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Hans Zimmer und meine Wenigkeit werden sicher nie große Freunde werden. Für mich ist er zum Teil für den qualitativen Niedergang der Filmmusik mitverantwortlich. Sein generischer Sound der von seinen Jüngern zigfach kopiert wurde und wird, ist meistens eine ideenlose, herzlose und konturlose Klangsoße. Insbesondere seine Actionmusik ist meiner Meinung nach kompositorisch sehr schwach ,absolut austauschbar und ohne wesentlichen filmspezifischen Bezug. Trotzdem ist Hans Zimmer von nicht wegzuleugnender Bedeutung für die historische Entwicklung der Filmmusik.

Im Gegensatz zu seinen unzähligen Epigonen hat Hans Zimmer jedoch einen gewissen Instinkt bei manchen seiner Film eine gewisse Individualität zu bewahren. Außerdem hat er meiner Meinung nach ein gutes Talent Komödien und kleinere Filme zu vertonen. Weiters möchte ich ihm zugute halten, das er trotz seiner langen Karriere immer noch, wenn es ihm passt, versucht experimentierfreudig zu sein.

Zwei Musikalische Großtaten hat er aber zu verbuchen, beide Male wählte Zimmer seinem musikalischen Wortschatz entsprechend, einen minimalistischen Vertonungsansatz. Das erste „zimmersche Meisterwerk“ ist ganz sicher die Musik zu Terence Malicks „The Thin Red Line“ – ein großartiger atmosphärischer  und brodelnder Soundtrack. Und zum zweiten seine bereits fünfte Zusammenarbeit mit Christopher Nolan – „Interstellar“.

 

Eine mutige und großartige Filmmusik von Hans Zimmer die natürlich nicht frei von prominenten Vorbildern ist aber es trotzdem schafft einen Zimmer „Sound“ herzustellen. Als Vorbilder fallen mir am deutlichsten Philip Glass „Zimmerquatsi“ und auch Ennio Morricone (Mission to Mars) auf. Die Filmmusik ist alles andere als subtil, hat aber in ihrer Einfachheit eine emotionale Wucht die einem Tritt in die Magengrube gleichkommt.  Insbesondere „Stay“ ist von aufwühlender emotionaler Kraft, die eben durch die Einfachheit aber tief empfundenen Aufrichtigkeit der Komposition entsteht. Meiner Meinung nach Zimmers größte Komposition bisher und eines der effektivsten Stücke was Filmwirkung und emotionale Wucht betrifft der letzten Jahre.

Weiters hervorzuheben ist der ungewöhnliche und mutige sowie prominente Einsatz der Kirchenorgel. Der Orgelsound trägt die Filmmusik und gibt ihr einen sakralen Charakter – passend auch zur Thematik. Oder mit den Worten Hans Zimmers „By the 17th century the pipe organ was the most complex machine invented, and it held that number-one position until the telephone exchange. Think about the shape of it as well: those pipes are like the afterburners of space ships” 

 

Besonders gut gefällt mir eines der wenigen Actionstücke, nämlich „Cornfield Chase“ eine ausgelassenen Orgelträumerei. „Message from Home“ eine Klavierversion des Hauptthemas, widerspiegelt eindrucksvoll die Einsamkeit und die Weite des Weltalls - am besten ist das Haupthema vielleicht in "Day one" zu erkennen (das Thema wurde bereits deutlich vor Drehbeginn von Zimmer komponiert). Toll auch das Vertonungskonzept von „Mountain“ – die Szene spielt auf einem Planeten in der die Zeit viel schneller vergeht als auf der Erde – der tick/tock Rhythmus beschreibt die verstreichende Zeit und zusätzlich kommt es zur dramatischen Steigerung in der zweiten Hälfte des Tracks mittels Orgel und Chor.

Die Musik ist reich an Höhepunkten – besonders eindrucksvoll der monumentale Track „Coward“. Orgelfurioso gepaart mit Horners „crashing pianos“ steigert sich immer mehr – absolut großartig.

Nicht minder eindrucksvoll das meditative „Where We´re Going“ – Naturklänge, Orgel und Horn variieren das simple aber absolut passende Hauptthema.

Von dem Soundtrack gibt es mehrere Veröffentlichungen – ein idealen Hörfluss hat aber bereits die normale Veröffentlichung – insofern ist das die Präsentation der Musik die ich empfehlen würde.

 

Hans Zimmers Meisterwerk – meiner Meinung nach – hätte sich den Oscar redlich verdient, aber fairerweise muss man sagen Desplat´s „Grand Budapest Hotel“ auch. Sehr mutig war es auch von Christopher Nolan  der Musik so einen breites Feld einzuräumen - die Musik ist auf der Soundspur deutlich im Vordergrund.

Ein kolossales Werk!

 

 

 

 

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einer der wenigen zimmer scores, die ich nicht habe. film kenn ichn icht, da thematik uninteressant ist, aber auf cd ist die musik simple eintönigkeit hoch 10. das reißt nicht mal die vielseitige instrumentierung raus. beide beispielstücke werden eigentlich nur lauter zum ende hin. zimmers themen waren ja schon immer "einfach", aber die beiden hier gehörten finde ich nur nichtssagend und austauschbar. kann man in eine schublade mit Journey to the line aus Thin Red Line packen, oberwohl der restliche score dort sehr ordentlich ist. simpel gestrickt ist der aber auch, nur für zimmer war das damals neu. vielleicht würde die musik im film bei mir klick machen, aber das werden wir nie erfahren...

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einer der wenigen zimmer scores, die ich nicht habe. film kenn ichn icht, da thematik uninteressant ist, aber auf cd ist die musik simple eintönigkeit hoch 10. das reißt nicht mal die vielseitige instrumentierung raus. beide beispielstücke werden eigentlich nur lauter zum ende hin. zimmers themen waren ja schon immer "einfach", aber die beiden hier gehörten finde ich nur nichtssagend und austauschbar. kann man in eine schublade mit Journey to the line aus Thin Red Line packen, oberwohl der restliche score dort sehr ordentlich ist. simpel gestrickt ist der aber auch, nur für zimmer war das damals neu. vielleicht würde die musik im film bei mir klick machen, aber das werden wir nie erfahren...

 

Haste nichts verpasst. Der Film ist ein wichtigtuerischer Langweiler.

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... auf cd ist die musik simple eintönigkeit hoch 10. das reißt nicht mal die vielseitige instrumentierung raus. beide beispielstücke werden eigentlich nur lauter zum ende hin. zimmers themen waren ja schon immer "einfach", aber die beiden hier gehörten finde ich nur nichtssagend und austauschbar. kann man in eine schublade mit Journey to the line aus Thin Red Line packen, oberwohl der restliche score dort sehr ordentlich ist. simpel gestrickt ist der aber auch, nur für zimmer war das damals neu. ...

Mich hat der Score auch nicht richtig begeistern können.

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Eine Filmmusik ohne Sichtung des Films (insbesondere bei Hans Zimmer) zu beurteilen, verfehlt ein wenig den Kern der Kunstform hätte ich gesagt. Aber Interstellar ist sicher eine Musik (wie auch der Film) die man entweder hasst oder liebt. Wenn man mit einem minimalistischen Vertonungskonzept wenig anfangen kann, dann wird einem die Musik natürlich nicht gefallen.

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ich kann mit minimalistischer filmmusik schon etwas anfangen, nur ist Interstellar das ja nicht. zeigen die beispiel tracks ja. die beiden themen dort sind dermaßen penetrant simpel ausgewalzt, dass sie sehr schnell anfangen zu nerven, was das immer lauter werden unterstützt. und das piano und synthie gecrashe und orgelgedudel finde ich nicht einfallsreich oder abwechslungreich sondern ist für mich seelenloser lärm. da hört man förmlich raus, dass zimmer die musik kreieren wollte nur um des neuen erschaffens willen. so wie nolan versucht, seine banalen actionfilme pseudointellektuell erscheinen zu lassen. dann lieber sowas wie The Pledge oder The Ring.

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Ich sehe hinter dem gedudle... Ein interessantes Vertonungskonzept - das alles andere als seelenlos ist! Ebenso ist es kein banaler pseudointellektueller Film sonder ein intelligenter Blockbuster - aber zum Glück gibt's Meinungsfreiheit

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... und im direkten Vergleich mit dem Film-Müll, für den manche der hier so kritisch argumentierenden Mitglieder laut DVD/Blu-ray Thread bares Geld ausgeben, ist Interstellar geradezu ein epochales Meisterwerk. Just my 2 Cents...

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wie intelligent Interstellar ist kann ich nicht beurteilen, da ich ihn ja nicht kenne, jedoch sind die 3 vorherigen nolan filme überlange actionfilme mit durchschnittlicher action und möchtegern tiefgang. ich finde actionfilme furchtbar die sich wichtiger nehmen als sie tatsächlich sind, nur um sich angeblich abheben zu wollen. immerhin gibt der "film-müll", den sich so mancher kauft, gar nicht erst vor, was anderes zu sein und der käufer weiß von anfang an, auf was er sich einlässt. so wie bei zimmer eigentlich, der seine scores teilweise ja auch als mehr verkauft als was sie tatsächlich sind....

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Ich habe den Film gesehen ... war nicht besonders beeindruckend ... die Handlung war für mich sehr bald vorhersehbar und die Musik hat leider nur genervt. Irgendwann war der Film dann so fad, dass ich sogar im Kino eingeschlafen bin.

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ich kann mit minimalistischer filmmusik schon etwas anfangen, nur ist Interstellar das ja nicht. zeigen die beispiel tracks ja. die beiden themen dort sind dermaßen penetrant simpel ausgewalzt, dass sie sehr schnell anfangen zu nerven, was das immer lauter werden unterstützt.

 

Natürlich ist INTERSTELLAR minimalistisch. Vielleicht sogar ein Paradebeispiel für musikalischen Minimalismus in der zeitgenössischen Filmmusik. Gerade das, was du als "penetrant" bezeichnest, ist ja ganz wesentlich für diese Stilrichtung. Subtilität und geringe Lautstärke werden fälschlicherweise immer wieder als Merkmale minimalistischer Musik verkauft, ist in Wirklichkeit aber totaler Unsinn. Das Grundmerkmal ist das musikalische Pattern.

 

Ich finde den Score ebenfalls ungeheuer effektiv im Film - auf CD reichen mir 3-4 Stücke, aber die Originalität ist schon bewundernswert. Dem Film kann man eine gewisse Willkürlichkeit im Umgang mit physikalischen Theorien vorwerfen, aber rein filmisch finde ich ihn schon beeindruckend. Warum willst du ihn dir denn nicht anschauen, Lars?

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Eben. Da widerspreche ich Markus auch ein bisschen, der alte Media Ventures-Stil mag generisch und musikalisch dürftig sein, aber Hans hat in seinen eigenen Werken - so musikalisch simpel sie oft auch sein mögen - oft neuartige oder zumindest originelle Wege beschritten. Verglichen mit dem Orchester-Einheitsbrei, der oft unkritisch zum Meisterwerk hochgejubelt wird nur weil 100 Mannen spielen, finden sich bei Zimmer immer wieder interessante Klangfarben und idiomatische Ausbrüche aus dem tradierten Sound. Soviel würde ich ihm schon zusprechen, auch wenn die Substanz oft nicht so hoch ist.

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Dem Film kann man eine gewisse Willkürlichkeit im Umgang mit physikalischen Theorien vorwerfen, aber rein filmisch finde ich ihn schon beeindruckend. Warum willst du ihn dir denn nicht anschauen, Lars?

die trailer haben mich überhaupt nicht angesprochen und thematisch interessiert es mich einfach nicht. die namenhaften schauspieler animieren mich ebensowenig den film schauen zu wollen.

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Haste nichts verpasst. Der Film ist ein wichtigtuerischer Langweiler.

Muss ich beipflichten. Nolan Filme sind unglaublich kühle, langatmige, dramaturgisch unausgewogene Filme, und da ist  Interstellar keine Ausnahme. Diese aufgesetzte Vater/Kind Beziehung wirkte im Film furchtbar kitschig (vielleicht auch weil der Rest so monochrom rüberkommt). Ansonsten möchte Nolan eigentlich clever und subtil sein, macht dann aber genau das Gegenteil und haut dem Zuschauer seine vermeintliche Subtilität um die Ohren(Jetzt guck doch endlich, hier, hier, verstehe doch endlich etc.)so dass der Dümmste die Twists noch erkennt. (Und seien wir ehrlich, wenn die Filme wirklich clever und superintelligent wären, dann wären es keine Blockbuster sondern kleine, experimentelle Filme und würden niemanden interssieren) Eigentlich ist Nolan ein bisschen wie Zimmer. Immer auf das krasse, neue, innovative hinweisen, und in Wirklichkeit ist es banal. Nicht das es in Interstellar oder auch Inception nicht interessante Gedanken geben würde. Die Umsetzung verlässt sich aber zu stark auf eben die Konzepte, die dahinter stehen und wirken deswegen auf mich aufgeblasen und wichtigtuerisch, weil es den Filmen in der Umsetzung an Leichtigkeit fehlt. Mit Leichtigkeit meine ich nicht die Leichtigkeit einer Komödie. Ich meine mit Leichtigkeit eher das Gegenteil von dem was im englischen am ehesten mit dem Wort "heavy handed" beschrieben wird, also eher schwerfällig und dröge.

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die musik ist jedoch auch noch ein grund, weshalb ich den film nicht anschauen werde. über die musik im film gibt es ja auch zweigeteilte meinungen. die einen finden sie super passend und die anderen nicht, da sie die szenen völlig überlädt und auch zu laut ist. und da sie mir auf cd schon zu penetrant ist, wird sie mich wahrscheinlich im film noch mehr stören. das einzige, was bei den geposteten stücken hängen bleibt ist, dass die themen immer und immer wiederholt werden und die stücke leise beginnen und dann immer lauter werden. das war bei zimmer noch nie so extrem wie hier.

 

zimmer hat ja über den film gesagt, das der kernaspekt die "Liebe" ist, und das dies auch die musik wiederspiegeln soll. und das ist das hauptproblem von nolan filmen. der verpackt das kernthema in einen überlangen schinken und strickt drumherum noch eine möchtegern intellektuelle nebenhandlung. hinzu kommen kommen dann noch viel zu viele charaktere die oft bedeutungsschwangere dinge von sich geben. das war bei Inception so, bei Dark Knight Rises auch und bei Interstellar soll es wohl auch so sein. Inception hab ich ganze zweimal gesehen und Dark Knight Rises hab ich ich nur einmal geschaft. in diesen filmen ist einfach zuviel gewese um nichts und dazu noch mit durchschnittlichen actionsequenzen aufgebauscht.

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Das mag wohl alles so sein, bei dem Müll, der heutzutage so in die Mainstream-Kinos gekübelt wird sind es leider immer noch mit die Höhepunkte. 

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Gast

Und seien wir ehrlich, wenn die Filme wirklich clever und superintelligent wären, dann wären es keine Blockbuster sondern kleine, experimentelle Filme und würden niemanden interessieren

 

Was für eine unsinnige Aussage, als ob es tatsächlich eine direkte Kausalität von Quantität zur Qualität gäbe.

 

 

Was genau ist denn an dem Film "möchtegern intellektuell" oder "pseudo", wann hat Nolan diese oder ähnliche Schlagbegriffe verwendet und sich selbst auf die Fahnen geschrieben und was ist mit jener Subtilität, die noch gar nicht angesprochen wurde, weil sie eben tatsächlich subtil ist? Ich erinnere mich noch sehr gut, wie einige Nasen damals nach dem Film hier sehr offensichtlich auf diesem Board einiges an Unkenntnis bewiesen (Anwesende eingeschlossen), da ihnen das ein oder andere entgangen war oder sie nicht die notwendige Denkkapazität mitbringen konnten. Das macht im Umkehrschluss den Film (oder die Musik) nicht automatisch zur Speerspitze der geistreichen Kinogeschichte, aber das muss es ja auch gar nicht.

Das Fehlen einiger Leichtigkeit und das langsame Atmen einiger Plotmomente deutet im Grunde viel mehr einfach nur darauf hin, dass Nolan wesentlich mehr Nische ist, als seine Verkaufszahlen vermuten lassen. Da scheint sich mir die Kritik doch weniger auf das Wesentliche zu besinnen, sondern auf die Ausuferungen der Filmrezeption.

 

Und in diesem Sinne lässt sich das Werk gewissenhaft in die Filmhistorie einordnen, ohne das es dem Zensus der Kleingeistigkeit zum Opfer fallen muss. Zwischen der Schwere und Langatmigkeit eines "Krieg & Frieden" und eines "Der alte Mann und das Meer" liegen Welten. Das galt schon immer für die Literatur und gilt ebenso für das Kino. Ein einfaches "Ist nicht so meins" würde da wesentlich weniger borniert und lächerlich wirken.

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Du hast sicherlich recht, dass man nicht automatisch einen kausalen Zusammenhang zwischen Quantität und Qualität herstellen kann. Nicht alles was erfolgreich ist, ist deswegen auch gleich dumm und alles was nicht erfolgreich ist, gleich clever. Bei Nolan bin ich aber schon der Meinung, dass ein marketingtechnischer Hype aufgebaut wird, den die Filme meiner Meinung nach nicht einlösen.  Bei Nolans Ruf als genialer, einfallsreicher Blockbusterregisseur, kann man aber in Zeiten von Zielgruppenanalyse( und die Zielgruppe ist ein Massenpublikum) davon ausgehen, dass das Ganze nicht zu komplex ausfallen-höchstens so erscheinen- darf.

...da ihnen das ein oder andere entgangen war oder sie nicht die notwendige Denkkapazität..

 

Nun persönlich muss man ja nicht gleich werden, wenn man nicht der gleichen Meinung ist wie du. Schon ein bisschen überheblich, oder?

Was gibt es denn an Interstellar nicht zu vestehen? Du meinst das Quantenphysikalische, Paralelluniversen, Zeitreise? Da habe ich was das Grundverständnis angeht(für einen physikalischen Laien) keine Probleme zu folgen. Aber das ist ja auch gar nicht der Kritikpunkt(höchstens dass das zu Marketingzwecken ausgeschlachtet wird, vor allem was die Mitwirkung von Kip Thorne angeht.) Ich finde einfach das Pacing, die Art und Weise wie die Charaktere zum "Leben" erweckt werden einfach holprig. Und das Problem hatte ich beinahe bei allen Filmen von Nolan(Mit Ausnahme von The Prestige)

Folgende Filmkritik trifft zu ziemlich genau, was ich an Interstellar nicht mag. Zitat ist aus dem zweiten Text, den ich unterhalb des Zitats verlinke.

Nolan und sein Bruder sind vielleicht wirklich Aliens, denn sie konstruieren ihre Figuren mit klaren Funktionen am Reißbrett. Sie schreiben über Liebe und Emotionen, Ängste und Verlust wie ein Außerirdischer mit Asperger, der sich angeschaut hat das Menschen Gefühle haben – ohne sie jedoch wirklich nachempfinden zu können. Mehr noch als Kubrick ist Nolan ein Regisseur des kalten Intellekts, dem anscheinend die Empathie fehlt, um glaubwürdige, lebendige Charaktere zu erschaffen, die nicht jede Emotion aussprechen müssen, damit klar wird, was in ihnen vorgeht.

 

http://www.fuenf-filmfreunde.de/2014/11/06/interstellar-review/

 

 

"Ist nicht so meins" würde da wesentlich weniger borniert und lächerlich wirken

Da hast du sicherlich recht, es ist Geschmackssache. Allerdings habe ich in meinen Ausführungen auch nie behauptet, dass meine Meinung objektiv wäre(kann sie ja garnicht sein). Ich schließe aus deinen Ausführungen, dass du den Film als gelungen empfunden hast. Allerdings ist das dann auch nur Geschmackssache oder möchtest du behaupten, dass du als einziger rein objektiv bewerten kannst?  Was hat dir denn an Interstellar gefallen?

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Gast

1. Nein, es ist keine Überheblichkeit, sondern eine nüchterne Feststellung. Die trifft zum einen auf das Physikalische zu, zum anderen auch auf einfache Plotelemente (nicht alleine nur auf INTERSTELLAR bezogen). Ich habe genügend empirische Momente im Leben gehabt, um nüchtern festzustellen, dass nicht alle Menschen gleichermaßen geistig unterwegs oder - was es mehr trifft - gleichermaßen geschult sind. Auch auf diesem Board und in verschiedenen Diskussionen. Das ist absolut in Ordnung. Deshalb gilt ja auch - ebenso für mich - der alte Leitspruch: Schuster, bleib bei deinen Leisten. Will heißen: Filme schauen und Filme analysieren ist nicht dasselbe und wer sich öffentlich in das Metier der Analyse begibt, muss eben auch damit rechnen, dass er in einen offenen Diskurs verwickelt wird und genannte Geschmackselemente ebenso mit in die Analyse einfließen.

 

2. Geschmack und Meinung sind nicht dasselbe. Geschmack lässt sich nicht aufgrund einzelner Filmelemente analysieren, wie es viele gerne hätten. Geschmack ist gebildet und man reagiert darauf und es ist ein Leidwesen sondergleichen, wie das immer und immer und immer wieder miteinander vermischt wird. Meinung ist eben etwas, was nicht als Aussage gelten will, gleichzeitig aber mehr als ein geäußertes Geschmacksempfinden ist.

 

3. Ich meinte dich gar nicht (speziell) und habe ja auch niemanden unmittelbar angesprochen. Warum du INTERSTELLAR nicht magst, kann ich nachvollziehen. Als Kritikpunkte (die ich absolut nickend nachvollziehen kann) können sie ja nur dann dienen, wenn man sie tatsächlich in eine Kritik einpflegt. Hast du ja auch teilweise gemacht. Aber Geschmacks- und Kritikfragen sind - noch einmal - nicht dasselbe, werden aber immer und immer wieder vermischt.

 

4. Ich mag den Film, halte ich sogar für einen der besten der letzten 100 Jahre.

 

5. Nein, ich bin nicht der einzige. Ich mache das grundsätzlich noch nicht einmal überragend gut, zur Filmanalyse fehlen mir noch viel zu viele gesamthistorische Perspektiven und Sichtungen, ebenso auch das Erlernen des speziellen Rüstwerkszeugs. Dennoch kann ich es wesentlich besser als ein Großteil auf dem Board. Es fängt einfach mit der Unsauberkeit der meisten Argumente an. Muss einem nicht gefallen, aber nur weil alle Welt einen Geschmack oder eine Meinung hat, heißt das ja nicht, dass alle Welt gleichermaßen stark in der Analyse ist. Das ist - wie mit allem im Leben - Übungssache. Und btw. empfand ich immer, dass du zu den Gekonnteren gehörst und mir gerade auch bei der Musik überlegen bist. Und finde auch, dass du hervorragende objektive Standpunkte gebracht hast.

 

6. INTERSTELLAR trifft genau meinen Nerv, also meine Affinität zur Physik und Astronomie, gepaart mit Abenteuergeist (aber ich mag auch den Schlusschor von Beethovens Neunter und grundsätzlich Schillers stürmischen Drang - nur, um da mal meinen Geschmack einzuordnen, von dem ich doch hoffe, dass er in dieser Form nicht von allen Menschen geteilt wird). Ich halte den Film für visionär im Kontext seiner Zeit. Ich bin mir sicher, ohne diese Affinität wäre er mir nicht ganz so lieb. Der Hauptpunkt meiner Vorliebe ist aber die Analogie zur heutigen Zeit mitsamt dem vorgeschlagenen Pioniergeist der Hauptfigur. Aber hier mische ich eben auch Geschmack mit soziologischen Aspekten. Jedem steht da absolut frei, den Film bis in den Himmel zu loben oder zu verfluchen, dabei Ausschlag zu bekommen oder auch einzuschlafen... aber Schlaf alleine ist eben weit davon entfernt, eine Kritik zu sein.

 

7. Interessanterweise ist es ja auch gerade deine zitierte Kritik, die ungefähr auf meinen 1. Punkt hindeutet. Nolan ist zuweilen wie Zimmer ein Technokrat, seine Filme richten sich nicht alleine an den Bauch, sondern auch an den Kopf (im Sinne der technischen Spielerein). Das bedeutet nicht, dass es kompliziert sein muss oder besonders intellektuell (so wie es leichte und schwere Sudokus gibt), es bedeutet aber, dass eine gewisse Nüchternheit abseits der Emotionen durchaus positiv zum Filmerlebnis beitragen kann. Und soweit ich mich erinnere, gibt es sehr viele Leute auf dem Board, die immer wieder betonen, dass es ihnen doch gerade auch darum geht, bei einem Film den Kopf auszuschalten (das stammt nicht aus meinem Munde). Wenn ich also davon schreibe, dass da manche möglicherweise geistig nicht dabei sind, dann ist das doch hausgemacht und sogar von einigen Betroffenen so gewollt. Ich behaupte also mal salopp, was du nicht magst an INTERSTELLAR (was absolut in Ordnung ist), untermauert meine These, dass INTERSTELLAR mehr als nur ein Film für den Bauch ist. Was man mögen kann oder auch nicht. Der Film ist in vielen seiner Momente sehr theatralisch und das im wahrsten Sinne des Wortes, da ja eben genau dort das Gedachte und Empfundene auch laut ausgesprochen wird. Ich störe mich aber beim Zuschauen einer DON CARLOS Vorstellung auch nicht daran, dass der Marquis de Posa mit seiner fackelnden Idiologie wie eine Karikatur wirkt. Im Gegenteil. Ich mag die Figur umso mehr. Das nimmt INTERSTELLAR natürlich ein Stück seines naturalistischen Wesens, mindernd aber ja nicht seine Kunstfertigkeit und macht ihn, trotz der Einnahmen, eben doch zu einem gewissen Nischenprodukt. Kann man mögen, muss man nicht. Ihm da aber nun jeglichen Boden unter den Füßen wegziehen zu wollen (was nicht jeder, aber manche machen), ist ja nun auch Schmu. Ich bin es ja gerade, der (analog zum Motto: Alles Geschmacksfrage und Meinungsfreiheit), darauf verweist, dass man den Film auch in einer gewissen Perspektive betrachten und bewerten muss.

 

:-)

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Das klingt doch versöhnlicher. Ich bin übrigens auch ein großer Fan von Astronomie etc. Du hast es glaube ich gut beschrieben. Ich mag das technokratische Element eben nicht so, zumindest wenn nicht auch gleichzeitig der Bauch angesprochen wird. Ich schaue Filme zunächst tatsächlich nur zur Unterhaltung. Das kann bedeuten, dass ein Film durchaus komplexe Themen aufwirft, die zum Nachdenken anregen, aber es muss bei mir immer noch ein unterhaltendes Element mit einhergehen. Für mich heißt unterhaltend in etwa das(auch wenn mancher Film, den ich gut finde, das eine oder andere Element nicht hat, dafür seine Stärken in anderen Bereichen auspielt):

- runde Charaktere, müssen nicht unbedingt in allen in ihren Facetten rund sein, aber doch eine gewisse Vielschichtigkeit besitzen. Sie müssen irgendwie glaubhaft sein--> nötig dafür gutes Drehbuch+gute Schauspieler

- Pacing: wie entwickelt sich die Geschichte?;Ist der Ablauf der Geschichte/der Spannungsanstieg innerhalb der Rahmenbedingungen des Films glaubhaft?

- Atmosphäre: Design, world building, Musik!!

-Story: eine Interessante Story ist von Vorteil, muss aber nicht sein wenn der Rest stimmt. Z.B. Godzilla von Gareth Edwards(der mir im Gegensatz zur allgemeinen Kritik gut gefallen hat) hat keine besondere Story, hat aber eine Atmosphäre, die ich mir genauso gewünscht habe.

--eine gewisse Natürlichkeit(was ich mit Leichtigkeit meinte)

Tja und dem allen widerspricht, dass es auch Filme gibt, die mir gefallen, obwohl keine der vorgenannten Punkte zutreffen. Da bin dann ratlos ;-)

Und bei Nolan finde ich eben alles so übertrieben, beinahe theaterhaft(bin auch kein großes Fan von Theater) und gleichzeitig total kühl. Langatmig. Es ist wirklich schwierig genau zu fassen was mir nicht gefällt.

Die Punkte, die für mich einen guten Film ausmachen, sind bei dir wahrscheinlich gar nicht so anders. Dennoch kommen wir zu zwei völlig unterschiedlichen Bewertungen.

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