Jump to content
Soundtrack Board

Was habt ihr zuletzt gesehen?


Empfohlene Beiträge

Die Schüler der Madame Anne (Frankreich 2014, Marie-Castille Mention-Schaar)

Schulfilme sind ja längst ein eigenes Subgenre geworden. Der Plot verläuft im Grunde immer gleich. Eine engagierte Lehrkraft bändigt einen Haufen unbändiger Schüler. So weit so vorhersehbar. Auch Die Schüler der Madame Anne verläuft nach diesem Prinzip, macht aber auch einiges anders. Die Klasse, die hier im Mittelpunkt steht (und die vorwiegend aus Migranten besteht) verhält sich nur deshalb so aufmüpfig, weil das Bildungsystem die Jungendlichen längst aufgegeben hat. Dabei legt die Erzählung immer wieder sehr präzise den Finger in die Wunden eines maroden Bildungssystems. Zum anderen kombiniert das Drehbuch den Plot mit einer berührenden Holocaust-Aufarbeitung (die Klasse von Madame Anne nimmtan einem Wettbewerb zum Thema teil), bei der spannenden Brücken in die Gegenwart geschlagen werden.

Klar ist das auch ein gutes Stückchen Erbauungskino, aber ohne Weichzeichner. Das funktioniert auch deshalb so gut, weil das Drehbuch nie ins Märchenhafte abdriftet und den Augen für die Realität verliert. So macht der Film deutlich, dass eine engagierte Lehrerinallein nicht alle Schüler retten kann. Trotz abgedroschener Plotmotive deshalb ein ungemein fesselnder Film, der mich positiv überrascht hat. Allein die klavierplimpernde Filmmusik von Ludovico Einaudi hätte es nicht gebraucht.

   
Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

  • 2 weeks later...

Der Geschmack von Rost und Knochen (Frankreich 2012, Jacques Audiard)

Raues Liebesdrama mit Ecken und Kanten, in der sich ein mitelloser Kickboxer und Vater eines 5jährigen sich mit einer jungen Frau anfreundet, die bei einem Unfall beide Unterschenkel verloren hat. Audiard blickt hier in die Unterschicht, ohne den Sozialrealismus eines Mike Leigh oder Ken Loach zu bemühen. Vor allem Matthias Schoenaerts und Marion Cotillard agieren herausragend.  Positiv hervorzuheben ist auch, dass die Figuren hier einmal ohne Weichzeichner versehrt und mit Schwächen gezeichnet werden. So fesselt Audiards Liebesdrama in Teilen ungemein. Schade nur, dass einige verkrampfte dramatische Zuspitzungen gegen Ende den exzellenten Eindruck verwässern. Was mich auch geärgert hat, wie wenig sich das Drehbuch für das vernachlässigte Kind interessiert, dass zum plot device für die finale Wendung degradiert wird. Das ist für einen ansonsten vielschichtigen Film schon unnötig plump.

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

  • 2 weeks later...

Zulu (Frankreich/Südafrika 2013, Jérôme Salle)

Der gute alte Copthriller ist nicht ausgestorben. Jerome Salle verlegt ihn ins moderne Südafrika, dass noch mit seiner Vergangenheit und dem schwierigen Prozess der Aussöhnung hadert. Orlando Bloom spielt hier im Duo mit Forest Whitaker. Beide sollen den Mord einer jungen Frau aufklären und stoßen schnell auf mysteriös verschwundene Straßenkinder, illegale Drogen und Verstrickungen in Wirtschaft und Politik. Das Setting ist beeindruckend. Doch irgendwie verheddert das Drehbuch typische Genre-Klischees und Stereotype (der verlotterte dem Alkohol zugeneigte Cop, der seine Ex zurückgewinnen will, 2 Cops, die es im Shoot-Out mit einer ganzen Gang aufnehmen) mit gesellschaftspolitischen Fragestellungen. Dazu schockiert der Film mit zum Teil drastischer Brutalität, bei der ich mich frage, ob sie in diesem Ausmaß wirklich der Realität entspricht oder nicht auch nur ein Klischee-Bild reproduziert. Vor allem bleibt Zulu in Atmosphäre und Spannungsaufbau vieles schuldig. So bleibt es bei interessanten Ansätzen und guten Einzelszenen. Die kurze Musik von Alexandre Desplat bietet bis auf die End Credits allein funktionales Underscoring. Für Genrefans ist Zulu auch dank der guten Schauspieler durchaus einen Blick wert. Man sollte aber nicht zu viel erwarten.

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

  • 2 weeks later...

Australia (USA 2008, Baz Luhrmann)

Das klassische Filmepos scheint irgendwie ausgestorben. Auch Baz Luhrmann vermag es mit Australia trotz Starbesetzung (Nicole Kidman, Hugh Jackman) nicht zum Leben zu erwecken. Kidman spielt eine britische Adlige, die 1939 ihrem Mann zu seiner Viehfarm nach Australien folgt, weil sie ihn einer Affäre verdächtigt. Als sie ankommt, ist dieser aber tot und sie übernimmt nach anfänglichen Schwierigkeiten den Betrieb und bekommt es mit einem Monopolisten zu tun, der das Geschäft an sich reißen will. Der Film Ende mit Pearl Harbor und dem Angriff der Japaner auf die nord-australische Stadt Darwin, die das Schicksal der Hauptfiguren noch einmal wandeln wird. Dazu verhandelt Luhrmann die verlorene Generation: Kinder aus Mischeehen zwischen Aboriginees und Weißen, die ihren Familien entrissen wurden. Trotz Überlänge findet Luhrmanns Film aber selten den richtigen Tonfall, um alle Plotelemente zu einem großen Ganzen zusammenzufügen. Besonders misslungen ist die erste halbe Stunde, in der er einen völlig unpassenden Comedy-haften Stil verwendet, der nicht zum ernsten Drama, dass darauf folgt, passen will. Der Einsatz von viel CGI und die dämliche Reduzierung der Handlung auf einfache Gut-Böse-Schemata nimmt dem Film viel von seiner möglichen Wirkung. Am besten funktioniert Australia deshallb als Jugend-Abenteuer.  Immerhin wird hier zwar trivial, aber doch recht unterhaltsam erzählt, so dass die 166 Minuten doch rasch vergehen. Aber richtig überzeugen kann Australia nicht und ist deshalb wohl zu Recht gefloppt.

Link zu diesem Kommentar
Auf anderen Seiten teilen

Join the conversation

You can post now and register later. If you have an account, sign in now to post with your account.

Gast
Auf dieses Thema antworten...

×   Du hast formatierten Text eingefügt.   Formatierung jetzt entfernen

  Only 75 emoji are allowed.

×   Dein Link wurde automatisch eingebettet.   Einbetten rückgängig machen und als Link darstellen

×   Dein vorheriger Inhalt wurde wiederhergestellt.   Clear editor

×   Du kannst Bilder nicht direkt einfügen. Lade Bilder hoch oder lade sie von einer URL.

×
×
  • Neu erstellen...

Wichtige Information

Wir nutzen auf unserer Webseite Cookies, um Ihnen einen optimalen Service zu bieten. Wenn Sie weiter auf unserer Seite surfen, stimmen Sie der Cookie-Verwendung und der Verarbeitung von personenbezogenen Daten über Formulare zu. Zu unserer Datenschutzerklärung: Datenschutzerklärung/Impressum