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Geschrieben
vor 16 Stunden schrieb Stefan Schlegel:

Die Spannung löst sich nun endlich, denn hier unten wäre mein Pressetext für Carlo Savina´s Score zum Melodram AMORE MIO von 1964. Die CD erscheint am 31.10. bei Saimel und ist dort auch bereits vorbestellbar:
https://rosebudbandasonora.com/catalog/product_info.php?products_id=27338

 

Gibts denn Ausschnitte zum Reinhören irgendwo?

Geschrieben

Nein, es gibt im Netz leider nirgendwo Ausschnitte zum Reinhören. So gut wie niemand kennt den Film oder die Musik. Die CAM CML-LP von 1964 dürften meiner langjährigen Erfahrung nach auch nur eine Handvoll Filmmusiksammler weltweit besitzen. Insofern ist es natürlich äußerst schwierig, diesen Score überhaupt zu vermarkten, zumal er auch das übliche Fanpublikum nicht bedient. Außer uns jetzt bei Saimel würde den auch nie im Leben jemand bringen - das ist völlig klar.
Den Film selbst gibts nicht mal offiziell auf Video oder DVD in Italien und ich habe auch nur über einen Privatmann einen Mitschnitt von einer italienischen TV-Ausstrahlung vor Jahren in bescheidener Qualität erhalten, um überhaupt die Liner Notes schreiben zu können.
DIe alte LP kenne ich allerdings sehr gut seit mehr als 20 Jahren und war deshalb immer schon sehr angetan von dieser hochromantischen Musik. Es gibt übrigens auch ein paar Mal ein recht deutliches Rózsa-Zitat aus SPELLBOUND in dem Score und man merkt, daß Savina ein paar Jahre davor mit Rózsa zusammengearbeitet hatte.
Insgesamt fast eher ein Golden Age-Score, den man so in dieser Art und derart melodisch inspiriert von Savina doch selten zu hören bekommt. Frank Skinners Melodramen-Musik aus den 50ern mag anklingen, vielleicht ein wenig Warschauer Konzert von Addinsell in den Klavierkonzert-Passagen, aber alles schon in ganz stark italienisch gefärbter Gangart.
Ich habe Juan Angel empfohlen, er soll wenigstens mal ein paar Hörclips auf seiner Rosebud-Seite hochladen, denn sonst kauft die CD einfach so gut wie niemand, da keiner was damit anfangen kann. Ich hoffe, daß er es mach, denn der Ankündigungstext allein reicht hier nicht aus, zumal der Film dazuhin aus keinem der unter Sammlern italienischer Soundtracks populären Genres stammt.

Bei Bedarf kann ich Dir auch ein paar Tracks privat schicken. Interesse daran?

Geschrieben

Hörproben wären echt super, denn wenn es sich nicht um die üblichen Italo-Genres (Peplum, Western, Historie) handelt, vermutet man hinter einigen Covern fälschlicherweise poppige "Impro-Musik" einer kleinen Combo. Da sind ausführliche Beschreibungen und Hörproben schon sehr hilfreich.

Geschrieben
Am 6.10.2019 um 13:35 schrieb Stefan Schlegel:

Bei Bedarf kann ich Dir auch ein paar Tracks privat schicken. Interesse daran?

Danke dir für die Tracks! Schöne Musik, auch typisch für die Zeit, würde ich sagen. Melancholisches Euro-Thema mit halligen Streichern. Golden-Age-Bezüge sind zwar da, wären mir aber gar nicht so aufgefallen. Schade, dass ein Gutteil in Mono ist. Der Wechsel ins Stereobild (Searching for Mirella) ist dann jedenfalls der Hammer, die Aufnahme ist viel trockener, mit plastischem Panning, das Stück selber nimmt ein bisschen die Barock-Figuren eines Philipp Sardes vorweg (mal so dahinfabuliert). Oder vielleicht hat Morricone in der Zeit auch schon Vergleichbares geliefert.

Und nach mehrmaligem Anhören: Ja, das Thema ist wirklich schön! Begleitet einen auch nach dem Hören.

Geschrieben

Danke für Deine netten Ausführungen. Die kompletten Bändern existieren in Sugar´s CAM-Archiv nur in Mono, es ist also auch der Track "Searching for Mirella" (bzw. die "Fuga Drammatica" der LP) in Mono. Das mag durch das Solo-Klavier ein wenig täuschen, aber es ist nicht in Stereo.
Generell ist es bei den CAM-Masterbändern so, daß die bis ca. 1965 fast immer nur in Mono erhalten sind. CAM selbst hat damals auch immer nur Mono-LPs veröffentlicht. Erst ab etwa 1967 kamen dort die ersten Stereo-Alben in der CAM-SAG-Reihe heraus.

Eine ganz witzige Anekdote noch zu AMORE MIO: Vor knapp zwei Jahren hat mal jemand in John Bender´s "Retro Euro Cult Film Score Society"-Facebook-Gruppe, wo wirtklich ein paar Hundert Fans europäischer, vor allem italienischer,  Filmmusik der 60er und 70er versammelt sind, den Main Title von AMORE MIO als "mystery track" gepostet, weil er das von jemandem erhalten und keine Ahnung hatte, um was es sich dabei handelt. Erstens konnte den Track keiner in der ganzen Gruppe überhaupt identifizieren, zweitens liefen fast alle Kommentare dann darauf raus, es könne es sich dabei bestimmt nicht um einen italienischen Score aus den 60ern handeln, denn dafür sei das viel zu altmodisch und dem Golden Age verhaftet. Es müsse daher eher was aus den 50ern sein, vielleicht sogar was Amerikanisches.
So kanns also auch gehen. :)
Mir ist aber auch schon klar, wieso es zu solchen Kommentaren kommt: Für 1964 ist diese Musik zu ausladend und schwelgend, der Einsatz der üppigen Streicher wirkt sicher altmodisch, auch mit dem Bezug zu spätromantischen Klavierkonzerten. Das ist natürlich ganz und gar nicht das, was bei Verehrern des italienischen Silver Age normalerweise ankommt. Denn 1964 war schon auch eine enorme Wendemarke in der europäischen Filmmusik, wo stark Lounge Music, Pop und Jazz auch oft mit kleineren Ensembles Einzug bei Gegenwartsstoffen gehalten haben. Auch Savina selbst hat um 1964 herum außer bei den historischen Filmen überwiegend Jazz und Easy Listening komponiert. Deshalb ist AMORE MIO bei seinen Scores aus der Zeit schon auch eine gewisse Ausnahme - eher zu einem Großteil mit Rückbezug auf sinfonisch ausgearbeitete Melodramen-Musik der 50er wie wir sie z.B. bei Saimel mit Renzo Rossellini´s DIFENDO IL MIO AMORE von 1956 vor ein paar Jahren veröffentlicht haben.

Es gibt jetzt übrigens auch Hörclips für alle auf der Rosebud-Webseite:
https://rosebudbandasonora.com/catalog/product_info.php?products_id=27338&language=es

 

Geschrieben

Aber ein Score wie LES CHOSES DE LA VIE (1968) ist doch stilistisch gar nicht so weit weg?

Und seltsam, ich hätte schwören können, "Searching for Mirella" ist eine Stereo-Aufnahme. Egal, so oder so ein schönes Stück.

Geschrieben

In der Tat sehr schön, der ausladend romantische Ansatz ist hier in der Tat überraschend. Zumindest bei einem Track mit dem Titel "Motorboating on the Lake" erwartet man ja schon fast automatisch zeitgenössische Pop- oder Jazz-Einflüsse. :D Kommt auf die Liste.

Geschrieben
vor 27 Minuten schrieb Max Liebermann:

Aber ein Score wie LES CHOSES DE LA VIE (1968) ist doch stilistisch gar nicht so weit weg?

Ehrlich gesagt wäre mir Sarde als Vergleich hier nie in den Sinn gekommen. Ist für mich schon ein ganz anderer Klangkosmos. Denn die Melodieführung ist bei AMORE MIO so ausgesprochen italienisch und nicht französisch gefärbt, daß für mich Sarde schon weit weg ist.
Bei der angesprochenen Verfolgungsjagd mit den scharfen rhythmischen Akzenten, wo es durchaus mal recht kantig zugeht, höre ich eher leichte Anlehnungen an Rózsa´s Film Noir-Scores heraus. Zudem Savina im Mittelteil von Track 6 "Nora´s Confession" (und auch noch in Track 11 auf der CD) recht eindeutig das Motiv aus der berühmten Rasiermesser-Szene von Rózsa´s SPELLBOUND kurz zitiert. Macht im Filmzusammnehang selbst auch durchaus Sinn.
 

Geschrieben
Am 1.10.2019 um 03:01 schrieb scorefun:

Na, das hier ist doch mal wieder voll nach meinem Geschmack ?

Joseba Beristain - Elcano & Magallanes: La primera vuelta al mundo
conducted by Fernando Velazque

Spritziger Orchesterscore

 

Ja sehr nett, mit dem Chor und so... Spanier könnens halt

  • 2 Wochen später...
Geschrieben

Am 25.11. erscheint bei Saimel wieder ein Carlo Rustichelli-Titel - und zwar SETTE CONTRO LA MORTE (THE CAVERN) von 1964, der in Deutschland unter dem Titel NEUNZIG NÄCHTE UND EIN TAG lief.

image.png.ccac84f81d4317bff22ab96d92fb39b3.png

Hier mein englischer Pressetext:

Saimel Records proudly presents on this CD the complete original score by Carlo Rustichelli for the 1964 anti-war dama SETTE CONTRO LA MORTE (THE CAVERN) which was an Italian-German-American co-production starring a row of international actors from various countries: John Saxon, Rosanna Schiaffino, Larry Hagman, Peter Marshall, Nino Castelnuovo, Brian Aherne and Hans von Borsody. This was the last film of celebrated Austrian émigré director Edgar G. Ulmer who above all during the 1930s and 1940s had become known as “King of the Bs” in the USA and is nowadays primarily appreciated for his horror movie THE BLACK CAT from 1934 (with Boris Karloff and Bela Lugosi) and for his somber film noir classic DETOUR from 1945.

SETTE CONTRO LA MORTE was based on an idea which Ulmer had already had for many years – a group of soldiers of varying nationalities and allegiances who get entombed in a cave for several months during WWII – and premiered in Italy and Germany in 1964 whereas the slightly altered US version The Cavern appeared one year later in 1965 and also contained some additional music written by the American jazz composer Gene DiNovi (which of course is not on our CD).

The setting at the beginning of the film is Italy in September 1944 when WWII has not quite run its course: An aerial bombardement forces seven people (six men and one woman) of different nationalities and with different political views to take refuge in a deep mountain cave where they are soon trapped by an explosion which blows up the entrance. Despite all animosities, they try to cooperate with each other, but all attempts in trying to find a way out are doomed to failure.and the tensions increase ever more, also due of course to the presence of the woman Anna.

In 1964 Carlo Rustichelli was one of the busiest film composers in Italy and he was at the peak of his career with more than 20 film assignments for all kinds of genres by the end of that year. Despite all this hectic activity, he wrote most of his scores and also those for smaller productions with so much dedication and passion that his melodic inspiration almost never ceased. A case in point is SETTE CONTRO LA MORTE where his full-blooded symphonic music supports and enhances the picture with all the emotional power it needs. At the time of the film´s release in 1964 CAM had issued a nowadays top-rare 45rpm EP (CAM CEP.45-122) of Rustichelli´s score with just five tracks. Oddly enough, several of the most important cues of the complete score were not included on this EP – the most blatant example is the Main Title which contains a full statement of the sweeping llove theme which with its melodic beauty is so typical of the composer´s inimitable style. It forms one of the main ingredients of the score as well as a nostalgic and poignant harmonica tune heard for the first time when the seven refugees bid good night to each other in their respective languages.
The dramatic part of the score is filled with suspense cues for piano, saxophone and percussion with a bolero-like rhythm and an incisive dramatic theme which gets fully developed and reaches almost operatic Wagnerian dimensions in the brilliant underscoring of the long sequence in which the Canadian soldier drowns in the underground river.

For many soundtrack fans SETTE CONTRO LA MORTE may be a largely forgotten film score nowadays, but it is another example of the immense melodic and dramatic talent of Carlo Rustichelli and worthy to be appreciated on this new CD.

The CD will be available on November 25th at Rosebud in Spain and can now be pre-ordered there and also soon at SAE.
Here the track listing of the CD:
https://rosebudbandasonora.com/catalog/product_info.php?products_id=27642&osCsid=7381a5b1137eb6ad778638f0c2158c70

  • Like 1
Geschrieben
vor 4 Stunden schrieb Oliver79:

Bei Quartet Records sind gestern neue CDs von Nino Rota, Giuliano Sorgini sowie Angelo Francesco Lavagnino und Piero Umiliani erschienen.

Es ist schon ein bißchen ärgerlich, daß Quartet beim Tracklisting von SCUSI LEI CONOSCE IL SESSO? nicht mal angibt, welche Tracks von wem komponiert wurden. Dabei wäre das nun wirklich nicht so schwierig gewesen, da Lavagnino und Umiliani nicht zusammen komponiert haben, sondern jeder Stücke in seinem ganz eigenen Stil beigesteuert hat. Jeder der beiden Komponisten hatte an 1968 deshalb auch seine eigenen Recording Sessions.
Für mich wäre das Ganze überhaupt kein Problem gewesen, ein Sternchen dahinter zu setzen und damit kenntlich zu machen: Der Track ist von dem und der von dem. Aber nicht einfach für den, der sich nicht auskennt, nun alles vermischen. In dem Fall hätte ich es auch besser gefunden, die Tracks von Lavagnino und die von Umiliani jeweils für sich sequenziert auf der CD zu bringen, denn die Stücke der beiden haben eigentlich nichts miteinander zu tun und liegen musikalisch schon ziemlich weit auseinander.

Hier z.B. Track 11 der CD von Lavagnino, den es so schon mal auf einem CAM-Sampler gab (im Finale-Track 19 der CD gibts dann nochmals eine fast  gleichlange Variante davon mit mehr Orgel und Chor).
Ein Hochgenuß für jeden Romantiker:

SUNSET SUNRISE von Rota ist natürlich auch eine ganz große Überraschung nach der alten enttäuschenden Japan-LP aus den 70ern, die fast nur Dialoge enthielt. Wer hätte gedacht, daß die originalen Musik-Tracks dort auch noch überlebt haben?

  • Like 1
Geschrieben

Schön. Aber es ist das einzige Thema in dieser Art auf der CD?  Den Hörbeispielen nach handelt es sich sonst um  Easy Listening der eher uninteressanten Art.

SUNSET SUNRISE sagt mir garnichts. Ist von dem neuen Quartet-Satz die einzige, die mich interessieren würde.

Geschrieben

Klar, die Umiliani-Stücke sind natürlich allesamt Easy Listening. Ich habe die Recording Sessions von beiden - von daher weiß ich das auch. Der Lavagnino-Anteil beläuft sich auf rund 30 Minuten und ist überwiegend sinfonisch in dem Stil, wie man ihn oben hört - also ganz anders als die Umiliani-Pop-Stücke.
Das wenn man so will popigste der Lavagnino-Tracks ist die nette Song-Variante vom obigen Hauptthema mit Lydia MacDonald - das ist bei Quartet Track 17, der auch bei den Hörclips dabei ist. Aber ich muß sagen, der Song in dieser Fassung gefällt mir auch recht gut und hat was, während die Umiliani-Tracks bei mir persönlich überhaupt nicht ankamen.

Von den Hörclips sind nur die aus Track 2, 13 und 17 von Lavagnino. Alles andere bei den Hörbeispielen stammt von Umiliani.
So wie ich das anhand vom Quartet-Tracklisting sehe, sind zudem Track 5, 11 und 19 auf jeden Fall von Lavagnino.  Es müßten noch vielleicht zwei zusätzliche dann sein, die ich erst beim Hören dann genau identifizieren kann. Also wie gesagt: Wir sprechen von rund 30 Minuten, die in einem recht einheitlichen Stil gehalten sind. Lavagnino hat praktisch die rein romantischen Abschnitte vom Film übernommen, während  Umiliani sozusagen für die damals an 1968 moderne Popkultur zuständig war. Schon genau aufgeteilt.
Das lange Lavagnino-Finale  mit 6:30 Minuten (Track 19 bei Quartet) untermalt im Film übrigens eine detailliert gefilmte Geburtsszene - sicherlich auch so ziemlich das erste Mal damals im italiensichen Kino, daß da eine richtige Geburt mitgefilmt wurde. Vermutlich, weil es ein Jahr zuvor in Deutschland ja auch schon den deutschen HELGA-Film gab, wo es das auch erstmals zu sehen gab.

Von SUNSET SUNRISE gabs auf dem tollen Nino Rota-Sampler "Musiche da Film" von 1974, der von Carlo Savina dirigiert wurde, ja das Hauptthema. Hast Du die LP nicht? Ist wirklich insgesamt höchst empfehlenswert und gibts komischerweise bis heute nicht auf CD, was schon merkwürdig ist:
https://www.discogs.com/Nino-Rota-Musiche-Da-Film/master/553521

Der Track von dieser LP ist auch auf der Quartet-CD als vorletztes Stück mit drauf, da der Score selbst mit rund 28 Minuten ja doch wohl recht kurz ist.
Die alte Japan-LP von SUNSET SUNRISE hatte ich mal vor vielen Jahren gehört. Die enthielt durchweg fast nur Dialoge aus dem Film mit ganz wenig Musikanteil. War immer schweineteuer, abver hat sich überhaupt nicht gelohnt zu kaufen.

Auf die SCUSI-CD-Veröffentlcihung habe ich wirklich schon lange gewartet, weil mir die 30 Minuten von Lavagnino sehr gut gefallen. Habe deshalb sowohl SCUSI wie SUNSET gestern gleich bestellt. :)


 

 

Geschrieben

Stefan, hast du irgendwelche Infos zu Sunset Sunrise... über den Film sind leider im Netz kaum Infos zu finden, sogar in der imdb findet sich nur ein Rumpfeintrag mit einer unvollständigen Stab-Angabe. Würde mich nur mal interessieren wie die Produzenten auf Rota als Komponisten für so ein Counter-Culture-Drama gekommen sind.

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