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Nonesuch Records: Jonny Greenwood - PHANTOM THREAD


Empfohlene Beiträge

vor einer Stunde schrieb queenofthefoovultures:

Sebastian deine Midi Version kommt dem Phatom Thread 2 doch gut nahe :D

Danke. :D Finde es auch ganz gelungen. Ein paar Schlenkerer hat die Bratsche in der Aufnahme weggelassen (die letzten drei Noten in Takt 14 fehlen, sowie die Halbe in Takt 15), und im Klavier entstehen durch das gehaltene Pedal ein paar zusätzliche Dissonanzen. Ansonsten gut getroffen. 

Meine Highlights bislang: "Phantom Thread I", "The Hem", "Sandalwood I" (die Harfe!), "That's As May Be" (die Harfe!) und "Barbara Rose". 

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Eine begeisterte Besprechung von Jonathan Broxton auf Movie Music UK: 

https://moviemusicuk.us/2018/01/13/phantom-thread-jonny-greenwood/

Er beschreibt auch das Zusammenspiel mit dem Film. Scheinbar ist gerade der melodisch-romantische Schluss ("For the Hungry Boy") ein extremer Kontrast zum Gezeigten - kein Happy End, sondern ein ziemlich grausamer Schlusspunkt unter einer dysfunktionalen Beziehung. 

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Zitat

Paul Thomas Anderson’s ‘Phantom Thread’ To Screen With Live Orchestra

Yesterday, Jonny Greenwood finally earned his first much deserved and long overdue Oscar nomination, for his exquisite work on Paul Thomas Anderson‘s “Phantom Thread.” The Radiohead multi-instrumentalist’s score is a crucial element to film’s twisted romantic portrait, and now it’s getting supersized.
The folks at Wordless Music (who previously presented that live concert screening of “Punch-Drunk Love“) and the London Contemporary Orchestra are prepping two live orchestra screenings of “Phantom Thread.” The first will take place at BAM’s Howard Gilman Opera House in Brooklyn on February 24th and it will be followed by a show at The Theatre at Ace Hotel in Los Angeles on March 2nd (just two days before the Oscars). It’ll be a pretty terrific night to be sure, however I’d recommend seeing the film first at a regular screening. There are so many delicious bon mots that you won’t want to miss them at the live orchestra screening.
However, New York and Los Angeles will be beat to the whole live “Phantom Thread” thing by the International Film Festival Rotterdam, who announced last month they’d be presenting the movie with Greenwood’s score performed by the Rotterdam Philharmonic Orchestra with key musicians from London Contemporary Orchestra on February 2nd. Even more, Anderson will be in attendance. No word yet if the director will swing by these stateside screenings, but we’re sure he’s got a seat reserved if he wants it. For everyone else, tickets for the New York screening can be grabbed here, and folks in Los Angeles and click here.
Quelle: https://theplaylist.net/phantom-thread-screen-live-orchestra-20180124/

 

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Nach längerer Beschäftigung mit der Musik muss ich sagen, dass PHANTOM THREAD in der Tat Greenwoods ausgefeilteste und tiefste Musik seit THERE WILL BE BLOOD ist. Staunen lässt allein schon, wie farbig und abwechslungsreich Greenwood die begrenzte Besetzung aus Streichern, Harfe und Klavier nutzt - aber auch die thematische Arbeit ist enorm reich und differenziert, ebenso wie die psychologische Ausleuchtung der Charaktere durch Rhythmik, Harmonik und Instrumentierung. Die Sichtung des Films wird wohl noch mehr Aufschluss über die psychologischen Dimensionen geben, aber einige Dinge springen auch so schon deutlich ins Auge bzw. Ohr.

(Für die, die noch nichts Näheres über den Film wissen: es geht um einen alternden Modedesigner im London der 50er Jahre, der eine Beziehung mit einer wesentlich jüngeren Frau beginnt. Leidenschaftlich, aber dominierend, betrachtet er die Frau als Muse, die sich dem Genie unterzuordnen hat... doch im Verlauf gewinnt die Beziehung an Dynamik.)

Hier mal der Versuch eines Track-by-Track-"Reiseführers" durch die Musik: 

1. Phantom Thread I

Das Hauptthema für Modeschöpfer Reynolds Woodcock in der ersten von insgesamt vier Variationen. Das barock und streng anmutende Thema im starren 4/4-Takt (in dem sich einerseits Ordnung und Präzision, andererseits aber auch Affektiertheit und emotionale Abgründe spiegeln) in einer zerbrechlichen, an den Anfang von Wagners Lohengrin-Vorspiel erinnernden Version für Streicher in höchsten Lagen. Das extreme Vibrato und der fast "schreiende" Charakter ziehen den Streichersatz ins Schmerz- und Wahnhafte. Klassische Formvollendung und absolute madness gehen hier Hand in Hand, und zeichnen schon im ersten Track das perfekte Porträt des genialen, aber innerlich völlig zerrütteten Künstlers. 

2. The Hem

Eine karge Einleitung aus angerissener Harfe und hölzernen Schlägen auf den Klavierkorpus eröffnet dieses klanglich zerklüftete Stück, das in einer alternativen Version auch im Trailer verwendet wurde und mit seinen minimalistischen Repetitionen von Streichquartett und Klavier das Zwanghafte und Obsessive in Woodcocks Persönlichkeit illustriert. Die Tonstufen, die das Stück durchläuft, bilden eine oktatonische Tonleiter: Greenwood-typisches Sinnbild für Obsession, Paranoia und Co. (siehe auch INHERENT VICE). 

3. Sandalwood I

Der schimmernde, an den Minimalismus von John Adams erinnernde Satz für Streichquartett, Harfe und Klavier ist das erste Stück, das Woodcocks Beziehung mit Alma thematisiert (der Titel bezieht sich auf Almas Vorliebe für den Duft von Sandelholz). Das Stück versprüht eine elegante Frische und stellt dem obsessiv-dunklen Antrieb von "The Hem" einen positiven, hellen, "verliebten" Antrieb entgegen. Außerdem bricht das Stück auch rhythmisch mit dem Woodcock-Thema aus "Phantom Thread I-IV": Greenwood etabliert hier einen erfrischenden, ungeraden 5/4-Takt, der später auch "Alma" und "Sandalwood II" prägen wird. Woodcock wird von seiner Liebe zu Alma förmlich "aus dem Takt" gebracht...

4. The Tailor of Fitzrovia

Einer der m.E. eher unwichtigeren Tracks des Albums, den man auch hätte streichen können (der Übergang von "Sandalwood I" zu "Alma" ist nämlich konzeptionell super passend, und auch klanglich viel schöner). Nichtsdestotrotz: in diesem Track setzt Greenwood das Klavier mit Dämpfpedal erstmals besonders prägnant ein - eins der wichtigsten Klangmerkmale der Musik. 

5. Alma

Mit dem 5/4-Takt schließt Greenwood an "Sandalwood I" und die musikalische Welt Almas an. Zwischen regelmäßigen Viertel-Akkorden des Klaviers lugt zaghaft die Bratsche hervor (interessant: die Bratsche kommt auf der mittigen 3 des Takts, und wird von jeweils zwei Klavier-Vierteln umrahmt/eingezwängt - ein musikalisches Symbol für die Einzwängung Almas durch den (zunächst) dominanten Woodcock?). 

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Nach und nach treten weitere Streicher hinzu und verwischen diese klare Struktur - die Streicher wuchern immer mehr über die starren, mächtigen, "männlichen" (?) Viertel-Akkorde des Klaviers hinweg. Alma etabliert sich. 

6. Boletus Felleus

Greenwood im seltenen Suspense-Modus. Viele werden den Track wohl eher als nicht-essentiell betrachten, aber obacht: wie Greenwood hier Harfe, Streicher und Holzbläser (übrigens neben "Never Cursed" das einzige Stück im Score, in dem Holzbläser eingesetzt werden!) zu einem hintergründigen, dunklen Dickicht verwebt, ist schon großes Tennis. Toll vor allem der sich gegen Ende herausschälende Kontrabass. 

7. Phantom Thread II

Die zweite Variation von Woodcocks Thema, nun kammermusikalisch für (gedämpftes) Klavier und Bratsche gesetzt. Hier kommt der barocke, an Bachs Klaviermusik angelehnte Charakter des Themas besonders zur Geltung. Der Dialog der Instrumente lässt sich auch hier als Dialog zwischen Woodcock und Alma deuten, waren Bratsche und Solo-Streicher schließlich schon in "Sandalwood I" und "Alma" weiblich konnotiert. Der Bratschenpart hat motivische Ähnlichkeit sowohl mit Woodcocks Thema als auch mit den Motiven aus "Alma" - die beiden Charaktere scheinen hier auf komplexe Weise miteinander zu verschmelzen. (Die Noten zum Stück findet ihr auf Seite 1 des Threads.)

8. Catch Hold

Das gedämpfte Klavier irrlichtet hier gespenstisch vor einem neblig-diesigen Cluster der Streicher - vielleicht eine der atmosphärischsten Passagen des ganzen Scores. Greenwood nutzt in diesem Stück nur die weißen Tasten des Klaviers, jedoch nicht als C-Dur-Skala, sondern als harmonisch nicht wirklich greifbare Tonwolke, die in ihrem An- und Abschwellen Erinnerungen an György Ligetis "Atmosphères", aber auch an Greenwoods eigenes Konzertwerk "Popcorn Superhet Receiver" weckt. 

9. Never Cursed

In diesem ebenfalls eher flächig angelegten Satz greifen kleine Streicherbesetzung und vereinzelte Holzbläser ineinander, und wiederholen ein in sich kreisendes Motiv, das von anderen Stimmen im Verlauf immer dramatischer umspielt wird. Der leicht schmerzhafte Charakter des Stücks erinnert an ähnlich instrumentierte Sätze aus THE MASTER, fällt aber in diesem Score etwas aus dem Rahmen und bringt den Albumschnitt an dieser Stelle auch ins Stocken. Ich habe den Track aus meiner persönlichen Sequenzierung herausgenommen. 

10. That's As May Be

Die Harfe hat ihren großen Auftritt in diesem kurzen, Intermezzo-haften Track, den man als eine der wenigen "Actionpassagen" des Scores bezeichnen könnte. Atemlos rast die Harfe durch C-Dur-, Fis-Dur-, Es-Dur- und A-Dur-Akkorde (Harmonien im Kleinterz-Abstand und Bestandteil einer oktatonischen Skala), begleitet von herrmannesquen Streichern, die bei 0:43 für drei Takte zum Streichquartett ausgedünnt werden - drei Takte totale Entrückung, und eine der schönsten und kunstvollsten Passagen des ganzen Scores! (Die oktatonische Skala, die Grundlage des Satzes ist, verbindet das Stück mit "The Hem" - genau wie dort zeichnet die Tonleiter, mit ihrem aufgekratzt-nervösen Charakter, Woodcocks paranoide Obsessionen nach.)

11. Phantom Thread III

Woodcocks Thema in der dritten Variation, für volles Streichorchester plus Pauke. Klassizistisch-erhaben, aber auch schicksalhaft gesteigert präsentiert Greenwood das Thema hier in großer, ausladender Geste. Auf Movie Music UK vergleicht Jonathan Broxton die Variation stilistisch mit Wojciech Kilar - durchaus zutreffend, wie ich finde. 

12. I'll Follow Tomorrow

Eine kurze, aber stimmungsvolle Solo-Passage für das gedämpfte Klavier, die mich in den schnellen Sechzehntel-Kaskaden bei 0:14 und 0:53 stark an das Klavierquartett "Eat Him By His Own Light" aus THERE WILL BE BLOOD erinnert hat. Das Stück knüpft an "Phantom Thread II" an und ist eindeutig Woodcock zugeordnet - die Klarheit des Klaviersatzes aus "Phantom Thread II" weicht hier jedoch einer fast wahnhaften Sprunghaftigkeit. Das rhythmisch ungebundene, frei variierende Spiel des Klaviers mit seinen wilden Verzierungen wirkt irrsinnig und übergeschnappt (toll, wie in der Mitte des Stücks eins dieser verrückten Ornamente in tiefen Lagen vollkommen verschwimmt, und nur noch als bedrohliches, schepperndes Dröhnen wahrnehmbar ist - der Abstieg in die völlige madness sublim in Musik übersetzt). 

13. House of Woodcock

Erst sehr spät kommt auf dem Album dieser wichtige Track, der den Film eröffnet. "House of Woodcock" fungiert als musikalisches "Aushängeschild" des Modedesigners und seiner Haute Couture. Die Musik ist reine Fassade und steht für die Art und Weise, wie Woodcock sich und sein Mode-Label der Welt präsentiert: schick, luxuriös und hochpreisig. Die Musik umschmeichelt den Hörer so, wie Woodcock seine Kundschaft mit feinsten Modekreationen umschmeichelt - ein sehr zutreffender Kommentar einer YouTube-Nutzerin lautet: "Listening to this feels like a warm, cozy blanket wrapped around me.". Seine stilistischen Vorbilder - Streichersätze aus berühmten Jazz-Aufnahmen der 50er und 60er Jahre - hatte Greenwood bereits in Interviews verraten. Von Woodcocks seelischen Abgründen ist in dieser Musik jedenfalls nicht das Geringste zu spüren. 

14. Sandalwood II

Eine Rückkehr zu Almas "Sandalwood"-Thema im 5/4-Takt, dieses Mal jedoch doppelt so langsam, und in seiner Wirkung noch impressionistischer als "Sandalwood I". Durch das verlangsamte Tempo lassen sich die Strukturen der Musik (stufenweises Aufsteigen bzw. "Auffächern" der Akkorde) hier noch besser nachvollziehen als im ersten "Sandalwood"-Satz. 

15. Barbara Rose

Für eine komödiantisch-groteske Szene, in der Alma und Woodcock gemeinsam den Mode-Entwurf für eine alkoholabhängige Kundin zerstören, schrieb Greenwood den musikalisch wohl anspruchsvollsten Satz der Partitur - einen ekstatisch anmutenden Tanz für kleine Streichquartett-Besetzung, der im Verlauf immer deutlicher den Charakter einer Tarantella annimmt. Über einem regelmäßig gezupften Grundschlag der tiefen Streicher liefern sich zwei stereophon gegenübergestellte Bratschen ein Duell und imitieren sich gegenseitig. Das Motiv, das dabei ständig wiederholt wird, erinnert an eine umgedrehte, quasi "auf dem Kopf stehende" Variante von Woodcocks Thema. Die solistischen Streicher (v.a. die Bratschen) verorten die Musik dagegen im Weiblichen und bei Alma. Woodcock und seine geordnete Welt werden von den wild tanzenden Streichern (also von Almas wilder Weiblichkeit) völlig auf den Kopf gestellt, sein Thema wird spielerisch "verkehrt" - das Ganze geschieht jedoch nicht ohne Genuss, denn trotz des Chaos und der Ekstase fühlt sich das Stück nicht wie eine Bedrohung, sondern eher wie eine Befreiung an (insbesondere gegen Ende, wenn sich die Harfe enthusiastisch ins musikalische Geschehen einmischt). Woodcock gibt sich Almas spielerischem Drang bereitwillig hin und öffnet sich einer neuen Welt. Insgesamt eine der optimistischsten Passagen des gesamten Scores. 

16. Endless Superstition

Auf den ersten Blick steht dieser wohlklingende Streichersatz in enger Verwandtschaft zu Woodcocks eleganter "Fassadenmusik" in "House of Woodcock". Warm und harmonisch umschmeicheln den Hörer gebrochene Dur-Dreiklänge, die sich wie ein endloser Strudel in die Gehörgänge nagen. Die Endlosigkeit der Dreiklänge ist hier aber auch subtiler Ausdruck von Abgründigkeit: die Musik scheint sich zu verlieren, setzt immer wieder auf neuen Tonstufen an, erreicht aber nie ein Ziel. Stimmungsmäßig finde ich das vergleichbar mit dem "Shasta Fay"-Thema aus INHERENT VICE. 

17. Phantom Thread IV

Die vierte und letzte Variation über Woodcocks Thema, in der reduziertesten Form - nur für Bratsche solo. Durch viele Doppelgriffe entsteht hier ein sehr voller Klang, was wohl auch Jonathan Broxton zu seiner Annahme verleitet hat, hier würden mehrere Instrumente spielen. Ist aber in der Tat nur die Bratsche. Ich finde leider die Aufnahme furchtbar, deswegen habe ich den Track aus meiner Playlist herausgenommen. 

18. For the Hungry Boy

Mit diesem versöhnlichen Schlusstrack, in dem Klavier und Streicher an die warme Luxuriösität von "House of Woodcock" und "Endless Superstition" anknüpfen, endet das Album. Die Musik suggeriert ein makelloses Happy End - oder ist das letztendlich alles nur Verdrängung, und Woodcocks künstliche Fassade hat gewaltsam die Oberhand gewonnen? Ich sehe nächste Woche den Film, und bin sehr gespannt, ob die Musik hier tatsächlich den krassen Kontrapunkt zu einem richtig finsteren Ende bildet, wie ihn Jonathan Broxton in seiner Rezension beschrieben hat. 

 

Zusammenfassung? Wie ich finde, hat sich Jonny Greenwood mit PHANTOM THREAD endgültig als eine Art Bernard Herrmann unserer Zeit etabliert - ein meisterhafter musikalischer Figurenzeichner, der mit heutzutage selten gehörter psychologischer und emotionaler Tiefe an die goldenen Zeiten der Filmmusik anknüpft. Schon seit Jahren habe ich keine so akribische musikalische Nachzeichnung einer Figur und ihrer Beziehung mehr gehört. Woodcocks Innenleben (das "Phantom Thread"-Thema), seine Fassade ("House of Woodcock"), die Welt der Frau, die ihn herausfordert (impressionistisch-lieblich in "Sandalwood", tänzerisch-selbstbewusst in "Barbara Rose") oder sich ihm schüchtern fügt ("Alma") - all das vereint Greenwood in einer komplexen und zugleich (!) sinnlich-klangschönen Komposition, die auch für den Kenner und analytisch interessierten Hörer ein wahres Füllhorn an musikalischen Symbolen und Querverbindungen bereit hält. Chapeau, Jonny!

Ich hoffe, dass ich mit meiner Track-by-Track-Beschreibung dem ein oder anderen helfen konnte, sich diese schöne Musik zu erschließen. Danke fürs Lesen.:verneig:

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Hab bisher ein paar Mal beim Einschlafen reingehört in den Soundtrack - interessant, ich denke nur nicht, dass er einer meiner Lieblingsscores wird, aber muss mir noch eingehender Zeit nehmen dafür. Deine Anmerkungen sind dafür ganz hervorragend, Sebastian - werde ich mir im Einzelnen zur Musik zu Gemüte und Verstande führen.

Pitchfork kritisiert übrigens Greenwoods mangelndes Einfühlungsvermögen:

"So viel in dem Film schaut darauf, wie winzige Gesten, die falsch ausgeführt werden, nicht nur Routine, sondern Tradition zerstören... Wenn doch nur Greenwoods Score ebenso aufmerksam für diesen Sinn von Zurückhaltung wäre."

https://pitchfork.com/reviews/albums/jonny-greenwood-phantom-thread-original-motion-picture-soundtrack

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ich habe das album jetzt komplett gehört. ich muss sagen, auf emotionaler ebene spricht mich die musik überhaupt nicht an. ich finde die emotionalität nicht tief sondern einfach nur krampfhaft und überwiegend aufgesetzt. ich gebe sebastian aber vollkommen recht, dass greenwood damit an die goldene zeit der filmmusik anknüpft. die war dahingehend nämlich auch schon so. wenn der mann die frau ruckartig an sich ranzieht, sich beide hölzern spielend anschauen und sich einen schmalzigen dialog liefern wurde genau solche musik gespielt. nur weder die szenen noch die musik konnten in den meisten fällen glaubwürdige emotionen transportieren. greenwood quetscht hier förmlich die emotionen aus den instrumenten, vorallem aus der bratsche. da kommt für mich nichts rüber. interessanterweise ließ mich der titel, den sebastian am uninteressantesten findet, nämlich titel 4, sofort aufhorchen. der titel hat eine leichtigkeit und unaufgeregtheit und transportiert dadurch doch so viel. auch das thema wirkt daher wesentlich eindringlicher ohne auch auf rein klanglicher ebene an den nerven zu zerren. als reines höralbum ist diese musik daher nichts für mich.

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Schöne Eindrücke, danke Lars (und danke Ewigmorgig für die verlinkte Kritik!).

Ich kann gut verstehen, was Lars meint: PHANTOM THREAD, und vielleicht generell kunstmusikalisch geprägte Musik, hat einen eher altmodisch-affektierten Zugang zur Emotion. Aufgeladen, schwer, etwas feudal, aber auch ein bisschen artifiziell und unnahbar... heutzutage ist sowas völlig aus der Mode, die Menschen empfinden nicht mehr so, und deswegen ist sowas in der Filmmusik auch kaum noch anzutreffen. Mich persönlich erreicht dieses Affektiert-Artifizielle viel eher, da es mir einen breiteren emotionalen Zugang ermöglicht. Im Gegensatz zu "normaler" moderner Filmmusik, die einen emotional immer sehr stark in eine bestimmte Richtung drängt, habe ich hier das Gefühl, mir mehr aussuchen zu können. Es ist uneindeutiger und für mich damit reicher. 

Was ich aber mindestens genauso wichtig finde wie das Emotionale ist der Aspekt des Klangsinnlichen. Wieso begreifen wir Musik denn immer nur als Medium und Transportmittel, das uns etwas übermitteln muss, wie ein Postbote? Die Emotion ist ja letztendlich nur etwas, was Musik transportiert, es ist nicht die Musik selbst. Wieso erfreuen wir uns nicht genauso sehr am Sinnlichen des Klanges und der Klangkombinationen? Der wunderschöne Klang der Bratsche, der Harfe, der Streicherwolken, der Hämmer, die die Klaviersaiten anschlagen... Oder auch an der Schönheit von Harmonik als solcher, an den speziellen Tonleitern, die Greenwood benutzt, und die man als Hörer auch ganz sinnlich-primitiv, wie den Geschmack eines Essens wahrnehmen kann. Das, was dadurch an Inhalten, Ideen oder Emotionen transportiert wird (also das Sekundäre), ist bei solchem Hör(!)genuss manchmal fast nur noch ein Bonus für mich... ;) 

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vor 10 Minuten schrieb Sebastian Schwittay:

Was ich aber mindestens genauso wichtig finde wie das Emotionale ist der Aspekt des Klangsinnlichen. Wieso begreifen wir Musik denn immer nur als Medium und Transportmittel, das uns etwas übermitteln muss, wie ein Postbote? Die Emotion ist ja letztendlich nur etwas, was Musik transportiert, es ist nicht die Musik selbst. Wieso erfreuen wir uns nicht genauso sehr am Sinnlichen des Klanges und der Klangkombinationen? Der wunderschöne Klang der Bratsche, der Harfe, der Streicherwolken, der Hämmer, die die Klaviersaiten anschlagen... Oder auch an der Schönheit von Harmonik als solcher, an den speziellen Tonleitern, die Greenwood benutzt, und die man als Hörer auch ganz sinnlich-primitiv, wie den Geschmack eines Essens wahrnehmen kann. Das, was dadurch an Inhalten, Ideen oder Emotionen transportiert wird (also das Sekundäre), ist bei solchem Hör(!)genuss manchmal fast nur noch ein Bonus für mich... ;) 

ich fokussiere mich auf den klang eher bei horror und thrillerscores, weil die mich emotional gar nicht beeinflussen. da lenken mich auch keine themen ab, wenn dann überhaupt welche da sind. bei diesen scores sind ausschließlich die genutzten mittel und ihr zusammenspiel für mich interessant.

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Dann nimm' PHANTOM THREAD doch als Score zu einem Horrorfilm wahr, wenn dir das hilft. Ist ja auch nix Verwerfliches dran - in den 70ern hätte ein Horrorfilm vielleicht sogar so einen Score bekommen. ;) (Wenn man die Tracks 1, 2, 6, 7, 9, 11 und 12 nimmt, hat man ja in der Gesamtstimmung schon was ziemlich Grusliges zusammen.)

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Greenwood entwickelt sich langsam zu einem Trend außerhalb des Soundtrack Boards ;)
 

Zitat

 

Gespräch zur Filmmusik von "Der seidene Faden"

Der neue Film mit Daniel Day-Lewis "Der seidene Faden" ist gerade in den deutschen Kinos zu sehen. Über den Soundtrack oder den "Score" - so heißt es korrekter Weise, also die Musik, die zum Bild geschrieben wurde - spricht Philipp Cavert mit Robert Hauspurg aus der NDR Kultur Musikredaktion, der die Arbeit von Radiohead-Gitarrist Jonny Greenwood ganz bemerkenswert findet.

Die Musik zu "Der seidene Faden" ist von Jonny Greenwood. Was ist das für ein Komponist?

Robert Hauspurg: Greenwood ist keiner aus der ersten Reihe der Filmkomponisten. Gerade mal 8 Filmmusiken hat er bisher geschrieben, das ist im Vergleich zu Alexandre Desplat oder John Williams ja fast nicht der Rede wert. Aber er kommt auch aus einem ganz anderen Bereich: Jonny Greenwood ist nämlich der Gitarrist der Rock-Band Radiohead, seit Mitte der 90er Jahre weltweit erfolgreich und Kritiker-Liebling! So ist er berühmt geworden: Als prägende Figur für den speziellen und besonderen Sound dieser Band. Filmmusik ist für ihn eher ein Nebenprojekt, wenn man so will.

Ein Rock-Gitarrist, der auch im Bereich der Neuen Musik aktiv ist, der auch für Orchester schreibt - das ist schon außergewöhnlich, oder?

Viele können das nicht, aber es sind gerade die kreativen Soundtüftler aus Bands wie Radiohead, die so vielseitige Fähigkeiten haben und dann auch eigene, unübliche Ansätze finden. Bryce Dessner von der Band "The National" ist auch so einer, eben nicht der Frontmann, sondern der Gitarrist, der ein bisschen im Hintergrund wirkt. Und solche Ausnahmekünstler werden dann auch in beiden Welten ernst genommen und geschätzt. Jonny Greenwood hat zum Beispiel auch schon mit Krzysztof Penderecki zusammen gearbeitet.

Und was für einen Sound hat er sich für "Der seidene Faden" ausgedacht?

Er hat den Titel sehr ernst genommen! "Seidener Faden" - Streichquartett und Klavier dominieren diesen Score. Das Klavier klingt ganz gedämpft, es hat kaum Höhen, mit Filz auf den Saiten gespielt. Das klingt teilweise so, als ob es im Nebenraum steht und man an der Tür lauscht. Dazu die Streicher, die auch eine dunkle Betonung haben, sehr kammermusikalisch ist das alles. In einem kleinen Raum aufgenommen, kein Hall, der unsauberes kaschiert - ein sehr direkter, fast nackter Klang ist das über weite Strecken. Wie der Titel das vorgibt: eine sehr fragile Musik. Die auch oft den Charme des Unperfekten hat.

Es wird also bewusst manchmal etwas schräg intoniert?

Auf jeden Fall wird sehr bewusst der sensible Charakter der Hauptfigur, der Modedesigner Reynolds Woodcock, vertont. Und mit dem London Contemporary Orchestra hat Greenwood da auch ein Ensemble für die Aufnahmen gewählt, das auf Neue Musik und auf Filmmusikaufnahmen spezialisiert ist und offen für solche Klang-Ideen ist. Wenn dann mal die Solo-Violine gegen das Orchester ankämpft, klingt das ohne Bild dazu vielleicht ein bisschen schräg, aber man kann sich vorstellen, was so ein Klang bewirken kann, wenn man dabei an Daniel Day-Lewis denkt.

Das ist wirklich ein großer Unterschied zur Filmmusik von Hans Zimmer oder Alexandre Desplat. Was unterscheidet diese Musik von Jonny Greenwood von den "üblichen Verdächtigen"?

Das ist kein bombastischer Soundtrack, sondern ein rein akustischer. Keine Synthesizer, die unterstützen, wie es zum Beispiel Hans Zimmer oft macht. Das führt zu dieser fragilen Wirkung. Die Musik ist kammermusikalisch gedacht und sehr bewusst auch so aufgenommen, wie sie klingt. Da wurde nichts im Nachhinein noch dazu produziert. Und das ist mit Sicherheit auch eine analoge Produktion, auf Tonband, es klingt auf jeden Fall so.

Welches Stück hören wir jetzt aus diesem Soundtrack?

"House of Woodcock", das ist der kitschige Hit auf diesem Album. Der vertont quasi das Albumcover: diesen nachdenklichen Daniel Day-Lewis, das Kinn auf die Hand gestützt, sinnierend. Und ja, das ist kitschig, aber eben überhaupt nicht so glanzvoll produziert, kein 100-Mann-Streichorchester, das mit Dämpfer spielt, das hat eben nicht diesen Hollywood-Schmelz. Da ist so ein interessanter Zwiespalt zwischen Arrangement und Klang. Und immer kurz bevor es zu heftig wird, zu kitschig, gibt es kleine Unterbrechungen und Unebenheiten. Ein plötzliches Staccato was den großen Bogen verhindert. Das ist ein spätromantischer Touch, der erinnert sehr an Rachmaninows 2. Klavierkonzert.

Das Gespräch führte Philipp Cavert.
Quelle: https://www.ndr.de/kultur/musik/Jonny-Greenwoods-Score-zu-Der-seidene-Faden,derseidenefadenscore100.html

 

 

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Jonny Greenwood ist nämlich der Gitarrist der Rock-Band Radiohead, seit Mitte der 90er Jahre weltweit erfolgreich und Kritiker-Liebling!

nie vorher von dem mann (außer hier im forum) oder dieser band gehört, gelesen, erfahren.

kein wunder, daß der mann nix mit großem orchester (insbesondere blechbläsern) in seinen scores am hut hat! einmal saite (gitarre) immer saite (streichorchester). 

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vor 15 Minuten schrieb bimbamdingdong:

nie vorher von dem mann (außer hier im forum) oder dieser band gehört, gelesen, erfahren.

kein wunder, daß der mann nix mit großem orchester (insbesondere blechbläsern) in seinen scores am hut hat! einmal saite (gitarre) immer saite (streichorchester). 

Ich vermute, weil du wohl mit Rockbands nichts am Hut hast, da du dich nicht für andere Bereiche der Musik interessierst. ;)

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vor 1 Stunde schrieb bimbamdingdong:

nie vorher von dem mann (außer hier im forum) oder dieser band gehört, gelesen, erfahren.

Das liegt dann wohl daran, dass du dich nur sehr begrenzt informierst. Greenwood ist bereits seit 2007 bekannter Filmkomponist, sein THERE WILL BE BLOOD schlug damals recht hohe Wellen - mit NORWEGIAN WOOD, THE MASTER und INHERENT VICE folgten dann weitere größere Filmmusiken, die ich dir im Übrigen auch letztes Jahr in einem anderen Thread vorgestellt habe. Gerade in NORWEGIAN WOOD benutzt er auch das ganze Orchester, nicht nur die Streicher - ein Stück daraus hatte ich dir damals verlinkt, aber das hast du bestimmt schon wieder vergessen...

Ich finde es im Übrigen richtig ärgerlich, wie respektlos du hier in Threads hineinpolterst, dich mit Unwissenheit regelrecht brüstest, und die Bemühungen anderer, sich ernsthaft und nicht polemisch mit einer Musik auseinanderzusetzen, förmlich mit Füßen trittst. Dieses unsensible, proletenhafte Auftreten nervt mich (und übrigens auch andere!) mittlerweile gewaltig. 

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vor 2 Stunden schrieb bimbamdingdong:

nie vorher von dem mann (außer hier im forum) oder dieser band gehört, gelesen, erfahren.

Na ja... also Radiohead sollte man schon einfach mal gehört haben, selbst wenn man nix mit "Rockmusik oder Bands" zu tun hat. Ein wenig über den Tellerrand schauen, schadet ja bekanntlich nie.

Zitat

kein wunder, daß der mann nix mit großem orchester (insbesondere blechbläsern) in seinen scores am hut hat!

Als ob das irgendein Qualitätsmerkmal wäre?

vor 2 Stunden schrieb bimbamdingdong:

einmal saite (gitarre) immer saite (streichorchester). 

What?!

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Am 3.2.2018 um 10:35 schrieb Lars Potreck:

ich gebe sebastian aber vollkommen recht, dass greenwood damit an die goldene zeit der filmmusik anknüpft. die war dahingehend nämlich auch schon so. wenn der mann die frau ruckartig an sich ranzieht, sich beide hölzern spielend anschauen und sich einen schmalzigen dialog liefern wurde genau solche musik gespielt. nur weder die szenen noch die musik konnten in den meisten fällen glaubwürdige emotionen transportieren.

Tut mir Leid, wenn ich hier einhake, aber zeigt sich wieder ein viel zu schwarzweißes Bild vom "alten Kino", dem man hier entgegenwirken muss. Natürlich gibt es Filme, in denen es hölzern gespielte Liebesszenen gibt, aber das ist ebensowenig wie das Tempo ("Film wird immer schneller...") an eine bestimmte Zeit gebunden. Natürlich gibt es ästheitsch vorherrschende Strömungen, aber ob Leute hölzern spielen oder nicht, ist auch der Spielleitung des Regisseurs geschuldet. Ingrid Bergmann spielt in CASABLANCA furchtbar hölzern und wenn sie Bogart mit einer Pistole bedroht, will bei mir nie Spannung aufkommen. Ganz anders agiert sie aber unter Hitchcock in SPELLBOUND oder in DIE VIER GESELLEN, wo man sie Deutsch sprechen hören kann...

Eine Liebesszene in VOM WINDER VERWEHT ist eine andere Liebesszene als eine aus ROBIN HOOD, obwohl beide im selben Jahr entstanden sind. Und dass in solchen Szenen "immer so eine Musik gespielt wurde", ist ebenfalls viel zu schnell abgeurteilt. Zahlreiche Golden-Age-Filme zeichnen sich ja gerade aus unterschiedlichen Gründen durch einen spärlichen Musikeinsatz aus. Deswegen können Intrada, FSM und BYU ja auch häufig mehrere Filmmusiken aus dem Golden Age auf eine CD pressen, weil sie eben nicht so lang sind.

Viele Liebesszenen des Weimarer Kinos, des amerikanischen Golden Ages sind unglaubwürdig, überästhetisiert, verkitscht - aber das sind sie im heutigen Kino auch noch. Ich wage zu bewzeifeln, dass sich das Gefühl der Liebe, des Augenblicks des Kusses im letzten Jahrhundert von der Wahrnehmung im richtigen Leben stark geändert hat. Im Kino wurden diese Momente ästhetisch unterschiedlich inszeniert - nicht nur in verschiedenen Jahrzehnten, sondern auch in parallel zueinander entstandenen Filmen. Die unterschiedlichen Gründe kann und will ich hier nicht ausbreiten. Klar ist nur, dass Leute höchstwahrscheinlich selten "so empfunden haben" wie Scalett und Rhett es uns in VOM WINDER VERWEHT glauben machen. Aber ich muss ehrlich sagen: Ich empfinde derartige Momente auch nicht entsprechend der aktuellen Darstellung in FLUCH DER KARIBIK 5 oder TRANSFORMERS 2 - und die sind mindestens so hölzern wie in CASABLANCA. Man muss auch die entsprechenden Produkte als das sehen was sie waren oder eben sind: Dumme Melodramen gab es damals wie es heute auch dumme romantische Komödien mit Amanda Seyfried gibt und auf beiden Seiten liefert man sich schmalzige Dialoge. Und es ist ja nicht so, dass heute Liebesszenen stets mit ganz behutsamer Musik vertont würden...

Ich finde also, man sollte viel weniger auf die Entstehungszeit eines Films achten als auf den Film und seine Machart und Wirkung selbst. Es gab immer schlechte, gute, akzeptable, mittelmäßige und hervorragende Filme. Es gab Golden-Age-Reisseure und Autoren, die hervorragende Liebesszenen schreiben und inszenieren konnten (dazu zähle ich jetzt beispielsweise die Abschiedsszene im ersten Akt von BEN-HUR), und solche, bei denen das misslungen ist. Was uns individuell anspricht, liegt an unseren eigenen Vorlieben, auch der aktuellen Stimmung, in der wir uns befinden etc. Also bitte weg von solch billigen Pauschalurteilen hin zur individuellen Betrachtung!

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Am 6.2.2018 um 19:00 schrieb Mephisto:

Ich finde also, man sollte viel weniger auf die Entstehungszeit eines Films achten als auf den Film und seine Machart und Wirkung selbst. Es gab immer schlechte, gute, akzeptable, mittelmäßige und hervorragende Filme. [...] Also bitte weg von solch billigen Pauschalurteilen hin zur individuellen Betrachtung!

Möchte ich nochmal unterstreichen. Wenn ich mir die 50er anschaue, finde ich z.B. einiges von Richard Fleischer emotional viel wahrhaftiger und packender als vergleichbare Genrefilme heutzutage. Bei John Frankenheimer sieht es ähnlich aus. Leider reden uns nun mal die Filmkanons ein, eher einen hölzernen, emotional vielleicht weniger glaubwürdigen Film von Hitchcock kennen zu müssen als z.B. Fleischers VIOLENT SATURDAY oder Frankenheimers ALL FALL DOWN. Diesen Klischeebildern ist nur entgegenzuwirken, indem man möglichst viel schaut - und Filmgeschichte nicht als etwas homogenes, sondern als etwas pluralistisches begreift, das ständig von Gegensätzen und Reibungen geprägt ist. 

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Das kommt immer ganz auf den jeweiligen Score an. Bei PHANTOM THREAD sind Track 4-7 alle im gleichen, meditativen Charakter; das Album stockt - deswegen habe ich Track 4 gestrichen, und Track 6 (den ich für ein Herausstreichen zu interessant fand) eher ans Ende gestellt, als Ruhepol zwischen "House of Woodcock" und "Barbara Rose". Bei Track 9, "Never Cursed", stockt es schon wieder, deswegen habe ich den komplett rausgelassen, der ließ sich auch an anderer Stelle nicht ordentlich einfügen. 

Außerdem ergab das Streichen von Track 4 einen schönen Anschluss von Track 3 zu Track 5, die beide im 5/4-Takt stehen und damit - trotz unterschiedlicher Stimmung - musikalisch verwandt sind (siehe Track-by-Track-Beschreibung). 

Was ich aber noch interessanter fände: wie findest du den Score denn? Hast dich noch gar nicht dazu geäußert, glaube ich...

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vor 6 Stunden schrieb TheRealNeo:

Mich erinnert der Score zuweilen ja auch, mache mich für die Steinigung bereit, an Alexandre Desplat. :D

Da gibt es tatsächlich Überschneidungspunkte. Zum einen den Minimalismus, zum anderen das Luxuriös-Elegante in "House of Woodcock", das einem period-piece-Desplat à la CHÉRI oder COCO AVANT CHANEL nicht ganz unähnlich ist. 

Der Unterschied ist, dass Greenwoods Zugang noch etwas stärker von der Ästhetik der zeitgenössischen klassischen Musik geprägt ist, Desplat dagegen eher vom Bereich der Salon-, Variété- und gehobenen Unterhaltungsmusik, was es letztlich auch filmmusik-typischer macht. 

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