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Marcus Stöhr

Die Vorankündigungs-Veröffentlichungs-und-Gerüchte-Küche (Teil 2)

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Ich bekomme die Verbindung "kurariertes musikalisches Programm" - "lieblos" nicht zusammen, sorry. Die Albumschnitte von Williams und Konsorten gehen ja nicht auf Faulheit oder Nachlässigkeit zurück, sondern sind Ergebnis dramaturgischer und formaler Überlegungen, in die durchaus Mühen investiert wurden. Lieblos und nachlässig ist doch viel eher, eine Recording Session gänzlich unbearbeitet, als rohen Block auf CD zu präsentieren, oder? Ähnlich schwer nachvollziehen kann ich deine Kritik an Konzertarrangements (musikalische Form ist also nervig, really?), wie auch an Albumschnitten wie dem zu TEMPLE OF DOOM - runder und voller Highlights geht es ja kaum. 

Diese ganze Argumentation geht halt wirklich nur noch vom Film aus - leider auch typisch für diese Entwicklung hin zur reinen Fankultur. 

Und ich bekomme nicht zusammen, dass man es nicht versteht, dass manche die Musik (die originale Tonspur des Films) hören möchten ohne irgendwelche editorischen Eingriffe.

Konzertarrangements sind Kompositionen über Themen aus dem Film. Ähnlich früher den Suiten aus Bühnenmusiken. Die haben eine Form, meist ausgehend von der absoluten klassischen Musik. Da gehört das hin und das ist auch gut so. Ich habe also keinerlei Probleme mit musikalischen Formen. Ich liebe klassische Musik, arbeite auch in dem Bereich, aber eine Sinfonie ist für mich etwas anderes als eben Filmmusik. Da ist die "Form" sozusagen nicht unabhängig, nicht absolut, sondern abhängig vom Verlauf des Films. Die Komponisten haben da ja auch manchmal ganz unterschiedliche Ansätze. Extrem gegensätzliche Beispiel sind da das Mickey Mousing und John Barry, man kann dann auch noch Ennio Morricone nennen. Einen relativ hohen Mickey Mousing Anteil hat für mich z. B. dann doch John Williams, natürlich sehr gering im Vergleich zu den Cartoonmusiken.

Aber mal ehrlich, Du kannst mir doch nicht allen Ernstes weismachen, dass Du TEMPLE OF DOOM anschaust und da nichts an Musik findest, was Du gerne ohne Geschnatter und Geräusche hören würdest. Und wenn Du dann auf Dein toll kompiliertes Album schaust und wieder mal reinhörst, feststellen musst , dass höchstwahrscheinlich nur ein Fünftel Score auf dem enthalten ist. Tolle Musiken sind in diesem Film z. B. die Rettung durch die Engländer, die percussive Musik zur Hängebrückenszene (leider auch auf der Expandierung nicht drauf, war richtig ärgelich darüber), die ergreifende Musik zur Flucht des kleinen Jungen, eine Menge Actionmusik und die alternative Fassung der Ritualmusik, die ja doch noch einmal so manch anderen Aspekt dieser wohlbekannten Musik aufweist.
Und dann Williams größter Streich, das Album zu "Return of the Jedi". Sicherlich als listening Experience sehr gut geeignet und tatsächlich vielleicht sogar als Symphonische Suite (minus der beiden Songs) zu sehen und zu hören, als Original Motion Picture Album aber absolut ungenügend!
Auch bei den Prequels hat er meiner Meinung nach auch immer wieder herumgedoktort. Warum. Gerade diese wirklichen Schnipsel die er "Attack of the Clone Warriors" am Schluss uns nicht gegönnt hat, machen doch das Album nun wirklich nicht zur "Listening Experience", bei "Revenge of the Sith" war ich richtig stinkig bei einer Szene, wo wieder mal nur Sekündchen (hörbar) überflüssigerweise rausgeschnitten wurden und die einen Hauch längere Filmfassung (das Original) nun wirklich auch kompositorisch besser war. So einen albernen Schnitt gibt es auch bei "The Empire strikes back" - "Beneath the AT-AT", ein äußerst brutaler unnötiger Schnitt, nur zerstörerisch. Und ist es nicht wunderbar, dass wir endlich einmal das erste Erscheinen der imperialen Flotte hören konnten, so wie es gedacht war, und nicht das Konzertarrangement. Übrigens ich glaube, dass einzige Mal, dass ein Konzertarrangement auch im Film das Original verdrängt, jedenfalls das erste Drittel.

Und schließlich gibt es immer wieder tatsächlich Leute, die einen Soundtrack überhaupt noch nicht haben. Und dann ist es doch schön, wenn sie ihn nun wieder kaufen könnten und dann auch noch in einer, das musst auch Du zugeben, sehr schönen, aufwendigen, zumeist kompletten Ausgabe. Was ich aber eingestehen muss ist, dass oftmals das neue Mastering nicht an das der Original Sundtrack Alben heranreicht. Siehe hier "Jurassic Park" und "Temple Of Doom" (da ist die Platte aller erste Sahne!).

Und mit reiner Fankultur hat das wenig zusammen. Die Hardcorefans (z. B. die, die sich als Klingone verkleiden und zu amerikanischen Conventions pilgern) kennen oftmals gar nicht die Komponisten ihrer Lieblingserien/filme. Ich kenne da ein paar von, die haben nicht einmal den Original Albumschnitt von Goldsmiths "Star Trek - The Motion Picture"!

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vor 5 Stunden schrieb Spark:

Und ich bekomme nicht zusammen, dass man es nicht versteht, dass manche die Musik (die originale Tonspur des Films) hören möchten ohne irgendwelche editorischen Eingriffe.

Doch, ich verstehe das. Ich finde es nur schade, dass diese Leute heutzutage den Markt diktieren. Kaum eine aktuelle Filmmusik kommt heutzutage noch in Form eines schön gemachten, gut fließenden Albumschnitts heraus - nur noch randvolle 79-Minüter (oder noch viel mehr, siehe BLACK PANTHER oder GODZILLA: KING OF MONSTERS). Mich verprellt das, und es führt dazu, dass ich mir kaum noch aktuelle Filmmusik anhöre. Einfach weil ich keine Lust habe, mich durch diese lieblos präsentierten Massen zu wühlen. 

Gegen Studienausgaben älterer Scores, die Komplett- und Albumfassung nebeneinander präsentieren, habe ich per se überhaupt nichts. 

vor 5 Stunden schrieb Spark:

Da ist die "Form" sozusagen nicht unabhängig, nicht absolut, sondern abhängig vom Verlauf des Films. 

Trotzdem sind Musik und Film unterschiedliche Kunstformen mit unterschiedlichen formalen und ästhetischen Gestaltungsprinzipien. Es ist entweder reines Glück, oder einem herausragenden Musikkonzept geschuldet, wenn eine komplette Filmmusik, die als eigenständiges Werk, losgelöst vom Film gehört wird (und nicht als reines Film-Souvenir!) gut funktioniert. Beispiele dafür wären Goldsmiths ALIEN oder Norths CLEOPATRA. Da arbeitet sich die Musik durchgehend voran und jeder Track ist ein Baustein dieser Entwicklung. Bei THE LAST BOY SCOUT von Kamen oder SPEED 2 von Mancina (um zwei La-La Land-Komplettpräsentationen zu nennen, die ich kürzlich wieder gehört habe, und die ich in dieser Form sehr zäh und dramaturgisch unbefriedigend finde) ist so etwas nicht der Fall. Die brauchen den formalen Schliff unbedingt. 

vor 5 Stunden schrieb Spark:

Aber mal ehrlich, Du kannst mir doch nicht allen Ernstes weismachen, dass Du TEMPLE OF DOOM anschaust und da nichts an Musik findest, was Du gerne ohne Geschnatter und Geräusche hören würdest. Und wenn Du dann auf Dein toll kompiliertes Album schaust und wieder mal reinhörst, feststellen musst , dass höchstwahrscheinlich nur ein Fünftel Score auf dem enthalten ist. 

Als Extra sicher gerne, aber die 40-minütige Auswahl auf dem Album enthält in der Tat die formal und kompositorisch besten Tracks des Scores. Ich hatte nie ein großes Bedürfnis, den wuseligen, eher bild- und schnittbezogenen "Nightclub Brawl" auf CD zu hören, ebenso wenig essentiell war für mich der kurze "British Relief" oder das Trommel-Underscoring auf der Brücke. Für all das gibt es meisterhaft durchkomponierte Stücke wie "Slalom On Mt. Humol" oder auch die "Fast Streets of Shanghai" (oder eben die Ritualmusik in "Temple of Doom", die in ihrer knackigen Steigerung strukturell auch runder ist als das eher begleitend-hintergründige Getrommel auf der Brücke). 

Ich habe beim Filmmusikhören eben selten den genauen Ablauf eines Films im Kopf (wenn ich überhaupt an ihn denke...), sondern ich konzentriere mich rein auf die Musik, ihre Instrumentierung, ihre Strukturen und Klangfarben. Ich erinnere mich, dass ich mich als 12-Jähriger auch geärgert habe, dass die Soundtrack-CDs von EVENT HORIZON und IN DREAMS ganz anders strukturiert waren als die Musik im Film (keine chronologische Sequenzierung, teilweise andere Instrumentierungen, etc.), aber ich habe das dann sehr schnell als Pluspunkt begriffen, da es die Musik bereichert, ihr noch mehr Farbe und Struktur gegeben hat. Im Falle von EVENT HORIZON ergaben sich gerade aus den Überlagerungen von Kamens Orchester-Attacken mit den Elektro-Rhythmen Orbitals extrem spannende und vielschichtige Reibungen, die man so gar nicht im Film hört. In IN DREAMS fehlen im Film sämtliche Saxophon-Overdubs, etwa in "Rubber Room Stomp". Und mein Lieblingstrack des Scores, "Appellatron", ist überhaupt nicht im Film...

vor 5 Stunden schrieb Spark:

Und schließlich gibt es immer wieder tatsächlich Leute, die einen Soundtrack überhaupt noch nicht haben. Und dann ist es doch schön, wenn sie ihn nun wieder kaufen könnten und dann auch noch in einer, das musst auch Du zugeben, sehr schönen, aufwendigen, zumeist kompletten Ausgabe.

Wie gesagt: immer gerne, wenn auch der Albumschnitt dabei ist (am besten ohne neues Mastering, wenn die alten Alben klanglich schon optimal waren). 

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