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Fences (R: Denzel Washington, USA 2016)

Grundsätzlich finde ich es sehr sympathisch, dass Washington hier sehr theaterhaft für die große Leinwand inszeniert. Das ist in den letzten Jahren selten geworden. Und natürlich ist auch das Ansinnen, afro-amerikanisch Lebenswelten einem breiteren Publikum näher zu bringen sehr zu begrüßen. Und dennoch: Ich wurde, dass Gefühl nicht los, dass das Schauspieler-Ensemble (das so im Grunde auch schon am Broadway gespielt hat) die Rollen vielleicht ein wenig zu sehr verinnerlicht hat. Alle spielen auf hohem Niveau, aber es fehlt Dynamik und Luft zum Atmen zwischen den Zeilen.  Was im Theater vermutlich gut funktioniert, wirkt in der Verfilmung vor allem zu Beginn geschwätzig. Und dann kann es der Film ärgerlicherweise doch nicht lassen, das kammerspiel-artige Setting von Haus & Garten durch andere Schauplätze aufzubrechen. Der Film ist eh viel zu lang und hätte eine Verdichtung auf das Wesentliche gut vertragen können. Am Ende ist Fences kein schlechter Film,  hat intensive Einzelszenen. Aber eine fesselnde Theater-Adaption ist der Film leider nicht geworden.

 

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Tragödie in einer Wohnwagenstadt (1967)

Die 15-jährige Dotty wird nachts Opfer eines vermeintlichen Übergriffes. Der Täter äußert ein flüchtiges "Hi" und küßt sie abrupt. Schockiert und verstört rennt sie weinend nach Hause. Ihre
Eltern leben in der nahegelegenen Wohnwagensiedlung, wo sich sofort ein zu allem entschlossener Lynchmob zusammenfindet, als sich der Vorfall herumspricht. Man bildet einen selbsternannten Untersuchungsausschuß und beginnt mit der Befragung der Einwohner ("Und wenn ihr jemanden hart anpacken müßt, dann geniert euch nicht!"). Vor allem auf die zugezogene Puertoricanerfamilie hat man in besonderem Maße abgesehen.

Was Regisseur Günter Gräwert mit seinem grandiosen Darsteller-Ensemble nach einem Drehbuch von Reginald Rose hier geschaffen hat, ist eine intensive, ungeheuer packende Studie über soziale Dynamiken, die sich ganz schnell zu unreflektierten Gewaltausbrüchen und Anarchie hochschaukeln. Eine Geschichte in der Tradition von "Fury" oder "Oxford Incident", und einer der spannendsten Filme, die ich in letzter Zeit gesehen habe. Ganz groß!

 

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Am 18.6.2020 um 19:53 schrieb Siddl:

Ganz so schlimm war es bei mir nicht - aber auch ich würde diesem Film niemals so eine hohe Wertung geben. Das Thema ist nichts neues, ich sehe an dem Film auch nichts, was das Rad in irgendeiner Weise neu erfindet. 

Wieso muss ein Film denn etwas grundlegend Neues bieten und "das Rad neu erfinden", um als großartig gelten zu können? Das ist eine Sichtweise, die sehr vom Eventkino à la Christopher Nolan geprägt ist, die damit wirbt, mit jedem neuen Eventfilm das Kino zu revolutionieren, und DEN definitiven Film zum Thema abzuliefern... "as you've never seen before"!

Ein Film ist toll, wenn er sein Thema auf idiosynkratische und originelle Weise verhandelt, dem Thema mit einer eigenen Perspektive und Handschrift begegnet - und das bekommt PARASITE gut hin, und schafft es dabei auch noch, viele Menschen zu irritieren. Zumindest spricht aus vielen Meinungen und Kommentaren, die ich bislang aus dem Bekanntenkreis vernommen habe, eine ganz schöne Verunsicherung darüber, wie man das Gesehene einordnen soll. Da hat der Film alles richtig gemacht, würde ich sagen. 

Am 19.6.2020 um 09:42 schrieb badbu:

Hatte Robert gar nicht auf dem Schirm als "guten" Schauspieler. Hat mich aber wirklich überzeugt.

Dann empfehle ich dir auch David Cronenbergs COSMOPOLIS. Meiner Meinung nach sowieso einer von Cronenbergs besten späteren Filmen, und Pattinson ist hier (neben Paul Giamatti) besonders toll. 

THE LIGHTHOUSE fand ich auch sehr interessant, allerdings hat mich der etwas artifizielle Konflikt der beiden Protagonisten irgendwann nicht mehr so gefesselt. Eggers verliert das Menschliche irgendwann aus dem Blick, zugunsten des überbordenden Stils und der vielen mythologisch-kulturhistorischen Verweise. Das hat er in THE VVITCH noch besser hinbekommen, die menschlich-emotionale Ebene durchgehend intensiv zu gestalten. 

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vor 6 Minuten schrieb Sebastian Schwittay:

Das ist eine Sichtweise, die sehr vom Eventkino à la Christopher Nolan geprägt ist, die damit wirbt, mit jedem neuen Eventfilm das Kino zu revolutionieren, und DEN definitiven Film zum Thema abzuliefern... "as you've never seen before"!

 

Du meinst sowas wie sein aktueller Film Tenet? "Sie schießen die Kugel nicht ab, Sie fangen sie ein." Als ich das im Trailer gehört und gesehen hab, hatte ich schon wieder genug. Wenn der Trailer schon den Eindruck erweckt, dass der Regisseur den Film nur gedreht hat, um das Kino mal wieder zu revolutionieren, verfliegt bei mir sofort das Interesse diesen Film zu schauen.

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KATZELMACHER (Rainer Werner Fassbinder, BRD 1969)

35mm, im Kino ❤️ 

Seit dem Filmwissenschafts-Grundstudium das erste Mal wieder gesehen. Fassbinders deprimierendes Gesellschaftsbild über eine gelangweilte Clique junger Menschen, die ihren tristen Alltag in einem Wohnblock verlebt, sich gehässig anschnauzt und in der bundesdeutschen Tristesse ihres Umfelds regelrecht ersäuft, hat mich mich auf ästhetischer Ebene nicht mehr so geflasht wie noch vor 10 Jahren (Theater-hafte Einstellungen und Dialoge, experimentelle Kadrage, künstliche Sprache - eben alles typisch Neuer Deutscher Film), aber emotional trifft der Film immer noch zielsicher in die Magengrube, insbesondere der "Subplot" um den griechischen Gastarbeiter (gespielt von Fassbinder selbst), an dem die jungen bürgerlichen Trüblinge ihren ganzen widerlichen Rassismus auslassen. Schlimm, verstörend, wütend machend, und heute immer noch ein brandaktueller Film. 

 

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Am 3.7.2020 um 13:50 schrieb Sebastian Schwittay:

Wieso muss ein Film denn etwas grundlegend Neues bieten und "das Rad neu erfinden", um als großartig gelten zu können?

Naja die Aussage habe ich gemacht, weil es mir vorkommt, als würden viele behaupten, es wäre bei diesem Film so. Ansonsten stimme ich dir auch zu.

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QUEEN & SLIM

Was für eine intensive Achterbahn der Gefühle  ... ein sehr spannender Film über zwei Menschen die eigentlich nur ein angenehmes Leben führen wollten. Er passt perfekt zu den Themen der #blacklivesmatter Ereignissen in Amerika und spornt zum Nachdenken an. 

Ich bin mir sicher, dass der Film und die Hauptdarstellerin Jodie Turner-Smith für den Oscar nominiert werden.

10/10

 

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vor 20 Stunden schrieb TheRealNeo:

Der lief in den USA bereits letztes Jahr. Der Oscar-Zug ist also bereits abgefahren. 

Vielen Dank! Es ist mir unbegreiflich wie die Hauptdarstellerin Jodie Turner-Smith nicht einmal mit einer Nominierung bedacht wurde! 

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IN EINEM JAHR MIT 13 MONDEN (Rainer Werner Fassbinder, BRD 1978)

In Fassbinders Frankfurt gibt es kein privates Scheitern, nur gesellschaftlich Begründetes. Einer meiner liebsten (oder sagen wir besser: geschätzt, denn „lieb“ ist hier nichts) Frankfurt-Filme überhaupt, der sich voll und ganz mit meiner eigenen, tristen bis schmerzhaften Erfahrung dieser Stadt deckt. Wer es als sensibler Mensch in einer Stadt wie Frankfurt verpasst, sich individuelle und verlässliche safe spaces einzurichten, die ihm Schutz vor der eiskalten Übergriffigkeit der sozialen und ökonomischen Gegensätze gewähren, läuft Gefahr, so qualvoll zugrunde zu gehen wie Elvira Weishaupt in diesem wohl niederschmetterndsten deutschen Film der Nachkriegszeit. Ein heftiger Re-Watch auf 35mm, direkt am Ort des Geschehens, im Kino des Deutschen Filmmuseums in Frankfurt – während einer dystopisch zugespitzten Zeit, die der Film auf unheimliche Weise vorwegzunehmen scheint. 

 

CLEAR AND PRESENT DANGER (Phillip Noyce, USA 1994)

Einer der schwerfälligsten und formlosesten Polit-Actionthriller der 90er Jahre, und vielleicht die schwächste der drei „klassischen“ Clancy-Verfilmungen bis 1994. Während Noyces und Fords Jack-Ryan-Einstand PATRIOT GAMES mit einem aufwühlenden dramatischen Konflikt und einem nicht uninteressanten Blick auf den Nordirland-Konflikt aufwartet, langweilt der träge 140-Minüter CLEAR AND PRESENT DANGER mit unendlichen Auslassungen mittelalter weißer Männer über Bankkonten und Geldwäsche, und findet erst nach knapp einer Stunde zu einem ersten (seltsam willkürlich gesetzten) filmischen Kulminationspunkt. Überhaupt mangelt es dem Drehbuch von Zaillian/Milius/Stewart sowohl an rhythmischer Proportion als auch an einem einigermaßen spannenden Figurenensemble. Am Ende stolpert Ford nur mehr durch eine Anhäufung blasser Nebenfiguren und trockener, verkomplizierter Storystränge, sodass auch die schlussendliche Auflösung des Konflikts dem Zuschauer so egal bleibt wie die Krawattenfarben der zahlreichen Anzugträger, die den Film en masse bevölkern. James Horners Musik ist für sich genommen solide, kommt im Film aber nur an wenigen Stellen wirklich zur Geltung (vor allem in der „Deleting the Evidence“-Sequenz), und vertont den exotischen Schauplatz Kolumbien leider denkbar uninspiriert (über ein Dauer-Staccato der Shakuhachi-Flöte kommt der „Exotismus“ der Vertonung selten hinaus). Auch musikalisch ist der Vorgänger PATRIOT GAMES am Ende deutlich charakterstärker. 

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STAY (2005)

Einer der Filme, den ich schwer fand, sodass ich ihn in Etappen gesehen habe, nur um dann am Ende zu realisieren "Ok, jetzt schau' ich ihn nochmal".

Visuell und besonders schnitttechnisch hat es mich dann beim zweiten Durchgang sehr in seinen Bann gezogen. Die Tatsache, dass Gosling als einziger emotional in seiner Rolle aufzugehen scheint und McGregor und Watts schon fast "steif" spielen, dass Charaktere innerhalb einer Szene scheinbar die Rollen wechseln, dass es zunehmend minimale Sprünge in der Zeit gibt, die Realität zuweilen keine Rolle spielt - das alles hat mich am Schluss doch dann sehr gepackt. 

Schöner Film. Leider sehr unterschätzt. Habe ihn nicht gesehen, aber ich kann mir vorstellen, dass der Trailer hierzu auch sehr irreführend ist. Wenn man auf eine Kurzversion des Filmes Lust hat, empfehle ich wärmstens Chris Stuckman's Analyse auf YouTube.  

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MAD MAX - FURY ROAD

"Heute fahren wir nach Gastown!" gröhlt am Anfang ein Statist und faßt damit die Story schon ganz gut zusammen. Es kommt zu Turbulenzen zwischen irgendwelchen Gestalten, die einem allesamt scheißegal sind.  Zwischen den irrsinnigen Stunts und enorm aufwendigen Actiongemälden tummeln sich unzählige CGI-Effekte und aufdringliches Color-Grading. Modernes Event-Kino in seiner reinsten Form. Reduziert auf ein Minimum an Handlung, und auf den maximalen optischen Effekt getrimmt. Am Schluß wird der Score nochmal richtig pathetisch. Für wen, weiß ich nicht. Vielleicht für den Zuschauer, der es endlich überstanden hat.

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vor 16 Stunden schrieb Angus Gunn:

MAD MAX - FURY ROAD

"Heute fahren wir nach Gastown!" gröhlt am Anfang ein Statist und faßt damit die Story schon ganz gut zusammen. Es kommt zu Turbulenzen zwischen irgendwelchen Gestalten, die einem allesamt scheißegal sind.  Zwischen den irrsinnigen Stunts und enorm aufwendigen Actiongemälden tummeln sich unzählige CGI-Effekte und aufdringliches Color-Grading. Modernes Event-Kino in seiner reinsten Form. Reduziert auf ein Minimum an Handlung, und auf den maximalen optischen Effekt getrimmt. Am Schluß wird der Score nochmal richtig pathetisch. Für wen, weiß ich nicht. Vielleicht für den Zuschauer, der es endlich überstanden hat.

Finde den auch massiv überschätzt. Verstehe nicht, wieso der in der Cineasten-Bubble 2015 so enorm eingeschlagen hat. Letzten Endes ist der, wie du richtig sagst, in fast allen filmischen Bereichen nur eine Affirmation des lauten, plumpen Multiplex-Kinos unserer Zeit. 

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Ich finde den Film vom Publikum und von der Academy genau richtig eingeschätzt. Er hat mich wie noch kein Film aus diesem Genre fasziniert und begeistert. 

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