreten wurde (siehe McNeely, Debney & Co.).

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Spannende Diskussion, an der ich leider nicht in der Art und Weise teilnehmen kann, wie ich gern würde, weil es dann ständig so klingen würde, als würde ich mich für meine Musik rechtfertigen, was ich nicht will, aber ich versuch mal allgemeiner zu bleiben :)

@Sebastian Schwittay: Du interpretierst hier aber Dinge in meine Aussagen, die so nie gemeint waren. Natürlich können all diese Ziele auch erreicht werden, indem man "anspruchsvollere" Konzepte nutzt, dem hab ich nie widersprochen. Die von dir genannten Komponisten und Scores sind gute Beispiele. Nur warst du oben derjenige der das Thema "junge Filmkomponisten" aufgemacht hat, zu denen deine Beispiele nicht zählen. Außerdem musst du es schon mir überlassen, zu beurteilen woran ICH persönlich Spaß habe und worauf ich persönlich musikalisch Bock habe.

Darüber hinaus ist es schon ne ganz schöne stramme Aussage, mir Kunstfeindlichkeit unterstellen zu wollen. Ich hab die Diskussion leider schon sehr oft geführt, mit Komponisten aber auch Rezipienten mit unterschiedlichsten Hintergründen und bleibe auch nach deinem Einwand bei meinem Standpunkt. Der Versuch vieler junger Komponisten, musikalisch besonders zu sein, nur um besonders zu sein, ist für mich fast immer eine künstlerische Arroganz, die den meisten meiner Meinung nach nicht zusteht. Regeln brechen darf man erst, wenn man sie beherrscht, an Grenzen der Kunst kratzen darf man erst, wenn man innerhalb der Grenzen sicher ist. Wenn ich aber Aussagen höre, wie ich sie schon dutzendfach in meinem Leben gehört habe, gerade von jungen Komponisten, wie: "Ich mache künstlerisch meine eigene Sache, tradierte Formen und Strukturen interessieren mich nicht etc.", und ganze Bereiche der Musik als künstlerisch weniger wertvoll abgetan werden, sehe ich leider keinerlei künstlerische Aussagefähigkeit in deren Schaffen. Wie bereits oben gesagt: ne richtig gute 80er Powerballade schreiben braucht meiner Meinung nach mehr künstlerische und gestalterische Fähigkeiten als manche "Kunstmusik". Wenn jemand wirklich sein Handwerk beherrscht und über den Dingen steht und dann entscheidet, Traditionen zu brechen, neue Wege auszuprobieren, dann habe ich dafür den allerhöchsten Respekt und kann diese Musik auch vollumfänglich genießen, aber eben nur die wenigsten haben die Fähigkeiten dazu. Bei allen anderen endet es oft in krampfhaften Versuchen, sich absetzen zu wollen. Kunst funktionierte schon immer so, dass man als Künstler auf der Tradition vor einem aufbaut und da einen kleinen oder großen Schritt weitergeht. Diesen Schritt kann man aber nur gehen, wenn man auch begreift, was vor einem kam. Und letztendlich muss man auch sagen, um wieder zur Filmmusik zu kommen, dass gewisse Filmgenres ein ambitionierteres Musikkonzept eher begünstigen als andere.

Wir können diese Diskussion aber sicher auch noch ewig führen und uns im Kreis drehen.

@sami: Sorry, die Diskussion zum Thema eigener Stil ist unfassbar mühsam weil unfassbar subjektiv. Woran macht man denn objektiv einen eigenen Stil fest? Der eine sagt: "Williams nutzt harmonische Terzverwandtschaften anders als Silvestri, deswegen unterscheiden sie sich." Der andere sagt: "Williams und Silvestri nutzen beide harmonische Terzverwandtschaften, das ist immer die gleiche Suppe." Beide haben Recht und trotzdem nicht den gleichen Standpunkt. Allein die Tatsache wieviele Namen von Komponisten hier in dem Thread schon gefallen sind um Vergleiche heranzuziehen zeigt doch erstens wie subjektiv dieses Thema ist und zweitens wie eng beieinander in einigen Genres die Komponisten stilistisch sind. Insofern sei mir nicht böse, dass ich nicht weiter darauf eingehen möchte. 

Um mal wieder etwas konkreter zu werden und auf die Musik zurückzukommen: Letztendlich muss man die Kirche auch mal im Dorf lassen. Wir reden hier von einem 12-minütigen Kurzfilm mit etwa 9 Minuten Musik. Dem ganzen ein deutlich auffälliges eigenes Konzept geben zu wollen, wäre etwas überambitioniert.

Ich mag es auch nicht, meine eigenen Konzepte erklären zu müssen, aber in Ermangelung des gesamten Films hier mal meine Gedankenwelt dazu:

In dem Film geht es um eine Gruppe Kinder, darunter ein Brüderpaar, welche beim gemeinsamen Spielen immer wieder in Fantasiewelten eintauchen. Der Film folgt den Kindern in diese Fantasiewelten und so wird der Zuschauer immer wieder mitgenommen in eine andere Welt. Wir erleben eine kindlich plakative Gangster-Szene in einer düsteren Seitenstraße einer Großstadt mit einem überplakativen Bösewicht in Nazi-Uniform, ein Autorennen mit Muscle-Cars (siehe Szene oben), ein Kriegsszenario im Dschungel, eine abenteuerliche Expedition in der Wüste, ein Western-Duell und letztendlich ein klassischer Held-reitet-in-den-Sonnenuntergang-Shot. Über all das spannt sich die Geschichte der beiden Brüder und ein Konflikt, der letztendlich gelöst wird.

Für mich war konzeptionell der Ansatz, dieses Plakative der Szenen musikalisch komplett auskosten zu wollen, eben weil es dadurch der Überdrehtheit der Fantasie-Welten noch mehr Humor verleiht. Kein musikalisch anderer Ansatz hätte meiner Meinung nach mehr gebracht in diesem filmischen Kontext. Außerdem sehe ich gerade im Genre des Kurzfilms den "großorchestralen Ansatz" als alles andere als "Standard". Die meisten Kurzfilme haben doch eher intimere, kleinere Scores. Insofern finde ich schon, dass eine Entscheidung musikalische Mittel aus einer anderen Filmwelt (der des Langspiel-Popcornfilms) zu verwenden, dem ganzen durchaus eine sehr eigene und besondere musikalische Färbung in diesem Kontext gibt. Dass ich damit nicht das Rad neu erfinden will, war mir von Vornherein klar, eben weil es nicht nötig ist, sondern das Setting zwischen der Musik und diesem Film bereits meiner Meinung nach für genug künstlerische Spannung sorgt.

Dass man darüber diskutieren kann, ist mir klar und natürlich wären musikalisch auch andere Konzepte denkbar, aber mir erschien und erscheint dies hier als das Treffendste.

 

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Lieber Robin, vielen Dank für das Teilen dieses Scores! Ich hatte großen Spaß beim Hören. Beim Stöbern in der Partitur gibt es viel zu Entdecken. Sowohl in Komposition, als auch bei der Ausführung bemerkt man einfach den Spaß aller Beteiligten. Vielen Dank dafür!

Ich bin übrigens nicht der Meinung, dass der Score für eine Kurzfilm zwingend ein Thema oder eine Konzeption benötigt, die sich ins Gedächtnis einbrennt. So etwas ist sicher eine Rarität und kann nicht der Anspruch sein. Ich habe noch keine Kurzfilmmusik gehört, die mich derart beeindruckt hat, wie es Sebastian anscheinend vorschwebt.

Ich gehe komplett mit dir d'accord, dass das Brechen von musikalischen Regeln eine Perfektion in der Ausführung dieser voraussetzt. Leider ist diese Perfektion ebenfalls eine Rarität.

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Ich habe dieses schöne Thema, dass im letzten Cue noch einmal richtig schön ausgespielt wird, noch lange im Kopf gehabt. Habe es gerade wieder auf dem Klavier nachgespielt ... vielleicht mache ich da mal eine eigene Version draus ;)

Generell bin ich ja schon lange ein Fan deiner Schreibweise. Hier gibt es auch wieder einige Takte in denen mir das Herz aufging - auch wenn ich rauszuhören wage, dass nicht besonders viel Zeit für die knapp 10 Minuten waren. Wie lange durftet ihr aufnehmen? 

Einige Passagen bzw. einige Instrumente gehen doch recht stark unter. Das Xylophon/Glockenspiel oder auch die Harfe habe ich im Mix kaum vernehmen können. Hier und da kiekst mal jemand oder spielt dann doch mal nicht so sauber. Aber das ist nur etwas "nitpicking".

Die Musik sagt mir sehr zu - mir persönlich gefallen dieses Mal die Takt- und Tempiwechsel. War sicher nicht einfach. 

Ich werde es mir sicher die Tage noch einmal genau anhören... und meine Lieblingstakte posten ;)

Glückwunsch, Robin! Ich beneide dich um die Chance Geek sein und danach leben zu dürfen :)

 

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Vielen Dank @danecos und @Siddlfür die netten Worte!

Und ja, du hast absolut Recht. Wir mussten die Musik leider in erheblich kürzerer Zeit durchpeitschen als mir lieb gewesen wäre, insgesamt hatten wir 1:45h reine Aufnahmezeit für die Musik, was bei dem technischen Anspruch einiger Cues schon ultra knapp ist. Insofern hätte ich gern noch ein paar mehr Takes und etwas Feinarbeit reingesteckt, aber das ging halt leider nicht.

Viele Grüße,

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Hallo Robin, für meine weniger "geschulten" Ohren klingt das ganze absolut perfekt! Großes Lob und weiterhin viel Freude und Erfolg am bzw. beim Komponieren.

In der bisherigen Diskussion zum Thema "Wiedererkennungswert / eigene Handschrift" kann ich alle bisher aufgeführten Sichtweisen und Argumentationen verstehen und nachvollziehen, aber selbst einsteigen möchte ich nur ganz kurz und ich denke (aus Musik-Konsumentensicht und auch als "Hobby-Komponist") das Wichtigste ist, dass die eigene Musik einen selbst bewegt und man Spaß am Komponieren hat UND zu 100% hinter dem Geschaffenen stehen kann - egal wie "einfach" oder "komplex" das Resultat ist.

Ich folge dir ab sofort auch bei Soundcloud - genauso wie Sebastian ;) Ich mag euer aller Kompositionen bisher sehr gern! :)

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